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Bei Enid Blytons Büchern bin ich manchmal etwas im Zwiespalt – sie sind schön konstruierte Kinderbücher, die all das mitbringen, was sie wirklich spannend macht. Und doch wirken manche seltsam altbacken.

Ach ja, die Bücher aus der Kinderzeit sind doch die besten: süffig, spannend, an manchen Kanten eigentümlich rau. Eine der profiliertesten und sicher die meistgelesene Autorin ihrer Tage war Enid Blyton. Von der Schnell- und Vielschreiberin stammt die fantastische Reihe 5 Freunde. Das sind Georg, Tim (ihr Hund), Anne, Julius und Richard. Das Setting der Anfangsbücher der Reihe ist immer das Gleiche: Die drei Kinder Anne, Julius und Richard kommen aus ihrem Internat zu Besuch bei Georg und ihren Eltern. Und sie verbringen einige Tage davon auf der Felseninsel; Georgs Felseninsel, etwas abgelegen vom Festland. Dort gibt es eine verfallene Ruine mit verließartigen Kellergewölben. Und dort warten jede Menge Abenteuer.

Mutter ist krank

So auch diesmal. Ach ja, gleich ist auch wieder, dass Georginas Mutter krank und ihr Vater mürrisch ist. Diesmal ist die Mutter aber so krank, dass sie ins Krankenhaus muss, und der Vater sie begleitet.

So sind die Kinder der fiesen Frau Stock und ihrem Sohn ausgeliefert. Frau Stock ist die Hauswirtschafterin. Später kommt noch ihr zwielichtiger Mann hinzu.

Aber die Kinder sind zu gewitzt und mutig, um sich von diesen seltsamen Leuten lange auf der Nase hermtrampeln zu lassen. Sie büxen auf die Felseninsel aus. Dort wird es dann erst recht abenteuerlich.

Böse Dienstboten

Das Setting ist also immer gleich; auch die bösen Dienstboten kennen wir schon. Vielleicht hatte Frau Blyton ein paar schlechte Erfahrungen gemacht …

Was mich ein wenig entnervt hat: Die Geschichte schleicht sich erst über 100 Seiten dahin, ehe es wirklich spannend wird. Und dann überschlägt sich das Ganze mehrfach, damit die Autorin noch auf den restlichen 60 Seiten mit allem fertig wird. Das war nicht die beste Geschichte der E. B. Seltsam altbacken erzählt – dazu brauchen wir nicht einmal auf die Art und Weise schauen, wie die Eltern (vor allem die Männer) mit ihrem Nachwuchs umspringen durften. Und „Mutti“ und „Vati“ sind auch herrlich verschroben.

Amüsant zu lesen aber ist die Geschichte allemal; man darf halt nur keine heutige Maßstäbe an sie legen.

Marketing-Tools vom Feinsten

Max Kruse, Urmel taucht ins Meer

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Max Kruses Buch Urmel taucht ins Meer ist ein Muss für alle Urmel-Fans. Denn in seinem dritten Abenteuer geht es in die Tiefen des Ozeans – und natürlich warten dort für Urmel und seine Freunde wieder eine Menge Abenteuer.

Wenn die Tiere Professor Habakuk Tibatong nicht hätten, dann könnte sie nicht sprechen. Und sie würden wahrscheinlich nicht halb so viele Abenteuer auf der Insel Titiwu und anderswo erleben. Denn der durch und durch schusselige Professor ist ein begnadeter Erfinder. Und seine Erfindungen helfen Urmel, Wutz, Schusch, Ping Pinguin, Wawa und Tim Tintenklecks diesmal, ihre Abenteuer im Meer zu erleben. Einfach, weil der Professor eine Pille erfunden hat, mit der man ganz lange unter Wasser tauchen kann. Bevor das aber soweit ist, will er erst noch zur ollen Krabbe vordringen, um mit ihr zu sprechen. Der Professor mutmaßt, dass die Krabbe eine Menge zu erzählen hat –  hat sie auch, wie sich später herausstellt.

