Kinderbuch schreiben: Das Buch überarbeiten

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Bild: pixabay.com(geralt (Gerd Altmann)

Mit unserem Kinderbuch kann es uns ja nicht schnell genug gehen – aber ein bisschen abhängen lassen sollten wir es schon. Und vor allem überarbeiten. Öfter als uns lieb ist. Nur so schreiben wir ein gutes Kinderbuch.

Nun ist es fertig, dein Kinderbuch. Herzlichen Glückwunsch. Hier dir liegen Wochen der Planung und Monate des Schreibens. Und endlich hast du das letzte Wort geschrieben und bist stolz wie ein Schneekönig. Oder eine Schneekönigin. Das darfst du jetzt erst einmal mindestens ein halbes Jahr genießen – weil dein Buch nämlich so lange in der Schublade versenkst. Der Sinn der Übung ist klar: Du musst Abstand gewinnen. Erst so kannst du dein Werk nüchtern betrachten.

Die Arbeit beginnt von vorne

Und dann beginnt die Arbeit wieder von vorne. Oder zumindest fast. Nimm dir vor, dein Buch so lang zu überarbeiten, bis du restlos zufrieden bist. Selbst, wenn du es fünf Mal umschreiben musst. Ich habe mein erstes Kinderbuch 13 Mal umgeschrieben, davon mindestens die Hälfte radikal. Das war natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass ich damals wenig von den Regeln des Kinderbuches wusste und von daher wenig vorab geplant habe. Aber die Bereitschaft, alles noch einmal auf den Prüfstand zu stellen, solltest ihr aufbringen. Es dient ja der Qualität eures Buches.
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Nimm dir vor allem die einzelnen Handlungsstränge vor – sind sie logisch miteinander verflochten oder enden manche im Nirwana? Wie sieht es mit den Personen aus? Bleiben sie ihrem Charakter treu, die ihr ihnen gegeben habt – oder entwickeln sie plötzlich ein Eigenleben, das eure Geschichte auf den Kopf stellt?

Langsam laut vorlesen

Ihr solltet in der Phase des Überarbeitens die Geschichte mindestens einmal langsam laut vorlesen. Ihr merkt dann sehr schnell, wo sie hakt. Noch besser ist es, das Vorlesen auch noch aufzunehmen und später in aller Ruhe und mit dem Manuskript vor euch abzuspielen. Auch hier merkt ihr plötzlich, wo eure Geschichte ins Schwimmen gerät.

Kritische Leser gehören zum Kinderbuch schreiben dazu

Wenn ihr dann noch etwas ganz Besonderes für euer Buch tun wollt, gebt es einem Freund / einer Freundin zum Lesen. Dabei solltet ihr darauf achten, dass euer Freund ein kritischer Kopf ist, der sich nicht scheut, euch auch zu kritisieren. Speichellecker, die euer Buch loben und sich denken „O Gott, was für ein Mist!“, die könnt ihr nicht brauchen. Ihr braucht Leute, die euch sagen, dass es Mist ist und das noch begründen können. Nur so habt ihr die Chance, es noch einmal gründlich zu bearbeiten.

Fein ist auch die Möglichkeit, eure Geschichte in einer Gruppe von Autorinnen / Autoren vorzustellen. Allerdings gibt es nicht allzuviele Gruppen von Kinderbuchautoren. Vielleicht habt ihr ein Literaturhaus in der Nähe, das so etwas bietet. Raue, aber herzliche Kollegenkritik ist das Beste, das ihr bekommen könnt.

 

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Bild: pixabay.com, Alexas_Fotos (Alexandra)

Das Alter der Kinder ist bei Kinderbüchern eine ganz entscheidende Frage – und das gleich in zweifacher Hinsicht.

Normalerweise haben Autoren für Erwachsenenliteratur viele Freiheiten. Eine ist die, das Alter ihrer Protagonisten nach Belieben zu wählen. Da ist ein 16-jähriger Flakhelfer ebenso interessant und taugt zur Emphase bei den Lesern wie ein 100-Jähriger, der sich aus dem Fenster verabschiedet.

Kinderbuchautoren sind vielen Regeln ausgesetzt

Wir Kinderbuchautoren haben diese Freiheit nicht. Zwischen einer Achtjährigen und einem Zwölfjährigen liegen Welten. Wenn also eine Achtjährige ein Buch über eine Detektivbande liest, die aus 13-jährigen Jungs besteht, wird sie wenig Emphase aufbringen. Es sei denn, die Chefin wäre eine kesse Neunjährige.

