Bild: pixabay.com/Alexandra / München

Eigentlich möchten wir es kaum glauben – aber der Förderkreis Burg Ronneburg greift bei seiner Werbung zu einem grenzüberschreitenden Mittel.

Von Gespenstern soll heute die Rede sein – und nicht von solchen in der großen Politik. Nein, die Ronneburg empfiehlt sich wieder einmal für ein spannendes Wochenende; die Burgfestspiele stehen an. Nun hat sich der Förderkreis etwas einfallen lassen, um Werbung zu machen für das Spektakel und einen Burgboten herausgebracht. Da sind allerlei lustige Geschichten und Hintergründiges zu lesen.

Der Burgbote enthüllt

Und wer es schon immer geahnt hat, auch in der Ronneburg gespenstert es. Das erfahren wir aus einem Artikel. Ein Radiästhesist hat gemessen und an vielen Stellen gespenstische Energie gefunden. Nicht nur das; er beschreibt auch ganz genau, wessen Gespenst dort umgeht.

Ein Geistlicher als Gespenst

Zum Beispiel das eines Geistlichen, einem gutherzigen Kerl zu Lebzeiten, dem man ausgerechnet eine böse, böse Folterbank in die Kammer gestellt hat. Obwohl es die doch gar nicht gab auf der Burg. Da sitzt der arme Geistliche nun in der Ecke (als Gespenst) und wimmert sich eins über die schlimme, schlimme Welt, die ihn auch nach dem Heimgang so quält. Ist ja auch eine Unverfrorenheit für einen Geistlichen, jeden Tag auf das speckige Holz des Marterinstrumentes zu starren. Die Hölle könnte nicht schlimmer sein – das hat er nun von seiner Frömmigkeit.

Ein derber Kerl

In einem anderen Erker sitzt zur Abwechslung mal ein arroganter Gottesmann, der predigt und predigt und predigt… egal, ob ihm jemand zuhört oder nicht. Echt penetrant, so im Vorübergehen missioniert zu werden, ohne dass der gespenstische Geistliche um Erlaubnis bittet.Vielleicht sollten die beiden ja die Kammern tauschen. Da könnte der Missionar die Folterbank bekehren und der gutmütige hätte auch seine Ruh‘.

Schließlich wandert im Außenbereich noch ein derber Kerl umher, wohl ein Stallknecht, der fast den Gespenster-Verstand verliert – weil er nämlich immer von großem Durst geplagt ist und dort, wo er spukt, nur leere Schnapsflaschen herumliegen. Auch dem ist zu helfen; vielleicht legt eine barmherzige Seele einmal eine volle Pulle ins Gras. Wer also am Wochenende auf die Burg pilgert, der bohre auch heimlich nicht in der Nase – ein Gespenst könnte ihn beobachten. Huhu.

P.S: Ich weiß nicht, was der Förderkreis heutzutage empfiehlt oder ob es ihn überhaupt noch gibt. Diese Glosse entstand vor 20 Jahren – ich finde sie aber immer noch süüüüüüß.

 

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Gott ist etwas schwer zu lokalisieren. Er macht sich manchmal ein wenig rar – zumindest erscheint uns das so. Aber vielleicht könnten wir ihn – kurzfristig – festmachen. In Hüttengesäß zum Beispiel.

Was wäre das Leben lieblos ohne die kleinen Pannen? Furchtbar. Wie öde, robotorhaft und kalt liefe unser Alltag ab. Da sind wir froh, daß wir die Gemeindevertretung Ronneburg haben. Denn die bringt Sonne in unser Leben. Das fängt an beim sonnigen Gemüt des Bürgermeisters (nur böswillige Leute unterstellen ihm einen gehörigen Schuss Phlegma), geht weiter über den pulvertrockenen Humor von Fritz Münch, dem Gemeindevertreter-Vorsitzenden und endet noch lange nicht beim Schlitzohr Wolfgang Trümper. Nein, alle, die dort im Rund des Rats sitzen, pflegen ein geselliges Miteinander, daß man sich wohl fühlt wie Gott in Hüttengesäß.

Nix ist ernst

Weil niemand nichts so tierisch ernst nicht nimmt. Warum auch? Blenden wir in die dritte Sitzung der Gemeindevertreter, die vor ein paar Tagen stattfand.
Auf der Einladung steht “zweite”- Tippfehler, sagt der Bürgermeister. Geschenkt. Weiter.

Der alte ist der neue

Beim Vorschlag für die Liste des Haupt- und Finanzausschusses wird bereits der Vorsitzende ernannt: Wolfgang Gerlach. Eine übereifrige Sekretärin, grinst der Bürgermeister. Das sei nur als Gedächtnisstütze für ihn gedacht, damit er weiß, wie der alte hieß. Gut, so ein Schultes hat viel um die Ohren, da vergisst man leicht, welchen Namen der langjährige Ausschussvorsitzende trägt.