Krabbe ist verschüttet

Doch die Krabbe ist im ersten Abenteuer verschüttet worden. Wie gut, dass die Freunde vom zweiten Abenteuer auf dem Stern Futura den Erdwolf mitgebracht haben, mit dessen starken Laserstrahlen man Erde, Geröll und Fels durchdringen kann.
Der Professor bringt der Krabbe das Sprechen bei – oder vielmehr das Gestikulieren.
Und so erfahren die Freunde, dass die Krabbe vor den Seeungeheuern in die Höhle geflohen ist.
Seeungeheuer sind natürlich eine höchst spannende Geschichte, die sich der Professor nicht entgehen lassen will.
Zum Glück hat er ja die Tauchpillen.
Und so wird es wieder mal höchst abenteuerlich – diesmal in den Tiefen des Ozeans. Und Urmel macht auch jede Menge Unfug.
Tolles Buch.

Auf zum Urmel

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Anton hat Freunde, da würde es jeden anderen grausen – sie sind nämlich Vampire. Aber der schlaue Junge kommt prima mit ihnen aus; meistens. 

Was haben sich unsere Eltern über manche unserer Freunde ins Hemd gemacht! Echt! Da hätten sie mal Anton erleben sollen. Der ist mit echten Vampiren befreundet. Mit Rüdiger zum Beispiel; und seiner Schwester. Und einen großen Teil des Lesevergnügens bezieht das Buch aus der Tatsache, dass Antons Eltern so unendlich dämlich sind und nicht merken, welch komische Freunde ihr Sohn Anton da anschleppt.

Vampirmäßig komisch …

Das heißt – sie merken schon, dass sie komisch sind. Aber sie können 1 + 1 nicht zusammenzählen. Bekommen es also echt nicht auf die Reihe, wieso die beiden Freunde so komisch gruftig riechen, so seltsam lange Zähne haben (die sie zu verbergen versuchen, indem sie die Hand beim Sprechen vor den Mund halten); und wieso sie lange schwarze Umhänge tragen und nur nachts vorbeischneien. Klar, das gibt eine Menge Abenteuer und Verwicklungen, die diesen herrlich dicken Sammelband zu einem wahren Schmökervergnügen machen.
Angela Sommer-Bodenburgs Geschichten haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel – ein Spaß sind sie heute noch. Echt kultig!
Hier geht’s zum kleinen Vampir

Enid Blyton, 5 Freunde im Zeltlager

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Auch im Zeltlager wird es spannend – die 5 Freunde sind fiesen Gestalten auf der Spur. Und einem Geisterzug!

Ein Sittenbild

Wenn wir die alte Geschichten wieder lesen von Julius, Georg, Richard, Anne und Hund Tim – dann sollten wir uns den Spaß machen, sie in der deutschen  Erstausgabe zu genießen. Denn da haben wir nicht nur die ganze Geschichte von Enid Blyton als damaliges Sittenbild ihrer Zeit – sondern auch eine Übersetzung, die dem in nichts nachsteht.
Gut, ich gebe zu, die vor ein paar Jahren neu herausgegebene „Geheimnis-um-Reihe“ im Erika Klopp Verlag war wirklich stark. Das ist ein wunderschön aufgemachtes zeitgenössische Lektüre. Und Enid Blyton hat es durchaus verdient, ihre Geschichten ein wenig vom Muff der Nachkriegszeit  zu befreien.

Lesen! Die Abenteuer des faulen Paul

 Der Nachkriegsmuff macht Spaß

Aber genau dieser Muff ist es wiederum, aus dem die 5-Freunde-Geschichten heute ihren Reiz beziehen. Denn sie wirken eigentlich mit immer der gleichen Konstruktion: Drei artige Kinder, die es gelernt haben, höflich und zuvorkommend gegenüber Erwachsenen zu sein (mit unterschiedlichen Gewichtungen in der Ergebenheit), sind dennoch unabhängig genug, die Schurken unter den Respektspersonen zu erkennen.

Kleine Rebellion der Kinder

Ihren Reiz beziehen die Geschichten also aus der kleinen, verbotenen Rebellion der Kinder gegen die Erwachsenen – denn auch die Schurken sind erst einmal unantastbare Respektspersonen. Aber die schlauen Kinder lassen sich von falschen Fuffzigern kein X für ein U vormachen. Das war schon gewaltig emanzipatorisch für die damalige Zeit – lässt uns aber heute, mit unseren selbstbewussten bis renitenten Kindern, eher müde lächeln.
Ich habe heute manchmal das Bedürfnis, eher die Erwachsenen vor dem Furor der Kinder zu schützen. Respekt? Fehlanzeige.

