Theater: Paul Maar, Das Wasser des Lebens

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Bild: pixabay.com/roegger

Bei Paul Maar fällt den meisten der Kinderbuchautor ein – Sams & Co und so. Manche wissen auch noch, dass der Bamberger ein gelernter Illustrator ist.  Den Theaterautor kennen die wenigsten. Doch Paul Maar ist einer der meistgespielten Kindertheaterautoren. Und hat seine Autorenkarriere am Theater angefangen.

Das Wasser des Lebens ist eine einigermaßen mystische Geschichte; wie es sich für ein Märchen gehört. Und ein bisschen undurchsichtig ist sie auch. Das Undurchsichtige gibt, richtig inszeniert und dosiert, der Geschichte einen zusätzlichen Reiz. Kurz gesagt erzählt das Stück die Geschichte von Nana und Elisabeth. Das sind zwei Mädchen mit ziemlich unterschiedlichen Temperamenten. Die eine ist behutsam und bedächtig, die andere heftig und ungestüm. Doch sie bleiben nicht lange alleine, Brauskopf gesellt sich zu ihnen. Er ist ein Junge, der beide Wesenszüge in sich trägt – behutsam und ungestüm. Die drei ziehen zusammen los, um das Wasser des Lebens zu finden. Denn wer dieses Wasser trinkt, der wird nicht älter.

Die Riesin Kulschedra

Doch da gibt es eine Schwierigkeit: Der Zugang zum Wald wird von der Riesin Kulschedra bewacht. Besiegen die drei die Riesin? Finden Sie das Wasser des Lebens? Macht es sie glücklich? Was ist das eigentlich, das Wasser des Lebens? Und: Glück?

Das Stück lässt viele Fragen offen

Das Stück gibt Antworten, lässt aber andererseits viele Fragen offen. Es ist ganz bewusst mystisch angelegt, auch in der Ausstattung. Die ist übrigens bis ins Detail durchdacht und vorgeschlagen. Paul Maar ist nun einmal ein Praktiker.

Alles in allem ein Stück über die verschiedenen Möglichkeiten, das Leben zu gestalten. Für Theatergruppen und Ensembles lässt Das Wasser des Lebens viel Raum, eigene Akzente und Interpretationen zu setzen. Für mich endet die Geschichte allerdings etwas abrupt, bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Es arbeitet nicht aus, dass Nana 20 Jahre am Wasser des Lebens versteinert, und das Leben für Elisabeth und Brauskopf weitergeht; und wie genau das ist. Symbolik – ja, Konsequenzen für die Suche nach dem ewigen Lebe und dem ewigen Glück – nein! Das wollte Maar vielleicht auch so, ein Regisseur wird das bei Bedarf sacht korrigieren und eigene Akzente setzen.

Trotzdem: Ein Stück, das ich mir gerne einmal in guter Inszenierung anschauen würde.

Besetzung Schul- und Amateurtheater: 12 Rollen.

Genre: Märchen
Besetzung: 2 Dame(n), 1 Herr(en),
Dekoration: 3 Dek.
Alter: empfohlen ab 8
Länge: 01:30

Uraufführung: Stadttheater Würzburg, 1986

Paul Maar zählt zu den erfolgreichsten Kinderbuchautoren deutscher Sprache. Er wurde am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Kunstakademie in Stuttgart Malerei und Kunstgeschichte, danach war er einige Jahre als Kunsterzieher tätig. Heute lebt er als freier Autor und Illustrator in Bamberg. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Paul Maar ist ebenfalls ein überaus erfolgreicher Theaterautor. Er gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit mehreren Jahren als einer der meistgespielten lebenden deutschen Theaterautoren.

Mehr dazu & Textbuch: http://www.kindertheater.de

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Eigentlich geht Otfried Preußlers Theaterstück Die kleine Hexe gar nicht – sie stellt eine Zumutung an jeden Regisseur und jeden Bühnenbildner dar. Und doch: Das Stück läuft. Und wie. Klasse ist es auch.

Manchmal sollte man die alten Sachen wieder mal in die Hand nehmen. Otfried Preußlers Theaterstück die kleine Hexe zum Beispiel. Schon die Besetzungsliste ist für kleinere Ensemble eine Zumutung. 31 verschiedene Rollen sind zu vergeben. Gut, Doppelbesetzungen gibt es auch, und zwar reichlich. Aber trotzdem!

