Susanna von Moellendorff: Erinnerung an eine gewisse Nacht

Lesbische Liebe

Bild: pixabay.com/Русский

Erotik zwischen Frauen, mit erotischen Bilder von Frauen und Erzählungen dazu – ein an sich reizvolles Projekt ist hier leider leicht misslungen.

Wo ist der Sinn?

Manche Literatur lebt davon, dass sie undurchdringlich ist. Wer nicht so recht hinter Sinn und Struktur eines Textes steigt, der kann dessen Schwächen auch nicht erkennen und das Ergebnis kritisieren. Und die Autorin oder der Autor kann, lebt Kritik dennoch auf, den Rezensenten des Unverständnisses zeihen.

Moellendorffs kryptische Poesie

Moellendorfs Geschichte ist ein solcher Text – eher kryptische Poesie denn Erzählung. Wer es dennoch wagt, sich auf den Text einzulassen, der verliert sich recht schnell im Knäuel unentwirrbarer Sprachbilder und Wortkaskaden. Was unterm Strich bleibt, kann nur das intellektuelle Vergnügen sein, wieder einmal ein Buch gelesen zu haben, das einem ein paar schöne Formulierungen geschenkt hat. Erinnerung an eine gewisse Nacht ist nichts weiter als die Erinnerung an eine Handvoll Menschen und eine Nacht, in der sie versuchten, mal richtig was zu erleben in der Großstadt Hamburg. Sie ziehen durch anrüchige Bars, sie begehren sich wechselseitig und sie gehen allesamt leer aus.

Eine Nacht voller Gefühl – und nichts passiert

Viel Gefühl, ein wenig Handlung und nichts passiert.
Anna und Susanna, die zwei Seiten ein und derselben Personen sein könnten, begehren sich noch am heftigsten, und damit gewinnt die Geschichte ihren Platz in Claudia Gehrkes Vorlags-Programm der etwas anderen Erotik, der weiblichen zumeist. Das lassen wir gelten, Moellendorffs Text ist reine Geschmacksache. Mancher Leserin wird das gefallen. Und immerhin sind ihre Sätze nicht nur taumelig, sondern bisweilen auch schön, wenn auch nicht immer sinnvoll. Wie schreibt die Autorin selbst am
Ende des Buches?
„Es könnte ein Traum gewesen sein, ein halbwegs unanständiger Traum zwar, aber ein Traum.“
So könnte es sein. Eines zeichnet das Buch in jedem Fall aus – es ist sorgsam gesetzt und weist einige schöne Zeichnungen und Fotos auf. Und das ist ja auch schon was.

Susanna von Moellendorff, Erinnerung an eine gewisse Nacht, Konkursbuch Claudia Gehrke, Tübingen, 111 Seiten ISBN 978-3887690175.

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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