Die schlaue Georg

Aber ich schrieb ja „drei“ Kinder. Das vierte, Georg, die eigentlich Georgina heißt und ein Mädchen ist, aber eben doch nur ein Junge sein will – sie hat  ihren Querkopf; und riecht den Braten und die falschen Fuffziger zumeist schon viel früher als die wohlerzogenen anderen. Und sie kommt dem Geheimnis als erste am nächsten – gerät aber auch direkt in Gefahr.

Die Geschichte mit dem Zeltlager folgt diesem Strickmuster. Der schuftige Erwachsene ist der etwas zwielichtige Stiefvater von Jockel, einem Bauernsohn in der Nähe des Zeltlagers der 5 Freunde. Dort zelten sie mit Professor Krabbler, einem netten und harmlosen Erwachsenen, der aber am Ende ziemlich wichtig wird.

Ein Geisterzug

Eine große Rolle spielt noch der Geisterzug im verlassenen Tunnel. Jetzt wollen wir aber nichts mehr verraten – sondern dringend zum Lesen raten.

Bild: pixabay.com/Robert Greene

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Die Abenteuer mit Löwe, dem Sultan und dem Kamel gehen weiter – diesmal ganz ohne Kim, Ra und Pips. Dafür mit einer fiesen Verschwörung.
Üble Verwandtschaft

Wie übel Verwandtschaft sein kann, das erfahren Löwe und seine Freunde auf der Rückkehr von ihrem jüngsten Abenteuer mit Mister Knister. Denn die drei sind gerade auf ihrem Rückflug von der Stadt Neulöwenburg nach Sultanien, wie sie wegen Löwes Heldenmut jetzt heißt, da bittet sie ein Flamingo um Hilfe.

Lesen! Die Abenteuer des faulen Paul

Prinz Panja ist fast alleine

Dem jungen Prinzen Panja sind die Eltern weggestorben, ihm bleiben nur noch die schlaue Kobra, der starke weiße Elefant und er natürlich, der Flamingo. Mit diese Häuflein Getreuen muss Panja der Übermacht seines Onkels trotzen, des fiesen und verschlagenen Rao, der die Macht an sich reißen und König von Nekaragien werden will.
Und dabei kann er unter anderem auf den gespenstischen Burgrat Gibbon und General Blech mit seiner schier unüberschaubaren Blechbüchsenarmee bauen.
Das Schlimmste aber ist. Prinz Panja erkennt die Gefahr nicht, in der er schwebt. Er glaubt nicht den Warnungen vor den finsteren Pläne seines Onkels.

Hilfe kommt durch die Luft

Keine Frage, die drei Freunde auf ihrem fliegenden Teppich ändern schnurstracks die Flugrichtung und machen sich auf in das Land, das eigentlich niemand kennt – oder, das nur in der Fantasie existiert.
Aber die Fantasie der Drei ist so stark, dass sie das Land finden und den Kampf gegen den finsteren Rao aufzunehmen. Doch das ist nicht so einfach. Zu stark scheint der fiese Onkel zu sein. Und mit Professor Nomus und seinen starken Teleskopen sieht der Finsterling alles.

Prinz und Löwe gefangen

Die Lage spitzt sich zu, als die Schildkröte des Rao den fliegenden Teppich der drei Freunde klaut, und der Prinz bei einem inszenierten Kampf zwischen Löwe und General Blech in eine Falle und dann in Gefangenschaft gerät. Jetzt erkennt er die Verschlagenheit seines Onkels – aber ist es nicht schon zu spät? Guter Rat ist teuer.
Später gerät auch noch Löwe in Gefangenschaft, trotz seiner Schlauheit. Und selbst die listige Kobra kann ihn nicht daraus befreien.

Atemberaubende Lösungen

Max Kruse hat in seinem Kinderbuchklassiker dafür gesorgt, dass die Spannung nicht ausgeht und sich eine Hürde nach der anderen vor unseren Freunden aufbaut – aber er sorgt auch dafür, dass die ganze Sache gut ausgeht. Manchmal mit abenteuerlichen Finten und Volten in seiner Geschichte. Sie mögen atemberaubend sein, lustig sind sie immer. Und sie schaffen es, durchaus kindgerechte Lösungen anzubieten. In der Fantasie der Kinder funktioniert eben manches anders als bei Erwachsenen.

Starke Charaktere

Die Löwen-Reihe bietet zudem starke Charaktere, vor allem in der Tierwelt. Das macht sie einerseits spannend, andererseits sind die Bücher eine prima Lektüre für Kinder. Und ganz nebenbei lernen sie, alle Geschöpfe zu respektieren; naja, mit Ausnahme vielleicht von Rao und Gibbon. Aber selbst der Blechbüchsen-General entscheidet sich schließlich für die richtige Seite. Ihm ist später, Kruse-Fans wissen das, als Don Blech, eine eigene Reihe gewidmet.