Und gleich am Anfang passiert etwas, das es in der Literatur allgemein und in der Kinderliteratur speziell nicht geben sollte: Rückblenden. Und nicht etwa nur eine, nein sechs.

Jede Rückblende ein Bild bei der kleinen Hexe

Mein lieber Schieber dachte ich, als ich das Stück las. Das ist eine echte Herausforderung für die Theaterleute, Rückblenden zu installieren. Zumal sich der Autor darüber nicht besonders auslässt, wie sie das zu machen haben. Er schreibt nur: „Das Bühnenbild ist so anzulegen, dass es die erforderlichen ’szenischen Rückblenden‘ ermöglicht.“ Klar ist aber auch: Zu jeder Rückblende soll es ein Bild geben. Herzlichen Glückwunsch auch …
Jetzt lesen: Zauberhafter Frizzie

Aber andererseits: Machen wir es einfach; wahrscheinlich sind die Rückblenden auch nur einfach kleine Szenen. Obwohl: Der Bühnenbildner wird wohl Überstunden machen müssen, wenn sein Ensemble die kleine Hexe gibt. Immerhin sind  es drei große Bilder und sechs Unterbilder (die Rückblenden!).

Nur ein Bühnenbild beim Kindertheaterstück

Ich weiß noch, wie ein Theaterverlag mein erstes Kindertheaterstück um die Ohren schlug mit der Bemerkung, mehr als ein Bühnenbild, das gehe gar nicht. Ich hatte mich gewagt, drei zu haben, für jeden Akt einen. Aber ich bin ja auch nur der olle Bruder Lustig und nicht der große Otfried Preußler.

Wobei ich betonen möchte, dass ich die Bücher Preußlers liebe und den Meister verehre. Nein, mich treibt wirklich kein Neid, ich nehme es gelassen zur Kenntnis, dass ich mir eben nur ein Bühnenbild leisten darf. Das geht, alles nur eine Frage der Disziplin und der Kreativität.

So, nach den Auslassungen über die Unmöglichkeit der Aufführung möchte ich das Stück loben – es hat auch als Theaterstück nichts von seiner frechen Einzigartigkeit verloren. Wie Hexe und Rabe zusammenarbeiten, um Gutes zu tun, wie die kleine Hexe ganz tolle Sachen zaubert. Und wie sie am Schluss der Geschichte die großen Hexen austrickst und ihre Hexenbesen verbrennt. Weil die Alten sie dafür quälen wollten, dass sie das ganze Jahr über nur gut gewesen ist. Dann kommen noch die Zauberbücher hinzu – und schwupps ist die kleine Hexe die einzige, die zaubern kann. Und sie wird ihre Kunst auch weiterhin nur nutzen, um Gutes zu tun.

So soll es sein!

Feuer deinen Boss!

Märchen-Theater für Kinder

Froschkönig

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In der Theaterfassung für Kinder entfalten die Grimm’schen Märchen Dornröschen und Der Froschkönig eine ganz eigene Grazie.

Dornröschen & Froschkönig

Das Märchen kennt jeder. Aber es ist spannend, wie Autor Lothar Neumann den bekannten Stoff Dornröschen in ein Theaterstück für Kinder umgesetzt hat. Herausgekommen ist ein Stück mit ganz eigenem Schwung und einer wundervollen Grazie.

70 Minuten lang Kinder-Theater

Es dauert etwa 70 Minuten und macht viel Spaß; selbst beim puren Lesen. Lothar Neumann hat dazu Szenen ausgeschmückt und einige neu entwickelt. Sie ergänzen das bekannte Märchen auf elegante Weise. Und er hat einigen Personen eigene Aufgaben zugewiesen. So muss der Küchenjunge, im Märchen nur der Watschenbaum für den Koch, stellenweise als Erzähler ran. Und er macht seine Sache gut. Er bezieht die Kinder im Publikum wundervoll mit ein – so, wie wir es auch einem anderen Genre kennen, dem Kasperletheater.