Neue Form des Regierens

Die Ronneburger Gemeindevertreter bringen also das Kunststück fertig, einen fix und fertig zusammengestellten Ausschuss zu haben, einschließlich Vorsitzenden, und dann erst darüber abzustimmen, ob sie überhaupt ein solches Gremium haben wollen.
Ronneburg hat eine neue Form des Regierens erfunden, die prophetische Demokratie. Nur Susanne Wolf ist noch nicht so  weit, die Fraktionschefin der WIR. Die wollte einen Antrag stellen, hatte ihn aber nicht dabei. Ein Kollege musste einspringen.
Sie hätte mal mit der berühmten Sekretärin telefonieren sollen – schwuppdiwupp wäre der Antrag als beschlossen auf die Tagesordnung geschlüpft.

Tja, das Hanauer Land hat seine Untiefen. Der liebe Gott wird wissen, warum er es erschaffen hat.

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Lieben Sie Abenteuer? Da haben wir einen Tipp – für Mensch und Tier. Denn wer joggt, möchte ihnen nicht begegnen: Hunden. Viele sind harmlos, manche böse. Und die Dritten? Seltsam.

Auf der Suche nach den letzten Abenteuern dieser Welt reicht es schon, regelmäßig zu joggen. In den immer klei­ner werdenden Grünflächen tummelt sich alles – alte Leu­te, junge Leute und… Hun­de.

Lächeln. Immer lächeln …

Die freundlich verzerrten Gesichter der Jogger kom­men nicht etwa vom akuten Sauerstoffmangel im Hirn, sondern von vorauseilender Freundlichkeit; sollten Sie wieder einmal um die Ecke biegen und Bello steht da, mit aufgerichteten Ohren und ebensolchem Schweif. Meist ist Bello ein riesiger Schäferhund, im besten Al­ter, der freundlich die Zähne fletscht und zurückgrinst, und Frauchen ist Kilometer weit weg.

Kleine Kläffer

Manchmal heißt Bello aber auch Fiffi und ist ein kleiner, wilder Hund, der auf unseren Jogger zustürzt, mit aufgerissenem Maul, die Augen blutunterlaufen, den Atem stoßweise hechelnd. Ganz da hinten japst Frau­chen: „Der tut nix, der tut nix“. Ob Fiffi das auch weiß? Er schnappt jedenfalls zu, verfehlt aber das Bein. Welch ein Glück.

Wer haut da ab?

Gestern aber war alles anders: Ich keuchte gerade wieder den Weinberg hoch, da kam mir ein ausgewachsener Lang­haardackel entgegen. Der hob den Kopf und raste los. Aber nicht etwa in Richtung Jogger, sondern, wie von Furien gehetzt, den Hang wieder hoch, warf sich unter einen Busch, äugte einmal um die Ecke und raste dann links in den Feldweg hinein. Nur weg von dem keuchen­den Ungetüm auf zwei Bei­nen. Da konnte sein Herr­chen „Benjamin“ rufen so­lange er wollte. Es scherte ihn nicht. Der Jogger war einfach zuviel für Benjamin. Zuviel Abenteuer für einen kleinen Hund. So könnte es eigentlich im­mer sein mit den lieben Bel­los und Fiffis, findet

Bruder Lustig

Mehr Satire

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Auch Lehrerinnen machen Fehler. Manche merken es nur nicht.

Kein Finger schiebt sich mehr durch die Wolkendecke, von oben nach unten, keine Stimme Gottes grollt mehr wie Donnerhall: „Jo­nas, geh‘ nach Ninive!“ Wir armen Menschenwürmer sind ganz alleine gelassen, wenn es darum geht, welche Namen wir uns geben. Viel­leicht kommen so, weil die göttliche Weihe fehlt, auch die vielen Verwechslungen zustande.

Wer in seinem Be­ruf arbeitet, bei dem es weni­ger darauf ankommt, was ei­ner sagt, als vielmehr, wer das sagt, der kann ein gar­stig Liedlein davon singen. Welten brechen zusammen, sollte in der Zeitung Max Hanswurst stehen, anstatt Moritz Hanswurst. Und doch sind die Damen und Herren von der Journaille nicht die einzigen Übeltäter.

Das Telefon klingelt

Manch­mal sind sogar – hört, hört – die Glieder des Lehrkörpers fehlbar: Eines Morgens klin­gelte das Telefon bei A. Hof. Eine Lehrerin klagte über das Glatteis und sagte: „Sie müssen mir freigeben!“

Freigeben? Nö!

„Das kann ich nicht,“ ant­wortete A. Hof. Worauf die Pädagogin Gift und Galle spuckte und von Blutsaugerei fieberte. Bis sich, etliche Minuten später, herausstell­te, daß A. Hof gar nicht der Rektor der Schule war, son­dern A. Hof, ein Bankfach­mann.

Und der konnte nun wirklich der Dame nicht frei­geben. A. Hof trug die Ver­wechslung mit Humor. Das tun wenige. Denn obwohl der Prediger Salomon weiß, daß wir nichts weiter sind als Staub im Wind, ist unsre Ei­telkeit grenzenlos. Oder ge­rade deshalb ?

Osswalds Kosmos: 4 Möpse

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Darf man seinem Psychiater von einer Frau mit 4 Möpsen erzählen? Und wenn ja – welche Konsequenzen hätte es?

