Bild: pixabay.com/Alexandra / München

Eigentlich möchten wir es kaum glauben – aber der Förderkreis Burg Ronneburg greift bei seiner Werbung zu einem grenzüberschreitenden Mittel.

Von Gespenstern soll heute die Rede sein – und nicht von solchen in der großen Politik. Nein, die Ronneburg empfiehlt sich wieder einmal für ein spannendes Wochenende; die Burgfestspiele stehen an. Nun hat sich der Förderkreis etwas einfallen lassen, um Werbung zu machen für das Spektakel und einen Burgboten herausgebracht. Da sind allerlei lustige Geschichten und Hintergründiges zu lesen.

Der Burgbote enthüllt

Und wer es schon immer geahnt hat, auch in der Ronneburg gespenstert es. Das erfahren wir aus einem Artikel. Ein Radiästhesist hat gemessen und an vielen Stellen gespenstische Energie gefunden. Nicht nur das; er beschreibt auch ganz genau, wessen Gespenst dort umgeht.

Ein Geistlicher als Gespenst

Zum Beispiel das eines Geistlichen, einem gutherzigen Kerl zu Lebzeiten, dem man ausgerechnet eine böse, böse Folterbank in die Kammer gestellt hat. Obwohl es die doch gar nicht gab auf der Burg. Da sitzt der arme Geistliche nun in der Ecke (als Gespenst) und wimmert sich eins über die schlimme, schlimme Welt, die ihn auch nach dem Heimgang so quält. Ist ja auch eine Unverfrorenheit für einen Geistlichen, jeden Tag auf das speckige Holz des Marterinstrumentes zu starren. Die Hölle könnte nicht schlimmer sein – das hat er nun von seiner Frömmigkeit.

Ein derber Kerl

In einem anderen Erker sitzt zur Abwechslung mal ein arroganter Gottesmann, der predigt und predigt und predigt… egal, ob ihm jemand zuhört oder nicht. Echt penetrant, so im Vorübergehen missioniert zu werden, ohne dass der gespenstische Geistliche um Erlaubnis bittet.Vielleicht sollten die beiden ja die Kammern tauschen. Da könnte der Missionar die Folterbank bekehren und der gutmütige hätte auch seine Ruh‘.

Schließlich wandert im Außenbereich noch ein derber Kerl umher, wohl ein Stallknecht, der fast den Gespenster-Verstand verliert – weil er nämlich immer von großem Durst geplagt ist und dort, wo er spukt, nur leere Schnapsflaschen herumliegen. Auch dem ist zu helfen; vielleicht legt eine barmherzige Seele einmal eine volle Pulle ins Gras. Wer also am Wochenende auf die Burg pilgert, der bohre auch heimlich nicht in der Nase – ein Gespenst könnte ihn beobachten. Huhu.

P.S: Ich weiß nicht, was der Förderkreis heutzutage empfiehlt oder ob es ihn überhaupt noch gibt. Diese Glosse entstand vor 20 Jahren – ich finde sie aber immer noch süüüüüüß.

 

Bild: pixabay.com/Ronile

Gott ist etwas schwer zu lokalisieren. Er macht sich manchmal ein wenig rar – zumindest erscheint uns das so. Aber vielleicht könnten wir ihn – kurzfristig – festmachen. In Hüttengesäß zum Beispiel.

Was wäre das Leben lieblos ohne die kleinen Pannen? Furchtbar. Wie öde, robotorhaft und kalt liefe unser Alltag ab. Da sind wir froh, daß wir die Gemeindevertretung Ronneburg haben. Denn die bringt Sonne in unser Leben. Das fängt an beim sonnigen Gemüt des Bürgermeisters (nur böswillige Leute unterstellen ihm einen gehörigen Schuss Phlegma), geht weiter über den pulvertrockenen Humor von Fritz Münch, dem Gemeindevertreter-Vorsitzenden und endet noch lange nicht beim Schlitzohr Wolfgang Trümper. Nein, alle, die dort im Rund des Rats sitzen, pflegen ein geselliges Miteinander, daß man sich wohl fühlt wie Gott in Hüttengesäß.

Nix ist ernst

Weil niemand nichts so tierisch ernst nicht nimmt. Warum auch? Blenden wir in die dritte Sitzung der Gemeindevertreter, die vor ein paar Tagen stattfand.
Auf der Einladung steht “zweite”- Tippfehler, sagt der Bürgermeister. Geschenkt. Weiter.

Der alte ist der neue

Beim Vorschlag für die Liste des Haupt- und Finanzausschusses wird bereits der Vorsitzende ernannt: Wolfgang Gerlach. Eine übereifrige Sekretärin, grinst der Bürgermeister. Das sei nur als Gedächtnisstütze für ihn gedacht, damit er weiß, wie der alte hieß. Gut, so ein Schultes hat viel um die Ohren, da vergisst man leicht, welchen Namen der langjährige Ausschussvorsitzende trägt.