Leichthändige Aufführung

Herausgekommen ist eine verständliche, leichthändige und anmutige Variation des alten Märchens. Wobei sich Neumann mit seinen eigenen Elementen im Wesentlichen an die Vorgaben hält; er stellt nichts auf den Kopf und ändert auch nicht die Sicht auf die Dinge. Der Autor verzichtet als auf Um- und Neuinterpretationen und kreative Schnörkel zugunsten einer engen Werktreue. Damit eignet sich das Theaterstück wunderbar zum Vertiefen der Märchenkenntnisse. Und vor allem bei jungen Zuschauern gibt es keine Irritationen – zwischen dem bekannten und dem Bühnen-Stoff.

Theaterstück – gespielt von Kindern?

Eine wichtige Frage ist, ob auch Kinder das Stück spielen können – warum nicht? Keine der Rollen ist so opulent, als dass sie Kinder nicht bewältigen könnten. Die Texte sind leichtgängig und meist recht überschaubar in den einzelnen Sätzen. Und unsere Erfahrung mit Kindertheater lehrt uns,, dass Kinder sehr viel Text und lange Bühnenstücke bewältigen können – wenn sie einen guten Regisseur als Coach haben. Der braucht natürlich eine Menge zeit zum Üben und ein gutes Sitzfleisch, gepaart mit viel Geduld. Aber dann müsste es klappen. und wenn es doch schwierigere Rolle gibt, bieten sich vielleicht Erwachsenen in den einen oder anderen Rollen an. Ein versuch ist es allemal wert. Nichts macht Kindern mehr Freude, als Theater spielen – und lehrreich ist es auch, die eigenen Grenzen zu kennen und manchmal zu überschreiten.

Märchen lebendig werden lassen

Das Theaterstück eignet sich also gut dazu, das alte Märchen lebendig werden zu lassen. Wie beim Reinehr-Verlag üblich, werden zu Anfang des Heftchens erst einmal die Personen des Stücks aufgelistet. Und dann bekommen die Leser und die Theaterleute in wenigen Sätzen die Essenz des Original-Märchens vermittelt.

Der Froschkönig

Ähnlich gut aufgemacht und mit etwas mehr eigenen Szenen ist übrigens Der Froschkönig – ebenfalls in der Bearbeitung von Lothar Neumann. Das Theaterstück versprüht stellenweise einen urigen und anarchischen Charme und einen erstaunlichen Humor. Auch hierfür gilt: Sehr lesenswert und sicher gut für so manche erfolgreiche Aufführungen. Einfach mal kommen lassen …

Auf der Homepage des Reinehr-Verlags gibt es das komplette Programm, die Rollensätze, die Preise und die Konditionen für die Aufführung der Stücke.

Kindertheater

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Wolfgang Haupt und Fahimah Ulfat legen ein Buch im Neckar-Verlag vor, das ein Theaterstück mit Kindern erarbeiten hilft. Von Anfang bis Ende.

Kinder spielen gerne Theater

Theater spielen mit Kindern ist etwas Faszinierendes. Denn Kinder haben große Wünsche. In ihren Fantasiewelten müssen sie schon König und Königin sein – drunter tun sie es nicht. Wie schön, wenn Eltern oder Erzieher den Kindern eine abgeschlossene Geschichte präsentieren, in die sie sich hinein fantasieren können. Hier können sie beides verbinden: König sein und Geschichten fantasieren. Und das Schönste: Sie können das auf der Bühne tun, in einem Theaterstück. Denn auch das Theater lieben Kinder ganz besonders. Dazu brauchen sie schon noch Erwachsenen. Denn ein bisschen Hilfe muss sein. Aber die Erwachsenen haben mit dem Heft Wir spielen Theater alles an der Hand, was sie brauchen. Das Stück ist kurz und eignet sich wunderbar für Aufführungen in der Schule (für Kinder ab dem 2. Schuljahr). Doch auch für größere Kindergruppen ist es bestens geeignet, wenn eine Mama mit den Rabauken mal was Sinnvolles anstellen will.

