Spinnerte Geschichten: Eine Statue haut ab

Bild: pixabay.com/kai Stachowiak

Eine Steinstatue haut ab. Und was passiert? Nichts. Die Polizei schaut zu.

Im Wald über der kleinen Stadt lebte ein Bildhauer mit Namen Matthias. Der besaß eine kleine Hütte, einen Stapel Papier, ein paar Bleistifte und sein Bildhauerwerkzeug. Matthias strich durch den Wald, skizzierte die Märchengestalten, die er sah. In seiner Hütte zeichnete er die Figuren ins Reine, dann setzte er sich an den Steinblock und meißelte so lange, bis er die Märchenfigur geschaffen hatte.

Die Leute liebten die Statuen

Die Leute in der kleinen Stadt liebten die Statuen des jungen Bildhauers. Wenn er eine verkaufte, hatte er wieder Geld für ein paar Monate, denn er lebte bescheiden.

Eines Abends, es dämmerte schon, sah er eine Fee im bunten Blätterkleid durchs Unterholz huschen. Matthias sah sie nur ganz kurz, aber das reichte. Er war so gebannt, dass er das Zeichnen vergaß. Er hatte sich die Fee so genau eingeprägt, dass er zu Hause sofort Hammer und Meißel nahm und sie in Stein neu erschuf – mit einem bunten Kleid, das er ihr aufmalte. Matthias wusste, dass es nur eine Statue war – aber er hatte sich richtig in sie verliebt.

Der Zauberer hatte einen Schnupfen

Nun gab es sich aber zu dieser Zeit, dass der Zauberer Hermann Stolperfuchs mit seiner Frau Elisabeth auf seinem Teppich an der kleinen Stadt vorbeiflog. Der Zauberer hatte einen furchtbaren Schnupfen und war so matschig im Kopf, dass er sich an keinen Zauberspruch mehr erinnern konnte. Vor allem nicht an den gegen Stockschnupfen. Darüber war Her- mann Stolperfuchs stocksauer. Noch mehr ärgerte er sich über seine Frau, die ihm zu wenig Tee gekocht hatte. In der Nähe der kleinen Stadt war erst die Hälfte der Reise vorüber, aber die Thermoskanne leer.

Der Zauberer geriet in Wut

Als der Zauberer sah, dass nur ein paar Tropfen aus der Kanne in seinen Becher tröpfelten, geriet er derart in Wut, dass er lauthals fluchte. Nun sollte man überhaupt nicht fluchen, und Wut ist ein schlechter Berater. Und wenn man ein mächtiger Zauberer ist, sollte man schon gleich zwei Mal auf seine Sprüche achten. Sonst passiert ein Unglück – und genau das geschah: Hermann Stolperfuchs vermischte, ohne es zu merken, gleich drei Sprüche. Das Ergebnis war fatal: Seine Frau Elisabeth verwandelte sich in ein Blütenmeer, das auf die Erde herabregnete. Und ihre Seele fuhr in die Statue in der Hütte des jungen Bildhauers.

Und dann war Vollmond

Die Statue erzitterte kurz, wackelte bedenklich hin und her und erstrahlte hell in einem grünen Licht. Dann stand sie wieder still. Ein paar Tage später war Vollmond. Plötzlich, um Mitter- nacht, stieg die Statue von ihrem Sockel, riss sich die Wolldecke von Matthias’ Bett und hängte sie über ihren Kopf. Der junge Bildhauer erwachte und starrte auf die Statue, die jetzt die Tür öffnete und in die Nacht verschwand. Matthias blieb wie versteinert im Bett sitzen – nach einer Stunde ging die Tür wieder auf und die Statue kam zurück, warf die Decke auf das Bett, stieg auf den Sockel – und erstarrte wieder. Das Ganze wiederholte sich bei jedem Vollmond. Ansonsten war die Statue zu keiner Regung zu bewegen, da konnte Matthias tun, was er wollte.

Der Bildhauer verkaufte die Statue

Er ertrug es bald nicht mehr, die Statue zu sehen, die sich ein Mal im Monat davonschlich. Er verkaufte sie an den Bürgermeister der kleinen Stadt. Und der stellte sie auf die Säule des Marktbrunnens. Das gab ein bisschen Streit, weil die Statue mit dem sehr bunten Rock manchem nicht gefiel – vor allem, weil sie direkt vor der Kirche stand. Aber der Bür- germeister blieb stur. Beim nächsten Vollmond geschah es: In die Statue kam Leben, sie stieg vom Brunnen herunter und lief den Marktplatz hoch, durch das Stadttor und in den Wald hinein.

Die Statue haute ab

In diesem Moment kamen der Architekt Bernd Süßholz und Hauptwachtmeister Klaus Stockfisch aus dem Weinhaus – und trauten ihren Augen nicht. Da lief tatsächlich die Statue in dem bunten Kleid über den Marktplatz. Hatten sie doch zu viel Wein getrunken? Hauptwachtmeister Stockfisch hatte immer eine Trillerpfeife dabei. Er setzte sie an die Lippen und pfiff schrill – aber die Statue lief weiter. Hauptwachtmeister Stockfisch alarmierte das Polizeirevier. Die Polizei stellte sich heimlich an der Stadtmauer auf – und wirklich, nach einer Stunde kam die Statue im bunten Rock zurück.

Statue verhaften!

»Verhaften!«, schrie Hauptwachtmeister Stockfisch, seine Kollegen stürzten sich auf die Statue. In diesem Moment flog der Zauberer Hermann Stolperfuchs auf seinem Teppich über der kleinen Stadt vorbei. Er sah die Statue, die sich bewegte – und verstand sofort, was da passiert war. Sein Kopf war wieder frei, er hatte keinen Schnupfen mehr. Sofort machte er die drei Zaubersprüche von damals rückgängig und er zauberte die Seele seiner Frau wieder aus der Statue heraus und den Körper seiner Frau aus dem Blütenmeer zusammen. Auf dem Teppich fragte Elisabeth ihren Mann, als sei nichts gewesen: »Willst du ein bisschen Tee?«
»Um Gottes willen!«, antwortete Hermann Stolperfuchs und musste schon wieder niesen. Die Polizei verhaftete die plötzlich bewegungslose Statue, die mitten auf dem Marktplatz erstarrt war – aber sie saß nur im Gefängnis und bewegte sich nie wieder. Was alle noch mehr verwirrte.

Bild: pixabay.com/Kalle H.

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Nur Auserwählte hören den Schrei des Schmetterlings. Und dann müssen sie auch noch verdammt aufpassen, dass ihnen kein Schaden daraus erwächst. Wie Tönchen Wolke.

In der kleinen Stadt lebte ein junger Mann mit Namen Tönchen Wolke. Das war ein komischer Name, aber seine Mutter, eine Kriegerwitwe, hatte ihn nun einmal Tönchen genannt – wahrscheinlich, weil der Junge immer eine Menge verschiedener Töne von sich gab, aus allen Ecken seines Körpers. Eigentlich hieß er Tony und bewunderte seinen toten Vater, den Kriegshelden, maßlos.