Seit einigen Nächten hat Osswald einen hartnäckigen Traum. Eine blonde Dame mit vier strammen, nackten Brüsten bewegt sich auf ihn zu. Er sperrt den Mund vor Staunen auf. Gleich wird die blonde Damen ihm eine ihrer großen Brüste in den Mund stopfen – da ruft einer: “Schau mal die Dame mit den vier Möpsen!” Auf dieses Kommando hin verwandeln sich die vier Brüste in Möpse, die mit dem Leib der Blonden verwachsen sind und bellen.

Möpse bellen

Osswald erwacht.
“4 Möpse sind schon schlimm genug an einer Frau”, sagt seine Frau, “aber wenn sie sich in Möpse verwandeln, ist das sehr doppeldeutig.”
“Ich finde das ziemlich eindeutig”, erwidert Osswald.”
“Wie dem auch sei, du solltest es deinem Therapeuten erzählen.”
“Wenn ich das tue, hat er sein Thema für die nächsten drei Jahre. Und ich glaube, das sagt mehr über ihn aus als über mich.”

Osswald denkt dennoch darüber nach, wie er mit dem seltsamen Traum umgehen soll. Am nächsten Tag steht er beim Metzger, als die Fleischfachverkäuferin aufschaut und ruft: “Nein, die Dame, die Möpse bleiben draußen.” Osswald erstarrt. Er fühlt sich verfolgt, von Möpsen, gestalked, von Möpsen, umzingelt.

Leberkäse für die Möpse

“Aber gerne”, erwidert eine Frauenstimme, “ich lasse die Süßen draußen.” Aus den Augenwinkeln sieht Osswald, wie die Dame ihre Süßen an den Haken in der Hauswand der Metzgerei anbindet – es sind tatsächlich vier Möpse. Die Dame lässt sich eine Scheibe warmen Leberkäse in vier Streifen schneiden, stöckelt zu ihren vier Möpsen hinaus und verfüttert den Leberkäse. Dann bricht sie in die Stadt auf.
Osswald wird die Geschichte für seinen Seelenklemptner ein wenig variieren: Die blonde Dame in seinem Traum wird ihre vier Brüste, wenn sie sich in vier Möpse verwandelt haben, mit Streifen warmen Leberkäses füttern. Osswalds Psychiater ist Vegetarier. Mal sehen, was er dazu sagt. Und wie viele Jahre lang. 

Krüger

Mehr Satire

Osswalds Kosmos: Drei Damen

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Die Herrschaft der Frau wird kommen – spricht der Herr mit dem Wachturm. Osswald weiß es besser: Die Herrschaft der Frau hat längst begonnen. Das zeigen die drei Damen.

Es ist der letzte samtweiche Tag dieses Herbstes. Die Luft riecht nach Honig, und die Frauen tun es auch. “Ossi”, sagt seine Herzensdame, “ich möchte einen Kuchen. Hol doch mal welchen.”
“Ja, mein Herz, gerne. Welchen Kuchen möchtest du denn haben?” Osswald weiß genau, er darf jetzt keinen Fehler machen. Und verlassen darf er sich auf nichts. Frau Osswald kann sich siebenmal in Folge Käsesahne wünschen, beim achten Mal ist alles anders, da ist es dann Schwarzwälder Kirsch.

“Marzipan! Auf jeden Fall mit Marzipan!”

Also zuckelt Osswald los, genießt die Honigluft und die Frauen, die süß lächeln. Und er beschließt, in die beste Konditorei zu gehen. Nicht ganz billig, aber mit einem Marzipanbelag auf den Kuchen, da schmilzt einem die Zunge am Gaumen.

Ein alter Herr mit Hut

Vor der Konditorei steht ein alter Herr mit Hut und dem Wachturm vor der Brust. Neben jeder Frau läuft er ein paar Schritte her, zieht den Hut und deutet auf den Wachturm. Die Damen schütteln die Köpfe und beschleunigen ihre Schritte. Als Osswald den Eingang der Konditorei erreicht, steht der Herr daneben und lächelt. Osswald schaut auf den Wachturm: “Die Herrschaft der Frau wird kommen!” steht da.

Der Verkaufsraum ist menschenleer, dann ist er’s nicht mehr, weil die ausladende Verkäuferin aus den tieferen Regionen ihrer Verkaufstheke auftaucht. “Guten Tag. Bitteschön.”

Kuchen mit Marzipan

“Ich hätte gerne zwei Stück Kuchen mit Marzipan”, sagt Osswald.

“Den haben wir heute leider nicht”, antwortet die Verkäuferin. Blimmblimm, die Türe geht auf, eine alte, feine Dame betrifft den Verkaufsraum.
“Gut, dann nehme ich sechs Stück andere Torte: Heidelbeer, Schwarzwälder, Frankfurter Kranz, Käsesahne, Maronentorte, Mohntorte.”
“Die lassen Sie bitte alle draußen stehen, die nehme ich auch”, sagt die alte Dame.
“Die sehen lecker aus”, sagt Osswald, “wie ich meine Frau kenne, isst sie die alle alleine, und wir drei Männer müssen das Marzipanstückchen essen. Wenn ich bei der Konkurrenz noch etwas finde.”