Max Kruse, Gut gebrüllt, Löwe, Thienemann Verlag, ISBN 10: 9783522169141,ISBN 13: 978-3522169141, 9,90 Euro.
 
Brüll mit dem Löwen!

Kruse, Max: Kommt ein Löwe geflogen

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Im zweiten Band der Löwe-Reihe lässt Kinderbuchautor Max Kruse die illustre Heldenschar ein weiteres spannendes Abenteuer erleben.
Der Löwe ist zurück. Und wie …

Der Löwe kehrt zurück – auf dem fliegenden Teppich durch die Luft. War er im ersten Band noch das aus dem Zoo entflohene, vermeintlich gefährliche Raubtier, ist er jetzt sogar der Polizeipräsident von Sultanien. Das passt natürlich, denn Löwe war nie gefährlich (das hat immer nur Frau Wisstihrschon) vermutet; und ein paar andere Angsthasen.) Aber Pips hat gleich gewusst, dass Löwe gar nicht gefährlich ist, sondern liebe und schlau und mutig und stark.Und deshalb isst sie auch seine beste Freundin geworden.

Mutiger und starker Löwe

Aber so einen mutigen und starken (und lieben) Kerl ernennt man gerne zum Polizeipräsidenten von Sultanien – vor allem, wenn er dem Sultan so toll hilft wie Löwe in seinem ersten Abenteuer.
Aber alle anderen sind auch dabei – Doc, der Tierarzt, Kim, der Kater Schipp, der Hund Wu, der Rabe Ra und das Kamel, der persönliche, weise, aber ein wenig ängstliche Berater de Sultan; dann der Sultan natürlich und eine Menge anderer Leute, die wir schon kennen.
Eine wichtige Rolle fällt Totokatapi zu, der jetzt Minister für Angelegenheiten des angenehmen Lebens in Sultanien ist – eine durchaus verantwortungsvolle Position.

Totokatapi erbt ein Kaufhaus

Die ganze Geschichte beginnt, dass Totokatapi das Kaufhaus von Onkel Pitt in der kleinen Stadt Irgendwo erbt. Doc bekommt von Rechtsanwalt Schlau einen Brief, in dem er mitteilt, dass Totokatapie erbt. Mit diesem Brief fliegen sie in Docs Flugzeug nach Sultanien.

Löwenstarkes Team !

Das gibt ein Wiedersehen!

Aber genau in diesem Moment bekommt Sultanien Besuch vom finsteren Mister Knister mit seinem Krokodil. Der tauscht den Brief von Rechtsanwalt Schlau in einem unbedachten Moment aus und verabschiedet sich.

Der fiese Mister Knister

Und als unsere Freunde auf der Leuchtturminsel mit ihren dortigen Freunden vom ersten Abenteuer feiern, sperrt sie Mister Knister im Leuchtturm ein und zerstört Docs Flugzeug. Jetzt hat er jede Menge Zeit, sich schwarz anzumalen wie Totokatapi und sich zu Rechtsanwalt Schlau aufzumachen. Im Handumdrehen gehört das Kaufhaus dem finsteren Gauner.
Aber die Freunde geben nicht auf. Sie besorgen sich Boote und machen sich in die kleine Stadt auf. Aber dort klebt ihnen erst einmal das Pech an den Hacken. Sie werden verhaftet, Löwe kommt in den Zoo zurück.

Jetzt lesen: Zauberhafter Frizzie

Ra ist ein ganz schlauer Rabe

Und jetzt kommt Ras große Stunde, der schlaue und mutige Rabe hat maßgeblichen Anteil daran, die Freunde zu befreien und schließlich den Schuft zu überwältigen.
Das zweite Buch der Löwen-Reihe ist spannend und wieder bevölkert mit liebenswerten und oft knorrigen und kauzigen Charakteren. Besser als der erste Löwe jedenfalls. Das Schöne an Kruses Kinderbüchern ist, dass die Leser den Charakteren in einer Vielzahl von Büchern und Abenteuern immer wieder erleben.