Kinderbuchhelden sorgsam planen

Wir Kinderbuchautoren sind mal wieder dumm dran und müssen uns an viel mehr Regel halten als andere Schreiberlinge. Und eine heißt: Das Alter deiner Kinderbuchhelden sollte etwas höher als die der Leser liegen. Damit haben wir das Alter gleich zweifach im Auge: Wir müssen genau wissen, für welches Alter wir schreiben – weil es für jedes Alter andere Anforderungen an Textlänge, Satzlänge und Schwierigkeitsgrad gibt. Und ihr müsst überlegen, wie alt eure Heldinnen und Helden sein dürfen. Klar, dass ihr auch da genau überlegen müsst, was Kinder in diesem Alter tun und wie sie handeln.

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Eure Kindergeschichten sollen das moderne Leben widerspiegeln. Schreibt auf keinen Fall Satiren. Die verstehen die meisten Erwachsenen nicht, Kinder nie. Sie nehmen alles, was sie lesen, für bare Münze.

Gut, dann kannst du loslegen mit dem Schreiben. Allerdings nur, wenn du all das beachtest, was ich über die Prämisse, die Biografie der Personen und die Konflikte (dramatische Frage!) geschrieben habe. Du findest das in den Artikeln, die unten aufgelistet sind. Und natürlich in meinem Büchlein mit den goldenen Tipps (siehe Anzeige rechts oder unten).

Besser mit der Hand schreiben

Ein Tipp zum Schreiben: Ich bin es als Journalist gewohnt, meine Artikel gleich in die Computer zu schreiben. Seit 30 Jahren, Tag für Tag. Und doch schreibe ich meine Bücher alle mit der Hand. Das hat mehrere Gründe: Ich muss nicht schon wieder am Mac hocken, sondern die schönen Stunden auf dem Balkon oder der Terrasse genießen. Und es hat den Vorteil, dass ich mein Manuskript abtippen muss – und ich schon hier das erste Mal meine Geschichte überarbeite.

Aber es werden noch etliche Male folgen …

 

Kinderbuch schreiben: Intuition und Planung

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Bild: pixabay.com/Alexandra aus München

Es gibt eine Menge Autorinnen und Autoren, die scheuen eine geordnete Arbeitsweise wie der Teufel das Weihwasser. Und von denen höre ich immer wieder: „Ich schreibe spontan los. Das Ende meiner Geschichte kenne ich doch nicht!“

Nun ja, das sind Leute, die ihre Intuition über solides Handwerk stellen. Und die sich nach ein paar Jahren wundern, warum sie kein Buch an den Mann (das Kind) bringen.

Intuition ist prima

Die Antwort ist einfach: Intuition ist prima, ohne sie funktioniert kein kreativer Prozess. Und es ist auch in Ordnung, beim Schreiben der Geschichte wird des ganzen Konzeptes immer noch viel Intuition gefragt sein. Zunächst aber geht es ans Planen – von Prämisse über dramatische Frage bis zur finalen Klimax will alles durchdacht und aufgeschrieben sein. Dabei ist ein Aspekt, das Ende der Geschichte genau zu kennen. Geht ja auch nicht anders, wenn ich die fünf magischen Elemente einer guten Geschichte anwendet – dabei ist das Ende ein wichtiger Aspekt. Nehmt nur die Moral. Ihr baut die ganze Geschichte um diese Moral (Prämisse) auf; sucht euch die Personen, die eure Moral transportieren und am Schluss beweisen, konfrontiert sie mit der dramatischen Frage, bringt sie in Konflikte, ehe ihr im finalen  Konflikt die Moral beweist. Wie soll das gehen, wenn ihr beim Konstruieren der Geschichte das Ende nicht kennt?

Schnäppchen, Schnäppchen!

Personen nach der Moral wählen

Nehmen wir die Prämisse „ehrlich währt am längsten“. Hier lässt sich wunderschön eine Geschichte konstruieren mit zwei Personen, die eine solche Moral leben: Die eine als wahrheitsliebende Person, die andere an Lügnerin und Betrügerin. Klar, dass beide aufeinanderprallen und so manchen Konflikt miteinander auszutragen haben. Im finalen Konflikt muss die wahrheitsliebende Person sich durchsetzen und gewinnen. Sonst würde unsere Moral nicht bewiesen, und das wäre fatal.

