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Bild: pixabay.com/DGlodowska (Daria Głodowska)

Wenn wirklich alles fertig ist an eurem Buch, das Manuskript gut abgehangen und mindestens dreimal überarbeitet ist, wenn ihr es euch und andere laut vorgelesen habt – dann beginnt der härteste Teil: die Suche nach dem Verlag.

Die landläufige Meinung lautet: So viele Kinderbuchautoren gibt es ja nicht, die Verlage suchen ständig nach gutem Material. Die landläufige Meinung irrt. Sehr sehr viele Leute schreiben Kinderbücher. Es sieht fast so aus, als hätten sich die meisten Menschen vorgenommen, ein Kinderbuch zu schreiben, bevor sie sterben. Und sie tun uns nicht den Gefallen und sterben vorher. Die Verlage werden regelrecht überschwemmt mit Manuskripten.

Aber es kommt noch schlimmer. Wie schlimm es ist, das sagte vor ein paar Monaten der bekannte Kinderbuchautor Paul Maar in einem Interview. Er klagte darüber, dass die deutschen Kinderbuchverlage nur noch Lizenzgeschäft betreiben, also darauf schielten, was in den USA und anderen Ländern erfolgreich sei. Junge, unbekannte deutsche Autoren würden sie verschmähen. Paul Maar: „Heute könnte ich kein Kinderbuchautor mehr werden.“

Niederschmetternd, nicht wahr?

Selbst verlegen? Schwierig

Da quält man sich monatelang durch sein Manuskript, verbessert, feilt, schreibt um, liest es sich und anderen laut vor – und dann das. Autoren in anderen Genres stehen jetzt noch ein Weg offen – sie verlegen sich selbst. Das ist heute mit leistungsfähigen books-on-demand-Dienstleistern kein Problem. Eine sexy Alternative ist das kostenlose herausgeben eines eBooks. Das alles ist für Autoren von Kinderbüchern sehr schwierig.

Wer ein Kinderbuch herausbringen will, kommt um ein Hardcover nicht herum. Es ist nun einmal Standard am Markt. Genauso Standard sind farbige Grafiken. Wer jemals versucht hat, ein Hardcover mit farbigen Grafiken bei einem digitalen Dienstleister kalkulieren zu lassen, der weiß: Ihr müsst im Verkauf mindestens 25 Euro nehmen, um ein paar Cent zu verdienen. An einen Verkauf über den Buchhandel ist da natürlich nicht zu denken. Und wenn ihr jetzt bedenkt, dass große Verlage Kinderbücher in der Standard-Aufmachung um die 10 Euro vertreiben (manchmal deutlich darunter), dann wird klar, wie sehr ihr abgehängt seid: Kein Kunde kauft ein Buch über 20 Euro, wenn er die Hälfte für ein anderes bezahlen muss. Und das mit bekannten Namen renommierter Autoren.

eBooks laufen nicht

Und eBooks? Ich hatte meine Paul-Bücher bei einem gut eingeführten eBook-Verlag, der eine Kinderbuch-Abteilung aufmachte. Die Bücher dieser Reihe waren bei allen großen eBook-Verkaufs-Plattformen gelistet. Das Ergebnis war eine Enttäuschung, die Verkaufszahlen nicht der Rede wert.

Kinder lesen nun einmal kaum eBooks, sie haben oft nicht die Lesegeräte und die Eltern wollen, dass ihre Sprösslinge wenigstens beim Lesen von den eGeräten wegkommen.

Gibt es denn gar keine Hoffnung?

Endlich einen Verlag finden

Doch, die gibt es. Versucht, so gut wie möglich zu werden. Das erste Buch ist zum Üben, das zweite als nettes Geschenk fürs eigene Kind, ab dem dritten könnt ihr daran denken, es großen Verlagen oder Agenten vorzustellen. Wenn ihr mit Agenten liebäugelt, kontaktiert erst sie, ehe ihr die Bücher Verlagen vorbeischickt. Sonst sind sie für Agenten verbrannt. Adressen bekommt ihr bei Literaturjahrbüchern wie vom Uschtrin Verlag oder anderen (nicht verzagen, Google fragen).

Vielleicht ist es eine Möglichkeit, euch kleine, risikobereite Verlage zu suchen, die schon ein Kinderbuch gemacht haben. Im Regelfall machen sie das allerdings kein zweites Mal, weil sie eine große Auflage drucken mussten, um das Buch überhaupt in die Nähe der Verkaufbarkeit zu bringen – dann aber auf zu vielen Exemplaren sitzen geblieben sind. Nicht wenige kleine Verlage sind an Kinderbücher zugrunde gegangen.

Die pädagogische Firewall

Tja, Kinderbücher sind etwas ganz Spezielles. Sie sind sehr schwer zu schreiben, richten sich an ein anspruchsvolles, gnadenlos ehrliches Publikum. Ihr könnt dieses Publikum nicht ohne Erwachsene erreichen (Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Eltern) = pädagogische Firewall, die eine ganz genau Vorstellung davon haben, was ihren Kindern guttut. Die Kinder selbst sind nicht in der Lage, eure Bücher oder eBooks selbständig zu kaufen – ohne die pädagogische Firewall.

Wer’s dennoch versuchen will, dem wünsche ich viel Spaß. Auf diesem Blog gibt es etliche Tipps, die euch dabei helfen. Das eBook unten ist auch so konzipiert, dass ihr schnell einen Überblick über die wichtigsten Tipps bekommt.

Alle anderen sollten sich vielleicht überlegen, endlich ihren Krimi fertig zu schreiben.