Tönchens Vater war kein Held

Der Vater war zwar durchaus kein Held gewesen, aber Mutter Wolke erzählte immer von dessen Heldentaten im Krieg. Tönchen Wolke wollte auch ein Held sein – und sehnte sich nach Abenteuern. Er schoss mit seiner Erbsenschleuder in der Schule auf den dicken Karl, der ein arger Raufbold war – aber er traf seine Lehrerin Fräulein Backpfeife. Das Ergebnis war fatal. Oder er warf einen Schneeball auf Brutus. Das war die riesenhafte Dogge des Nachbarn, des Metzgermeisters Wetzstein – aber er traf Pfarrer Neuntöter. Auch diese Folge war fatal.

Strafen waren wenig abenteuerlich

Die Strafen, die Tönchen Wolke bekam, fand er nicht besonders abenteuerlich. Also langweilte er sich zu Hause – und er beschloss, ein Abenteurer zu werden und mit der Kutsche ins Nachbardorf zu fahren, um seine Tante Magdalena Habicht zu besuchen; heimlich natürlich, sonst wäre es kein Abenteuer gewesen. Er setzte sich in die Postkutsche – doch die fuhr nach Hamburg in den Hafen. Und weil er schon mal dort war, heuerte er an Bord eines Schiffes an – das im Saragossameer von Piraten überfallen wurde.

Das Gemetzel der Piraten

Mitten im Gemetzel sah Tönchen Wolke einen Jungen mit Turban, der vor einem fetten Piraten über das Deck des Schiffes floh. Da gab Tönchen Wolke einen Ton von sich, wie er das noch nie getan hatte – dem Piraten wuchsen vor Entsetzen Elefantenohren, die sich eng um seinen Kopf legten – blind stürzte er von Bord. Und so ging es allen Piraten. Das Schiff war gerettet. Der Junge mit dem Turban war der Sohn des osmanischen Sultans, seitdem waren der Sohn des Sultans und Tönchen Wolke dicke Freunde. Sie lebten am Hof des Sultans, Tönchen heiratete die drei schönsten Töchter des Sultans – denn das machte man so im Osmanischen Reich.

Die Abenteuer fehlten

Tönchen Wolke ging es gut. Aber allmählich fehlte ihm das Abenteuer. Selbst drei schöne Frauen waren ihm nicht abenteuerlich genug. Da erinnerte er sich an seine Jugendliebe Rotraut Hinterseer – die war zwar klein und dick und hatte Zahnlücken, aber mit ihr hatte er die wildesten Abenteuer erlebt: Sie hatten einmal sogar das Gespenst aus der Burg vertrieben. Also nahm Tönchen Wolke seinen Abschied, seine drei schönen Frauen weinten genauso wie sein Freund, der Sohn des Sultans. Tönchen reiste aus dem Morgenland in die kleine Stadt zurück. Als er nach vielen Monaten an die Tür von Rotraut Hinterseer klopfte – öffnete sie ihm mit einem kleinen Baby auf dem Arm. Da merkte auch Tönchen Wolke, dass Rotraut Hinterseer für ihn kein Abenteuer mehr übrig hatte.

Tönchen ist traurig

Was tun? Der junge Mann ging traurig hinauf in den Wald und setzte sich unter eine große Eiche. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, Tönchen Wolke hatte ein Ränzel voller Gold (das ihm der Sultan für seine treuen Dienste geschenkt hatte) – aber er war traurig. Als Tönchen Wolke so saß und traurig ins Tal schaute, landete auf seinem Arm ein gelber Schmetterling. Der klappte die Flügel drei Mal auf und zu – und sagte zu Tönchen: »Hallo, ich bin eine wunderschöne Fee.« Tönchen Wolke antwortete: »Hallo, und ich bin ein Ameisenbär.«

»Das kannst du haben!«, schrie der Schmetterling mit einer hohen Stimme. Es gab einen scharfen Knall, ein Wölkchen stieg auf – und eine blonde Frau stand vor Tönchen auf der Waldlichtung. Sie war wunderschön, fand Tönchen – aber sie funkelte ihn an und sagte scharf: »Ich habe dich veräppelt. Ich bin keine schöne Fee, sondern eine garstige Hexe!« Tönchen Wolke seufzte: »Ach wo, du bist eine schöne Hexe.« Die Hexe war verblüfft – sie hatte gar nicht gemerkt, dass sie auf die Schnelle in die Gestalt einer schönen Frau geschlüpft war. Sie dachte wirklich, dass sie so hexengarstig wie immer aussehe.

Tönchen hat einen Wunsch frei

Gerührt sagte sie zu Tönchen Wolke: »Du hast einen Wunsch frei!« Tönchen wünschte sich, dass er ein schöner gelber Schmetterling sei, und immer und immer mit seiner schönen Hexe von Blume zu Blume schaukeln würde. Die Hexe erfüllte ihm den Wunsch – plötzlich machte es »piff«, und Tönchen und die Hexe verwandelten sich in gelbe Schmetterlinge. Gemeinsam schaukelten sie von Blüte zu Blüte – und erlebten eine Menge wilder Schmetterlingsabenteuer.

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Richter auf Zeitreise

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Ein Richter auf Zeitreise? Das soll es geben. Zuerst nicht ganz freiwillig, doch dann umso lustvoller. Wir verraten, wie so etwas möglich ist.

In der kleinen Stadt lebte ein ehrbarer Richter mit Namen Hubert Stöcklbaur. Der bekam in seinen letzten Tagen als alter Amtsrichter einen seltsamen Fall vorgelegt: Er sollte entscheiden, ob die Witwe Hermine Halbmond eine Hexe sei oder nicht. »Das ist mir völlig wurscht!«, bellte der alte Amtsrichter, als Staatsanwalt Antonius Schnapphahn ihm die Anklage vorlegte.

»Die alte Halbmond kann zaubern und hexen wie sie will. Das ist doch kein Verbrechen! Aus diesen Zeiten sind wir raus.« Richter Stöcklbaur hatte den Staatsanwalt noch nie so recht gemocht – der stammte aus einer alten, rechthaberischen Familie, die sich für etwas Besseres hielt und am liebsten alle und jeden eingesperrt hätte – einfach, weil niemand so ehrwürdig war wie die Familie Schnapphahn, fand der Staatsanwalt. Und weil das nicht ging, hatte sich Antonius Schnapphahn immer in abenteuerlichen Anklagen verstiegen – die Richter Stöcklbaur meist niedergeschlagen hatte.