Ebenen der Geschichte

Von daher ist das Ende der Geschichte klar. Sie kann und sollte aber noch eine andere Ebene haben. Eine Ebene, die unsere Moral transportiert. Also zum Beispiel sind unsere beiden Antagonisten zwei junge Damen, die sich um die Zuneigung eines jungen Mannes bemühen – die eine mit ehrlichen Methoden, die andere mit fiesen Tricks. Hier passt dann auch unsere dramatische Frage rein – sie könnte lauten: „Schafft es Susie, Jans Liebe zu erobern?“ Oder schafft das die fiese Monika?

Klar ist natürlich auch: Das Ende einer Geschichte muss zu der Geschichte passen; und deine jungen Leser befriedigen und ihnen gefallen. Da ist natürlich auch wieder jede Menge Intuition gefragt …

Kinderbuch schreiben: Die Sache mit dem Plot

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Bild: pixabay.com/kheinz

Welche Handlungslinien, wie viele Personen, welche Perspektiven? Das Kinderbuch hat seine eigenen Regeln.

Wir wissen bereits: Eine Handlung muss beim Kinderbuch unmittelbar einsetzen, der Held unverzüglich erscheinen. Wie ist das aber mit der Handlung, die danach einsetzt? Die muss ähnlich direkt losgehen und klar erkennbar sein. Mehr als eine Handlungslinie (Plotlinie) solltest du nicht verwenden. Nebenhandlungen und Rückblenden sind also tabu. Um gerade jüngere Kinder nicht zu verwirren, sollten nur wenige Personen in deinem Buch auftauchen. Mich hat immer Der Löwe ist los maßlos verwirrt. Autor Max Kruse lässt ständig irgendwelche Personen auftreten, die er nicht oder kaum erklärt. Die pure Anarchie. Aber irgendwie ist das Buch doch Kult; manche schaffen das, verlassen sollten wir uns nicht darauf. Die weiteren Löwe-Bände hingegen sind dann klar und orchestrieren die Figuren besser.

Die Eigenschaften der Personen im Plot

Im Plot sollten die Eigenschaften der Personen klar zum Tragen kommen. Er sollte ihnen also entsprechen. Das können sie natürlich nur, wenn diese Eigenschaften auf die Prämisse ausgerichtet sind und die dramatische Frage richtig gestellt und ausgearbeitet ist – wie andernorts beschrieben.

Dann wird es uns in unserem Plot gelingen, in Aktion und Dialog die Geschichte voran zu treiben.
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Die Perspektive

Eine letzte wichtige Sache in unserem Kinderbuch ist die Perspektive, aus der es geschrieben ist. Ihr habt grundsätzlich vier Möglichkeiten: Die Ich-Persektive, die neutrale, die personale und die auktoriale. Bei der personalen schlüpft der Erzähler in eine oder mehrere Personen, erzählt aber in der dritten Person; bei der neutralen erzählt er die Geschichte von einem unsichtbaren Beobachter aus. Welche von beiden ihr wählt, ist egal, ihr solltet ausprobieren, was zu eurer Geschichte und zum Kinderbuch besser passt. Ich möchte aber ganz stark dafür plädieren, eure Geschichte aus nur einer Perspektive zu erzählen – das ist zwar schwieriger, aber ehrlicher. Und eure Leser identifizieren sich viel stärker mit eurem Helden.

Die auktoriale geht am weitesten, weiß alles und spricht den Leser oft direkt an. Mir ist das zu allwissend.

Ich bin ein absoluter Fan der Ich-Perspektive. Sie ist am authentischsten, weil der Held (die Heldin) selbst erzählt. Bei ihr ist die Empathie für den Helden am intensivsten. Aber zugegeben, solche Geschichten sind etwas härter zu schreiben. Weil ihr als Erzähler nicht mal schnell zu einer anderen Szene beamen könnt („Inzwischen im dunklen Wald…“), sondern alles, was Held und Leser wissen müssen, als trickreiche Weise zum erzählenden Helden gelangen muss, auf dass er es dem Leser erzähle. Als gutes Mittel hat sich der Dialog erwiesen. Rückblenden allerdings sind tabu!