Die Damen kichern

Die beiden Damen kichern. Osswald lässt die beiden Damen mit ihren Torten alleine und fährt zu Konkurrenz. Dort gibt es Marzipantorte.
Osswald stellt die Päckchen auf den Tisch, jeder kommt und bedient sich und geht wieder (die Familie ist zu beschäftigt für Familienleben) – und am Ende, als Osswald endlich seine Tortenstückchen holen will, sind nur noch die beiden Marzipanschnitten da. Er hat es gewusst.
“Wieso hast du deinen Marzipan nicht gegessen?”, fragt Osswald. Seine Holde schmatzt noch am letzten Stück Heidelbeertorte: “Da ist kein Marzipan drauf!”

Kein Marzipan drauf

“Aha, aber die Verkäuferin versicherte mir, es sei Marzipan.”
“Pah! Verkäuferinnen!”
Osswald stochert lustlos in der Marzipantorte, weil er Marzipan nicht mag. Und die hier ist voll davon.
Was Frauen alles schaffen – sogar die Umwertung aller Torten. Nietzsche hätte seine Freude daran gehabt. Nun ist jedenfalls Götterdämmerung.
Die Herrschaft der Frau hat längst begonnen.

Krüger

Osswalds Kosmos – Wahnsinn des Schenkens

Bild: pixabay.com/OpenClipart-Vectors

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Huch, ist schon wieder Weihnachten? Müssen wir jetzt schenken? Oder kommen wir heuer mal drumherum? Die Osswalds haben so ihre Erfahrungen gemacht … Satire

Weihnachten und Osswald – das ist eine spezielle Geschichte. Spätestens, seit er, kaum 23 Jahre alt, an Weihnachten das alte Fräulein Hebestein tötete, hat er eine gespaltene Beziehung zum Fest. Dabei hatte er sie nicht töten wollen, er kannte sie nicht einmal. Alles, was er tat, war, in der Weihnachtskrippe im Wohnzimmer einer befreundeten Familie ein Holzschaf auf das Hinterteil eines anderen zu bocken – so, als bemühten sich die beiden darum, ein weiteres Holzschaf zu produzieren.

Fräulein Hebestein war, so lange man sie kannte, immer in Schwarz gegangen. Wahrscheinlich trug sie schon als Baby schwarze Kleidung. Sie mochte damals, als sich die beiden Holzschafe in innig licher Zuneigung fanden, 89 Jahre alt gewesen sein. Und das Fräulein war, ebenso lange, wie sie in Schwarz ging, eine glühende Katholikin gewesen. Sie war die zuverlässigste Quelle des Pfarrers, wenn es um die Verfehlungen seiner Schäfchen ging. Fräulein Hebestein schien in jeden Weinkeller und jedes Schlafzimmer kriechen zu können – so wusste alles. Wer mit wem. Wer ohne wen. Entsprechend beliebt war sie.

Auf der Ledercouch knutschen

Jung-Osswald kannte Fräulein Hebestein kaum. Vom Sehen natürlich, und irgendwann hatte seine Mutter auch etwas über das Fräulein erzählt. Aber Jung-Osswald hatte wieder mal nicht zugehört – wahrscheinlich ist das aber für den weiteren Verlauf unserer Geschichte belanglos. Man muss dem jungen Mann zugute halten, dass er damals in schlechte Kreise geraten war: Lehramtsstudenten, Krankenschwestern, Fabrikantensöhne. Sie tranken alle ein wenig zu viel und taten unsinniges Zeug. So kam Jung-Osswald die ausladende Weihnachtskrippe im Wohnzimmer des größten Fabrikanten am Ort gerade recht. Während die Krankenschwestern mit den Fabrikantensöhnen auf der Ledercouch knutschten und der Lehramtsstudent La Paloma auf einem zahnlosen Kamm blies,  stellte Jung-Osswald ungesehen die Holzschafe in die Empfängnis-Position.

Mit dem katholischen Chor

Wer’s dann sah, war anderntags Fräulein Hebestein, die mit dem katholischen Liederkranz Frisch Auf Cäcilia im Wohnzimmer des Fabrikanten singen ließ, während sie dirigierte. Sie sah den teuflischen Frevel in der heiligen Krippe, das sexualisierte Biest, das sich erhob, um die heilige Familie mit seinem Unflat zu beschmutzen. Das Fräulein spürte ein Stechen in der Brust, versuchte Halt zu finden am Weihnachtsbaum, riss ihn um, versuchte, Halt zu finden an der Weihnachtskrippe, riss sie um und schaffte es noch, unter beiden zum Liegen zu kommen.

Ein Herzinfarkt, diagnostizierte der Arzt, und keiner wusste, warum. Es war doch sonst so fidel, das Fräulein.

Kein Wunder, dass Osswald seither bei Weihnachten ein mulmiges Gefühl bekommt, nicht nur wegen des Konsumrausches. Volle Städte, Massen von Menschen, die hetzen, drängeln, rempeln, einen fast umrennen – weil sie unterwegs sind, um zu kaufen. Das ist schlimm genug. Schlimmer ist das Bild, des überaus katholischen Fräuleins Hebestein, das für Osswald über allem schwebte.

An Weihnachten nix schenken

Schauderhaft. Das bringt Osswald auf eine Idee. „Wie wäre es, wenn wir uns endlich mal nichts zu Weihnachten schenken?“, fragt er sein Weib.