 

Kinderbuch schreiben: Das Buch überarbeiten

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Bild: pixabay.com(geralt (Gerd Altmann)

Mit unserem Kinderbuch kann es uns ja nicht schnell genug gehen – aber ein bisschen abhängen lassen sollten wir es schon. Und vor allem überarbeiten. Öfter als uns lieb ist. Nur so schreiben wir ein gutes Kinderbuch.

Nun ist es fertig, dein Kinderbuch. Herzlichen Glückwunsch. Hier dir liegen Wochen der Planung und Monate des Schreibens. Und endlich hast du das letzte Wort geschrieben und bist stolz wie ein Schneekönig. Oder eine Schneekönigin. Das darfst du jetzt erst einmal mindestens ein halbes Jahr genießen – weil dein Buch nämlich so lange in der Schublade versenkst. Der Sinn der Übung ist klar: Du musst Abstand gewinnen. Erst so kannst du dein Werk nüchtern betrachten.

Die Arbeit beginnt von vorne

Und dann beginnt die Arbeit wieder von vorne. Oder zumindest fast. Nimm dir vor, dein Buch so lang zu überarbeiten, bis du restlos zufrieden bist. Selbst, wenn du es fünf Mal umschreiben musst. Ich habe mein erstes Kinderbuch 13 Mal umgeschrieben, davon mindestens die Hälfte radikal. Das war natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass ich damals wenig von den Regeln des Kinderbuches wusste und von daher wenig vorab geplant habe. Aber die Bereitschaft, alles noch einmal auf den Prüfstand zu stellen, solltest ihr aufbringen. Es dient ja der Qualität eures Buches.
Jetzt lesen: Zauberhafter Frizzie

Nimm dir vor allem die einzelnen Handlungsstränge vor – sind sie logisch miteinander verflochten oder enden manche im Nirwana? Wie sieht es mit den Personen aus? Bleiben sie ihrem Charakter treu, die ihr ihnen gegeben habt – oder entwickeln sie plötzlich ein Eigenleben, das eure Geschichte auf den Kopf stellt?

Langsam laut vorlesen

Ihr solltet in der Phase des Überarbeitens die Geschichte mindestens einmal langsam laut vorlesen. Ihr merkt dann sehr schnell, wo sie hakt. Noch besser ist es, das Vorlesen auch noch aufzunehmen und später in aller Ruhe und mit dem Manuskript vor euch abzuspielen. Auch hier merkt ihr plötzlich, wo eure Geschichte ins Schwimmen gerät.

Kritische Leser gehören zum Kinderbuch schreiben dazu

Wenn ihr dann noch etwas ganz Besonderes für euer Buch tun wollt, gebt es einem Freund / einer Freundin zum Lesen. Dabei solltet ihr darauf achten, dass euer Freund ein kritischer Kopf ist, der sich nicht scheut, euch auch zu kritisieren. Speichellecker, die euer Buch loben und sich denken „O Gott, was für ein Mist!“, die könnt ihr nicht brauchen. Ihr braucht Leute, die euch sagen, dass es Mist ist und das noch begründen können. Nur so habt ihr die Chance, es noch einmal gründlich zu bearbeiten.

Fein ist auch die Möglichkeit, eure Geschichte in einer Gruppe von Autorinnen / Autoren vorzustellen. Allerdings gibt es nicht allzuviele Gruppen von Kinderbuchautoren. Vielleicht habt ihr ein Literaturhaus in der Nähe, das so etwas bietet. Raue, aber herzliche Kollegenkritik ist das Beste, das ihr bekommen könnt.

 

Marketing für Autoren: Bloggen

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Bild: pixabay.com/Gerd Altmann

Du bist Autorin/Autor? Dann solltest du bloggen. Es gibt nichts Besseres, um deine Leser an dich zu binden …

Manche Autoren sind tatsächlich Blog-Muffel und setzen lieber auf ihre statischen Webseiten (wenn überhaupt). Da müssen sie weniger im Internet schreiben – und präsentieren sich und ihre Werke mit weniger Aufwand.

Wohl aber auch mit weniger Zuspruch – denn das Bloggen ist zwar zeitintensiver, lohnt sich aber. Wobei ich gleich warnen will: Auch beim Bloggen bohrst du dicke Bretter. Bis ein Besucher deiner Webseite/deines Blogs, ist ein langer Prozess notwendig.Die Konversionsraten gehen liegen meist knapp über  einer schwarzen 0. Das bedeutet: 0,1 Prozent deiner Besucher kauft auch dein Buch. Vielleicht sind es mal – in einem guten Monat– 5 Prozent.

Bloggen bringt Vorteile

Das ist alles nicht sehr viel, und lässt manche Autoren Abstand halten vom Internet. Das ist soweit in Ordnung bei bekannten und etablierten Großschriftstellern, die auf den Seiten ihrer Verlag mit kurzer Bio zu Wort kommen, und deren Bücher dort auch vorgestellt werden. Doch, wer gehört schon zu den Großschriftstellern? Und selbst für die ist bloggen kein Nachteil.

Was sind nun die Vorteile?

Suchmaschinen lieben Blogs – weil sie im Regelfall viel aktuellen Inhalt bieten. Das bedeutet aber im Umkehrschluss: Wenn du nicht mindestens zweimal in der Woche einen aktuellen Post schreibst, der spannend für deine Leser ist, dann lass es lieber. Statische Webseiten sind auch ganz schön. Der Inhalt muss einzigartig sein. Gib dir Mühe!

