Wolf Haas, Die Verteidigung der Missionarsstellung

Missionarsstellung

Bild: pixabay.com/Olessya

 

Wolf Haas pflegt in seinem Buch Die Verteidigung der Missionarsstellung einen etwas befremdlichen Erzählstil …

Klappentext:

„Als ich mich das erste Mal verliebte, war ich in England, und da ist die Rinderseuche ausgebrochen. Als ich mich das zweite Mal verliebte, war ich in China, und da ist die Vogelgrippe ausgebrochen. Und drei Jahre später war ich das erste registrierte Opfer der Schweinegrippe. Sollte ich je wieder Symptome von Verliebtheit zeigen, musst du sofort die Gesundheitspolizei verständigen, versprich mir das.“
Gegen das Verlieben kämpft Benjamin Lee Baumgartner einen aussichtslosen Kampf. Diese Seuche bringt ihn um den Verstand. Mit Kopfverdrehen fängt es an. Mit Gehirnerweichung geht es weiter. Und das Schlimmste daran: Der Patient infiziert auch noch seinen Autor. Vorsicht, höchste Ansteckungsgefahr!

Ein bekennender Brenner-Fan

Die Leserin, bekennender Fan der Figur „Brenner“, die mehrere Bände lang der Feder Wolf Haas‘ entströmte, freute sich wie eine Schneekönigin, als sie o.g. Buch endlich aufschlagen durfte.

Und dann … basses Erstaunen ob des befremdlichen Erzählsstils des bisher heißverehrten Autors! Ungriffige Protagonisten, in Klammern gesetzte Regieanweisungen wie: (LONDON, MEHR ATMOSPHÄRE, STRASSENLÄRM BESCHREIBEN), plötzlich so gut wie leere Buchseiten, Showeinlagen, optisch gesetzte Textblöcke bei einer Liftfahrt, chinesische Texte (?), Mätzchen und unverständliche Spielereien bis zum letzten Drittel des Buches, das sich Roman nennt.

Benjamin Lee Baumgartner, Hauptfigur und halber Indianer, von den Ausmaßen des stummen Indianers aus „Einer flog übers Kuckucksnest“ kommt endlich selbst zu Wort.
Und dann ist auch der „alte“ Haas wieder les- und spürbar mit seinem unverkennbaren Schreibstil.
Dieser letzte Teil ist wunderbar! Da weiß die Leserin endlich auch, was Sinn und Zweck der vorangegangenen Seiten ist. Daher beginnt sie nochmals bei Seite 1 und amüsiert sich wirklich.
Köstlich! Empfehlung!

Elsa Rieger



Wolf Haas, die Verteidigung der Missionarsstellung, ISBN-13: 978-3455404180

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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