„Wer? Wem?“

„Wir. Allen.“

„Neiiiiiin!“, begehrte seine Frau auf, „erinnere dich.“

Das tat Osswald dann auch. Es war alles schon einmal da. Es war alles furchtbar kompliziert, wie die Osswalds erfuhren. Ihre Familie liegt seitdem in Trümmern. Alles begann kurz nach Osswalds Hochzeit. Seine Frau stellte frustriert fest: »Ihr habt ja gar keine Geschenkkultur! Da bekommt man jedes Mal einen Käse geschenkt, unmöglich!« Osswalds Frau war schon immer sehr klar in ihren Ansichten und deutlich in ihrer Ansprache. Sie ist nicht von hier. Und weil Osswalds Frau lieber nichts bekommen wollte an Geschenken als unsinnigen Tand, beschlossen sie: Die Familie schenkt sich nichts mehr. Hätten sie’s nur gelassen.
Osswalds Mutter freute sich – angeblich – unbändig für den Beschluss: „Das wollte ich schon seit Jahren. Vielen Dank!“ In Wahrheit aber war sie entsetzt. Nichts. Schenken. An. Weihnachten! Sie gab es aber niemals zu. Osswalds Schwester lag ihm in langen, konspirativen Telefongesprächen in den Ohren: »Was hat denn deine Frau gegen mich?« »Nix«, versicherte ihr Bruder. Aber das glaubt Osswalds Schwesterchen bis heute nicht, die beiden Frauen meiden jeden überflüssigen Kontakt. Das Nicht-Schenken hielt genau ein Jahr. Dann fing der erste wieder an mit einer »ganz klitzekleinen Aufmerksamkeit, eigentlich ein Nichts«.

Ein Geschenk geht, ein Geschenk kommt

Schließlich kapitulierten auch die Osswalds. Und schenkten. Nur, um wieder das zu erleben, was sie schon zur Genüge kannten: Sie schenkten der Mutter ein Paket zum Fest, nach drei Jahren kam es zurück. Wie Osswald und sein Weib an dem Aufkleber auf dem Geschenkpapier sahen, war ihr Präsent inzwischen von der Mutter an die Schwester gegangen und von der im folgenden Jahr wieder der Mutter zurückgeschenkt worden. »Da wirste doch verrückt!« sagte Osswalds Frau.
»Können wir eigentlich den Eierlikör noch trinken, den du vor drei Jahren für meine Mutter gemacht hast und der heuer von meiner Schwester kam?«, wollte Osswald wissen.
»Um Gottes Willen!«
Und die Mutter? Muss wohl im geschenklosen Jahr eine leichte Delle davongetragen haben. Sie schenkt seitdem den Kindern der Osswalds jedes Jahr dasselbe: Lego- und Duplokästen in allen Variationen. Die einen für Kinder 1+, die anderen für 3+. So alt waren Atlas und Distel vor 15 Jahren, als das Geschenkedrama begann.
Tja, Osswald zieht sich in seine Werkstatt zurück. Vielleicht ist er an der verrohten Geschenkkultur in seiner Familie schuld. Das war die Rache des Fräulein Hebestein. Sicher.

Krüger

Mehr Lichtblau, mehr Satire

Lichtblau

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Was lange währt, wird endlich gut: Xaver Leonhard Lichtblau, Autor des vielbeachteten Buches Liebe. Ficken. Tod legt in seinem aktuellen Buch Schnurren und Satiren vor. Das Buch ist nur auf den ersten Blick gefälliger. Beim zweiten zeigt es sich erstaunlich widerborstig.

Zwei Jahre lang hat Xaver Leonhard Lichtblau seine Schnurren und Satiren geordnet, überarbeitet, geordnet und neu geschrieben. Dann hat er noch einmal radikal 2/3 der Geschichten rausgeworfen und nur das wirklich Beste in seinem Buch gelassen. Leserinnen und Lesern unseres Blogs ist der Titel zum Teil vertraut: Osswalds Kosmos – alles wird besser. Osswalds Kosmos kennen sie, seit Lichtblau sich vor drei Jahren entschloss, die Lücke zu schließen, die Blaumilch hinterließ, als er seine Satiren einstellte.

Fremdes Terrain für Lichtblau

Für Lichtblau ein durchaus fremdes Terrain, wiewohl er seit Jahren als Autor arbeitet. Er hat sich in die Schnurren und Satiren mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit eingearbeitet. Und er ist besser und besser geworden. Gerade in den Geschichten des vergangenen Jahres hat er ein begeisterndes Niveau erreicht. Auch deshalb warf er so vieles Ältere wieder aus dem Buch; weil es nicht mehr zu dem erreichten Niveau passte.

Lichtblaus Schnurren und Satiren nehmen uns mit in die Welt von Osswald, einem sympathischen Verlierer. Sympathisch deshalb, weil er sein Scheitern mit Würde trägt und selbst darüber noch lachen kann. Kein Großmaul, kein Ellbogenmensch, kein erfolgreicher Durchsetzer – sondern einer, der ein großes Herz hat. Der mit denen fühlt, die abgerissen sind, die am Rande der Gesellschaft leben. Ihnen setzen diese Geschichten kleine Denkmale. Etwa der Luftgitarrenspieler, der mit Kinderwagen und Ghettoblaster auf Betteltour geht. Oder die alte Gauloisesraucherin, die sich sieben Brötchen mit Fleischkäse kauft und für ihren Sohn noch mal sieben.