Vorteil 2: Im Blog kannst du immer sehr aktuell deine Arbeit als Schriftsteller begleiten. Egal, ob du dich mit deiner momentanen Geschichte und den Schwierigkeiten befasst; ob du Personen vorstellst, die in deinem aktuellen Roman eine Rolle spielen; oder ob du von deinen Lesereisen berichtest – deine Leser werden das mit Hochgenuss lesen. Manche Kolleginnen und Kollegen führen auch fiktive Interviews mit ihren Roman-Figuren (machen sie eh beim Erstellen der Biografie) – und veröffentlichen sie auf ihrem Blog. Ein durchaus witziger und kurzweiliger Lesespaß.

Lebendiges Band zum Leser

Damit schaffst du ein lebendiges Band zu ihnen – und schaffst es sicher so viel besser, Menschen zum Kaufen eines Buches zu bewegen. Sie lernen dich erst einmal kennen und schätzen – und sind dann auch auf deine Werke neugierig.

Wenn du also dein Web-Tagebuch geschickt einsetzt, also charmant, witzig und geistreich schreibst, dann ist das die beste Werbung für dich.

Du solltest allerdings darauf achten, dass Rechtschreibung und Grammatik stimmen. Ein bisschen Verlust ist beim online Schreiben ja immer – aber allzu kreativ sollten deine Posts nicht sein. Sonst geht der Schuss nach hinten los.

Wer sich für SEO interessiert, hier gibt es affenscharfe Tipps: Affenblog

Extratipp: Tolle Kinderbücher schreiben!

 

 

Egri, Lajos: Dramatisches Schreiben

Bild: pixabay.com/Thomas Aus Berlin

Autorenratgeber gibt es viele. Lajos Egri hat das wenig bekannte Standardwerk geschrieben – vor 64 Jahren. Eine Schreibschule des besonderen Art.
Egri schreibt den besten Ratgeber

Wer zum Kuckuck ist Lajos Egri?, werden Sie fragen. Lajos Egri, um genau zu sein. Der gebürtige Ungar (1888–1967) hat das Kunststück fertig gebracht, den besten Autorenratgeber weit und breit zu schreiben und dennoch hierzulande ziemlich unbekannt zu sein. Er ist, wenn man so will, das verkannteste Genie des Creative-Writing-Circus. Der findet vornehmlich in den USA statt, und dort war Lajos Egri (neben Stationen in Europa) auch als Theaterautor und Regisseur tätig. Wie man sein praktisches Wissen theoretisch vermittelt, lehrte er als Direktor der Egri School of Writing in New York.

Geballtes Wissen

Mit seinem Buch „Dramatisches Schreiben“ zeigt er die entscheidenden Kniffe für Autoren, die sich auf die Genre Theater, Film oder Roman einlassen wollen – und nicht nur für sie. Das Buch vermittelt auf 345 Seiten geballtes Wissen – und ist doch selten auf einer der einschlägigen Listen der Ratgeber-Literatur zu finden. Vielleicht liegt es daran, dass es schon 1946 erschienen ist – und fast alle Autoren, die danach Ratgeber verfassten, von Egri abgeschrieben haben. So hat sich James N. Frey, der Egris Buch als „Standardwerk“ lobt, munter der Prämisse bedient, die Egri erfunden hat.

Klar verständliche Schreibschule

Wer das bei Frey aber nie so ganz verstanden hat – bei Egri wird es einem mühelos klar. Denn der ungarischstämmige Theaterspezialist erklärt besser, vertieft konsequent und bringt so lange Beispiele, bis es jeder gefressen hat. Wichtig dabei sind auch die vielen praktischen Tipps. Eine Schreibschule der besonderen Art.

Bis zum Ende komponieren

Nehmen wir besagte Prämisse. Ohne die, so Egri, geht es nicht. Niemand kann auch nur die kleinste Kurzgeschichte ohne eine Prämisse schreiben – denn sie ist der Zweck des Textes, seine „Moral“. Also genau das, worum es in dem Text überhaupt geht und was der Autor und seine Figuren beweisen wollen. Etwa: Skrupelloser Ehrgeiz führt zur eigenen Vernichtung, wie in Shakespeares Macbeth. Danach richtet sich alles aus – die Personen und deren Konflikt. Bis am Ende die Prämisse bewiesen ist. Macbeth geht in seinem skrupellosen Ehrgeiz über Leichen – und stirbt am Ende selbst durch das Schwert.

Schlamper oder nicht

Egri analysiert wichtige Theaterstücke auf die Prämisse hin und zeigt, ob sie eine haben und ob sich alles danach ausrichtet – oder eben nicht. Damit arbeitet er sehr praxisnah; und der ambitionierte Autor lernt nebenbei, dass selbst bekannte Stückeschreiber mit so mancher Prämisse geschlampt haben. Das merkt man, die Stücke sind seltsam diffus. Denn der Prämisse, das verlangt Egri, muss sich alles unterordnen. Jede Szene, jeder Satz, jede Handlung muss zeigen, dass die Prämisse stimmt. Eine echte Diktatorin ist sie. Natürlich muss dazu auch der Autor an sie glauben. Und die Personen müssen so viel Kraft und Charakter haben, die Prämisse in dem Text zu leben und durch das Stück/den Roman zu tragen. Wer das beherzigt, schreibt spannend und kraftvoll, zeigt Egri.

Die Moral von der Geschichte

Mancher wird jetzt einwenden: Zweck? Moral? Was soll das? Ich schreibe, also bin ich, und meine Texte stehen für sich selbst. Sollen sie – meistens stehen sie dann aber sehr alleine da.