Max Kruse, Kommt ein Löwe geflogen, Axel Juncker Verlag, mit CD-ROM, nur noch Restbestände und antiquarisch zu haben, ISBN 3-558-72139-X.
Spiel doch mit dem Löwen …

Lindgren, Astrid, Karlsson vom Dach

Bild: pixabay.com/OpenClipartVectors

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Astrid Lindgren hat ihr Buch Karlsson vom Dach vor über 55 Jahren geschrieben. Es ist so frisch wie am ersten Tag – und durchaus lehrreich für Erwachsene.

Der kleine dicke Mann

Karlsson? Schwieriger Fall: Einerseits müsste der kleine dicke Mann „in den besten Jahren“ (Karlsson über Karlsson) unbedingt auffallen – wer wohnt schon auf dem Dach und schnurrt munter mit einem Propeller auf dem Rücken durch die Luft? Dabei ist Herr Karlsson kaum größer als ein Kind.

Karlsson fällt auf – und wieder nicht

Andererseits fällt Karlsson gerade nicht auf – zumindest sieht ihn kein Erwachsener so schnell. Und genau das ist das Problem von Lillebror, der eigentlich Svante Svantesson heißt. Niemand nimmt ihm ab, dass es Karlsson wirklich gibt.

Gibt es Karlsson?

Lillebror ist ein „ganz normaler Junge“ von sieben Jahren, wie Autorin Astrid Lindgren gleich zu Anfang ihres Kinderbuches Karlsson vom Dach betont. Aber mit sieben ist man eben auch sehr verträumt. Lillebror („kleiner Bruder“) wünscht sich ebenso sehnlich einen kleinen Hund wie einen echten Kumpel, mit dem er Pferde stehlen kann. Und beides bekommt er auch im Verlauf von Astrid Lindgrens Roman. Den Hund ganz am Schluss, zu seinem Geburtstag. Und den Kumpel schon viel früher – eben jener Karlsson tuckert ihm eines Tages zum offenen Fenster herein und freundet sich mit Lillebror an.

Überraschender Besuch

Der überraschende Besuch aus der Luft bringt für Lilliebror viel Vergnügen und Abenteuer, aber eben so viel Ärger. Weil Karlsson seine eigenen Ideen von der Welt hat. So nebensächliche Dinge wie Ordnung und Bravsein interessieren ihn nicht. Deshalb bleiben die Besuche von Karlsson nicht ohne Folgen. Lillebrors Dampfmaschine explodiert, und als Lillebror Karlsson auf dem Dach besucht, kommt die Feuerwehr und holt ihn da runter. Denn Karlsson ist nicht irgendwer; und schon gar kein pflegeleichter Herr in den besten Jahren. Nein, er ist egoistisch, aufschneiderisch und immer für einen Unfug zu haben. Dabei achtet er nur auf sich, nie auf andere – so scheint es zumindest. In Wirklichkeit aber, das ist sicher, passt Karlsson schon heimlich auf seinen kleinen Freund auf.

Weltbester Aufschneider

Und was immer Herr Karlsson tut – er kann es am besten. Er ist der weltbeste Karlsson, der weltbeste Bildermaler, der weltbeste Dampfmaschinenführer.
Erwachsene schmunzeln hier – weil sie darin ihre Kinder wiedererkennen. Ebenso grenzenlos wie maßlos in ihrer Fantasie.

Die Unterschiede

Aber da fangen die Unterschiede schon an – Erwachsene nehmen Karlsson nicht für voll; vielleicht schneidet er deshalb so ungeheuerlich auf.
Lillebror jedenfalls kann seinen Eltern und großen Geschwistern erzählen, was er will. Niemand glaubt ihm, dass es Karlsson wirklich gibt und dass er hinter all dem Unfug steckt, in den Lillebror verwickelt wird.

Fantasie und Wirklichkeit

Dennoch darf Lillebror zu Hause bleiben, als der Rest der Familie in den Urlaub fährt. Damit er nicht so allein ist, kommt das Fräulein Bock und mit ihr der gute alte Onkel Julius – und natürlich Karlsson, der wieder einmal in der ganzen Stadt mächtig für Aufsehen sorgt.
Am schlimmsten aber ist, dass auch Lillebrors Freunde ihm nicht glauben. Alle denken, Lillebror hat Karlsson erfunden, um eine Entschuldigung für alle Streiche zu haben, die er begeht. Und weil er so viel Fantasie besitzt.