Würde der Menschen gesehen

Lichtblau erkennt und ehrt die Würde dieser Menschen. Darin erinnern mich die Schnurren und Satiren stark an sein erstes Buch – doch das hatte einen anderen Ansatz. Es war härter, provokanter und versuchte, nach dem ersten Schock das Einvernehmen mit dem Leser herzustellen. Und seinen Helden eben auch so etwas wie Würde zu lassen. Ein schwieriger Versuch, der des Öfteren scheiterte.

Hier sehen wir die Außenseiter durch die Brille des Außenseiters Osswald. Und das ergibt eine reizvolle Spiegelung.

Alles in allem ein lohnendes Buch.

Scoop – Evelyn Waughs visionärer Roman

Bild: pixabay.com/marianaviolante950

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Der Journalismus ändert sich nie, sagen manche. Wenn die Welt nicht so ist, wie die Journalisten das wollen, greifen ein paar von ihnen zum Mittel des Grauens und passen die Welt ihren Wünschen an. So lautet ein gängiger Vorwurf. Er mag nicht immer stimmen, manchmal aber doch. Wie das geht mit dem Zurechtbiegen der Wirklichkeit, hat der britische Schriftsteller Evelyn Waugh in seinem brillanten Roman Scoop wunderbar beschrieben. 

Scoop ist das, was Journalisten einen Knüller bezeichnen. Und Knüller kommen mehrfach vor. Der satirische Roman zeigt die Abgründe der menschlichen Natur, der Eitelkeit und der Geltungssucht. Gewürzt mit einer Brise englischen Snobismus, leichthändig serviert.

Der Roman unterhält mit einer wohltemperierten Sprache, die ihren Leser an vielen Stellen einlullt. So, als sitze er in einem klapprigen Kahn auf einem träge dahinfließenden Fluss. Aber die Idylle und die Ruhe trügen, der Fluss steckt voller Untiefen, Stromschnellen und schroffen Felsbrocken. Unversehens blickt der Leser in tiefe menschliche Abgründe.

Familie kauziger Landadeliger

Was steht im Buch? Es erzählt die Geschichte von William Boot, geboren in eine Familie kauzigen Landadels. Snobs natürlich. Boot schreibt für die große Tageszeitung Daily Beast die Landkolumne „Üppige Auen“. William Boot ist es ganz zufrieden, er hat, was er will.

Das kann man von John Courteney Boot nicht behaupten. Er langweilt sich. Das darf natürlich nicht sein, so beschließt die einflussreiche Mrs. Algernon Stich, ihm einen spannenden Job zu verschaffen. Auslandskorrespondent wäre schick. Das müsste sich für einen John Boot, immerhin Lieblingsschriftsteller des Premierministers, ja wohl zu machen sein. Also wendet sie sich an ihren guten Freund Lord Copper, seines Zeichens Herausgeber des Beast. Macht der gerne und beauftragt Redakteur Salter mit den Einzelheiten.

Zwei Boot stehen zur Wahl. Eigentlich

Nun will es aber das Schicksal, dass Salter, vielleicht ein wenig unbelesen, nur einen Boot kennt: William Boot, der beim Beast die „Üppigen Auen“ verfasst. Er findet die Auen zwar ein wenig schwülstig, wundert sich also über Lord Coppers Wahl, aber der wird schon wissen, was er tut.

Für Boot geht es nach Afrika. Dort soll ein Bürgerkrieg toben in Ishmaelia. Nichts tobt, alles eine Erfindung von Journalisten, die dann bald in Scharen einfallen. Es ist stinklangweilig, die Journalisten schauen dem Regen beim Fallen zu, blasen alles und nichts zu Riesensensationen auf, schreiben einen harmlosen Bahnschaffner zu einem russischen Spion um.

Und Boot? Sendet Wetterberichte an den Beast, pflegt ein Techtelmechtel mit Kätchen, seiner deutschen Freundin. Evelyn Waugh zeichnet mit ihr seine berührendste Figur, die eine wunderbare Mischung aus Keckheit und Scham ist. Am Ende kehrt sie doch wieder zu ihrem Ehemann zurück, vorher aber verhilft sie Boot zu seinem Scoop.

Karawane der eitlen Journalisten

Denn während die Karawane der Journalisten die Hauptstadt Jacksonburg auf der Suche nach der Sensation verlassen, bleibt Boot dort; und findet seine Sensation. Ganz nebenbei wird er selbst zum Helden. Ein Knüller, eine Seite-1-Geschichte. Und da ist er, der Scoop. Boot reist kurz darauf triumphal zum Beast (der ihn vorher schon rausgeworfen hatte wegen seiner nichtssagenden Berichte).

Boot soll natürlich gebührend ausgezeichnet werden, der Premierminister soll ihn adeln. Plötzlich wird klar: Es gibt zwei Boots, beide sind eingeladen. Was tun? Vielleicht bringt ja ein Onkel von William Boot die Lösung. Wirklich, ein ganz reizendes Buch. Selbst, wenn der Vorwurf nicht stimmt, die Journalisten frisierten sich schamlos die Wirklichkeit zurecht – Scoop bleibt eine exquisite Lektüre.