Bigotter Kreuzzug

In letzter Zeit aber war der Staatsanwalt auch noch bigott geworden und folgte dem neuen Pfarrer Bernd Blankensee und dessen Kreuzzug gegen die Feinde der Kirche. Blankensee und Schnapphahn hatten sich darauf versteift, dass es Hexerei gebe in der kleinen Stadt und dass die Witwe Halbmond dahinter stecke. »Das ist Unsinn, und Unsinn verhandle ich nicht!«, bellte Richter Stöcklbaur. »Aber wir haben Zeugenaussagen, dass die Witwe Halbmond im Laufe von sieben Jahren sieben ehrbare Männer und Frauen aus der Pfarrgemeinde verschleppt hat.«

»Verschleppt, soso. Das alte Mütterchen hat sieben gestandenen Manns- und Weibsbilder verschleppt. Womöglich noch auf ihrem Buckel, was!« »Nein, mit ihrer Zauberei«, antwortete der Staatsanwalt. »Sie hat ihre Opfer in der Zeit verschickt.« Der Richter hob die Augenbrauen. »In der Zeit? Was soll das? Das verstehe ich nicht.« Der Staatsanwalt reichte ihm ein altes Pergament: »Wir haben sogar das Rezept für den Zauber gefunden. Damit lässt sie die Leute in der Zeit verschwinden. Verschickt sie in die Vergangenheit. Dann sind sie hier weg und stören sie nicht mehr bei ihrem Treiben.«

Ehrbare Frauen und Männer verschleppt

»Warum sollten sie die ehrbaren Männer und Frauen stören?« »Weil sie der Hexe auf der Spur waren«, beharrte der Staatsanwalt. Der Richter nahm das alte Pergament und betrachtete es: »Da stehen ja nur Sachen drauf, die wir in jeder Apotheke bekommen können«, murmelte er. »Umso schlimmer«, antwortete der Staatsanwalt, »umso schlimmer.« Der Richter legte das Papier auf seinen Schreibtisch, blickte auf und sagte zu dem erstaunen Staatsanwalt: »Wissen Sie was, ich lasse die Anklage zu.«

Zwei Wochen später war es soweit. Die Verhandlung gegen die Witwe Hermine Halbmond vor dem Amtsgericht der kleinen Stadt begann. Der Staatsanwalt verlas die Anklageschrift, nach der Hermine Halbmond mit den Mitteln der Zauberei ehrbare Frauen und Männer verschleppt habe, der Verteidiger bezeichnete die Anklage als Unsinn und wies sie zurück, dann kamen die Zeugen und die Gegenzeugen – bis Richter Stöcklbaur die Angeklagte an seinen Tisch bat und ihr das Pergament zeigte, das er vom Staatsanwalt als Beweisstück bekom- men hatte.

»Gehört das Ihnen?« fragte der Richter die alte Dame. Sie nahm es in ihre zitternde Hand, hielt es sich unter die halb blinden Augen und nickte dann. »Gut, der Anklagevertreter behauptet, das sei das Zauberrezept, um in die Zeit zu reisen. Oder, wie in Ihrem Fall, die Opfer in die Zeit reisen zu lassen. Stimmt das?« Die alte Frau sah ihn mit ihren hellen, blauen Augen an und lächelte hintersinnig: »Ganz, wie man es haben will.«

Ein Richter auf Zeitreise

Der Richter schaute einen Moment leicht irritiert, dann zog er ein Fläschchen aus der Tasche und sagte: »Ich habe einen befreundeten Apotheker gebeten, mir nach diesem Rezept ei- nen Trank zu mischen. Ich werde ihn jetzt zu mir nehmen – und dann werden wir sehen, ob es ein Zaubertrank ist.« Die Leute im Gerichtssaal murmelten entsetzt. Der Richter goss sich ein wenig auf einen Löffel, der Saal raunte, als er das Mittel schluckte.

Es geschah nichts. Der Richter lächelte, die Witwe lächelte. Dann legte sie ihm die Hand auf den Arm und sagte: »Da fehlt noch was: Hempelwisch und hempelwasch!« Und nach diesem Zauberspruch waren die Witwe und der Richter verschwunden. Sie lebten als blutjunges Paar verliebt und glücklich in der Zukunft.

Schreckliche Piraten holen den faulen Paul zu sich

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Ein Buch lesen – für viele junge Leute ein Gräuel. Dabei kann da echt die Post abgehen. Was meint ihr, was ein Junge erlebt, der ein Buch liest?

In der kleinen Stadt lebte ein Junge, der hieß Paul. Er hatte einen Vater, der war Rechtsanwalt, fleißig und reich und eine Mutter, die war schön und klug und sagte allen, wo es langging.
Paul hingegen war faul und gefräßig. Er lag am liebsten auf dem Sofa, aß Schokolade und träumte. Manchmal lag er auch im großen Schrank und träumte. Oder er lag unter den Betten und träumte.

Paul träumt

Paul träumte vor allem, wenn er Hausaufgaben machen oder sein Zimmer aufräumen sollte. Und weil er immer träumte, hieß er der faule Paul. Doch das störte ihn nicht weiter.

Wenn Paul träumte, dann von Piraten. Piraten mochte er am liebsten. In seinen Träumen war der faule Paul der größte aller Piraten und trieb die gesamte Flotte ihrer Majestät, der Königin von England, vor sich her über die sieben Weltmeere.

Mama im Anmarsch

Als Paul eines Tages so lag und Schokolade aß und träumte, hörte er seine Mutter die Treppe zu seinem Zimmer hochsteigen. Paul hatte den ganzen Nachmittag auf seinem Sofa gelegen und geträumt. Sein Zimmer sah aus, als hätte hier die Seeschlacht von Trafalgar stattgefunden und an Hausaufgaben hatte er keine Sekunde gedacht. Paul hatte nicht einmal seine Hefte in dem ganzen Saustall gefunden. Noch einige Treppenstufen – und seine Mutter würde in Pauls Zimmer kommen und ihm sehr deutlich ihre Meinung sagen über die ganze Angelegenheit hier. Oder vielmehr »die Hammelbeine lang ziehen«, wie es sein Vater immer ausdrückte.

Der Pirat grinste

Paul legte sich bequemer zurecht, denn an Flucht war nicht zu denken, da sah er, wie ihn ein Pirat direkt vor seiner Nase dreckig angrinste. Dabei verzog der langsam seinen Mund. Der Pirat hatte einen schwarzen Bart im Gesicht, einen verwegenen und schon reichlich dreckigen Dreispitz auf dem Kopf – und war eigentlich ein Bild. Das Bild gehörte in ein Buch, das auf Pauls Bauch stand und an seinen aufgestellten Oberschenkeln lehnte.

Paul riss die Augen auf, der Pirat grinste noch ein bisschen breiter und dreckiger. Plötzlich streckte der verwegene Freibeuter seine linke Hand aus, langsam kam dessen langer Zeigefinger auf Pauls Nase zu, und Paul schielte dem Finger immer stärker entgegen. Und gerade, als Pauls Mutter die Tür aufriss und »Paul!« rief, denn sie erwartete, dass ihr Sohn den ganzen Nachmittag auf dem Sofa herumgelümmelt war und sein Zimmer aussah wie nach der Seeschlacht von Trafalgar – gerade als seine Mutter also »Paul!« rief – da traf der dreckige Finger des Piraten Pauls Nase.

Plöpp war Paul weg

Es macht »Plöpp!« und Paul war weg – jedenfalls war er aus seinem Zimmer verschwunden. Seine Mutter hörte noch das »Plöpp!« und sah das Piratenbuch zu Boden fallen – nur ihren Paul sah sie nicht.

