Veronica Müller-Feucht, Komm doch, wenn Du kannst

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Bild: pixabay.com/TheresaOtero

Veronica Müller-Feucht hat mit ihrem Roman Komm doch, wenn Du kannst bei mir gemischte Gefühle hinterlassen …

Der Roman Komm doch … ist ein fesselndes Psychogramm einer jungen Frau, die eine sexuelle Störung mit der anderen austreibt.

Veras Lust

Der Titel ist auch tatsächlich so gemeint wie er lautet. Denn die armen Männer, denen die Protagonistin Vera begegnet, haben Schwierigkeiten, ihre sexuelle Erfüllung zu bekommen – ganz einfach, weil Vera sie nicht lässt. Sie frönt einer eigenartigen Lust, die Männer zu erniedrigen und zu dominieren. Alles sehr detailfreudig auf den 182 Seiten des Buches beschrieben.

Männer als Opfer

Gut, soll sie doch, schließlich machen das viele Männer mit Frauen auch so. Von daher habe ich jede Menge Verständnis für die gute Vera. Und es ist durchaus amüsant, welche Männer ihr in welchen Situationen in die Hände fallen und wie sie ihre Dominanz auslebt.

Doch es gibt noch zwei andere Männer (zumindest sieht es zunächst nach zweien aus), deren Dominanz Veras erotische Welt so gänzlich auf den Kopf stellt.

Am Ende schafft es der eine Mann, Veras Herrschsucht zu brechen und aus ihr eine nahe Verwandte der O. zu machen.

Lustvoll leben

Meine Schwierigkeiten

Und hier beginnen ein paar Schwierigkeiten, die ich mit dem Buch habe. Der Weg, den Veras Entwicklung nimmt, ist ganz fatal. Frauen, die sich freiwillig unterwerfen und unterdrückt werden, die hatten und haben wir mehr als genug. Wenn Vera den umgekehrten Weg genommen hätte – ok. Wobei es natürlich auch nicht erstrebenswert ist, Männer zu erniedrigen und zu unterdrücken. So ist Botschaft dieses Roman insgesamt einerseits recht dünn, andererseits gefährlich.

Natürlich kann es sein, dass ich hier vollkommen falsch liege. Vielleicht ist es müßig, einem erotischen Roman, der so drastisch daherkommt, irgendwelche Botschaften oder gar eine Moral zu unterstellen. Vielleicht besteht diese Art von Literatur eben doch nur auch „gewissen Stellen“ (und die sind hier reich gesät).

Aber ich bin nun einmal ein Optimist – und unterstelle selbst erotischen Romanen, dass ich sie nach literarischen Gesichtspunkten bewerten darf.

Anspruchslose Sprache

Ähnliches könnte auch für die Sprache gelten – vielleicht ist sie nicht wichtig. Mir ist aber dennoch aufgefallen, dass relativ anspruchslos daherkommt, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Das könnte durchaus einen gewissen Bezug zur intellektuell nicht allzu hoch fliegenden Vera haben. Und von daher gesehen wäre es literarisch hochwertig.

Eines aber ist mir regelrecht gegen den Strich gegangen: Wenn Vera mit sich selbst redet. Oder denkt – und die Autorin dazu die Anführungsstriche bemüht. Ich einer Erzählung aus Sicht der Protagonistin ist es völlig unnötig, die Heldin mit sich selbst zischen zu lassen. So ganz in Gedanken. Das wirkt furchtbar unbeholfen.

Ebenso wie die Tatsache, dass Veras Gedanken sich in einer brenzligen Situation auf wenigen Seiten gleich siebenmal überschlagen, wie die Autorin schreibt. Da wären ein paar Variationen nötig gewesen.

Andererseits ist das Buch freizügig, offen und thematisiert ein Tabu-Thema: weibliche Herrsucht im Bett. Wenn ich auch, wie gesagt, die Auflösung der Geschichte nicht mag.

Das Setting ist konsistent, die Geschichte und die Entwicklung des Haupt-Charakters logisch aufgebaut.

Und, ja, das Buch macht Spaß zu lesen; es ist süffig geschrieben. Und das können wir nicht von jedem Roman sagen …

Veronica Müller-Feucht, Komm doch, wenn Du kannst, Erotica Verlag, 15. November 2013, ISBN 978-0615923369

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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