 Alles beisammen

Erst ist das gesamte Theaterstück abgedruckt; mit Text für sämtlichen Rollen. Regieanweisungen gibt es natürlich inklusive. Der Inhalt ist einfach, und sehr kindgerecht: Igel und Igelin wollen erst einen Schatz entdecken, dann will der Igel gegen Ungeheuer kämpfen – schafft das aber nicht. Die Igelin aber besiegt sie auf ihre sanfte Weise. Am Ende wird der Igel König und heiratet seine Igelin, damit sie Königin wird. Das Hochzeitsfest wird mit allen Tieren gefeiert. Komisch ist vielleicht nur, dass die Igelin nur König sein kann von Igels Gnaden – ohne ihn und die Ehe mit ihm scheint das nicht zu klappen. Ein eher traditionellen Rollenverständnis.

Hilfen im Buch

Sehr hilfreich sind dabei die Aufführungshilfen im Anschluss an das Stück. Da finden sich Anmerkungen zur Inszenierung, Informationen zu Theaterstück, weitere Informationen zu dem Tierdarstellern wie Löwe, Elefant und Eisbär. Wer sich da weiter einlesen will, der bekommt eine kurze Literaturliste an die Hand gegeben, mit der er sich weiter in die einzelnen Themen einlesen kann.

Gut für den Unterricht

Und weil das Ganze ja im Unterricht stattfinden soll (aber nicht unbedingt muss), finden sich auch Handreichungen wie Einordnung im Unterricht, Rollenverteilung und -übersicht, methodisch-didaktische Hinweise zur Probenarbeit und Wissenswertes zu den Bühnenbildern. Das ist gut, um die Kinder rundherum pädagogisch wertvoll zu versorgen. Hier lernen Kinder sogar, wie sie eigenen Bühnenbilder basteln und malen – unter Anleitung versteht sich. Damit kann man die Kinder erst einmal wunderbar kreativ beschäftigen, ehe sie sich in ihr Theaterstück stürzen dürfen. Jede Wette, dass damit die Spannung steigt.

Requisiten und Kostüme

Das alles hört bei den Requisiten und Kostümen nicht auf. Wer will, kann sich sogar – nach Vorlage – eine Löwenmaske malen. Auf Musik und Tanz wird natürlich auch eingegangen.
So ist dieses Heft Wir spielen Theater aus dem Neckar-Verlag ein wundervolles Rundherum-Glücklich-Paket für alle, die mit Kindern ein eigenes Theaterstück einstudieren und aufführen wollen.
Wolfgang Haupt, Fahimah Ulfat, Ich möcht so gern mal König sein!, wir spielen Theater, Neckar-Verlag, ISBN 3-7883-0308-5, 10,20 Euro.

Peitz, Christian: Märchen für die Bühne

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Märchen sind eine beliebte Gattung – und Märchen auf der Bühne, das lieben alle Kinder. Hier erfährt der Autor, wie er Märchen für die Bühne umsetzen kann.

Märchenonkel Peitz

Christian Peitz ist ein bekannter Märchenautor. Seit 2001 hat er über 100 Radiomärchen für das Kulturradio des RBB verfasst. Nun sind Märchen im Radio und solche auf der Bühne nicht unbedingt dasselbe; aber ähnlich ist das schon.
So hat sich Peitz also drangesetzt und ein Büchlein verfasst, in dem er sein Wissen weitergibt. Er zeigt auch sehr schön am Beispiel des gestiefelten Katers, wie variantenreich Märchen sind und wer den Kater so alles in welcher Form bearbeitet hat.

Lesen! Die Abenteuer des faulen Paul

Bekannte Märchen umarbeiten

Will heißen: Wagt euch ruhig an bekannte Stoffe. das hat den Vorteil,dass die Leute sie schon kennen. und ihr müsst euch nicht das Hirn nach einem schönen Märchen zermartern. Peitz listet dann auf, welche Möglichkeiten es gibt, ein Märchenstück auf der Bühne zu inszenieren – leider bleibt er relativ knapp. Ebenso wie in den Formen der Umsetzung. Der Teil mit Hintergrundwissen zum Schreiben von Stücken macht gerade mal sieben von 93 Seiten aus.

Auf den restlichen stehen Beispiele aus Peitz‘ Schaffen. das ist nett zu lesen und hilfreich – aber mehr Basiswissen wäre sicher nicht schlecht gewesen.

Klassiker wie Egri

So bleibt nur, auf die Klassiker unter den Theaterschreibschulen hinzuweisen – wie etwa Herrn Egri.  Der Autor muss sich eben deren Anleitungen für Kinderbühnen umdenken; aber zusammen mit dem Büchlein von Peitz sollte das mühelos gelingen.

