Wegerhoff, Erik, Das Kolosseum. Bewundert, bewohnt, ramponiert

Bild: pixabay.com/Simon Steinberger

Erik Wegerhoff beschreibt in  seinem Buch Das Kolosseum sehr detailliert, welche Häutungen der antike Prachtbau im Laufe der Jahre erfuhr – er wurde tatsächlich bewundert, bewohnt, schließlich ramponiert.

Faszination Kolosseum

Vom Kolosseum geht über die Jahrhunderte hinweg eine Faszination aus: Selbst, wer es heute im Herzen Roms besucht, erschauert über die schiere Größe dieses vespasianischen Prachtbaus. Und erst recht, wenn wir uns an die blutrünstigen Spiele mit Gladiatoren, frühen Christen und Kriegsgefangenen erinnern, die hier reihenweise ihr Leben ließen – zur Belustigung des Kaisers, seiner Hofschranzen und einem Volk, das sich über die Niederungen des Alltags hinweg hangelte, indem es nach Blut gierte. Es war ja das der anderen.

In der Tradion von Augustus

Wegerhoffs Ansatz aber ist ein anderer. Er geht wenig auf die Frühzeit ein. Gut, wir erfahren schon, das Kaiser Vespasian nach dem Dreikaiserjahr alles daran setzten, um seine Macht zu festigen – er wollte nicht nur ein paar Monate Kaiser des damals mächtigsten Reiches des Erdkreises sein. Sondern viel länger; was er auch schaffte – bis zu seinem Tod im Jahr 79 n. Christus. Dabei half ihm unter anderem das Kolosseum. Vespasian errichtete einen imposanten Ersatz für das erste steinerne Amphitheater des Augustus, im Jahre 29 v. Christus erbaut. Das war im Jahr 64 n. C. beim Brand von Rom untergegangen. Und wer sich als legitimer Nachfahre des großen Kaisers installieren konnte, dem war die Macht sicher. Wegerhoff beschreibt zwar durchaus erschöpfend Form, Bau- und Funktionsweise des antiken Baus. Aber wir erfahren wenig über die Stätte grausamer Spiele und Hinrichtungen, der nach einigen Angaben und 500000 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen; und mehrere Millionen Tiere.

Kolosseum – die Geschichte danach

Ihn interessiert die Adaptationsgeschichte der Nachfahren viel mehr. Die Neuinterpretationen sind magisches Machtzentrum im Mittelalter, verehrter Martyriumsort nach der Gegenreformation und überwachsene Ruinenlandschaft in der Ära der Grand Tour; mit Blüte und Auswüchsen des einsetzenden Tourismus.
All das versammelt der Autor bienenfleißig, übersichtlich strukturiert und höchst lesbar – ausgestattet mit dem nötigen Witz, der auch wissenschaftlich anspruchsvolle Werke für Laien zum Vergnügen macht.
Ein Stück Kultur, gerettet in ein schön aufgemachtes Buch. Sehr zu empfehlen.

Wegerhoff, Erik, Das Kolosseum. Bewundert, bewohnt, ramponiert, Verlag Klaus Wagenbach, 31. Januar 2012, 240 Seiten, ISBN-10: 3803136407, ISBN-13: 978-3803136404

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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