Am nächsten Morgen fanden sie Paul. Er lag friedlich auf seinem Sofa und schlief – das aufgeschlagene Piratenbuch hatte er quer über dem Bauch liegen. Allerdings hatte er zerrissene, verdreckte Piratenklamotten an, sein Gesicht war verschmiert von Pulverdampf, an der linken Wange hatte er eine kleine Fleischwunde, die schon nicht mehr blutete. Seinen entsetzten Eltern wollte Paul nicht erzählen, wo er gewesen war und welche Abenteuer er bestanden hatte.

Paul war glücklich

Der faule Paul war seit dieser Zeit meistens glücklich. Die Piraten holten ihn immer wieder in ihre Welt – Paul musste nur das zauberhafte Piratenbuch aufschlagen und schon kam der lange Zeigefinger des Piraten mit dem Dreispitz aus dem Buch heraus und berührte seine Nase. »Plöpp!«

Paul erlebte im Piratenland die wildesten Abenteuer. Später schrieb er sie auf und wurde ein berühmter Schriftsteller. So weit können es Leute bringen, die immer nur faul auf dem Sofa liegen und lesen … P.S.: Die Abenteuer des faulen Paul gibt es mittlerweile als Kinderbücher – Infos oben unter „Buecher“.

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Bierbrauer

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Ein Bierbrauer bleibt standhaft und wird von Gott belohnt. Das ist selten.

In der kleinen Stadt gab es zwei Brauereien. Beide gehörten Brüdern, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Der eine war faul und unausstehlich – aber seine Brauerei lag auf der Sonnenseite der Stadt und braute das beste Bier. Er verdiente mit seinem Bier ein Heidengeld. Der andere Bruder war bescheiden und fleißig – aber seine kleine Brauerei lag in der dunkelsten Gasse der kleinen Stadt. Sein Bier war wässrig und schal, so sehr sich der fleißige Mann auch mühte. Von seinem Gerstensaft verkaufte er kaum etwas. Er hieß Alois Bierbichler.

Eines Tages kam ein feiner Herr mit Spitzbart in die kleine Brauerei des Alois Bierbichler. Er kostete das Bier, schüttelte sich kurz und sagte. »Brr! Ich glaube, ich kann Ihnen helfen, ein besseres Bier zu brauen und bessere Geschäfte zu machen.« Alois Bierbichler hörte zu, was ihm der Fremde zu erzählen hatte. Nichts anderes als das: Dass er nämlich das Wundermittel Alkohol in sein Bier zaubern, und es damit zu einem Verkaufsschlager machen könne. Niemand wolle jemals wieder etwas anderes trinken, denn nichts versetze die Zecher in gehobenere Zustände als der Alkohol.

Ein Bierbrauer sagt nein

Hier grinste der feine Herr anzüglich. Er verlange nicht viel dafür – nur die Seelen der armen Säufer. Der Bierbrauer Alois Bierbichler wusste von diesem Moment an: Das war der Teufel, mochte er auch einen feinen Anzug tragen. Er sagte mit Nachdruck: »Nein. Ich glaube, Sie gehen jetzt lieber.« »Wie Sie wünschen«, antwortete der feine Herr, verbeugte sich, lächelte hintergründig und verließ die kleine Brauerei. Zwei Wochen später kündigte die Brauerei des Bruders von Alois Bierbichler eine ganz neue Sorte Bier an. Und die Leute in der kleinen Stadt stürzten sich auf den neuen Gerstensaft – denn er war tatsächlich völlig neuartig.

Der Alkohol und seine Wirkung

Er enthielt Alkohol, was bis dahin nie der Fall gewesen war; bis zu diesem Tag schmeckten die Biere in der kleinen Stadt und anderswo wie eine leicht bizzelnde Limonade. Doch mit dem Alkohol fielen bei den Leuten alle Schranken. Sie betranken sich maßlos, sie logen, sie stahlen, sie raubten, sie verloren in jeder Beziehung ihre guten Sitten – und selbst der Pfarrer Anselm Fürchtegott Huss war machtlos, mochte er auch noch so wortgewaltig von seiner Kanzel predigen und abends in die Kneipen gehen und eigenhändig das Bier der Trinker aus deren Maßkrügen schütten.

Sie lachten ihn aus und tranken weiter. Niemand wollte mehr etwas anderes trinken als das Bier mit dem Alkohol. Am tollsten trieb es der faule und unausstehliche Bruder des Alois Bierbichler. Er trank von morgens an, er war eigentlich nie mehr nüchtern. Und abends schlief er einmit dem Kopf in der Bierwanne. Das muss man sich vorstellen: Der Bierbrauer schlief tatsächlich mit dem Kopf unter Wasser, oder vielmehr unter Bier. Wie er das schaffte, wusste niemand.

Am nächsten Morgen war er natürlich völlig betrunken. Von der Brauerei in der kleinen Stadt startete der Alkohol seinen Siegeszug um die Welt – und der hält, wie wir wissen, bis heute an. Der arme Bierbrauer Alois Bierbichler hatte wieder einmal das Nachsehen: Hatten bis dahin kaum irgendwelche Leute in der kleinen Stadt sein Bier getrunken, so trank jetzt niemand mehr seinen Gerstensaft. Denn nichts anderes war es – Gers- tensaft.

Ein Mordsrausch

Die Leute lachten über sein Bier. Bei seinem Bruder holten sie sich einen Mordsrausch; das war zwar nicht besonders gesund, machte aber die Zecher auf seltsame Weise glücklich. Zumindest, so lange der Rausch anhielt. Der arme Bierbrauer Alois Bierbichler machte sieben Wochen, nachdem sein Bruder das Bier mit Alkohol herausbrachte, seine Brauerei dicht. Sein Bruder kaufte sie auf, auch Alois Bierbichlers Frau verließ ihren Mann und zog zu seinem erfolgreichen Bruder.

Alois Bierbichler war gar nicht mal traurig darüber. Er schnürte sein Ränzel mit den wenigen Dingen, die ihm geblieben waren – und wanderte los. Nun – und jetzt half ihm der liebe Gott, der nicht vergessen hatte, dass der arme Alois Bierbichler der Verlockung widerstanden hatte, viel Geld zu verdienen, indem er arme Seelen ins Verderben stürzte. Er führte Alois Bierbichler in ein Kloster, um dort zu übernachten. Die Mönche hatten vor langer Zeit ihren Abt verloren – und der liebe Gott hatte ihnen bedeutet, sie sollten auf einen wirklich großen Mann warten. Als Alois Bierbichler, der gescheiterte Bierbrauer, kam, sahen die Mönche: Das war ein gottgefälliger Mann. Sie machten ihn zu ihrem Abt. Und er führte das Kloster zu einer einzigartigen Blüte.

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Bild: Klaus Krüger

Der Zauberfisch Mecklenburg mag keine Fleischfresser – und verschafft seiner Herrin, der Hexe Siebenwurz, einen Kräuterladen.