Hundekotbeutel

Bild: pixabay.com/succo

Mit welchem Eifer sich manche Menschen darum bemühen, unser Leben und das unserer Vierbeiner zu verbessern, das zeigt uns der Brief von Studiendirektor Wickelmann. Er ist uns zugespielt worden. Satire.

Bartholomäus Wickelmann, Oberstudiendirektor, Am Storchenweiher 7,
47113 Popelsdorf

An die Stadtverwaltung
Popelsdorf
Popelsdorfer Allee 97
47111 Popelsdorf

Aktenzeichen Po-H/U/S 0815                Popelsdorf, 5. Dezember 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 1. Mai 2010 meldete ich bei Ihnen unter obigem Aktenzeichen meinen Berner Sennenhund mit dem Namen Bimbo an. Nun möchte ich Ihnen bekannt geben, dass Bimbo nicht mehr Bimbo heißt, sondern Bodo. Bimbo erschien mir als Name für einen Hund von einem Stockmaß von 69 Zentimetern nicht mehr passend. Ich muss zwar jetzt mit der Erziehung ganz von vorne beginnen, weil Bodo nicht auf Bodo, sondern auf Bimbo hört. Aber das nehme ich gerne in Kauf.

Es ist immer noch besser, als einem Riesenhund „Bimbo!“ hinterher zu rufen. Das soll Sie aber nicht weiter belasten, schließlich ist das meine Angelegenheit. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich Ihnen mit dem neuerlichen Aktenvermerk Arbeit verursache – ich schildere Ihnen das nur so ausführlich, damit Sie sehen, was meine Beweggründe sind. Auch ich habe meine Mühen mit dem neuen Namen meines Hundes.

Bimbo streichen, Bodo hinzufügen

Ich bitte Sie also, in Ihren Akten den Namen Bimbo zu streichen und Bodo zu ergänzen.
Mit der Bestätigung über die Hundesteuer sandten Sie mir seinerzeit auch ein Bündel Kottüten für meinen Bimbo, jetzt Bodo, zu. Sie sind braun und messen 20 mal 35,7 Zentimeter.

Auf der einen Seite sind mit heller Farbe drei Piktogramme aufgedruckt, welche Gebrauch und Entsorgung des Beutels schildern. Daneben ist ein Sigel „Der umweltverträgliche Hundekotbeutel“. Unten ist ein Cartoon eines schwanzwedelnden Hundes, darunter steht „Danke, Thank you, Merci, Grazie, Gracias“.

Leider teilten Sie mir nicht mit, wohin ich die gefüllten Kotbeutel werfen soll. Das entsprechende Piktogramm bleibt da seltsam unscharf. Der öffentliche Sammelplatz, den ich mittlerweile entdeckt habe (siehe beigelegtem Bild), scheint bei allen Anwohnern beliebt zu sein. Sie legen ihre verschlossenen Hundekotbeutel gestapelt an einen Baum.

Das erscheint mir sinnvoll, weil die Beutel ja angeblich „umweltverträglich“. An der Platane in dem Grünstreifen können die Beutel jedenfalls ungestört verwittern.

Darf Hundekot in den Mülleimer?

Leider las ich in der Hauptsatzung der Stadt Popelsdorf nichts darüber, welche Inhalte man in die öffentlichen Mülleimer beigeben darf. Gehört Hundekot dazu? Wenn ja, auch lose? Oder nur in Beutel verpackt? Dann wäre das ja eine Alternative zur geschützten Verwitterung der Beutel am Baum.

Wenn ja: Dürfen wir den Kot unserer Lieblinge nur in den offiziellen Hundekotbeuteln der Stadt Popelsdorf in die öffentlichen Mülleimer ablegen – oder dürfen es auch andere Beutel sein?

Über eine kurze Aufklärung des Sachverhaltes mittels Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Außerdem habe ich bei der Zusendung der Hundekotbeutel eine verständliche Gebrauchsanweisung für diesselben vermisst.

Hundekotbeutel ohne Verlust befüllen

Ich bin mit meinen 57 Jahren und als Sportlehrer des örtlichen Gymnasiums ja noch fit wie ein Turnschuh – wenn Sie mir die flotte Bemerkung erlauben wollen. Aber ich muss gestehen: Ich hatten durchaus meine Schwierigkeiten, den Hundekotbeutel zu befüllen; oder vielmehr, mit den Hinterlassenschaften meines Bimbo. Denn die Hundekottüte, die Sie ausliefern, hat einen recht geringen Durchmesser von jenen 20 Zentimetern. Ich bin wirklich ein geduldiger Mensch.

Das muss ich auch sein, wenn ich jeden Tag mit pubertierenden Halbstarken an der Schule zu tun habe. Aber es dauerte eine ganze Weile, ehe ich den korrekten Gebrauch der Hundekotbeutel so beherrschte, dass mein Bimbo, jetzt Bodo, den Beutel ohne größere Verlustmenge befüllen konnte.