Gute Prämisse

Aus einer gut durchkomponierten Prämisse ergibt sich, laut Egri, alles andere wie von selbst. Allerdings muss der Autor stimmige und detailgetreue Personen entwerfen – und auch hier zeigt Egri sehr konkret, wie das geht. Und aus den Charakteren entwickeln sich die Konflikte, indem man Schlüsselfigur und Gegenspieler ein Ziel gibt, das sie unbedingt (und gegeneinander) wollen. In dem Buch lernt man, wie der Konflikt orchestriert wird und wie man Spannung bis zum Schluss aufbaut und wann der geeignete Angriffspunkt ist, der Text also entscheidend an Fahrt gewinnt.

Alles stimmig bei Egri

Mit Egri wird alles stimmig – wie schön, dass der Autorenhaus Verlag dieses Standardwerk seit 2003 in seinem Programm hat. Es ersetzt eine Menge anderer Schmöker zum Thema. Für alle, die eine perfekte Schreibschule suchen.

Lajos Egri: Dramatisches Schreiben, Theater – Film – Roman. Das „Standardwerk“. Deutsch von Kerstin Winter. Autorenhaus Verlag 2003, 345 Seiten, ISBN 3-932909-58-5, Euro 19,90.

Schnapp dir den Egri!

Bild: pixabay.com/tookapic

Bild: pixabay.com/tookapic

Es ist die Frage, wer zuerst da war: die Henne oder das Ei? Also: Kann man gutes Schreiben lernen? Oder ist es eine Begabung? Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte.

Jede Kunst fußt auf Können. Und Können erwerben wir uns durch Tun. Du kannst noch so begnadet sein, voller Fähigkeiten stecken – wenn du nichts tust, werden die Fähigkeiten nicht ans Tageslicht kommen.

Für zielgerichtete Tätigkeiten aber braucht du Handwerk. Das ist in der Malerei genauso wie in der Musik – und beim Schreiben ist das auch nicht anders. Nur, weil du täglich mit Sprache umgehst, kannst du noch nicht geniale Kinderbücher schreiben.

Lebendige Personen

Wie die aufgebaut sind, welche Themen du brauchst, welche Längen die Sätze haben, wie du lebendige Personen schaffst, wie du Konflikte aufbaust und wie du die Moral der Geschichte durchgehend komponierst – das ist Handwerk.Anzeige

Die Regeln kennen

Natürlich sind Regeln dazu da, sie zu hinterfragen, es vielleicht ein wenig anders zu machen – aber du musst sie erst einmal kennen. Wer eine Kurzform dieser Regeln und Vorschläge lesen will, der besorge sich das Buch rechts oben in der Laufleiste.

Aber gibt es nicht auch Begabungen? Was muss ein guter Kinderbuchautor mitbringen? Gut, ich verrate es euch – und weise gleich darauf hin, dass ihr auch an diesen Begabungen arbeiten könnt.

Ich glaube, wir brauchen drei Dinge: das Pumuckl-Gen, eiserne Disziplin und inspirierte Geduld.

Was ist das Pumuckl-Gen?

Für mich eine anarchisch-kindliche Sicht auf die Welt. und die Lust, den Großen eines auszuwischen und sich nicht unterkriegen zu lassen – so übermächtig die Mächtigen, Erwachsenen und Großen auch erscheinen mögen. Das findet sich in allen guten Kinderbüchern, von Pippi Langstrumpf über das Sams bis zum Räuber Hotzenplotz. Kinder an die Macht!

Es findet sich auch übrigens in jedweder Literatur, die ihren Namen verdient.

Von daher ist es hilfreich, wenn ihr dieses wilde, ungezügelte, empörte, anarchische Sicht auf die Welt und ihre Strukturen habt. Wenn ihr jeden Tag den schier aussichtslosen Kampf des Trotzdem kämpft – die Lage ist hoffnungslos, aber dennoch kämpfe ich. Wenn ihr das in eure Bücher übertragt, habt ihr spannende, lesenswerte Geschichten, die Kinder begeistern. Wer nur die Verhältnisse loben und Kinder zu ordentlichen Erwachsenen erziehen will, der sollte als Pädagoge werden.

Disziplin – Perfektionismus

Wir Autoren sind verspielte Menschen. Disziplin ist von daher vielen ein Graus. Es geht aber nicht ohne. Du musst dir jeden Tag einen Freiraum schaffen, in dem du ungestört schreiben kannst. Wenn du dein Buch zuvor gut durchkomponiert hast,  jeden Tag vor dem Schreiben schon weißt, wie die Geschichte weitergeht und schnell schreibst, reicht dir vielleicht eine halbe Stunde. Aber die muss sein. Und es gibt keine Entschuldigung! Nicht den neusten Tatort, nicht die Party, nicht den neuen Freund! Wenn du absehen kannst, dass du abends, zur gewohnten Zeit, nicht zum Schreiben kommst, darfst du ausnahmsweise mal am Vortag die doppelte Menge schreiben; oder zu einer anderen Zeit am selben Tag vorarbeiten.

Schriftsteller sind einsame Menschen. Ulknudeln, die auf jeder Party herumfallen und jede Disko auswendig kennen, schreiben keine Bücher!

Das alles hat mit Perfektionismus zu tun. Wir arbeiten so lange, bis wir das beste Ergebnis haben, das wir zurzeit abliefern können. Weniger ist eine Beleidigung für unsere Leser – willst du Kinder beleidigen?

Und schließlich: Geduld

Einen langen Atem brauchst du in mehrfacher Hinsicht. Etwa zum Planen deiner Bücher. Hier musst du so lange geduldig sein und nicht losschreiben, bis das ganze Drehbuch deiner Geschichte steht. Gerade die erste Arbeit an einer Idee ist schwer. Denn von der ersten Eingebung bis zu einem funktionierenden Drehbuch sind es viele Schritte, die du mit Geduld gehen musst.