In der kleinen Stadt lebte einmal ein Zauberfisch mit dem Namen Mecklenburg. Die Leute in der kleinen Stadt staunten nicht schlecht, als Mecklenburg eines Freitags um 11 Uhr durch die Straßen der kleinen Stadt schwebte und laut rief: »Esst kei-nen Fisch! Lasst die Finger von uns Fischen!« Jeden Freitag kam der Fisch angeschwebt – das fanden die Leute in der kleinen Stadt schließlich nur noch nervig. Und niemand aß mehr Fisch.

Und jetzt: die Schweine

Als er das geschafft hatte, schwebte der Fisch durch die Stadt und rief: »Esst kein Schwein!« Das fanden die Bürger der kleinen Stadt langsam nicht mehr witzig – was bildete sich der komische Fisch eigentlich ein? Sollten sie verhungern? Sie beschimpften den Fisch, manche warfen sogar mit Obst nach ihm. »Oh, esst das Obst und werft es nicht herum, ihr Halunken!«, schimpfte Mecklenburg und schwebte davon. Am nächsten Tag wurde es noch seltsamer: Nicht Mecklenburg, der Zauberfisch, schwebte durch die Stadt, sondern Schweine. Schweine jeder Größe. Eine Menge Schweine. Sie sprachen nicht, das konnte nur Mecklenburg, aber sie schwebten. Stumm, und dabei schauten sie verächtlich nach unten, wo die Menschen standen und nach oben zu den Schweinen gafften.

Mecklenburg grinst dreckig

Noch einen Tag später war wieder Mecklenburg an der Reihe, der ebenfalls nur durch die Stadt schwebte und dreckig grinste. Und weil wieder ein paar wütende Leute mit Obst warfen, spurtete er um die Ecke – was komisch aussah, weil er mit den Flossen ruderte, um schneller voranzukommen. Doch ehe er ganz verschwand, schaute er noch einmal um die Ecke und sagte laut: »Muh!« Den Leuten schwante Übles. Und wirklich: Am nächsten Tag kamen die Kühe angeschwebt. Auch sie glitten ein paar Meter über dem Boden dahin und schauten nach unten. Alle waren einigermaßen erstaunt über das Schauspiel.

Der Stadtrat tagt

Am Nachmittag trat der Stadtrat zusammen. »Wir können schließlich nicht alle zu Vegetariern werden!«, ereiferte sich Hermann Stich, der einen Metzgerladen in der kleinen Stadt hatte. »Aber natürlich können wir das!« rief der Lehrer Abraxas Hinkelbein, der sowieso im Verdacht stand, ein heimlicher Vegetarier und dazu noch ein unheimlicher Lutheraner zu sein. »Das ist immer noch besser, als dass uns das Viehzeug um die Köpfe herumfliegt und uns anglotzt!«, pflichtete ihm die einflussreiche Verlegerin der Kleinstadtpost bei, der einzigen Tageszeitung der kleinen Stadt. Das hört Klaus-Karl Kappes gar nicht gerne, der als Bürgermeister leidvoll hatte erfahren müssen, wie schmerzhaft es war, eine andere Meinung als die Verlegerin zu haben – und die hatte er durchaus. Er wollte weder auf Fisch noch auf Schwein noch auf Rind verzichten, dazu war er viel zu verfressen.

Der größte Bauer der kleinen Stadt

Außerdem war er der größte Bauer der kleinen Stadt und züchtete und verkaufte all diese Tiere. Deshalb freute er sich, als der Malermeister Friedolin Grün an die seltsame alte Siebenwurz erinnerte, die sich vor drei Wochen im Stadtrat vorgestellt hatte, um ein Kräuterlädchen aufzumachen – was aber am Einspruch des Apothekers Schmalenberg gescheitert war. »Ich glaube, das geht alles auf sie zurück. Wenn das mal keine Hexe ist!«, rief der Herr Grün und die Kollegen im Stadtrat rollten vor Angst mit den Augen. Sie hatten erst vor kurzem eine Menge Ärger mit einer Hexe auf der alten Burg gehabt – und den wollten sie nicht noch einmal erleben.

»Und jetzt?«, fragte der Bürgermeister Kappes. »Ganz einfach – wir geben ihr das Kräuterlädchen. Dann hört der Spuk ganz sicher auf«, blieb der Malermeister praktisch. »Und wenn nicht?«, fragte der Metzger Stich. »Dann haben wir einen Kräuterladen in der Stadt – na und? Außerdem ist der Apotheker mittlerweile ein wenig seltsam geworden und hat seine Apotheke geschlossen, wie ihr alle wisst.«

Delegation des Stadtrates – die Niederlage der Fleischfresser

Nun ja, noch an diesem Nachmittag machte sich eine Delegation des Stadtrates mit dem Bürgermeister Klaus-Karl Kappes an der Spitze auf zu Johanna Siebenwurz und unterbreitete ihr untertänigst, dass sie gerne ihren Kräuterladen öffnen dürfe, wenn sie jetzt noch wollte. Das alte Weiblein lächelte huldvoll und dankte, indem sie dem Bürgermeister ihre Hand zu Kuss reichte, was der schaudernd tat. Dabei schaute er irritiert auf den großen Vogelbauer, in dem ein Fisch auf der Stange saß und dreckig grinste; und der Fisch erinnerte den Bürgermeister an jemanden – er wusste nur nicht, an wen, zum Kuckuck!

Als die honorigen Herren gegangen waren, sagte die Hexe Siebenwurz zu dem Fisch im Vogelkäfig: »Gute Arbeit, Mecklenburg.« Der Fisch grinste noch ein bisschen dreckiger und schwamm einen Looping durch die Luft.

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Die Liebe macht selbst vor Gespenstern nicht Halt. Diese spinnerte Geschichte erzählt, wie zwei Gespenster glücklich wurden.

Vor vielen, vielen Jahren lebte auf dem Schloss über der kleinen Stadt ein edler Junker mit Namen Trudbert. Seine Frau hieß Mathilda. Die beiden waren noch nicht lange verheiratet, da gab es Krieg: Trudberts König nahm mit seinen Männern am zweiten Kreuzzug in die Heilige Stadt Jerusalem teil und Trudbert musste mit. Er liebte zwar seinen König und den Papst und den lieben Gott, für die er alle in den Krieg zog (wie man ihm versicherte) – aber mehr noch liebte er seine Mathilda und wollte eigentlich gar nicht mit.

Der geliebte Junker kam nicht nach Hause

Aber als edler Junker musste er einfach, sonst hätte ihm sein König die Hammelbeine lang gezogen. Kurz vor Jerusalem, in das das Heer nach vielen, vielen Monaten kam, verletzte sich Trudbert bei einem Scharmützel. Der Junker geriet in Gefangenschaft, sein König glaubte, er sei tot. Zu Hause wartete Mathilda in ihrer Burg auf ihren geliebten Junker – aber er kam nicht mit dem Heer zurück. Stattdessen bekam sie vom König einen Brief, dass der edle Trudbert heldenhaft im Kampf für ein freies Jerusalem gefallen sei.