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Karlsson ist plötzlich da

Aber eines Tages kommt Karlsson zur Geburtstagsfeier von Lillebror … und plötzlich merken alle: Lillebror hat ja recht gehabt. Vor allem die Erwachsenen verstehen die Welt nicht mehr – dass es etwas so Seltsames und Komisches wie den fliegenden Herrn Karlsson überhaupt gibt! Das geht den erwachsenen Lesern ebenso wie den Erwachsenen im Buch. Von daher ist das auch eine ganz lehrreiche Geschichte für die großen Leute: Sie sollten die Fantasie ihrer Kinder ernster nehmen. Darin war Astrid Lindgren eine ganz Große.

 Alte, junge Geschichte

Karlsson vom Dach ist eine Geschichte, die Astrid Lindgren, die berühmteste Kinderbuchautorin der Welt, vor 55 Jahren geschrieben hat. Aber das Buch ist so toll und frisch wie am ersten Tag. Sattdessen werden wir uns an ihr nie. Einfach mal wieder versuchen!

Astrid Lindgren, Karlsson vom Dach, Oetinger Verlag, gebundene Ausgabe: 335 Seiten, Auflage: Neuausgabe, Gesamtausgabe, (Februar 1990), ISBN-10: 3789129364, ISBN-13: 978-3789141027, 16,90 Euro.

Auf zu Karlsson

Kruse, Löwe, Wahnsinn!

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Im vierten Band der Löwen-Reihe bekommen es die drei Freunde Sultan, Kamel und Löwe mit drei teuflischen Gesellen zu tun. Es ist die Fortsetzung von Max Kruses erzählerischem Wahnsinn im besten Sinne und auf höchstem Niveau.

Drei schreckliche Gestalten

Sultan, Kamel und Löwe sind immer noch auf der Heimreise von Neulöwenburg – wie die kleine Stadt Irgendwo seit neustem heißt in Erinnerung an die Heldentaten von Löwe. Sie machen noch einen Abstecher auf die Papageienpflegerinsel von Nenekiki und ihren Eltern – da erfahren sie, dass drei schreckliche Gesellen auf ihrem Schiff mit Namen „Hölle“ die Weltmeere unsicher machen. Und auf ganz gemeine Weise die Schiffe kapern und ausrauben. Sie setzen nämlich die Leuchttürme an den Küsten außer Gefecht und rauben die aufs Riff oder Sandbänken aufgelaufenen Schiffe aus.

Der Sultan greift ein

Klar, dass Sultan und Löwe das nicht dulden können. Schließlich geht ihnen beiden alle Schlechtigkeit gegen den Strich – und sie müssen alles tun, um den Schurken das Handwerk zu legen. Kamel ist eigentlich auch dieser Meinung. Nur hat das empfindsame Tier langsam die Nase voll von der ewigen Herumreiserei auf dem schwankenden fliegenden Teppich. Es sehnt sich nach dem gemütlichen Sultanspalast, seinen Pantoffeln und der Wasserpfeife. Aber Sultan lässt sich nicht beirren und steuert die „Hölle“an.

Die Bösewichter bleiben unbeeindruckt

Wer meinte, dass sich die drei wilden Gesellen von den drei seltsamen Gestalten auf dem fliegenden Teppich beeindrucken und von ihrem finsteren Handwerk beeindrucken lassen, der täuscht sich. Die lachen die Drei aus und jagen ihnen eine Kanonenkugel um die Ohren, sodass sie schnell abdrehen und das weite suchen.

Endlich zu Hause

Also geht es endlich nach Hause – doch für das Kamel beginnt jetzt eine furchtbare Leidenszeit. Es macht einen langen Spaziergang, um den Sultan daran zu hindern, so bald wieder abzureisen. Doch es fällt unter die Räuber, die es ins Nachbarland verkaufen. Es muss weite Wüsten durchwandern und sehnt sich nach Löwe und Sultan – und sei es auf dem fliegenden Teppich.

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Kamel im Pech, Sultan im Pech

Aber auch der Sultan hat Pech: Sein fliegender Teppich wird geklaut, an einen Teppichhändler verschachert – und der verkauft das wertvolle Ding an Lord Pampelmouse aus England. Schwuppdiwupp ist das gute Stück auf eine lange Reise nach Europa unterwegs. Also müssen Sultan und Löwe, begleitet vom tapferen Kakadu Ka, mit dem Boot aufbrechen, um auf die Leuchtturminsel zu kommen. Sie befürchten nämlich, dass die drei Seeräuber der „Hölle“ ihre Freunde dort überfallen wollen, um den Leuchtturm auszuschalten und die Schiffe auf die Sandbänke auflaufen zu lassen. Und genauso ist es, die Retter kommen erstmal zu spät.