Neue Form des Regierens

Die Ronneburger Gemeindevertreter bringen also das Kunststück fertig, einen fix und fertig zusammengestellten Ausschuss zu haben, einschließlich Vorsitzenden, und dann erst darüber abzustimmen, ob sie überhaupt ein solches Gremium haben wollen.
Ronneburg hat eine neue Form des Regierens erfunden, die prophetische Demokratie. Nur Susanne Wolf ist noch nicht so  weit, die Fraktionschefin der WIR. Die wollte einen Antrag stellen, hatte ihn aber nicht dabei. Ein Kollege musste einspringen.
Sie hätte mal mit der berühmten Sekretärin telefonieren sollen – schwuppdiwupp wäre der Antrag als beschlossen auf die Tagesordnung geschlüpft.

Tja, das Hanauer Land hat seine Untiefen. Der liebe Gott wird wissen, warum er es erschaffen hat.

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Auch Lehrerinnen machen Fehler. Manche merken es nur nicht.

Kein Finger schiebt sich mehr durch die Wolkendecke, von oben nach unten, keine Stimme Gottes grollt mehr wie Donnerhall: „Jo­nas, geh‘ nach Ninive!“ Wir armen Menschenwürmer sind ganz alleine gelassen, wenn es darum geht, welche Namen wir uns geben. Viel­leicht kommen so, weil die göttliche Weihe fehlt, auch die vielen Verwechslungen zustande.

Wer in seinem Be­ruf arbeitet, bei dem es weni­ger darauf ankommt, was ei­ner sagt, als vielmehr, wer das sagt, der kann ein gar­stig Liedlein davon singen. Welten brechen zusammen, sollte in der Zeitung Max Hanswurst stehen, anstatt Moritz Hanswurst. Und doch sind die Damen und Herren von der Journaille nicht die einzigen Übeltäter.

Das Telefon klingelt

Manch­mal sind sogar – hört, hört – die Glieder des Lehrkörpers fehlbar: Eines Morgens klin­gelte das Telefon bei A. Hof. Eine Lehrerin klagte über das Glatteis und sagte: „Sie müssen mir freigeben!“

Freigeben? Nö!

„Das kann ich nicht,“ ant­wortete A. Hof. Worauf die Pädagogin Gift und Galle spuckte und von Blutsaugerei fieberte. Bis sich, etliche Minuten später, herausstell­te, daß A. Hof gar nicht der Rektor der Schule war, son­dern A. Hof, ein Bankfach­mann.

Und der konnte nun wirklich der Dame nicht frei­geben. A. Hof trug die Ver­wechslung mit Humor. Das tun wenige. Denn obwohl der Prediger Salomon weiß, daß wir nichts weiter sind als Staub im Wind, ist unsre Ei­telkeit grenzenlos. Oder ge­rade deshalb ?

Osswalds Kosmos: 4 Möpse

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Darf man seinem Psychiater von einer Frau mit 4 Möpsen erzählen? Und wenn ja – welche Konsequenzen hätte es?

Seit einigen Nächten hat Osswald einen hartnäckigen Traum. Eine blonde Dame mit vier strammen, nackten Brüsten bewegt sich auf ihn zu. Er sperrt den Mund vor Staunen auf. Gleich wird die blonde Damen ihm eine ihrer großen Brüste in den Mund stopfen – da ruft einer: “Schau mal die Dame mit den vier Möpsen!” Auf dieses Kommando hin verwandeln sich die vier Brüste in Möpse, die mit dem Leib der Blonden verwachsen sind und bellen.

Möpse bellen

Osswald erwacht.
“4 Möpse sind schon schlimm genug an einer Frau”, sagt seine Frau, “aber wenn sie sich in Möpse verwandeln, ist das sehr doppeldeutig.”
“Ich finde das ziemlich eindeutig”, erwidert Osswald.”
“Wie dem auch sei, du solltest es deinem Therapeuten erzählen.”
“Wenn ich das tue, hat er sein Thema für die nächsten drei Jahre. Und ich glaube, das sagt mehr über ihn aus als über mich.”

Osswald denkt dennoch darüber nach, wie er mit dem seltsamen Traum umgehen soll. Am nächsten Tag steht er beim Metzger, als die Fleischfachverkäuferin aufschaut und ruft: “Nein, die Dame, die Möpse bleiben draußen.” Osswald erstarrt. Er fühlt sich verfolgt, von Möpsen, gestalked, von Möpsen, umzingelt.