Mathilda war sehr traurig über diese Nachricht, es zerriss ihr das Herz. Sie aß nicht mehr, sie schlief nicht mehr, sondern wanderte Tag und Nacht in den Gängen des Schlosses wie ein Gespenst umher. Es dauerte nicht lange und sie starb – und dann war sie wirklich ein Gespenst, das nachts in den Gängen des Schlosses hin und her spukte. So blieb sie immerhin in dem geliebten Schloss, das sie mit ihrem Gatten Trudbert bewohnt hatte.

Der alte Ritter

Etliche Jahre später kam ein abgezehrter und krank aussehender Ritter im Schloss an. Sein altes Pferd hinkte und hatte kaum mehr Zähne im Maul. Der Ritter fand das Tor offen vor, den Garten verwildert und das Schloss verlassen. Nur ein altes Mütterchen jätete Unkraut in einem kleinen Beet. Sie sah dem alten Ritter zu, wie er mühsam und ächzend vom Pferd stieg. Als er näher kam, sah sie, dass er gar nicht so alt war, aber sehr krank. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten. Sie gab ihm einen kühlen Schluck Wassers aus dem Krug, dann setzten sie sich auf die Bank.

Für eine Weile schwiegen sie, dann fragte sie: »Bist du das, Herr?« Als er nickte, wartete sie seine weitere Antwort nicht ab und warf sich weinend zu seinen Füßen. »Steh auf«, sagte Trudbert zu ihr und half ihr auf. Sie setzten sich auf die Bank und das Mütterchen, das Paula hieß und früher die Köchin auf dem Schloss gewesen war, erzählte dem Ritter Trudbert, was sich alles in den Jahren seiner Abwesenheit ereignet hatte. Trudbert lauschte atemlos – und nur, als Paula berichtete, wie seine geliebte Mathilda gestorben war, da stöhnte er leise und verbarg sein Gesicht zwischen den Händen.

Das Gespenst Mathilda

Lange saßen sie auf der Bank und schwiegen; nur manchmal trank einer von ihnen aus seinem Tonbecher mit kühlem Brunnenwasser. Die Sonne ging unter, der Mond ging auf – und auf einmal war es Mitternacht und die Uhr der nahen Kirchenglocke schlug zwölf Mal. Plötzlich kam eine weiße Gestalt durch die Tür des Schlossturmes hindurch – und auf sie zugeschwebt. Es war Mathilda, das Gespenst, doch keiner der beiden fürchtete sich vor ihm. Mathilda umarmte Trudbert voller Leidenschaft, ihre Gestalt schien zunächst an ihm abzugleiten, und auch Trudbert konnte sie nicht umarmen, seine Arme gingen durch das weiße Gespinst des Gespenstes hindurch.

Liebe zwischen zwei Gespenstern

Das schien die beiden nicht zu stören, so freuten sie sich über das Wiedersehen. Bald jedoch schien Trudberts Körper noch schwächer zu werden, als er eh schon war. Er sank zur Seite, und plötzlich löste sich aus ihm ein zarter Nebel, sein kranker Körper zerfiel – und der Junker war ebenso ein Gespenst wie seine geliebte Frau Mathilda. Sie hielten sich an den Händen und schwebten gemeinsam auf den Bergfried zu, wo sie zusammen als Gespenster lebten. In mondhellen Nächten sah man sie manchmal – in der Geisterstunde – auf einer Aussichtsplattform über dem Fluss stehen und sich zärtlich umarmen. Dort hatten sie sich, als junge Menschen, das erste Mal getroffen.

Mehr spinnerte Geschichten in meinen Büchern …

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Bild: pixabay.com(HebiFot

Betrug lohnt sich nicht – auch nicht für den Bürgermeister.

Es war einmal ein altes Hexlein, das lebte am Rande der kleinen Stadt. Es war immer freundlich zu den Bewohnern gewesen und hatte den Leuten in der Stadt viel Gutes getan: Ihnen Salben gemischt, wenn sie ihr Zipperlein hatten, ihnen die hohen Stadtmauern verhext, so dass keine Feinde die Stadt erobern konnten.

Das alles machte das alte Hexlein, weil es mit der Schultheisin befreundet war.

Der kleinen Stadt ging es gut

Nun muss ich wohl erklären, was eine Schultheisin ist. Ein Schultheis ist nichts anderes als ein Bürgermeister, der Chef der Stadt. Eine Schultheisin ist also die Frau des Bürgermeisters. In der kleinen Stadt war das anders: Hier war die Schultheisin die Chefin der Stadt, der Schultheis bloß ihr Mann, der ansonsten nichts zu sagen hatte. Das alte Hexlein war ihre Freundin. Und weil das alte Hexlein gut hexen konnte, ging es der kleinen Stadt gut. Bis zu dem Tag, als sich der Mann der Schultheisin selbst zum Bürgermeister wählen ließ. Bei der Wahl ging es wohl nicht mit rechten Dingen zu, aber der neue Bürgermeister erklärte die Wahl für gültig.

Hexlein sann auf Rache

Die Schultheisin war empört, das alte Hexlein stinksauer. Und sann auf Rache. Der Tag der Rache kam bald. Kurze Zeit später rückten fremde Soldaten auf die kleine Stadt zu. Damals herrschte schon lange Krieg und viele Soldaten zogen durchs Land und zerstörten Dörfer und Städte. Nur die kleine Stadt war bisher von Eroberungen und Zerstörungen verschont geblieben.

Und das hatte sie dem alten Hexlein und ihrem Schutzzauber zu verdanken. Die Mauer war einfach nicht zu überwinden – auch nicht von Kanonenkugeln.

Als die Trommeln der Soldaten ertönten, versammelten sich die Einwohner der kleinen Stadt, wie gewohnt, auf den Zinnen ihrer unbezwingbaren Stadtmauer – um gelangweilt das Heer vor ihren Toren zu begaffen. Aber sie gafften nicht lange. Die fremden, wilden Soldaten würden sowieso die Stadtmauer nicht überwinden.

Frauen wollten streiken

Die Bewohner hatten Wichtigeres zu tun: Nach der verlorenen Wahl hatten sich die Frauen im Hexenturm versammelt und diskutierten das Ergebnis. Das Ergebnis war eindeutig: Die Frauen witterten Betrug und wollten streiken. Ihren Männern nicht mehr die Hemden waschen und die Socken stopfen und Essen kochen; und das so lange, bis die Schultheisin wieder Chefin in der Stadt war. Als das ihr Mann erfuhr, eilten er und seine Ratsherren zum Hexenturm. Er tobte: »Tusnelda! Du kommst sofort da raus. Ich hab’ gewonnen! Was soll der Unfug?«

Aber er hatte keinen Erfolg, die Frauen blieben im Turm.

Kein Zauber mehr

Inzwischen geschah am anderen Ende der Stadt etwas Ungewohntes: Die fremden Soldaten feuerten eine Kanonenkugel ab – und sie schlug im Marktplatz ein. Das war noch nie geschehen, eigentlich hätte der Zauber des kleinen Hexleins die Stadt schützen müssen. Tat er aber nicht. Denn das Hexleins hatte ihn zurückgenommen. Und dazu noch mehr getan. Denn nach dem Kanonenschuss öffnete sich wie von Geisterhand das Stadttor. Die fremden Soldaten zogen in die Stadt; vorweg ein stolzer Jüngling.