Mehr Tipps …

Kinderbuch schreiben – die richtigen Helden

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Bild: pixabay.com/Holger Langmaier

Kinderbücher ohne Kinder als Helden? Möglich ist das, aber nicht sehr klug.

Natürlich kannst du sprechende Tiere, Pflanzen oder Steine als Hauptpersonen für dein Kinderbuch nehmen. Aber wenn du es dabei belässt, nimmst du deinen kindlichen Lesern eine Menge Identifikationsmöglichkeiten.

Es sollten also immer auch Kinder eine Rolle spielen in deinem Buch. Hauptpersonen müssen sie nicht sein, wäre aber besser.

Eines ist auch klar: Die Kinder in deinem Buch sind immer schlauer und stärker als die Erwachsenen in der Geschichte. Ein herrliches Beispiel, wie das perfekt gelöst ist und wie eine ganze Reihe davon lebt, ist Enid Blytons Serie „Geheimnis um …“ Wie dämlich sich der olle, aber hochnäsige Dorfpolizist Goon anstellt und wie er von Dicky und den anderen jungen Polizisten ausgetrickst wird, das ist lesenswert. Und macht immer wieder Spaß.

Ein anderes gutes Beispiel ist Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren. Pippi zeigt es allen – sie ist schlau und stark, kein Erwachsener hat eine Chance gegen sie. Das Buch ist überhaupt nicht politisch korrekt … aber das macht es seit zwei Generation bei Kindern so beliebt.

Die Biografie

Um das Beste aus deinen Personen herauszuholen, solltest du von jeder Person deines Buches eine Biografie schreiben. Versuche, jeden Aspekt von ihr zu erfassen, richte die Biografie nach der Prämisse deines Buches aus, nach der Moral. Du brauchst ja die Hauptperson, die deine Moral für dieses Buch beweist, du brauchst einen Gegenspieler, der das verhindern möchte. Du brauchst allerdings nur von deinen Hauptpersonen tiefgehende Biografien, für die Nebenfiguren reichen wenige Pinselstriche an Charakterisierung.

Versuche, in deine Personen hinein zu schlüpfen. Führe sie in spannende, eigenartige, furchterregende Situationen – und beobachte, wie sie sich verhalten. Wenn du ihnen vorher einen schlüssigen und stringenden Charakter gegeben hast, werden sie sich auch in diesen Situationen schlüssig verhalten. Wenn nicht, musst du nacharbeiten.

Das Drehbuch

Im Drehbuch solltest du jedes Kapitel kurz skizzieren. Achte dabei auf die notwendigen Konflikte zwischen Held und Gegenspieler. Die Faustregel dabei lautet: Je gründlicher du vorher planst, desto weniger musst du hinterher umschreiben.

Starte durch

Bei einer Kindergeschichte darfst du dir kein längeres Geplänkel erlauben. Sie muss sofort losgehen. Mitten rein ins Geschehen. Der Held / die Heldin sollte sofort erscheinen. Ich behelfe mir oft mit einer Art Vorwort, in dem ich die Hauptfigur vorstelle. Das versuche ich so spannend wie möglich zu machen, damit die Kinder gleich fasziniert sind. Die Jungen Leser müssen ihn schnell kennen lernen, ihm sympathisch finden, um ihm bei der Gefahr, die bald beginnen sollte, die Daumen drücken. Eine gute Geschichte beginnt an dem Tag, der anders ist – Ausgangspunkt für das Abenteuer, das vor euch liegt.

Mehr Tipps – siehe unter Bücher

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Bild: pixabay.com/Alexas_Fotos

Ideen haben wir viele – aber wie setzen wir sie um in gute Kindergeschichten? Indem wir die fünf magischen Elemente anwenden.

Was zum Kuckuck sind die fünf magischen Elemente? Ich verrate hier nicht all zu viel, weil ich irgendwann einmal ein Buch darüber schreiben will. Und wenn ich alles auf diesem Blog verrate, kauft es ja keiner mehr.

Die Wichtigsten

Aber zwei von den fünfen verrate ich doch. Vielleicht die Wichtigsten. Aufmerksame Leser dieses Blogs (doch, doch, die soll es geben) könnten sie sich an fünf Fingern zusammenreimen.