Leberkäse für die Möpse

“Aber gerne”, erwidert eine Frauenstimme, “ich lasse die Süßen draußen.” Aus den Augenwinkeln sieht Osswald, wie die Dame ihre Süßen an den Haken in der Hauswand der Metzgerei anbindet – es sind tatsächlich vier Möpse. Die Dame lässt sich eine Scheibe warmen Leberkäse in vier Streifen schneiden, stöckelt zu ihren vier Möpsen hinaus und verfüttert den Leberkäse. Dann bricht sie in die Stadt auf.
Osswald wird die Geschichte für seinen Seelenklemptner ein wenig variieren: Die blonde Dame in seinem Traum wird ihre vier Brüste, wenn sie sich in vier Möpse verwandelt haben, mit Streifen warmen Leberkäses füttern. Osswalds Psychiater ist Vegetarier. Mal sehen, was er dazu sagt. Und wie viele Jahre lang. 

Krüger

Mehr Satire

Lichtblau

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Was lange währt, wird endlich gut: Xaver Leonhard Lichtblau, Autor des vielbeachteten Buches Liebe. Ficken. Tod legt in seinem aktuellen Buch Schnurren und Satiren vor. Das Buch ist nur auf den ersten Blick gefälliger. Beim zweiten zeigt es sich erstaunlich widerborstig.

Zwei Jahre lang hat Xaver Leonhard Lichtblau seine Schnurren und Satiren geordnet, überarbeitet, geordnet und neu geschrieben. Dann hat er noch einmal radikal 2/3 der Geschichten rausgeworfen und nur das wirklich Beste in seinem Buch gelassen. Leserinnen und Lesern unseres Blogs ist der Titel zum Teil vertraut: Osswalds Kosmos – alles wird besser. Osswalds Kosmos kennen sie, seit Lichtblau sich vor drei Jahren entschloss, die Lücke zu schließen, die Blaumilch hinterließ, als er seine Satiren einstellte.

Fremdes Terrain für Lichtblau

Für Lichtblau ein durchaus fremdes Terrain, wiewohl er seit Jahren als Autor arbeitet. Er hat sich in die Schnurren und Satiren mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit eingearbeitet. Und er ist besser und besser geworden. Gerade in den Geschichten des vergangenen Jahres hat er ein begeisterndes Niveau erreicht. Auch deshalb warf er so vieles Ältere wieder aus dem Buch; weil es nicht mehr zu dem erreichten Niveau passte.

Lichtblaus Schnurren und Satiren nehmen uns mit in die Welt von Osswald, einem sympathischen Verlierer. Sympathisch deshalb, weil er sein Scheitern mit Würde trägt und selbst darüber noch lachen kann. Kein Großmaul, kein Ellbogenmensch, kein erfolgreicher Durchsetzer – sondern einer, der ein großes Herz hat. Der mit denen fühlt, die abgerissen sind, die am Rande der Gesellschaft leben. Ihnen setzen diese Geschichten kleine Denkmale. Etwa der Luftgitarrenspieler, der mit Kinderwagen und Ghettoblaster auf Betteltour geht. Oder die alte Gauloisesraucherin, die sich sieben Brötchen mit Fleischkäse kauft und für ihren Sohn noch mal sieben.

Würde der Menschen gesehen

Lichtblau erkennt und ehrt die Würde dieser Menschen. Darin erinnern mich die Schnurren und Satiren stark an sein erstes Buch – doch das hatte einen anderen Ansatz. Es war härter, provokanter und versuchte, nach dem ersten Schock das Einvernehmen mit dem Leser herzustellen. Und seinen Helden eben auch so etwas wie Würde zu lassen. Ein schwieriger Versuch, der des Öfteren scheiterte.

Hier sehen wir die Außenseiter durch die Brille des Außenseiters Osswald. Und das ergibt eine reizvolle Spiegelung.

Alles in allem ein lohnendes Buch.

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Bild: pixabay.com/Alexandra / München

Ohne Bart wird’s hart – das haben wir immer schon geahnt. In dieser Satire bemühen wir zudem eine ziemlich historische Persönlichkeit.

Sie geht eher beiläufig an ihm vorbei, blickt ihn flüchtig an – und erstarrt. Frau Osswald stiert lange Sekunden auf das Kinn ihres Gatten; so, als habe sie dort etwas entdeckt, was sie bisher nicht sah. Oder kannte.

Es ist Osswalds Bart, den er schon seit Wochen trägt. Aber vielleicht hat sie jetzt, im Urlaub, mehr Zeit hat, ihren Gatten zu betrachten. Er ist stolz, sein Gesichtskraut so lange versteckt zu haben. Doch dessen dessen Tage sind gezählt. Das sieht er am Blick seiner Gattin. Und gleich kommt es auch: „Mach den Bart ab!“ herrscht sie ihn an. Wenn’s soweit ist, endet der gemeinsame Weg von Mann und Bart, und alle Hoffnung stirbt. Nach der Hoffnung stirbt der Bart.