Am anderen Ende der Stadt stand der Bürgermeister unter Schock. Soldaten in der Stadt – das durfte doch nicht wahr sein! Aber er sah sofort ein, dass jetzt alles zu spät war. Nun gut – wenn schon nichts mehr zu retten war, so wollte er wenigstens die Fremden angemessen begrüßen. So eilte der Bürgermeister mit wehendem Rock durch die Stadt, zum anderen Ende, den Truppen entgegen. Da waren sie schon, und voran ritt ein Jüngling in schmucker Uniform und spitzem Bart. Der Schultheiß eilte herbei, mit fliegendem Rock, verbeugte sich tief, und auch der grün gewamste Jüngling zog seinen Hut mit bunten Federn und sprach:

Ein wilder Schmerz

»Er richte sich auf!« Der Schultheis versuchte es, doch ihn durchzuckte ein wilder Schmerz. Er stürzte vor den fremden Soldaten in den Staub, alle lachten. Vom Rathausgiebel hörte man ein spitzes Lachen. Da saß nämlich das alte Hexlein und hatte dem Bürgermeister einen Hexenschuss hingehext.

Am nächsten Tag trat der Schultheis von seinem Amt zurück. Jeder erwartete, dass der Jüngling den Posten übernahm – aber dem erschien nachts die Hexe als Gespenst. Hals über Kopf zogen er und die Soldaten davon.

Von da an war alles wie immer: Die Frau Schultheisin war die Chefin, ihr Mann hatte nichts zu sagen. Und das Hexlein hexte immer nur Gutes für die kleine Stadt.

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Bild: pixabay.com/Unsplash

Das ist die Geschichte, wie der junge Jan Kasper sein Glück fand; mit seinen Geschichten, die er schrieb.

Die kleine Stadt besuchte ab und zu ein alter Mann, der hieß Jan Kasper. In jungen Jahren war er um die Welt gezogen und eines Tages mit dem Schiff zu einer Insel im Mittelmeer gekommen. Die Insel gefiel ihm – sie war sonnig und warm, die Menschen waren arm und freundlich; und das Meer lud fast das ganze Jahr über zu Schwimmen ein. Jan verdingte sich als Lastenträger, Schafhirte und Bursche für alles. Er hörte den Menschen zu, wenn sie abends an den Lagerfeuern oder auf den Plätzen von ihrem Leben erzählten. Und von früher, als die Insel ein Hort von Piraten war, die Inselbewohner waren alle Nachkommen der Freibeuter – verwegen und stolz.

Jan schrieb Geschichten

Jan schrieb Geschichten vom Meer, von Liebe, von Freiheit und Tod auf – er wollte Schriftsteller werden, und da kamen ihm die Geschichten gerade recht. Obwohl er noch nicht recht wusste, ob er es als Schriftsteller zu etwas bringen sollte – es war ein schwieriges Handwerk. Aber er liebte Geschichten über alles.

Eines Tages hatte er frei und wanderte auf die andere Seite der Insel. Er hatte schon gehört, dass auf dieser Seite die reichen Leute wohnten. Jetzt sah er ihre Häuser. Aufgereiht wie Perlen lagen sie oben an der weißen Küste, direkt über dem tiefblauen Meer. Ihre Anwesen waren groß, die Häuser stattlich, die Gärten reichten direkt ans Meer.

Häuser wie Perlen aufgereiht

Oft gab es noch einen kleinen, befestigten Weg zu einem Steg, wo zwei oder drei Boote lagen und auf den Wellen schaukelten. An der weißen Küste entlang gab es einen kleinen, gewundenen Weg, der sich an den Mauern der Häuser entlang schlängelte. Jan war neugierig und wollte sich die Häuser und Grundstücke der Reichen einmal aus der Nähe anschauen. Er ging vorsichtig den Weg entlang. Es dämmerte.

Über manche der Mauern hingen Kakteen mit großen Blättern, in sie waren Namen und Herzen von Menschen geritzt, die vor Jan hier gewesen waren. Plötzlich stockte der junge Mann – er hörte feurige Musik und ausgelassenes Lachen. Vorsichtig ging er weiter. In der ockerfarbenen Mauer stand eine grüne Türe offen. Der Garten dahinter war dicht bewachsen und wild; das Lachen drang heraus – sehr fröhlich und aufreizend. Und die Musik war voller Leben.

Feurige Musik, ausgelassenes Lachen

In den Garten führte ein gewundener Weg, den Fackeln beleuchteten, die rechts und links im Gras steckten. Jan ging vorsichtig den Weg entlang, die Musik wurde lauter. Jan hörte Geigen seufzen, ein bauchiger Kontrabass gab seinen Teil dazu, klatschende Hände peitschten den Rhythmus weiter und dann wieder dieses Lachen, das Jan verzauberte. Am Ende des Weges sah er eine Terrasse aus Holz, auf ihr stand ein großer Kessel, in dem ein Feuer brannte, das so hoch loderte wie die Finca dahinter.

Um das Feuer herum tanzten ausgelassen junge Leute, braun gebrannt, so weit er das in dem Schein des Feuers erkennen konnte; und offensichtlich arm. Sie hatten einfache, doch bunte Kleider an. Etwas abseits von ihnen saß ein alter Mann mit weißen Haaren. Er saß in eine Decke gehüllt, obwohl es ein warmer Sommerabend war und schaute missmutig dem lustigen Treiben um ihn herum zu. Er trank roten Wein, den ihm eine schöne Frau einschenkte, er nahm hin und wieder einen Bissen vom Tablett, das ihm ein wohl gekleiderter junger Mann reichte. Ansonsten war er muffig in seine grauen Decken versunken.

Die Musik war magisch

Jan war fasziniert, ihn zog die Musik magisch an, die so schön war, wie er sie selten gehört hatte. Sie hob ihn empor, beflügelte seine Seele – und er trat noch einen Schritt vor. Da hörte er ein scharfes »Halt!« in der Sprache der Insel. Die Musik erstarb, die Tänzerinnen und Tänzer erstarrten. Nur der alte Mann im Sessel war noch wichtig: Seine Augen schienen zu glühen, sein gebrechlicher Körper war gespannt. Unwillkürlich ging Jan zu ihm hin, dabei hatte der nur einmal mit seinem rechten Zeigefinger gewunken.

Als der junge Mann vor ihm stand, fragte der Alte: »Wer bist du?« »Jan Kasper«, antwortete Jan Kasper und ihn schauderte es, als er die schwarzen Augen des Mannes sah, die wie ein schwarzes Feuer glühten.

»Und was willst du hier?«, ging das Verhör weiter.

»Ich habe die Musik gehört.«

»Scheußlich langweilig, nicht?«, seufzte der alte Mann.

»Nein gar nicht. Ich finde sie fantastisch.« Der Alte schaute ihn nachdenklich an. »Hm«, war alles, was er sagte. Und dann: »Mich langweilt sie. Ich finde sie scheußlich. Wie den Wein und das Essen und all die Menschen hier.« Wieder schaute der alte Mann Jan Kasper an. »Und was tust du hier?« »Ich sammle Geschichten«, antwortete der junge Mann.