Christian Peitz, Märchen für die Bühne, Sketsche, Szenen, Stücke, bod.de, ISBN 9783837036510

Lindgren, Astrid: Kindertheaterstücke

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Ein Wiedersehen mit Pippi, Karlsson und Michel gibt es in dem Buch von Lindgrens Theaterstücken. Super!

Bekanntes von Astrid Lindgren

Das Buch versammelt vier bekannte Geschichten der besten Kinderbuchautorin der Welt – Astrid Lindgren. Auch im Theaters entfalten sie ihren ganzen Charme.
Wer sich mit den Theaterstücken von Astrid Lindgren befasst, fragt sich zu Beginn unwillkürlich: Wirken diese Geschichten auch auf der Theaterbühne? Dass sie zum Lesen taugen, das müssen wir nicht mehr betonen. Millionen verkaufter Kinderbücher sprechen da eine deutliche Sprache. Und wie reizvoll die Verfilmungen sind, wissen wir auch – sei es bei Karlsson, sei es bei Michel von Lönneberga, sei es bei Pippi Langstrumpf.

 

Wie ist das mit dem Theater?

Was aber ist mit dem Theater? Da braucht es, Hokus Pokus, nur wenige Sätze, und die Leser sind schon wieder drin in den Geschichten. Pippis ganzer anarchischer Charme wird lebendig, ihre hanbüchenen und doch so sympathischen Lügen, ihre Wurstigkeit der Welt der Erwachsenen gegenüber, ihre Bärenkräfte. Davon träumen Kinder schon immer. Alles, was die Leser schon von Buch und Film kennen, findet sich hier wieder – wenn auch in etwas gestraffter Form. Doch, man Merkt das gar nicht. Das Theaterstück ist so rund, dass man sich fragt: Was ist denn jetzt weggelassen?

Lindgren schrieb selbst
Aber man merkt halt, dass die Autorin selbst das Stück geschrieben hat – ein bisschen eingedampft, das tut selbst einem Klassiker wie Pippi gut.
Und so geht das mit allen anderen Geschichten auch – obwohl, beim sympathischen Aufschneider Karlsson vom Dach sind sogar Szenen hinzugekommen. In beiden Fällen haben sich aber Erzählstrang und Choreografie nicht geändert. Die Leser erkennen ihre Geschichten im Handumdrehen wieder.

Waisenjunge Bosse


Mio, mein Mio, die Geschichte von vom armen Waisenjungen Bosse, der seinen Vater, den König, findet, ist auch als Theaterstück höchst lesenswert. Das Stück erfasst mit wunderbarer Leichtigkeit den Kern der Geschichte und bringt ihn dem Leser dramatisch näher. Und weil das Theater ein ganz eigenes Genre ist, mit einer höheren Notwendigkeit, die Dreidimensionalität der Figuren schärfer heraus zu arbeiten und die Konflikte akzentuierter zu modellieren, müssen die Leser dieser Stücke den Hut ziehen vor Astrid Lindgren – auch das hat sie sauber hinbekommen.

Michel von Lönneberga – etwas verkürzt
Bleibt noch der Michel. Der zieht ja seinen ganzen Charme nicht nur aus den vielen kleinen und mittleren Katastrophen, in die er – ungewollt – seinen Vater stürzt; der lebt vor allem von seinem Ende her, als der Michel Mut zeigt und Entschlossenheit, wo doch schon alle Erwachsenen kneifen. Und der Michel seinen Freund, den Knecht Alfred rettet.

Lange Schlittenfahrt


Die lange Schlittenfahrt durch den Schneesturm wäre sicher im Theater schwierig darzustellen gewesen – also ließ sie die Autorin weg. Zurück bleibt ein amüsantes Theaterstück, dem aber ein wenig die Tiefe fehlt. Nun, unterhaltsam ist es doch – und das ist mehr als man von manche anderen Stücken sagen kann.
Wer die Stücke nicht nur lesen, sondern auch aufführen will, muss sich allerdings die (kostenpflichtige) Erlaubnis holen. Wo, das steht im Buch auch drin.

Astrid Lindgren, Kindertheaterstücke, Oetinger Verlag, ISBN 978-3789122347.