Zwei Tage hält Osswald durch

Zwei Tage hält Oswald noch heldenhaft durch. Zwei Tage, in denen ihn seine Gattin mit bitterbösen Blicken verfolgt; und jede Stunde einmal sagt: „Bart ab!“

Plötzlich wird sie zuckersüß. „Schatzi, lass mich doch mal deine Haare schneiden.“ Gut, sie sind etwas sehr lang, und normalerweise wäre Osswald seiner Gattin dankbar für das Angebot. Aber er weiß, was dabei passieren wird. Und hier kommt es schon: „Dann kann ich auch deinen Bart wegmachen.“

Selbst, wenn er sich weigerte, seine Kinnbehaarung zu opfern – seine Gattin würde sicher, gaaanz aus Versehen, beim Haareschneiden mit der Schere abrutschen. Und seinen Bart meucheln.

So verzichtet Osswald schweren Herzens auf seinen Haarschnitt; und beschließt, seinen Bart eigenhändig zu ermorden.

Der Kaiser erscheint im Traum

Der Gedanke ist schwer zu ertragen. In der Nacht vor seiner Gräueltat erscheint ihm Kaiser Barbarossa im Traum. Mit wallend rotem Bart. So wallend war er beim ollen Kaiser zu Lebzeiten nie. „Mach den Bart ab!“, donnert ihn Barbarossa an und funkelt eindrucksvoll mit den Augen.

„Und du? Hast doch auch einen Bart“,  protestiert Osswald.

„Ich bin der Kaiser!“

„Meiner nicht.“

„Doch, auch deiner. Ich bin der Kaiser aller Reußen.“

„Und Ösen.“

„Ösen? Kenn ich nicht. Ein neuer Volksstamm?“

„Ja, und alle mit Bart. Sogar die Frauen“, stänkert Osswald im Traum.

„Bart ab!“, donnert der Kaiser.

„Aber wieso?“

„Das geht dich gar nichts an. Ich bin der Kaiser. Und mein Wort ist Gesetz.“

„Nix Wort, nix Gesetz“, nuschelt Osswald und dreht sich auf die andere Seite.

Da hört er das Rattern eines alten Wählscheibentelefons, das die gewählten Nummern sucht. Dann das Tuuuuten, schließlich das Knacken, als der Hörer abgenommen wird.

„Ja, hier spricht der Kaiser.“

Eine Frauenstimme: „Barba, wo bist du?“

„Ich bin in Höhle sieben.“

„Aha, dachte ich es mir. Mittagessen ist fertig. Und anschließend scheren wir deinen Bart.“

„Ich habe es befürchtet“, antwortet der Kaiser und legt auf.

Bart scheren?

„Du scherst deinen Bart? Du, Barbarossa!“

„Natürlich. Ich komme nicht mehr aus dem Kyffhäuser heraus, der Eingang der Höhle ist zu schmal. Und mein Bart zu dick.“

„Da hast du ja mächtig was zu scheren“, bemitleidet ihn Osswald.  

„Das kannst du laut sagen, Milchgesicht“, antwortet der Kaiser, „vor allem, weil wir hier nur Feuersteine haben. Hast du dir schon mal mit einem Feuerstein den Bart rasiert?“

„Nicht unbedingt.“

„Sei froh.“

„Na dann, gut kratz!“

„Sehr witzig.“

„Und wenn du genug von deinem Bart abgeschabt hast, kletterst du aus dem Kyffhäuser? Und dann?“

„Jawoll! Dann befreie ich Germanien. Einer muss es ja tun.“

„Da hast du recht. Schlimmer als die augenblicklichen Germanien-Beglücker wirst du auch nicht sein.“

„Aber hallo!“, schmettert der Kaiser. „Ich bin der Kaiser!“ Mit einem Plöpp verschwindet das Traum-Bild. Osswald dreht sich auf die andere Seite. Verrückter Traum, denkt er. Kaiser Barbarossa mit wallend rotem Bart, der sich die Pracht mit einem Feuerstein abschabt. Wieder macht es Plöpp, der Kaiser ist zurück.

„Weißt du eigentlich, warum ich am 10. Juni 1190 im Fluss Saleph ertrunken bin?“

„Du konntest nicht schwimmen?“

„Natürlich konnte ich schwimmen, du Weißbrot! Ich bin gegen Polen gezogen, ich bin sechs Mal gegen Italien gezogen, ich habe Heinrich den Löwen gestürzt.“

„Alleine? Und dann die ganzen Kreuzzüge.“

„Eben. Ich bin der Kaiser, was denkst du, wie viele Flüsse ich in meinem Leben durchquert habe. Ich bin der Kaiser und ich bleibe der Kaiser. Und ich kann schwimmen.“

Wieder das Plöpp, der Kaiser ist weg.