Jan sollte erzählen – spinnerte Geschichten

Die Augen des Alten glühten plötzlich auf in einem unbändigen Feuer: »Erzähl!«, war alles, was er sagte.

Und Jan erzählte, wie er noch nie erzählt hatte. Erst ein wenig zaghaft, dann gewann er an Sicherheit – und am Schluss, als der Alte mit geschlossenen Augen bewegt nickte, wusste er: Er war ein Schriftsteller. Diese Kunst beherrschte er. Jan erzählte die ganze Nacht – alle Geschichten, die er von den armen Leuten gehört hatte. Nach dieser Nacht schickte der Alte die Tänzer und die Musiker weg. Nur Jan Kasper durfte bleiben.

Jan Kasper erzählte dem Alten alle Geschichten, die er auf der Insel gehört hatte – und erfand neue dazu.

Als nach drei Jahren der Alte starb, hinterließ er Jan die Finca und den paradiesischen Garten, der bis zu blauen Meer reichte. Und sein unendliches Vermögen. Jan Kasper lebte auf der Insel, beschenkte die Armen – und manchmal kam er in die kleine Stadt zurück, um dort seine Geschichten zu erzählen. Und auch dort liebte man den Geschichtenerzähler über alles.

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Bild: pixabay.com/PublicDomainPictures

Wie ein Greis jung wird und heimkehrt zu seiner Familie und seiner Aufgabe.
In der kleinen Stadt lebte ein Mann mit Namen Jonathan, der wohnte in einem winzigen Haus an der Stadtmauer. Das Häuschen war dunkel, aber trocken. Und im Gärtlein gab es einen Streifen, den beschien ab und zu die Sonne. Dort hatte der alte Mann Rosen gepflanzt, die prächtig gediehen. Jonathan saß oft in seinem Garten unter dem Schatten des Walnussbaumes und freute sich an seinen Rosen. Manchmal hörte er das »Krakra« der Krähen – und spürte ein eigenartiges Ziehen in seiner Brust.

Jonathan war ein Märchendichter

Viele Jahre lang war Jonathan ein Märchendichter gewesen. Er hatte Geschichten geschrieben und sie freitags in der alten Schule erzählt. Die Menschen strömten von weit her in die alte Schule, nahmen auf den harten Bänken Platz und lauschten gebannt den wundersamen Erzählungen des alten Mannes. Die Menschen liebten seine Geschichten. Das hatte Jonathan bekannt gemacht – aber weder reich noch berühmt. Dazu war er zu bescheiden geblieben. Ihm genügte es, in einem Rosengärtlein zu sitzen und an seinem wackeligen Holztischchen mit seinen Bleistiftstummeln wundersame Geschichten auf Papier zu krakeln und sie anschließend so mühsam wie ordentlich auf seiner alten Schreibmaschine ins Reine zu tippen. Und dass seine Zuhörer glücklich waren mit seinen Geschich- ten, das freute den alten Mann. Seinen bescheidenen Lebens- unterhalt verdiente er mit einer kleinen Schneiderwerkstatt unter dem Dach seines Häuschens.

Der alte Dichter schrieb nicht mehr

Nun hatte der Dichter aber das Märchenschreiben ganz aufgegeben. Die Leute der kleinen Stadt bedrängten den alten Dichter, weiterhin seine Geschichten zu erzählen – vergebens. Er wusste, dass er alle Geschichten erzählt hatte, die in ihm steckten – bis auf eine, deren Zeit noch kommen würde. Das spürte er.

Besuch der Krähenkönigin

Eines Tages saß er wieder in seinem Rosengärtlein. Er genoss das Rauschen der Blätter über ihm, lauschte dem Krächzen der Krähen und betrachtete seine Rosen – da flog eine Krähe neben ihn auf die Bank. Sie hatte einen rubinroten Schnabel und weiße Flügel. Die Krähe hielt den Kopf schräg, betrachtete ihn von oben bis unten und sprach: »Ich bin Jolantha, die Königin der Krähen aus dem Ich bin in Not und bitte dich, mir zu helfen.« Jonathan stand mühsam auf, verbeugte sich tief vor Jolantha, denn das gehörte sich so bei einer Königin und fragte: »Wie könnte ich Euch helfen? Ich bin ein alter, schwacher « »Aber du kannst zaubern!«, rief die Krähenkönigin und schlug begeistert mit den weißen Flügeln. »Zaubern? Ich? Davon weiß ich nichts, Ihr müsst Euch täuschen, Majestät«, antwortete Jonathan. »Doch kannst du zaubern – du zauberst mit deinen Geschichten«, erwiderte die seltsame Krähe voller Ernst und fuhr fort: »In deinen Geschichten wohnt der größte Zauber überhaupt!«

Geschichten gesponnen

Jonathan seufzte: »Ach, das ist schon eine Weile her, dass ich Geschichten gesponnen habe. Mir fällt nichts mehr ein.« Die Krähe stolzierte elegant und majestätisch auf der Lehne der Bank hin zu Jonathan, beugte sich vor und krächzte leise: »Ach bitte, erzähle mir eine neue Geschichte. Nur eine. Und du wirst sehen, welchen Zauber sie entfaltet.« Dem alten Dichter wurde warm ums Herz. Dennoch fragte er: »Warum soll ich dir eine Geschichte erzählen?« Die Krähe seufzte traurig: »Weil ein böser Zauberer vor vielen Jahren meinen Mann verhext hat.« Mehr sagte sie nicht, und Jonathan fragte auch nicht weiter.

Schritt für Schritt ins eigene Geschäft …

Jonathan als Krähe

Das arme Tier brauchte bestimmt ein wenig Trost, dachte er und begann zu erzählen. Der alte Märchendichter erzählte, wie er noch nie erzählt hatte – in seiner Geschichte lebte wirklich ein Zauber auf. Kaum hatte er geendet, gab es einen scharfen Knall, ein Wölkchen stieg auf – und der alte Märchendichter Jonathan war eine stattliche Krähe. »Jonathan!«, freute sich Jolantha und schlang ihre weißen Flügel um ihn. Auch Jonathan freute sich, seine Frau wieder zu sehen, die er jetzt erkannte – denn er war niemand anderes als der Krähenkönig, den der böse Zauberer in einen Menschen verwandelt hatte. Jonathan hatte all die Jahre als Mensch gelebt und nicht gewusst, dass er eigentlich eine Krähe war … Im Hexenwald war seitdem die Zeit stehen geblieben.

Mächtiger Magier

Jetzt flogen Jonathan und Jolantha dorthin. Hier warteten auf Jonathan sein Königreich, seine sieben Kinder – und der böse Zauberer Wasili Witschel. Den musste Jonathan erst einmal besiegen, aber er fürchtete sich nicht davor: Denn auch der Krähenkönig war jetzt ein mächtiger Magier – mit den Geschichten, die er sich als Märchendichter Jonathan ausgedacht hatte.

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