Zuerst kommt die Moral. Andere Schreibratgeberschreiber verbrämen das Wort Moral und nehmen lieber Prämisse. Das ist gehupft wie gehickelt. Hauptsache, eure Texte haben eine Botschaft. Denn darauf kommt es an.

Nun bedeuten Botschaft oder gar Moral nicht, dass ihr wie Schulmeister Böck mit dem Rohrstock herumlauft und eure Moral dem Leser / der Leserin einbleut.

Fein gesponnen

Das alles sollte fein gesponnen sein und gar nicht bemerkt werden. Und doch das ganze Buch bestimmen.

Ja, genau, das ganze. Denn die Prämisse/Moral/Botschaft ist eine arge Diktatorin, ich schrieb es schon. Wenn ihr einmal eine Moral ausgesucht habt, bestimmt sie die Eigenschaften jeder Person; zumindest der Hauptpersonen. Ist ja klar, wenn ihr etwa beweisen wollt, dass Lügen kurze Beine haben (eure Botschaft), dann braucht ihr eine Hauptperson und eine Gegenspielerin/einen Gegenspieler, für die Lügen und Aufrichtigkeit bestimmend sind in ihrem Leben. Das spiegelt sich natürlich auch in der Dramaturgie eures Romanes wider.

Die Spannung

Womit wir bei der Spannung wären. Woraus speist sich die? Aus der dramatischen Frage des Romans, dem Kernkonflikt also. Die ist nicht gleich Prämisse, ihr aber unterworfen. Will heißen: Wenn eure bestimmende Prämisse Lügen haben kurze Beine heißt, beeinflusst sie die dramatische Frage. Sie könnte lauten: Schafft es die aufrichtige Heldin Ute, als armes Fischermädchen das Königreich zu retten? Oder schafft es die  verlogene, intrigante Königin Mathilde, es ihrem Mann, dem König zu entreißen?

Gut, das waren jetzt zwei Fragen – aber nur, um euch das Setting klarzumachen. Da ihr normalerweise die Gegenspielerin und deren finstere Absichten kennt, genügt die erste Frage. Schafft es die aufrichtige … Die Prämisse (Lügen …) bestimmt also den Charakter der beiden Gegnerinnen (ehrlich/intrigant), sie gestaltet jedes Kapitel. Und sie ist für die Beantwortung der dramatischen Frage am Schluss des Buches verantwortlich.

Moral beweisen

Und selbstverständlich ist dann, am Schluss, auch noch die Moral bewiesen. Klar gewinnt die Heldin (wenn auch denkbar knapp). Deren Sieg muss allerdings logisch sein – von ihrem Charakter und ihren Eigenschaften her muss sie dazu in der Lage sein. Und auch das weitere Setting sollte ein Sieg eurer Moral stimmig erscheinen lassen.  Wenn Hans-Peter, ein Angsthase, plötzlich aufsteht und gegen den Drachen kämpft und gewinnt, dann habt ihr wesentliche Teile der Entstehungsgeschichte ausgelassen – so etwas muss in der Person eures Helden verankert und logisch möglich sein.

Der Schatz Sprichwörter

Woher nun bekommt ihr die Prämissen für eure Geschichte? Der Schatz unserer Sprichwörter ist schier unerschöpflich hier ist sicher auch für eure Geschichte etwas vorbei.

Viel Spaß nun mit Moral und Spannung – probiert es auch, es funktioniert auch bei kurzen Geschichten. Und wenn ihr bessere Methoden habt, so lasst es mich wissen …

Weitere Tipps:

 

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Bild: pixabay.com/15299

Jack M. Bickham hat einmal geschrieben: „Kurzgeschichten sind nichts für emotionale Feiglinge.“

Das stimmt, gilt aber nicht nur für Kurzgeschichten – sondern für Romane, Theaterstücke und Kinderbücher gleichermaßen. Du kannst den Satz auf jede Literatur ausdehnen. Jede gute Literatur lebt von den Gefühlen, die sie beim Leser (der Leserin) auslöst.

Totes Stück Holz

Löst sie nichts aus, ist sie nur ein Stück totes Holz.