Geniales Ende

Max Kruse hat auch diesmal wieder ein höchst lesenswertes Kinderbuch über Löwe und seine Freunde geschrieben. Mit vielen Abenteuern, die sie ganz schön auf Trab halten. Und einem Ende, das aufhorchen lässt und in dem der gespenstische König Owigern von der Mitternachtsinsel eine wesentliche Rolle steht. Es ist ein geniales und hoffnungsfrohes Ende, das viel über das positive Menschenbild des beliebten Autors erzählt. Doch das verrät der Rezensent nicht.

Max Kruse, Löwe gut, alles gut, Thienemann Verlag, ISBN 10: 3522169158, ISBN 13: 978-3522169158, 9,90 Euro.

Da geht’s zum Löwen …

Max Kruse, Der Löwe ist los

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Mit und ohne Augsburger Puppenkiste – Max Kruses Der Löwe ist los erzählt eine Geschichte, die auch nach über 50 Jahren so frisch ist wie am ersten Tag. Manche Sequenzen des Buchs sind nahezu dadaistisch in ihrer Sprache …

Kruses Klassiker

Kann man sich Max Kruses Kinderbuchklassiker Der Löwe ist los von 1952 tatsächlich ohne die so bayerisch wie anarchische Umsetzung der Augsburger Puppenkisten vorstellen? Aber natürlich – denn die Augsburger waren klasse, ohne Zweifel. Aber sie waren nur kongenial. Die Genialität der Geschichte stammt von Max Kruse. Und die kommt immer noch am besten rüber, wenn wir sie lesen.

Glück muss man haben

Wobei eines aus klar ist: Die meisten Menschen kennen den Löwen wohl als Schauspiel der Puppenkiste. Und ohne die Umsetzung für Marionetten und die Ausstrahlung im Hessischen Rundfunk wäre Kruses Buch nicht solch ein Erfolg geworden. Glück muss der Mensch eben haben. Aber Kruse hat ihn verdient; das ist auch klar.

Starke Geschichte

Andererseits ist die Geschichte einfach stark. In der Anarchie einer Perspektive, die sich radikal an die Sicht aus Kinderperspektive hält. Und die Frechheit, einfach einen Roman zu schreiben, in dem die Tiere und die Kinder das Sagen haben, und erwachsene höchstens hilfreich und nett sind – aber ohne die Kinder und Tiere aufgeschmissen. Oder die Erwachsenen sind doof oder fies. Und in dem die Tiere, wie selbstverständlich, reden können.

Der Löwe ist los – ein unübersichtlicher Erzählstrang

Und noch etwas anderes ist anarchisch: Die anfangs schier unüberschaubare Menge an Personen, die gleichberechtigt und nebeneinander auftreten, kurz handeln, dann wieder verschwunden, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Eine erkennbare, logische Handlung gibt es oft nicht. Das ist ein großes Gewurstel und hätte keine Chance, in einem der heutigen auf Erfolg gebürsteten Kinderbücher zu erscheinen. Das macht Kruses Löwen so wohltuend anders. Vor allem für Kinder, die ganz andere Genüsse aus Geschichten ziehen als Erwachsene. Logik? Pfft! Und noch etwas: Manche Sequenzen sind nahezu dadaistisch in ihrer Sprache …

Starke Sätze im Löwenbuch

Und was die Sprache betrifft, so finden wir Sätze, die ein unglaubliches Eigenleben besitzen, die stark sind und manchmal einfach erratisch nebeneinander stehen. Das gibt ihnen einen Hauch von Dada. Kostprobe: „Heute morgen haben sie es im Radio gesagt.“ „Haben sie auch gesagt, ob Löwen nur Riesen, Antilopen und Menschen fressen oder auch Hunde?“, fragte Wu (der Hund).

Wie entstehen Gerüchte?

„Natürlich auch Hunde“, sagte Frau Wisstihrschon. „Das dachte ich mir“, knurrte Wu. Er sah zum Fenster hinaus und sagte besorgt. „Ich glaube, es gibt Regen!“ Währenddessen hofft der Rabe Ra, dass Löwen nicht fliegen können. So macht sich jeder so seine Gedanken über den entflohenen Löwen und spinnt Theorien. Ganz nebenbei ist es auch ein Lehrstück über die Frage, wie Angst entsteht (und wie irrational sie ist, wenn man nix weiß, aber viel fürchtet. Und noch mehr quatscht.) Und wie sich Gerüchte aufbauen.