Geduldig schreiben

Auch beim Schreiben ist Geduld gefragt. Jeden Tag nur wenige Seiten zu schreiben, ist auch manchmal nervenzerfetzend. Es bringt aber nichts, in einem Schreibrausch weit über das selbstgesteckte tägliche Ziel hinauszuschießen – und dann zu erschöpft zu sein, um weiter zu machen.

Und Geduld brauchst du schließlich auch, um deine Karriere als Schriftsteller/in konsequent und hartnäckig zu verfolgen; weil du im Regelfall viele Jahre lang schreiben wirst, ehe du so gut bist, dass dich renommierte Verlage nehmen. Oder willst du dich mit weniger zufriedengeben?

Unsere 41 Tipps für Kinderbuchautoren gefällig? Siehe Amazon-Box rechts …

Bild: pixabay.com/jialephant0

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Kinderbücher schreiben ist in – immer mehr Leute versuchen sich darin. Doch entgegen den landläufigen Vorurteilen ist es gar nicht so einfach.

Der häufigste Fehler beim Schreiben von Kinderbüchern ist, sie zu unterschätzen. Sie brauchen nicht weniger literarische Fertigkeiten als Bücher für Erwachsene – sie brauchen mehr. Viel mehr. Ein paar lustige Einfälle, viel kindliches Gemüt und eine Handvoll Ritter oder Piraten reichen nicht, um gute Kindergeschichten zu schreiben. Die wichtigste Voraussetzung für Kinderbuchautoren ist, Respekt vor Kindern zu haben.

Lesen! Die Abenteuer des faulen Paul

Respekt vor Kindern

Wirklicher Respekt schließt aus, dass Sie Kinder in Ihren Büchern belehren wollen. Das ist leider häufig immer noch der Fall, ob bewusst oder unterschwellig. Es zeugt aber von mangelndem Respekt, wenn ich jemanden pausenlos belehren und erziehen will. Kinder haben dafür ein gutes Gespür – sie lehnen instinktiv die belehrenden Bücher als langweilig und öde ab. Gute Kinderbuchautoren wollen nicht ihre Weltsicht mitteilen, sie nehmen die Lebenswelt der Kinder ernst. Dass sie dabei gute Beispiele geben, positive Personen lebendig werden lassen, an denen sich die lesenden Kinder orientieren, ist durchaus erlaubt und erwünscht.

Held mit Macken

Aber, wenn der Held auch ein paar Macken hat, ist er sowieso glaubwürdiger. Solche Helden sind realistisch und von pädagogischen Abziehbildern zum Glück meilenweit entfernt. Wobei eines auch ganz wichtig ist: Kinder haben ein feines Gespür für gut und böse, gerecht und ungerecht. Wir sollten immer dafür sorgen, dass die Kinder in unseren Büchern auf der Seite der Guten stehen; oder gar die einzigen Guten sind. Sie dürfen dabei gerne schlauer und besser als manche Erwachsene sein. Wenn der Schuft ein Erwachsener ist, den die Kinder in Ihrem Buch am Ende besiegen, haben Ihre Leser ein ganz besonderes gutes Gefühl – der Genugtuung, aber auch der Macht. Kinder sind eben besser, das haben sie immer schon gewusst …

Politisch inkorrekt

Das große Geheimnis großer Kinderbuchautoren sind die widerspenstigen Geschichten. Anarchisch für uns Erwachsenen, wunderbar zum Träumen für die Kinder. Oder glauben Sie, Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter (Pippi) Langstrumpfs verrückte Eigenmächtigkeiten wären politisch korrekt? Ein Mädchen, das ohne Eltern lebt, nicht zur Schule geht und macht, was es will?

Freche Kinder

Möglicherweise haben wir heute mehr Verständnis für freche Kinder (auch ein Ergebnis von Lindgrens Buch), früher, vor rund 70 Jahren, als Pippi erschien, war das ein Affront gegen jede Erziehung. Und Pippis  eigenwilliges Leben darf auch heute kein Kind wagen. Aber weil Pippi das wie selbstverständlich macht, sind die Bücher auch heute so erfolgreich.

Sie sind es deshalb, weil Astrid Lindgren die anarchischen Wünsche der Kinder ernst nahm. Sehr viel anders machten das auch nicht so erfolgreiche Autoren wie Michael Ende, Max Kruse oder Enid Blyton.

Lebenswelt erfahren

Respektieren Sie also Ihr Publikum – ob es fünf Jahre alt ist oder 15. Um das zu können, müssen Sie die Lebenswelt der Kinder erfahren. Natürlich ist es von Vorteil, wenn Sie Ihr ganzes Leben ein Kindskopf, ein großes Kind, geblieben sind. Aber Ihre albernen Seiten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sie dennoch herzlich wenig über die Welt der Kinder wissen; normalerweise. Die Zeiten sind doch zu lange her, wir alle haben uns arg verbogen auf dem Weg des Erwachsenwerdens. Vorbei unsere spontane Freude und der jähe, maßlose Schmerz.

Wovon träumen Kinder?

So traurig das für Sie als Kinderbuchautoren sein mag, es gibt Hoffnung: Beschäftigen Sie sich so oft und so intensiv wie möglich mit Kindern. Am besten Ihren eigenen; wenn Sie keine haben, spielen sie mit  denen, die so alt sind wie die Helden Ihrer Bücher. Suchen Sie sich welche im Verwandtenkreis, bei Bekannten, in der Nachbarschaft. Am besten, Sie klären die Eltern vorher über Ihre Absichten aus. Finden Sie heraus, wie sie denken, was sie bewegt, worüber sie sprechen, was sie spielen, wovon sie träumen.