Die Frage ist: Wie weckst du Gefühle? Wie lässt du deine Leser sich emotional voll in deiner Geschichten engagieren? Das schaffst du am besten, wenn du die Personen so lebendig und so dreidimensional wie möglich anlegst. Wenn Held (und in Maßen auch) Gegenspieler sympathische Kerle sind, dann fiebert der Leser (die Leserin) mit ihnen mit.  Der Gegenspieler braucht wirklich nicht nur eindimensional böse, fies und dämlich sein. Du musst also den Figuren eine Tiefe geben, die sie lebendig und sympathisch macht.

Sympathisch oder nicht?

Du solltest die Eigenschaften deiner Personen exakt planen (und den Schuss Negatives beim Helden nicht vergessen; macht ihn glaubwürdiger). Das heißt, dass du dich ganz genau über die Wirkung der Eigenschaften bei deinen Lesern klar sein musst. Am besten, du testet das bei guten Freunden – lasse sie die Beschreibung der Eigenschaften lesen und frage sie, wie sie den Typen / das Weib beurteilen. Sympathisch? Oder eher nicht?

Moral der Geschichte

Und vergiss bitte nicht, die Eigenschaften nach dem Verlauf der Geschichte zu wählen. Will heißen, die Figuren und ihre Eigenschaften ordnen sich der Prämisse, also der Moral der Geschichte, unter. Weil du ja genau deshalb schreibst – um die Moral zu beweisen, die du dir ausgesucht hast. Und der ordnet sich bekanntlich alles unter, auch die Personen. Also: Deren Eigenschaften bitte an der Moral entwickeln.
Lesen! Die Abenteuer des faulen Paul

Schließlich müssen die Leser deine Figuren erst einmal kennenlernen, ehe die Geschichte ihre dramatische Fahrt aufnimmt. Wenn die Figuren zu schnell in Konflikte verwickelt und vor Schwierigkeiten gestellt werden, bleibt die Empathie der Leser aus; einfach, weil sie die Figuren noch nicht genug kennen.

Viel Arbeit das alles? Klar! Aber sie macht Spaß …

 

Schreiben für Kinder: Fang die Magie ein!

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Bild Magie: pixabay.com/OpenClipartVectors

Kinder sind magisch. Deswegen müssen wir alles daran setzen, ihnen magische Geschichten zu bieten. Das geht nur, wenn wir die Magie unserer Kindheit heraufbeschwören.

Ohne ein kindliches Gemüt haben es Kinderbuchautoren schwer,  gute Geschichten für ihr Publikum zu schreiben. Das ist auch logisch, weil es darauf ankommt, Geschichten zu erfinden, die in die Welt der Kinder passt – und ihnen nicht die Moral der Erwachsenen überzustülpen.

Denkweise der Kinder

Die Frage ist nun: Wie kommen wir an die Denk- und Fühlweise von Kindern heran?
Vorweg eines: Es wird immer ein Näherungswert bleiben. Ganz bekommen wir es nicht hingebogen. Aber wir können uns doch ziemlich nahe an die Welt der Kinder heranpirschen.

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Ray Bradburys Autorenratgeber

Welche Wege gibt es nun? Ray Bradbury schlägt in seinem Autorenratgeber eine geniale Methode vor – meditiere dich in deine Kindheit hinein. Versuche,  die Gefühle einer Kindheit zu ergründen; etwa, indem du die Gerüche aufspürst, dich in die Situation hinein versetzt, als du dich im Kohlenkeller gefürchtet hast. Oder wie du Angst hattest, die unheimliche Treppe in den Keller deiner Großmutter hinabzusteigen – weil auf dem Podest der Treppe ausgestopfte Tiere standen, die für dich alles andere als tot, sonder höchst lebendig waren.
Rufe deine Kindheit mit ihren Sinneswahrnehmungen und Gefühlen herauf.
Du kannst dich ruhig in Autosuggestion und Selbst-Hypnose versuchen. Versetze dich in Trance, indem du die Augen schließt und ruhig atmest und nur an deine Kindheit denkst. Dann steigst du in Gedanken in einen Fahrstuhl und fährst in deine Kindheit hinab. Jetzt bist du ganz klein. Gehe in einer damalige Welt umher und erlebe sie neu.

Beim kindliche Blick auf dein Leben hilft dir außerdem, einen häufigen und unbefangenen Umgang mit den Kindern in einer Umgebung zu pflegen.
Lass sie deine Lehrmeister sein. Spiele ihre Spiele!