Sehen Sie, es bedarf schon nahezu artistischer Fähigkeiten, bis ich den Dreh heraus hatte, die  geöffnete Hundekottüte meinem Bodo, damals Bimbo, unter den Hintern zu halten, wenn er sein Geschäft verrichtete. Schließlich beträgt der Durchmesser der Tüte nur   besagte 20 Zentimeter.

Und ein Hund, selbst ein Gemütshund wie mein Bimbo/Bodo, hält beim Kotieren nicht ganz still. Sein Hinterteil wackelt also. Sie können sich vorstellen, wie mühsam das ist, neben einem zusammengekrümmt kotierenden Hund auf Knien und Ellbogen zu liegen und zu versuchen, die Öffnung der Tüte direkt unter den Darmausgang des Hundes zu platzieren.

Der unpraktische Hundekotbeutel

Oft war mein Bimbo/Bodo von meiner Nähe einigermaßen irritiert. Und ruckelte ein Stück weiter, ehe er sich dazu herabließ, einen Haufen abzusetzen. So schnell kam ich oft nicht hinterher und hatte das Nachsehen. In solchen Fällen war dann also das Malheur geschehen. Ich absolviere mich von jeder Schuld, bei so unpraktischen Einrichtungen wie Ihrer Hundekottüte sind Sie, mit Verlaub, in der Pflicht, wenn hie und da ein Häufchen daneben geht.

Angesichts solcher Leibesübungen zum Auffangen des Hundekots sollte man sich in Ihrer Verwaltung sehr wohl überlegen, ob es wirklich gerecht ist, von den geplagten Hundebesitzern auch noch Hundesteuer zu verlangen.

Ganz abgesehen von den üblen Gerüchen, die man dabei aufschnappt – mit der Nase quasi auf gleicher Höhe wie der Darmausgang des Hundes. Über derlei Gerüche tröstet einen auch nur bedingt das Wissen hinweg, dass sie vom eigenen geliebten Bimbo oder Bodo stammen.

Ich liege auf Knien und Ellbogen

Und dann die Hinterlassenschaften anderer Hunde auf der Kackwiese unseres Viertels – oder meinen Sie wirklich, alle Hundebesitzeer hielten Ihren Vierbeinern die Tüte unter den Hintern? Weit gefehlt! Wie oft lag ich mit einem Knie oder einem Ellbogen oder gleich beiden in einer Hinterlassenschaft, die von Rechts wegen nicht da sein durfte, es aber war!

Ganz abgesehen von den mitleidigen Blicken meiner unsportlichen Nachbarn, wenn ich auf allen Vieren (den Ellbogen!) liege, die Hände nach oben strecke und versuche, mit dem viel zu kleinen Beutel den Hundekot aufzufangen.

Meine Nachbarin Herta Huckebein fragte mich schon, ob es mir gut gehe; oder ob er mir helfen könne, das scheinheilige Luder. Aber die wählt ja auch SPD.

Frau Kruse von schräg gegenüber

Ich fragte mich oft, wie das ältere Hundebesitzer schaffen, den Kot ihrer geliebten Vierbeiner aufzufangen. Etwa Frau Kruse vom Haus schräg gegenüber. Leider war es mir nie vergönnt, sie dabei zu beobachten. Möglicherweise gibt es in der Hundesatzung der Stadt einen Passus, der älteren Hundebesitzern das Halten der Hundekotbeutel erlässt. Er ist mir nur nicht bekannt. Ich bitte hier um Aufklärung.

Da aber der Herrgott uns Lehrern einen gewissen Verstand mitgegeben hat, habe ich mich angesichts der desolaten Lage, in die Sie mich mit Ihrer Verordnung gestürzt hatten, ebendieses Verstandes bedient – und eine Lösung gefunden. Sie ist so einfach, dass ich Sie mit dem heutigen Tage beim Patentamt in Berlin angemeldet habe. Es ist das  Hundekotbeutel-Halternetz.

Es ist dem kleinen Freizeitfischernetz unserer Kinder nachempfunden. Sie müssen nur den Hundekotbeutel öffnen, aufblasen und im Netz verstauen. Perfekt wird alles, wenn sie den Beutel mit zwei Wäscheklammern befestigen. Die besten Erfahrungen habe ich mit dunkelgrünen gemacht, die wirkend beruhigend auf den Hund.

Hundekotbeutelhalterung

Und schon können Sie, wenn er Hund sich anschickt, sein Geschäft zu machen, das Hundekotbeutel-Halternetz unter seinen Hintern halten.

Nun habe ich in diesem Zusammenhang aber ein Anliegen. Die Hundekotbeutel sind für handelsübliche Netze zu klein. Es fehlen zehn Zentimeter Durchmesser, um es komfortabel und vor allem verrutschungssicher mit den Wäscheklammern in dem Netz zu verstauen. Ich bitte Sie also, demnächst nur noch Beute der Breite von 30
Zentimetern auzuliefern.

Ich vertraue Ihrer Einsicht. Das ist nur ein kleiner Schritt für die Popelsdörfer Stadtverwaltung – aber ein großer für alle Hundebesitzer.
Ich danke für Ihr Entgegenkommen.

Ergebenst, Ihr

Wickelmann, Oberstudiendirektor

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