Geschichten zusammen entwickeln

Wunderbar für beide Seiten und hilfreich für Sie ist es, wenn Sie Geschichten zusammen mit Kinder entwickeln und spielen. Oder später, wenn Sie niedergeschrieben sind, den Kindern vorlesen. Da sehen Sie die Reaktionen direkt.

Viel lesen

Ein weiterer Zugang ist, so viele Kinderbücher wie möglich zu lesen. Aus dem Genre, das Sie schreiben wollen, aus der Altersgruppe, für die Sie arbeiten. Hier haben Sie, ganz nebenbei, auch einen guten Test, ob Sie sich zu einem Kinderbuchautoren eignen: Wenn Sie die Bücher anderer Autoren (alle) langweilig finden, sollten Sie eher für Erwachsene schreiben. Denn nur, wenn Sie für Kindergeschichten Begeisterung empfinden, sind die etwas für Sie.

 Bücher zu Thema gibt es in der Leiste rechts.

Bild: pixabay.com/Petra Aus Österreich

Bild: pixabay.com/Petra Aus Österreich

Nahezu alle Themen eignen sich für Kinder und fürs Kinderbuch – so haben wir bereits zu diesem Thema geschrieben – das will ich noch ein wenig präzisieren.

Beim Schreiben für Kinder sollten wir vor schwierigen Themen nicht zurückschrecken – denn Kinder erleben die Welt ja nicht nur als Ort der Geborgenheit.

Es muss spannend sein

Was immer wir aber als Thema wählen – es muss unsere jungen Leser interessieren. Also sind wir in der Pflicht, es spannend aufzubereiten. Wir haben kein Recht, unsere Leser zu langweilen.
Natürlich dürfen wir experimentieren und Kindern Stoffe anbieten, die sich von den gängigen abheben. Es ist vielleicht ganz heilsam für beide Seiten, wenn wir nicht immer nur über Ritter, Pferde, Autos, Zauberer, Piraten, Einhörner und Zeitreisen fabulieren. Vielleicht entsteht so einmal etwas wirklich Neues.

Anspruchsvolle Szenarien

Es dürfen ruhig anspruchsvolle und schwierige Szenarien sein – so lange wir sie geduldig erklären.
Andererseits dürfen wir uns dann aber nicht wundern, wenn uns bei ungewöhnlichen Themen die Leser ausbleiben. Also ist der Blick in das aktuelle Programm großer Kinderbuchverlage sicher nicht hinderlich; und hin und wieder ein Kinderbuch lesen, das hat auch noch keinem Autor / keiner Autorin dieses Genre geschadet!

Keine Pädagogik!

Was wir aber streng vermeiden sollten, ist sozialpädagogische Betuchlichkeit,
Wir haben den Kindern nichts beizubringen und mit erhobenem Zeigefinger herumzulaufen. Gut, eine Geschichte braucht natürlich eine Moral; aber die sollte sich aus den Personen ergeben und aus dem Verlauf der Geschichte. Sie sollte als Essenz am Ende stehen und nicht wie Schmalz überall dick draufgestrichen sein!

Wir klopfen bei den Kindern an

Wir sollten unsere jungen Leser nicht zu pädagogisch wertvollen Einsichten zwingen – sondern und ganz auf deren Welt einlassen. Wir sind Lernende, nicht Lehrende in der Kinderwelt. Weil wir sie längst verlassen haben. So stehen wir draußen und klopfen zaghaft an – wenn wir Glück haben, lassen uns die Kinder in ihre Welt.

Schafft Stoffe und Helden, die herrlich schräg und albern sind; und die verschroben sind; und von denen eure jungen Leser ein ganzes Leben lang träumen!


Hier gibt es 41 Tipps zum Thema Kinderbuch schreiben – einfach kaufen & genießen!  Siehe links unten …

Plane dein Kinderbuch gründlich

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Bild: pixabay.com/Anja Osenberg

Über die Frage, was wir beim Kinderbuch vorab planen müssen, scheiden sich die Geister. Ich zerfalle in Theorie und Praxis …

Natürlich geht es nicht ohne Planung. Die einzelnen Kapitel in meinem Roman muss ich festlegen, die Biografien der Personen müssen stehen – ehe ich anfange mit dem Schreiben. Das betont auch jeder Schreibratgeber eindringlich. So weit die Theorie.

Die Praxis

Und doch arbeite ich mit zunehmender Routine immer freihändiger. Gut, die Kapitel plane ich schon durch. Aber beim faulen Paul bin ich mittlerweile beim 4. Roman, das grundlegende Setting ist bekannt, viele Personen auch. Ich skizziere immer gröber die Handlung, denke zwischendurch über die nächsten Kapitel nach – und ändere viel im Laufe der Geschichte. Manchmal wird es eine ziemlich andere Geschichte, manchmal schiebe ich nach ein paar Seiten ein völlig neues Buch ein; und setze das geplante Buch eben als folgendes an.

Jetzt lesen: Zauberhafter Frizzie

Der Reiz des Kreativen

Das hat zweifelsohne seinen Reiz – weil die Personen und die Handlung den Roman vorantreiben; und nicht ich als Autor. Ich versuche, mich so weit wie möglich zurück zu nehmen.

Aber das spontane Schreiben birgt auch Gefahren. Ich muss höllisch aufpassen, damit ich nicht irgendeinen Faden verlieren – mein Gegenmittel heißt: Handschrift. Ich schreibe den Roman immer erst mit der Hand, dann tippe ich ihn ab. Dabei merke ich dann, wenn etwas fehlt.