Unseren Schreibratgeber findest du unten links …

 

Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

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Wir müssen bei den jungen Lesern Emphase und Bewunderung wecken – für die Helden unserer Bücher. Und mit den Helden. Das erreichen wir mit einem gelungenen Cocktail an Eigenschaften.

Welcher Charakter soll es denn sein? Auf jeden Fall ein stimmiger; er muss zu unseren beiden Hauptpersonen (Held und Anti-Held) und allen andere passen.
Der Charakter muss also die Person in sich stimmig und rund machen. Und er muss zu der Aufgabe passen, die du für diese Personen vorgesehen hast. Die entscheidende Rolle dabei spielt – ja, ihr habt gut aufgepasst – die Moral.
Um sie in unserem Buch zu beweisen, müssen die Personen konsequent konstruiert sein. Ich möchte es noch einmal betonen, es ist wirklich sehr wichtig.

Außergewöhnliche Eigenschaften der Kinderbuchfiguren

Der Charakter unserer Personen darf dabei ruhig mit Eigenschaften versehen sein, die höchst ungewöhnlich sind; nicht überlebensgroß, aber herausragend. Und unsere Leser in ihren Bann schlagen. Es sollte Charaktere sein, die aufmerken lassen – über die man einfach spricht.

Dabei solltest du dem Helden auch ein paar Kratzer im Lack (Macken) verpassen. Und dein Gegenspieler darf ruhig die eine oder andere gute Eigenschaft haben. Male eher Grautöne als ein Schwarz-Weiß-Bild.

Lesen! Die Abenteuer des faulen Paul

Wir legst du nun die Charaktere für deine Personen an?
Da gibt es verschiedene Wege. Manche Autoren entwerfen ganze Sittengemälde einschließlich einiger Zeichnungen von ihren Helden. Zusätzlich machen sie umfangreiche Interviews über Vorlieben und Abneigungen, Biografisches etc pp der Personen.
Andere schreiben drauflos und lassen die Personen sich selbst entwickeln.
Gehen wir den dritten Weg! So ganz ohne Vorplanung geht es meiner Meinung nach nicht. Ich versuche sie aber so leicht verdaulich wie möglich zu halten. Von den wichtigsten Personen lege ich ein kleines Psychogramm an. Darin steht auch, wie sie aussehen.
Das war’s.

Ich bin stinkfaul, ich geb’s zu!

Wenn ich es intensiver festlege, vergesse ich es eh wieder. Und: ich bin einfach stinkfaul. Das heißt, ich stecke meine Energie lieber in meine Geschichte.
Und lasse mich durchaus von so mancher Entwicklung überraschen – sofern sie im Ramen der Geschichte bleibt, den ich natürlich festlege. Die Moral! Ihr wisst schon.

So, nun wünsche ich weiterhin viel Spaß beim Schreiben. Und denkt daran: Immer schön locker bleiben …

Mehr Schreibtipps gibt es im Buch 41 Tipps … (siehe Laufleiste unten)

Gutes Schreiben erfordert Disziplin

Bild: pixabay.com/Mona Tootoonchinia

Bild: pixabay.com/Mona Tootoonchinia

Viele Menschen wollen gute Schriftsteller sein … aber nur wenige schaffen es. Den Unterschied macht eiserne Disziplin.

Machen Sie den Test: Nehmen Sie sich vor, jeden Tag um dieselbe Zeit literarisch tätig zu werden. Ohne Ausflüchte, konsequent, eine halbe Stunde lang. Beobachten Sie sich eine Woche lang dabei. Was passiert? Sie unternehmen alles, um diese Verabredung mit sich nicht einzuhalten.

Dummer Genie-Kult

Warum? Weil unser Unterbewusstsein Disziplin hasst. Und alles versucht, um der täglichen Fron zu umgehen. Das ist ganz besonders schade, weil Sie nämlich ohne Disziplin kein guter Schriftsteller oder Schriftstellerin werden.
Die landläufige Meinung sieht allerdings anders aus. Hier herrscht der Genie-Kult vor. Also die Meinung, jeder gute Schriftsteller/jede gute Schriftstellerin müsse ein Genie sein. Und Genies zeichneten sich dadurch aus, dass sie sich den schönen Dingen des Lebens widmen. Ganz nebenbei haben sie die genialen Ideen und bringen sie in Lichtgeschwindigkeit zu Papier. So funktioniert das aber nicht.

