Woitzig, Uwe, Die verschwundene Welt des James Barkley

Barkley Woitzig

Bild. pixabay.com/jarekgrafik

Uwe Woitzig hat sich auf etwas schlüpfriges Terrain gewagt – und ist dabei leicht ausgerutscht. Sein Buch Die verschwundene Welt des James Barkley ist durchaus lesenswert; und ein tapferes Unterfangen. Schlüpfrig ist das Terrain, weil Woitzig wild mehrere Genres mischt. Mir ist das zuviel …

Geschätzter Autor

Ich mag Uwe Woitzig. Sein Buch Hofgang im Handstand ist eine der besten Analysen unseres Turbo-Kapitalismus, die wir lesen können; einfach, weil der Autor mitten in der Geschichte steckte und Opfer und Täter zugleich war. Er berichtet von sich, seiner Luxuswelt und seiner Buße im Knast direkt, offen und unverstellt.
Das Buch berührt mich tief.

Das kann ich von James Barkley und seiner verschwundenen Welt nicht behaupten.
Doch werfen wir, ehe ich weiter herumnörgle, erst einmal einen Blick auf den Klappentext, wie er auf Amazon steht. „Eine psychodelische Reise durch Zeit und Raum. Die Ehe von Professor James Barkley und seiner Frau Karen steht auf toenernen Fuessen. Da nehmen eines Tages zwei Geistwesen Besitz von ihnen, die sich als Odysseus und Paris entpuppen, zwei der legendaeren Helden des Trojanischen Krieges. Schon wird ihr Leben komplett durcheinander gewirbelt und es beginnt ein Horrortrip.“

Woitzigs Horrortrip

Der beginnt fürwahr. Nicht, weil das Buch schlecht geschrieben wäre; im Gegenteil: Woitzig hat fleißig seine Klassiker der verwendeten Genres studiert und wendet deren Kunst- und Handgriffe gelehrig an.
Er ist durchaus in der Lage, einen atemberaubenden Plot zu konstruieren und durchzuhalten. Es ist zudem eine Geschichte, die so ziemlich alles vereint, was den geistigen Überbau unserer Zivilisation ausmacht: Von der griechischen Mythologie bis zu den spirituellen Weissagungen der nahen Zukunft.

Sauber konstruiert

Das ist starker Lesestoff, in ein sauber konstruiertes Setting gepackt.
Warum aber lässt sie mich so ratlos zurück? Das liegt einerseits an eben jenem großen Bogen – muss der Roman tatsächlich die ganze menschliche Mythologie spiegeln? Müssen der Herr Professor Barkley und sein Weib wirklich plötzlich von den Inkarnationen des Odysseus und des Paris infiltriert und beherrscht werden? Muss das Buch ein wilder Parforceritt durch die Genre Fantasy, Science Fiction, New-Age-Thriller, Esoteriker-Kompendium und finstere Logen-Geheimbündelei sein – gewürzt mit einer Prise Wissenschaft?

Das alles ist mir zu viel, ich fühle mich nach der Lektüre erschlagen. Ein wenig Bescheidenheit hätte der Geschichte gut getan. Und ein wenig Humor auch.

Woitzig, Uwe, Die verschwundene Welt des James Barkley, ISBN 978-1478382485

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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