Der zweite Punkt: Wenn du so arbeitest, darfst du nicht faul sein; sondern bereit, den ganzen Roman noch einmal von vorne umzuarbeiten – wenn du etwa nach dem ersten Drittel des Buches eine Person neu einführst, weil du die am Ende brauchst. Das ist dann wieder viel Arbeit.

Die Moral der Geschicht

Unterm Strich: Das spontanere Schreiben ist nicht weniger arbeitsreich und verplant – beim Durchorganisieren hast du die Orga vorweg; beim spontanen Schreiben hinterher. Denn stimmig muss der Roman in jedem Fall sein.
Und etwas anderes darfst du auch nicht vergessen: Auch beim spontanen Schreiben musst du immer ALLES nach der Moral der Geschichte ausrichten, die du vorher festgelegt hast. Du schreibst die Geschichte, um deinen Lesern (und dir) etwas zu beweisen – und ALLES muss so komponiert sein, dass es die These als Moral der Geschichte am Ende auch logisch beweist.

Also: Ich habe mir mittlerweile eine gute Mischung aus Planung und Spontaneität geschaffen. Die Übung macht den Meister!

Unten links bekommst du 41 kurze & hilfreiche Tipps, worauf du beim Schreiben von Kinderbüchern achten solltest. Eine Investition, die sich auszahlt 🙂

 

Roman schreiben

Bild: pixabay.com/Domas

Gut, Sie können ihre Leser langweilen. Oder Sie schreiben einen Roman, der es in sich hat. Wie? So …

Ein paar Kratzer im Lack

Es soll ja Schriftsteller geben, die haben mit Moral nix am Hut. Andere weigern sich, für eine Botschaft gradzustehen. Beides ist brandgefährlich – weil wir Autoren Kommunikation betreiben; im besten Fall. Und wer etwas sagt, der muss auch etwas zu sagen haben. Sonst ist er nichtssagend.
Ohne Moral der Geschichte geht nichts im Roman. Anhand der sogenannten Prämisse (Moral) richtet sich alles aus: die Handlung, die Personen und der zentrale Konflikt zwischen ihnen. Die Moral der Geschichte ist Ihr Leitfaden. Wie Sie lebendige Personen schaffen, das erzählt uns Lajos Egri in seiner Schreibschule („Dramatisches Scheiben“) so aus: Schaffen Sie dreidimensionale Personen.

Die Biografie der Figuren

Dreidimensional wird eine Romanfigur mit ihren Eigenschaften. Und die dürfen ruhig ein bisschen ausgeprägter sein als bei Menschen, die Sie in ihrem Alltag kennen. Übertreiben Sie ruhig: Aussehen (Physis), soziales Milieu, Geist und Seele (Charakter). Dazu müssen Sie alles über Ihre Helden wissen – und über seinen Gegenspieler.

Biografien schreiben

Viele Autoren schreiben Biografien über Protagonisten und Antagonisten. Wo kommen sie her, wer sind ihre Eltern, wie war die Kindheit, was lieben sie, was hassen sie? Bringen Sie dazu die Charaktere Ihrer Erzählung als Planspiel in unglaubliche Situationen – und notieren Sie, wie sie sich darin verhalten. Stimmig verhalten wohlgemerkt, denn Sie wollen ja Figuren schaffen, die sich aus ihrer Biografie heraus schlüssig verhalten.

Ein Interview als tolle Recherche

Eine tolle Möglichkeit, Ihre Romanfiguren kennen zu lernen, ist das Interview. Löchern Sie Held und Gegenspieler mit Fragen, bis Sie ALLES über sie wissen. Danach schreiben Sie die Biografie neu.  Sie als Autor müssen Ihre Figuren im Schlaf kennen. Träumen Sie ruhig oft von ihnen, das hilft. Manche Autoren trainieren ihren Halbschlaf. Sie gehen mit einer Romanszene ins Bett, denken beim Einschlafen darüber nach; manchmal setzen sie die Geschichte im Traum fort. Und nutzen die Phasen des Halbschlafes, um weiter nachzudenken. So lösen sich manchmal schwierige Situationen in Ihrem entstehenden Buch wie von selbst.

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Entwickeln Sie Ihre Figuren 

Wenn Sie Ihren Romanfiguren mit Eigenschaften versehen, die den Roman lebendig machen, so müssen die raumfüllend sein. Ihre Personen brauchen ein ausgewachsenes Ego. Und sie müssen sich entwickeln. Hier hilft uns wieder die Moral – wir wollen mit unserem Roman etwas beweisen. Und die Entwicklung des Helden muss diesen Beweis erbringen. Wenn Sie also zeigen wollen, dass selbstloses verhalten wirklich glücklich macht, so schaffen Sie einen Protagonisten, der egoistisch und unglücklich ist (und das gar nicht merkt); und der sich durch ein Schlüsselerlebnis zu einem hilfsbereiten Menschen wandelt und dann wirklich glücklich ist.

Ein paar Kratzer im Lack

Vergessen Sie nicht, selbst Ihrem strahlenden Helden ein paar menschliche Fehler mitzugeben. Und der Gegenspieler ist nicht nur fies, er hat auch gute Eigenschaften. Der Leser möchte mitgerissen werden. Das wird er nur, wenn er Menschliches erkennt.

Spannung mit Handlung schaffen

Spannende Figuren ergeben aus der Handlung. Deshalb ist die Moral so zentral, weil Sie Ihnen den Handlungsstrang der Geschichte vorgibt – das, was Ihnen und Ihren Romanfiguren wichtig ist und was Sie alle gemeinsam beweisen werden mit Ihrer Geschichte. Spannung erzeugen Sie, indem Sie Held und Gegenspieler hart aufeinander prallen lassen. Beide wollen unbedingt gleichzeitig etwas, das es nur einmal gibt. Oder der eine will etwas, der andere will es verhindern. Das Motiv für beide muss so stark sein, dass es den ganzen Roman über die Handlung trägt.