Harte Arbeit bringt es

Wer nicht bereit ist, jeden Tag zwei Stunden lang hart zu arbeiten, und das immer zur gleichen Zeit, der sollte den Traum aufgeben, jemals ein guter Schriftsteller, eine gute Autorin zu werden. „Genie ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration“ – das hat Thomas Alva Edison einmal gesagt. Und dem ist nichts hinzuzufügen.
Halten Sie sich daran. Sonst gehören Sie zu der großen Masse, die uns vorschwärmen, wenn sie Zeit hätten, würden sie ein tolles Buch schreiben. Die Idee dazu hätten sie. Ideen sind nett, aber nur mit der täglichen Fron setzen Sie Ihre Ideen in Geschichten um.

Jeden Tag zur gleichen Zeit

Nehmen Sie sich jeden Tag zur gleichen Zeit das Schreiben vor. Bereiten Sie sich so darauf vor, dass Ihnen nichts anderes in den Weg kommt. Das Telefon ausgestöpselt, die Türe zum Arbeitszimmer verschlossen. Dann bringen Sie sich durch Meditation in die richtige Trance. Und schreiben Sie los. Zwei Stunden jeden Tag, werden Sie sagen, die habe ich nicht. Doch, die haben Sie. Auch Ihr Tag hat 24 Stunden.

Zwei Stunden hat jeder

Schlafen Sie acht davon, ziehen Sie für die Mahlzeiten, Hygiene, Broterwerb und noch einmal zehn Stunden dazu – bleiben sechs Stunden. Wenn Sie zwei davon Ihren Kindern widmen und zwei davon Ihrer Ehefrau, was jeweils ungewöhnlich viel wäre, haben Sie genau die beiden Stunden, die Sie zum Schreiben brauchen.

Die Zeitfresser abschalten

Sie müssen nur die anderen Zeitfresser abschalten. Wer braucht schon das Fernsehen mit seinen ewigen Wiederholungen, wenn er unsterbliche Werke schreibt? Und lassen Sie Facebook Facebook sein – wieso müssen Sie dort jeden Tag 30 Minuten herumtaumeln und sich damit protzen, was Sie bald wieder für tolle Sachen schreiben werden? Lassen Sie Facebook links liegen und schreiben Sie die tollen Sachen.
Ohne eine gewissen Besessenheit geht es also nicht. Aber das ist auch wichtig, denn ohne Radikalität werden Sie kein großer Schriftsteller. Ohne die wird niemand ein großer Künstler.

Hindernisse aus dem Weg räumen

Schließlich müssen Sie ja all die Hindernisse aus dem Weg räumen, die Sie vom Schreiben abhalten wollen. Nichts darf Sie dabei stören. Auch Ihre Kinder nicht. Ihre zwei Stunden am Schreibtisch sind für alle tabu. Seien Sie dabei so radikal wie Thomas Mann – in dessen Haus wagte niemand laut zu atmen, wenn der große Zauberer schrieb.

Verschiedene Zeiten versuchen

Versuchen Sie verschiedene Zeiten. Abends, wenn die Kinder im Bett sind und die Ehefrau oder der Göttergatte in den Fernseher glotzt. Oder morgens zwei Stunden, ehe die Familie aufsteht. Wann immer Sie auch schreiben – tun Sie es mit der ehernen Konsequenz einer Maschine. Lassen Sie sich auch dann nicht davon abbringen, wenn Sie eine halbe Stunde lang Unfug schreiben. Manche Schriftsteller beiderlei Geschlechts machen das ganz bewusst; jeden Tag, am Anfang Ihres Schreibens. Dafür kommt in den restlichen 90 Minuten Gold.

Das Beste

Wenn Sie das alles beherzigen, holen Sie das Beste aus sich heraus. Sie müssen Ihre Texte dann nur noch ein Jahr lang liegen lassen und dann drei Mal radikal überarbeiten. Mindestens. Auch dabei darf Ihnen nichts heilig sein … Und so schaffen Sie es und werden ein großer Schriftsteller und eine gute Autorin.

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Keine Angst vor der Schreibblockade
Panik vor einem weißen Blatt Papier? Das muss nicht sein. Entspannen Sie sich, arbeiten Sie – und denken Sie um Himmels willen nicht nach!
Ein Ratgeber für die weitere Lektüre …

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