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Ab in die Heimat

Auf den ersten 48 Seiten entwickelt sich das muntere Spiel von Flucht vor dem Löwen und manchmal nur vorgetäuschter Löwenjagd. Bis sich herausstellt, was jeder schon ahnt: Dieser Löwe ist harmlos. Jedenfalls ist er lieb zu Kindern und Tieren. Am Ende der ersten Geschichte fährt der Löwe mit dem Boot nach Afrika – in seine Heimat.

Den Sultan retten

Aber es gibt mehr als eine Geschichte – und fast immer taucht der Löwe wieder auf. So hilft er den Kindern und dem Kakadu Ka auf der Papageienfresserinsel und am Schluss, als das Buch dann wirklich zu Ende geht. Ist er auch noch dafür gut, einen Komplott gegen den Sultan von Sultanien aufzuklären und zu verhindern – natürlich wieder zusammen mit den Kindern. Löwe bleibt dann beim Sultan, so viel sei aus den nachfolgenden Büchern schon verraten.

Viele verrückte Ideen

Ein amüsantes Buch voller verrückter Ideen und einprägsamer Charaktere; voller atemberaubender Verwicklungen und fintenreichen Lösungen. Es wieder mal zu lesen, mit den ganzen Bildern aus dem Stück der Puppenkiste, ist höchst amüsant und empfehlenswert; auch für große Kindsköpfe.

Max Kruse, Der Löwe ist los, gebundene Ausgabe: 158 Seiten, Thienemann Verlag, ISBN-10: 3522168852, ISBN-13: 978-3522168854, 9,90 Euro.

 

Fünf Freunde

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Ein spannendes Abenteuer ist bei diesem Roman der englischen Kinderbuchautorin Enid Blyton wieder garantiert – mit Einblicken in eine grausige Zeit. Dafür sind die 5 Freunde gut.

Spannende Geschichte am See

Das Setting ist spannend, wenn auch recht blytonhaft: Es sind Ferien (Weihnachten), die fünf Freunde kehren aus den Internaten zurück – diesemal verbringen sie die freie Zeit bei Georgina, die lieber ein Junge wäre und deshalb Georg genannt werden will.

Kinder voller Abenteuerlust

Zwei Mädchen, zwei Jungen, ein Hund – und eine Menge Abenteuerlust. Die wird natürlich gleich gestillt, weil Georg und ihre Eltern in einem romantischen, alten Haus am See wohnen – und in der Nähe noch ein geheimnisumwitttertes Bauernhaus liegt.
Aber leider sind die schulischen Leistungen der Kinder (außer die von Anne) nicht besonders gut; und so bekommen sie Privatunterricht während der Ferien aufgebrummt. Und was die Kinder sich in dieser grauen Vorzeit alles von den Erwachsenen gefallen lassen mussten … grausig! Die pure Willkür! Sie hatten keine Chance gegen übellauniger Eltern.

Der liebe, fiese Herr Roland und die 5 Freunde

 Herr Roland übernimmt das auf eine Annonce hin – und die Kinder mögen ihn; außer Georg. Die hasst ihn. Alleine sie sieht dessen kalten Augen und den schmalen Mund.Und Herr Roland ist ausgesprochen fies zu Tim, Georgs Hund.

Der Konflikt spitzt sich zu, während die Kinder im alten Bauernhaus – natürlich – eine Karte finden, die auf einen Geheimgang hindeutet.

Die Geschichte entfaltet sich in aller Gemächlichkeit, dem Konflikt zwischen Tim, Roland und Georg wird ein breiter Raum eingeräumt. Das eigentliche Abenteuer entwickelt sich dann sehr schnell und auf wenigen Zeilen. Aus dem Manuskript von Georgs gelehrtem Vater fehlen plötzlich die drei Kernseiten mit der von ihm entwickelten superwichtigen Formel. Ein nächtlicher Einbrecher? Oder gar Herr Roland?

Georgs Findigkeit, Tims Mut

Dann kommen der Geheimgang, Georgs Findigkeit und Tims Mut zum Einsatz.
Und am Ende ist alles wieder gut – drei Schufte sind überführt; und die Ferien ohne Hauslehrer und mit Abenteuer gerettet. Alles in allem leichter, süffiger Lesestoff nach Blyton-Art.

Enid Blyton, 5 Freunde auf neuen Abenteuern, 9783570078051

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