Ein Motiv für den ganzen Roman

Sollten Sie bemerken, dass Ihr Motiv für einen ganzen Roman nicht reicht, wählen Sie ein anderes.
Um die Spannung zu halten, müssen Sie den Helden eine Hürde nach der anderen nehmen lassen. Immer gerät er in Schwierigkeiten. Und immer ist die nächste härter als die vorangegangene. Bis zum finalen Showdown.

Dreimal neu schreiben

Ein Tipp zum Schluss: Lassen Sie Ihr Manuskript danach ein Jahr in der Schublade, lesen Sie es sich dann laut vor, sich und anderen – und schreiben Sie danach alles noch dreimal neu. Mindestens. Dann haben Sie einen guten Roman geschrieben.

Was ist der Unterschied zwischen Nachricht und Bericht? Wie schreiben Sie so etwas? Und wie führen Sie ein Interview?

Schwierige Kürze

Wenn Sie für die Medien schreiben wollen, sollten Sie die Unterschiede zwischen den einzelnen journalistischen Genres kennen. Die Nachricht (Meldung) wird häufig in der Pressearbeit eingesetzt. Sie ist knapp gehalten, transportiert sachliche Informationen und beschränkt sich auf das Wesentliche.

Ohne Blähstil

Beachten Sie die verständliche Schreibweise in kurzen Sätzen ohne Blähstil, Adjektive und Kommentare. Vermeiden Sie das Passiv. Schreiben Sie aktiv, nennen Sie die Redenden und Handelnden mit Vornamen und Namen. Und bringen Sie alle Fakten kompakt. Vermeiden Sie alles, was nicht unbedingt in die Nachricht gehört. Interessant ist auch ein Hinweis auf weitere Informationen – etwa die Internet-Adresse oder eine Telefonnummer. Das war‘s schon.

Fakten ordnen

Die größte Schwierigkeit bei Nachrichten ist die Kürze. Und die Gedankenarbeit, alle Fakten erst zu ordnen und zu werten und sie dann gemäß der sieben W-Fragen anzuordnen – und das auch noch in absteigender Wichtigkeit. Das Wichtigste nach vorne (wer, was, wann, wo, wie, warum, wozu?), danach das weniger Wichtige. Freie Mitarbeiter einer Tageszeitung schreiben lieber opulente 200 Zeilen von einem Ereignis als knappe 20. Denn sich zu überlegen, was man in nur 20 Zeilen bringt, ist oft schwieriger, als schnell 200 Zeilen herunter zu klappern. Der Redakteur hat dann die Mühe, das alles einzudampfen. Seien Sie kooperativ, denken Sie vor dem Schreiben.

Strenger Aufbau

Die Nachricht hat einen strengen Aufbau. Sie ist in Abschnitte gegliedert. Der erste ist der Lead (Vorspann), in dem alle wichtigen W-Fragen zusammengefasst sind. Der Lead muss die Leser ausreichend informieren, die danach aussteigen.
Der Bericht ist der Zwillingsbruder der Nachricht – aber umfangreicher. Das ist eine längere Mitteilung, die sich an dieselben Regeln hält wie die Pressemitteilung. Schreiben Sie nie chronologisch, auch wenn Sie über eine Hauptversammlung berichten. Auch hier gilt: das Wichtigste zuerst.

Bericht im Lokalteil

Der Bericht findet sich meist im Lokalen – wie der Bericht über die Hauptversammlung und anderes. Nachricht und Bericht sind die gebräuchlichsten journalistischen Formen in der Pressearbeit für Vereine.
Weitere Formen: Reportage, Feature, Kommentar und Glosse sind journalistisch anspruchsvolle Formen. Sie werden in der ersten Zeit Ihres Wirkens in der Presse eher nichts für Sie sein. Haben Sie einmal Blut geleckt, fragen Sie ruhig Ihren Redakteur, ob Sie einmal Glosse, Interview oder Kommentar versuchen dürfen. Er wird Sie gerne beraten. Außerdem helfen gute Lehrbücher und die Lektüre guter Zeitungen.

Erkundigen Sie sich vorher

Das Interview: Es setzt sehr viel Wissen um die Person und die Sache voraus. Dabei sollten Sie die eigene Meinung zurückhalten und dennoch das Gespräch führen. Ein Interview ist aber in jedem Fall mehr als die pure Abfrage nach dem Termin eines Festes und der Frage, was es zu essen und zu trinken gibt.
Regeln: Sie sollten den Gesprächspartner ernst nehmen, nur solche Fragen stellen, die er auch beantworten kann, präzise und ruhig penetrant fragen, nur eine Frage auf einmal, möglichst unter vier Augen (nicht vor Publikum) befragen. Keine Diskussionen anzetteln. Fragen Sie aber ruhig kritisch nach.

Autorisieren lassen

Das Wortlaut-Interview sollten Sie autorisieren lassen – das heißt, Ihr Gesprächspartner sollte es so zu lesen bekommen, wie es später in der Zeitung steht. Wenn der Interviewte Änderungen haben will, lassen Sie diese zu. Sie sollten aber aufpassen, dass der Interviewte Ihnen nicht die Fragen im Mund verdreht und das Interview einen ganz anderen Zungenschlag bekommt. Wenn dem so ist, bitten Sie den Redakteur um Hilfe. Zur Not lässt der dann das Interview ganz ausfallen. Schade, aber nicht zu ändern. Ansonsten gibt der Journalist seine Texte niemandem zum Lesen.

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