Der Kaiser ist weg

Gleich plöppt es erneut, der Kaiser ist zurück: „Nein, ich hatte einen riesigen Bart, weil ich nicht zum Rasieren kam auf diesem Kreuzzug. Und was geschah? Der verfluchte Bart sog sich voller Wasser, zog mich auf den Grund des Flusses und ersäufte mich. Mich, den Kaiser!“

Plöpp.

Plöpp.

„Rasiere dich, du Weichfrosch!“

Plöpp.

Plöpp.

„Lieber Zartbitter als Bartzitter!“

Plöpp.

Osswald hat zwei Gründe

Jetzt hatte Osswald schon zwei Gründe, sich zu rasieren. Seine Frau. Und den Kaiser. Wobei er nicht wusste, wer mächtiger war. Osswald ist einigermaßen weichgekocht, als er an diesem Morgen aufsteht. So hat seine Frau ein leichtes Spiel. „Ja“, antwortet zu ihrem Erstaunen ihr Gatte, als sie sagt: „Ossi, komm, ich rasier‘ dich jetzt!“

Sie tun es auf der Terrasse. Frau Osswald nimmt die Schere dazu. Das ist ziemlich grob, ein Stoppelwald bleibt stehen – aber Osswald ist das gerade recht. Da kann er sich langsam entwöhnen – und jeder Versuch seiner Gattin, ihn zum Glattrasieren zu ermuntern, verliert sich im Stoppelgeflecht seines Gesichts. Das bekommt er nämlich nicht mit dem trockenen Nassrasierer weg; behauptet er. Trotz der Resthaare fühlt er sich seltsam schwach.

Als er mit den Hunden zum Deich wankt, knickt er ein paar Mal mit seinen Beinen ein. Am blaugewischten Himmel segeln weiße Wolken, die Hunde tollen und kacken, und Osswald packt die Bollen in die Tüten und strebt auf die Abfalltonne zu, die an der Abzweigung steht.

Alter Bauer mit Barbarossa-Bart

Und aus dieser Abzweigung, einem Feldweg, setzt jetzt rückwärts ein Anhänger, beladen mit Holz. Davor hängt ein Mercedes, an dessen Lenkrad ein ganz alter Bauer kauert. Mit mächtigem rotem Barbarossa-Bart. Osswald schätzt ihn auf 87. Der Bauer lenkt, der Mercedes zieht nach links, der Anhänger zieht nach rechts, der Bauer lenkt, der Anhänger zieht nach links. Linksrechtslinksrechts, wie ein Hundeschwanz wedelt der Anhänger.

Und Osswald weicht aus, einmal nach rechts, einmal nach links. Endlich ist er an Anhänger und Mercedes vorbei. “Rasier’ dich!”, keift der Bauer durchs offene Seitenfenster. Mit Schwung befördert Osswald die beiden Hundekackbeutel in die Abfalltonne. Auf dem Rückweg sieht er einen überdimensionierten Kackbollen auf der Wiese. Er ist breitgetreten. Osswald grinst und geht weiter. Er achtet darauf, dass sich die Hunde nicht in dem leckeren Haufen wälzen.

Erst ein paar Schritte weiter dämmert es ihm, er selbst könnte in den Haufen gelatscht sein. Osswald bleibt stehen, hebt den linken Fuß: nichts. Er hebt den rechten Fuß: Scheiße. Sehr viel Scheiße.

Kurz darauf steht Osswald auf der Terrasse und spritzt mit dem Schlauch seinen Schuh ab – in die Rosen. Denen kann ein wenig Dünger nicht schaden, denkt er sich.

„Was machst du da?“, fragt ihn seine Frau, als sie ihn entdeckt.

„Ich entferne das Pech von meinem Schuh.“

„Pech?“

„Ja, Pech. Das mir an den Schuhen klebt, seit du meinen Bart ermordet hast.“

Frau Osswald lacht glockenhell.

„Dein Pech riecht aber eher nach Scheiße“, sagt sie und geht ins Haus.

„Pech, Scheiße“, knurrt Osswald, „ist das nicht dasselbe?“

Frau Seidenstrumpf gurrt

Als er nach dem Urlaub wieder am Schreibtisch sitzt und arbeitet, ruft ihn Frau Seidenstrumpf an. Frau Seidenstrumpf ist eine schöne Frau, die schon einmal bei ihm volontierte.

