Das ist Jan Weilers neues Leben als Mensch

Mein neues Leben als Mensch

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Tolle Familiensatiren präsentiert Jan Weiler in seinem Buch Mein neues Leben als Mensch. Alles ganz normal – oder?

Ganz normale Familie

In seinem neusten Buch entzückt der Journalist und Autor Jan Weiler erneut seine Leser – mit Geschichten aus einer ganz normalen Familie.
Wenn Jan Weiler über seine Familie schreibt, wird es lustig. Wir dürfen mitfiebern, schmunzeln und manchmal lachen  – wenn wir erleben, was bei den Weilers so alles passiert. Schließlich haben alle vier Familienmitglieder einen ausgeprägten Charakter und sind weder auf den Mund, noch auf den Kopf gefallen. Neben dem Ich-Erzähler begegnen wir wieder Ehefrau Sara, Tochter Carla und Sohn Nic.

Italienischer Schwiegervater

Natürlich ist auch Antonio Marcipane wieder dabei. Ohne Jan Weilers italienischen Schwiegervater wären die Geschichten aus dieser Familie auch nur halb so gut. Antonio ist Kult. Vor allem, weil Jan Weiler dessen Sprüche so echt rüberbringt, das man ihn schier reden hört.
Allerdings spannt Jan Weiler seine Leser bis zu Seite 84 auf die Folter, ehe es heißt „Angeln mit Antonio“. Dann aber bekommen wir sofort einen seiner unsterblichen Sätze serviert: „… nur dä Fruhwurm fangte eine Fisch.“ Dafür lohnt sich das Warten. Wie die Geschichte ausgeht? Klar, das Papa Jan auch diesmal nichts fängt, wie schon beim ersten Versuch, nachdem er bei Sohn Nick in Ungnade gefallen ist.

Der Fruhwurm fangte die Fisch

Und was macht der Fruhwurm? Eine Riesenschau. Tut so, als würde er Maiskörner an den Angelhaken befestigen – aber in Wirklichkeit lässt er den Mais in der Tasche verschwinden. Tut so, als habe er plötzlich einen Riesenfisch an der Angel und kämpft wie ein Wilder – aber Antonio kämpft wie ein Wilder mit einem Gespensterfisch, den es gar nicht gibt.
Aber Nick (7) ist am Ende doch erleichtert, dass der Opa keinen Fisch fing. Weil Antonio bewegt schildert, wie er den Fisch schlachten und seine Leber rausreißen wird.
Da ist dem kleinen Mann dann doch lieber, dass der Riesenfisch plötzlich abhaut.
Aber ein großer Spaß war es doch.

Das Pubertier ist wieder da

So sind sie, die Geschichten von Jan Weiler. Etwa die mit Tochter Carla (12), dem Pubertier. Da muss der Vater natürlich lange Ohren machen, wenn die mit ihren Freundinnen oder mit Freund Moritz am Telefon plaudert.
Das kann so peinlich werden wie Papas Auftritt in Facebook – gut, Carlas Freundinnen haben ihm die Freundschaftsanfragen von sich aus gestellt. Und eigentlich ist die Facebook-Quasselbude auch endlaser entnervend, findet Papa Weiler. Vor allem die ständigen Einladungen zu irgendwelchen Spielen. Er reagierte nie und ließ den Mahlstrom der Nebensächlichkeiten an sich vorbeiziehen.

Mahlstrom der Nebensächlichkeiten auf Facebook

Bis zu dem Tag, als Carla und ihre Freundinnen die neue Frisur von Moritz diskutieren. Der war bis dahin wirklich echt endlaser, weil er immer leicht punkig rumschlurfte. Jetzt aber sieht er aus wie Justin Bieber. Selbst Justin Bieder-Bieber sieht einer seiner Frisuren bescheuert aus, aber das hat ihm noch niemand gesagt. Und jetzt das, jetzt der coole Moritz mit Bieber-Frisur. Das ist die Frisur, bei der die armen Jungs ein Schleudertrauma bekommen, weil sie sich ständig das Pony aus der Stirn schütteln müssen, wie Papa Weiler anmerkt.

Tschüs Papa: Mein neues Leben als Mensch

Und was schreibt Tochter Karla auf Facebook? Offensichtlich hat sie Papas Wortgewalt geerbt, denn sie findet, die neue Frisur ihres Freundes sehe aus wie eine Klobürste aus Eichhörnchenfell. Moritz wehrt sich direkt auf Facebook, das habe er doch nur für Carla getan. Da hätte er wohl einen Fehler gemacht.
Papa Weile kann nicht an sich halten und postet: „Die größten Dummheiten werden aus Liebe begangen.“ Es folgt Carlas „Tschüs, Papa“. Gleich darauf lösen alle Bekannten Carlas die Freundschaft mit Papa Jan.
Ja, man sollte halt einem Pubertier nicht auf Facebook widersprechen.
Der neue Weiler ist also wieder wunderbar lustig und leichthändig geschrieben. Ein Lesevergnügen reinsten Wassers.

Jetzt, nachdem es endlich den neuen Weiler gibt, man fragt sich bei der Lektüre ernsthaft, wie man es ausgehalten hat, ohne nicht mindestens eine der Geschichten am Tag zu genießen.?

Jan Weiler, Mein neues Leben als Mensch, Kindler Verlag, ISBN-10: 3463406195, ISBN-13: 978-3463406190.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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