„Sie haben jetzt einen Bart“, gurrt sie in den Hörer, „ich habe Ihr Bild in der Zeitung gesehen.“

„Äh, hatte. Jetzt ist er ab.“

„Oh, schade.“

„Ja, äh, meine Frau konnte ihn nicht mehr ertragen. Sie sagte, der Bart kratzt.“

„Aber das ist doch schön!“, ruft Frau Seidenstrumpf. „Ein Bart muss kratzen. Auf allen Lippen!“

„Äh.“

„Wenn Sie wieder einen Bart haben, können Sie sich ja mal melden, Herr Osswald. Auf Wiedersehen.“

Lieber Bartzitter als Zartbitter!

Lichtblau

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Mehr Satire gibt es in Lichtblaus neustem Buch …

Osswalds Kosmos: Rewind – Satire

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Zurückspulen – das wär’s. Wie einfach wäre doch das Leben … aber am Knopf sitzt halt ein Größerer als wir. Wie bitter – aber darauf kann eine Satire keine Rücksicht nehmen.

Schauen Sie Filme? Hören Sie Musik? Dann kennen Sie die Taste „Rückspulen“. Nein? Neudeutsch heißt das „rewind“.

Diese Rückspultaste ist etwas Feines. Sie können Filmszenen oder Lieder noch einmal von vorne sehen und hören. So oft Sie das wollen.

Wäre das nicht auch etwas Wunderbares für Ihr Leben? So ein Rückspulknopf? Wenn sich Ihr neuer Chef in der neuen Firma als Arschloch entpuppt, dann spulen Sie Ihr Leben so lange zurück, bis Sie an den Punkt kommen, an dem Sie in der alten Firma gekündigt haben – was Sie dann tunlichst unterlassen.

Oder Sie drücken kurz vor der Polizeikontrolle nachts um 2.35 Uhr den Rückspulknopf und verschwinden wieder in der Kneipe, in der Sie fünf Stunden lang gesoffen haben; und das, ohne die Polizei an der Backe zu haben. Und dann lassen Sie, wenn Sie aufbrechen wollen, den Wirt ein Taxi bestellen.

Einfach von vorne anfangen – ohne Satire, aber mit Rewind

Doch, das hätte was.

Ähnlich soll es ja am Ende der großen Reise zugehen, die wir Leben nennen. Wenn der große Zauberer uns Sterbliche zu sich an die himmlische Tafel ruft. Um uns mit Nektar und Ambrosia und Harfenklang zu belohnen. Kurz vor unserem Abgang aus diesem Jammertal drückt der große Zauberer den Rewind-Knopf unseres Lebens, und wir rauschen zurück in unsere Kindheit; bis zum Akt unserer Zeugung. Ehm. Ich vermute, das ist so, weil wir uns mit all dem Bockmist befassen sollen, den wir im Leben gebaut haben. Schließlich müssen wir irgendwann die himmlische Tafel verlassen und wieder ran im Jammertal – gestärkt und wiedergeboren. Da wollen wir doch nicht wieder und wieder dieselben Fehler machen.

Weil wir aber noch nicht so genau wissen, dass uns der große Zauberer und die himmlische Tafel mit Tofuhaxen, Met und sangesfreudigen Engelein verwöhnen, haben wir ein wenig Bammel vor der Himmelsleiter. Wir halten verbissen an unserem irdischen Leben fest.

Reise in unser Leben

Wir würden alles dafür geben, wenn wir den Rückwärtsfilm anhalten könnten – just in dem Moment, in dem wir mit Irene (für die Frauen unter uns: Isidor) in jeder verborgenen Ecke des Stadtparks herumrollten. Wir bräuchten dann auch – danke schön – kein Tofu und keinen Met mehr.

Aber nicht wir haben den Finger am Rewind-Knopf, sondern der große Zauberer, unser himmlischer Vater. Und so lassen wir Irene (Isidor) alleine in jener verborgenen Ecke im Park herumrollen und zischen im gleißenden Lichtbogen weiter in unsere unselige Vergangenheit.

Doch dann ist ausgeschaut, wir machen kehrt und explodieren ins Licht und hoffen, dass der Met nicht zu warm und die Engelein zu kühl sind. Und dass der große Zauberer unsere dummen, kleinen Fehler nicht auf die Goldwaage legt.

Nun ja, dann ist das auch vorbei.

Mehr Satire …

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Foto: klk

Jeder Markt eröffnet Möglichkeiten und bringt zusammen, was zusammengehört. Auch ein Supermarkt. Manchmal aber will es einfach nicht klappen.

Der alte Herr mag 76 Jahre alt sein, vielleicht auch 80. Aber er ist schlank, und bewegt sich geschmeidig. Der Flaschenrückgabeautomaten bedient er mit sicherer Hand, seine Bewegungen sind fließend. Die leeren Plastikflaschen verschwinden wie am Fließband im Schlund des Automaten.

Frau schwebt herein

Da gleiten die beiden Flügel der Glastüre auseinander, und eine Frau weht herein. Auch sie mag um die 80 Jahre alt sein, trägt ihr Haar sorgsam frisiert, dazu eine Perlenkette auf der Kostümjacke. Ihre blauen Augen blitzen lebenslustig in ihrem Gesicht.

Sie lächelt bezaubernd und ein wenig verzückt. Sie hat ein Ziel: den Herrn am Automaten. Dem legt sie ihre Hand auf die Schulter – leicht, elegant, schwebend. Und dennoch fährt der alte Mann herum, starrt sie für einen Herzschlag lang an, sagt dann laut: „Bitte? Oh nein, ich stehe nicht auf Frauen. Ich stehe auf Männer!“ Es ist, als gefriere die Luft um die beiden. Umstehende erstarren, gaffen hinüber, schauen gequält. Die Männer ducken sich langsam weg.

Männer ducken sich weg beim Coming out

Wir schreiben das Jahr 2015 … aber so laut, so direkt von einem so alten Mann; das gehört sich nicht. Sich nicht. Sich nicht.

Die alte Dame zuckt zurück, als habe ihre vornehme Hand etwas glühend Heißes berührt, murmelt etwas von Borofkys (eine Kneipe) und Verwechslung und vielmals Verzeihung und geht. Weit kommt sie nicht, die Glastüre stoppt sie. Die Flügel bleiben geschlossen, sie prallt dagegen.

Für einen Moment steht sie benommen da, dann kommt ihr Osswald zur Hilfe und fragt, ob sie in Ordnung sei (ja, danke) und öffnet ihr die Türe.

Sie schwebt davon, stolz, aufrecht und sieht sich kein einziges Mal mehr um.

 

Eine Satire aus der Serie Osswalds Kosmos von Lichtblau

 

Mehr Schnurren & Satiren …

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Blechschmitt ist ein wenig schusselig. Aber dass er gleich den neuen Hundekäfig verschlampt – das geht nun wirklich zu weit!

Satire

So ein Montagfrüh im Büro hat es in sich – vor allem, wenn Blechschmitt auch noch den Freitag frei hatte. Eine Tonne Mails muss er drehen und wenden, ob da nicht noch etwas Wichtiges versteckt wäre, das die Kollegin nicht gesichtet hat. Und dann die restliche Woche planen.
Kaum sitzt Blechschmitt aber am Schreibtisch und hat die erste Fehlermeldung auf dem Schirm (weil sein Mailaccount völlig abgesoffen ist), klingelt das Telefon. „Wo hast du den Hundekäfig hingestellt?!“, fragt ihn die nachdrückliche Stimme seiner Gattin. Sie ruft offensichtlich von unterwegs aus an, der Empfang ist nicht so gut.
„Äh“, antwortet Blechschmitt und versucht verzweifelt, sich an den Hundekäfig zu erinnern. Ja, wo hatte er den nochmal hingestellt? Und wann.

Hundekäfig? Ich versteh immer Hundekäfig …

„Äh, was ist denn mit dem Hundekäfig?“, fragt er, um Zeit zu gewinnen.
„Der ist weg!“, knarzt seine Gattin ins Mobiltelefon.
„Wie? Weg?“ Blechschmitt ist verblüfft.
„Ich bin gerade mit dem Auto unterwegs, habe es abgestellt und hinter mich geguckt – und der Hundekäfig ist weg. Wo hast du ihn hin?“
„Äh“, sagt Blechschmitt, „du meinst den Käfig für den Hund?“
„Ja, Herrgott, was denn sonst soll ein Hundekäfig sein als ein Käfig für den Hund? Jetzt stell dich doch nicht so saublöd an! Wo ist er?“

Wo ist der Hundekäfig?

„Ich, äh, habe ihn am Samstag aus dem Auto genommen. Als ich einkaufen fuhr.“ An diesem Samstag war Blechschmitt alleine einkaufen gefahren, weil seine Gattin noch ein bisschen kranker war als er. Sagte sie zumindest.
„Ja, und, wo hast du ihn hingestellt?“
„In den Carport. Wie immer.“
„Da stand er aber nicht, als ich das Auto vorhin wegfuhr. Das heißt, ich weiß nicht, ob er da stand. Aber das Auto stand da, wie kann dann noch so ein großer Hundekäfig dahinter gestanden haben?“
„Das stimmt auffallend“, pflichtet Blechschmitt der glasklaren Logik seiner Gattin bei.
„Also, wo ist der Hundekäfig?“
„Äh, weiß ich nicht. Ich habe das Auto schon am Samstag wieder in den Carport gefahren. Nicht wie sonst immer am Sonntag. Der Hundekäfig war also nur ganz kurz im Carport. Höchstens zwei Stunden. Da muss ihn also jemand am helllichten Tag aus dem Carport geklaut haben.“
„Na prima!“, stöhnt seine Gattin, „weiß du, was so ein Hundekäfig kostet?“
„Ja, 73,54 Euro mit Versand. Ich habe ihn schließlich bezahlt.“
„Also, du weißt es.“
„Ich weiß aber auch, dass ich den Wagen nur ganz kurz zum Einkaufen hatte. Und dass der Hundekäfig dann schon weg gewesen sein musste.“

Ohne Schramme

„Das mag ja sein. Aber wieso denkst du nicht daran, den Käfig nach dem Einkaufen wieder ins Auto zu packen? Und wieso merkst du nicht, dass du gar keinen Käfig im Auto hast, wenn du den Wagen in den Carport stellst?“
„Das sind gute Fragen, meine Liebe“, entgegnet Blechschmitt ruhig, „ich denke mal darüber nach.“
„Tu das. Und wenn ich nach Hause komme, schau ich mal. Vielleicht finde ich den Hundekäfig doch noch.“
Sie findet ihn, wie sie kurz darauf per Anruf übermittelt. Er steht im Carport. Sogar ohne Schramme.
„Ich möchte bloß mal wissen, wie du es geschafft hast, den Wagen einzuparken, obwohl der Käfig im Carport stand?“, wundert sich Frau Blechschmitt.
„Naja, der Parkpilot hat schon ziemlich früh gepfiffen. Und ich war erstaunt, wie weit der Wagen aus dem Carport ragt“, gibt Blechschmitt zu. Er macht sich gerne zum Deppen – solange der Hundekäfig wieder auftaucht …

Jeremias Blaumilch

Mehr Blechschmitt im ersten Buch …
Genieße das Abenteuer Familie!

Osswalds Kosmos: Cats, Zen, Men, Horses

Bild: Blaumilch

Jetzt ist sie wieder über uns hereingebrochen, die Kalender-Zeit. Schließlich wollten wir ja vorsorglich alle für das neue Jahr gerüstet sein. Aber es kommt nicht nur auf die Tage eines Kalenders an – sondern auf die Botschaft seiner Bilder, wie Oswald weiß.

Satire

Da hängen sie wieder – die Kalender. Buhlen um unsere Gunst und wollen mit uns nach Hause. Auf dass wir sie aufhängen und uns an ihren Bildern erquicken. Nicht so sehr an den Tagen und Wochen – denn die sind ja doch auf jedem Kalender gleich. Zumindest sollten sie es sein, denkt Blechschmitt. Aber halt – wäre es nicht verstörend witzig, Kalender herzustellen, die einfach mal ein paar andere Tage zeigten? Vielleicht den Januar 2014 nicht an einem Dienstag, sondern an einem Mittwoch starten ließen. Wäre doch viel praktischer, denn dann wäre das Wochenende schneller in Sicht. Außerdem sparten wir uns die dämliche Tatsache, dass heuer der 6. Januar (ein Feiertag im frommen Baden-Württem-Bayern-Berg) fein auf einen Sonntag fällt. 
Aber nein, niemand hat die Cochones dazu; vielleicht sollten wir die guten alten Monty Python wieder mal ausgraben und ihnen das vorschlagen. Und der olle Kästner hat ja nun auch den 35. Mai schon erfunden.

Die Botschaften der Kalender

Ok, Kalender müssen sich also eher mit Bildern und Botschaften voneinander abheben.
 Ganz vornedran ist da wieder mal die Deutsche Post. Sie beglückt die Frauen wieder mit einer atembearubenden Galerie: da hängen nebeneinander die Kalender „Cats, Zen, Men, Horses“. Was wäre sonst noch wichtig, denkt Osswald. Obwohl er eine andere Reihenfolge gewählt hätte – Cats, Horses, Zen; und wem das noch nicht reicht, der ist auch nicht mehr zu helfen; die darf dann gerne zu den Männern greifen. Irgendeine Gehhilfe brauchen wir doch alle…
 Es lebe das Katzenfell, die Pferdehaarallergie, das Nirwana; und, wenn es sein muss, ein herrlicher Stoppelbart am Morgen danach …

Jeremias Blaumilch

Ein starkes Team

 
Mehr von den Blechschmitts gibt es hier: 

Jeremias Blaumilch, Die Blechschmitts – Abenteuer Familie, Testudo Verlag, ISBN 9783942024228.