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Lieben Sie Abenteuer? Da haben wir einen Tipp – für Mensch und Tier. Denn wer joggt, möchte ihnen nicht begegnen: Hunden. Viele sind harmlos, manche böse. Und die Dritten? Seltsam.

Auf der Suche nach den letzten Abenteuern dieser Welt reicht es schon, regelmäßig zu joggen. In den immer klei­ner werdenden Grünflächen tummelt sich alles – alte Leu­te, junge Leute und… Hun­de.

Lächeln. Immer lächeln …

Die freundlich verzerrten Gesichter der Jogger kom­men nicht etwa vom akuten Sauerstoffmangel im Hirn, sondern von vorauseilender Freundlichkeit; sollten Sie wieder einmal um die Ecke biegen und Bello steht da, mit aufgerichteten Ohren und ebensolchem Schweif. Meist ist Bello ein riesiger Schäferhund, im besten Al­ter, der freundlich die Zähne fletscht und zurückgrinst, und Frauchen ist Kilometer weit weg.

Kleine Kläffer

Manchmal heißt Bello aber auch Fiffi und ist ein kleiner, wilder Hund, der auf unseren Jogger zustürzt, mit aufgerissenem Maul, die Augen blutunterlaufen, den Atem stoßweise hechelnd. Ganz da hinten japst Frau­chen: „Der tut nix, der tut nix“. Ob Fiffi das auch weiß? Er schnappt jedenfalls zu, verfehlt aber das Bein. Welch ein Glück.

Wer haut da ab?

Gestern aber war alles anders: Ich keuchte gerade wieder den Weinberg hoch, da kam mir ein ausgewachsener Lang­haardackel entgegen. Der hob den Kopf und raste los. Aber nicht etwa in Richtung Jogger, sondern, wie von Furien gehetzt, den Hang wieder hoch, warf sich unter einen Busch, äugte einmal um die Ecke und raste dann links in den Feldweg hinein. Nur weg von dem keuchen­den Ungetüm auf zwei Bei­nen. Da konnte sein Herr­chen „Benjamin“ rufen so­lange er wollte. Es scherte ihn nicht. Der Jogger war einfach zuviel für Benjamin. Zuviel Abenteuer für einen kleinen Hund. So könnte es eigentlich im­mer sein mit den lieben Bel­los und Fiffis, findet

Bruder Lustig

Mehr Satire

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Wie der große Zauberer Zimpelli verschwindet – und was ein Oberlehrer damit zu tun hat.

In der kleinen Stadt war ein Wanderzirkus zu Gast. Die halbe Stadt ging hin, auch Dr. Knut Schussel tat das, der pensionierte Oberlehrer. Der Zirkus war ganz nett, fand Schussel – doch dann kam der große Zauberer Zimpelli. Der Zauberer suchte sich ausgerechnet der pensionierten Oberlehrer als Assistenten aus.

Der große Zauberer schnarrte: »Hochverehrtes Publikum! Sie werden jetzt die sensationelle Nummer sehen, in der der große Zimpelli, das bin ich, diesen Mann hier vor Ihrer aller Augen verschwinden lassen wird. Jawoll! Und der in Kürze wieder vor Ihrer aller Augen erschienen wird. Kraft meiner Zauberkraft und meines Zauberstabes hier.« Der große Zimpelli nahm sich Knut Schussel und zog ihm in die Mitte der Manege.

Jetzt soll er verschwinda

Dann wedelte mit seinem Zauberstab herum. Er drehte er sich um, sah Knut streng an und murmelte: »Abra Karamba, jetzt soll er verschwinda«. Knut Schussel starrte zurück. Dann sagte er: »Kadabra.« »Wie?«, fragte der Zauberer verdutzt und schaute verdutzt aus seinem blauen Umhang mit den goldenen Sternen heraus. »Kadabra heißt das, mein Herr«, wiederholte der alte Oberlehrer. »Abra Kadabra, um genau zu sein. Wo haben Sie denn das Zaubern gelernt?« Zimpelli hatte schon viel erlebt – aber er hatte noch nie das zweifelhafte Vergnügen gehabt, in der Manege einen Oberlehrer zu haben. Er hasste Lehrer, immer wusste sie alles besser.

Aber es kam noch schlimmer für den armen Zauberer – kurz nachdem der Oberlehrer »Abra Kadabra« gesagt hatte, starrten sich die beiden an. Aber nicht der Oberlehrer löste sich in Luft auf und verschwand, wie es in dem Zauberkunststück geplant war, sondern der große Zimpelli. Der Zauberer wurde immer durchsichtiger und blasser, dann war er weg.

Atemlose Stille

Dem Publikum stand der Mund offen – atemlose Stille herrschte im Zirkuszelt. Dann begann jemand zu klatschen und plötzlich brandete ein Applaus auf, wie ihn der dicke blonde Zirkusdirektor noch nie erlebt hatte. Er war, nach einer Schrecksekunde, in die Manege gestürzt, mit wirr flackernden Augen blickte er im Kreis herum. Nichts. Kein Zimpelli. Statt dessen nur dieser vermaledeite Gast in der Manege, der Glatze trug und verdattert dreinsah.

Der Direktor schaute Knut Schussel in die Taschen seines Anzugs, schaute ihm in den Mund, ließ ihn aufstehen und sah unter dem Hocker nach. Nichts. Das Publikum johlte. Auch die Assistentin hatte ihren Chef nicht unter dem Arm, wie der Zirkusdirektor feststellte. Dann rannte der dicke, blonde Direktor im Kreis herum, immer vor dem Publikum und keuchte ins Mikrophon: »Haben Sie meinen Zauberer gesehen? Los, geben Sie meinen Zauberer wieder her! Zimpelli, Du Trottel!«

Nichts. Schließlich drehte der dicke blonde Mann in der Mitte der Manege ein durchaus elegante Pirouette, ging langsam und sacht zu Boden und keuchte: »Was das wieder kostet.«

Hoher Besuch

Der Zirkus endete vorzeitig. Am nächsten Morgen klingelte die Polizei an Dr. Knut Schussels Türe. Vor Schussels Türe standen ein hagerer Mann mit Hakennase und ein kleiner Dicker mit Knollnase. Der Dicke sprach: »Guten Morgen, Herr Doktor. Dürfen wir kurz herein kommen? Wir sind Plüsch und Strohmann von der Kriminalpolizei. Und wir würden gerne mit Ihnen über das Verschwinden des Zauberers der große Zimpelli reden.«

Doktor Schussel bat die Beamten ins Wohnzimmer. Nachdem sich Plüsch und Strohmann gesetzt hatten, sagte Plüsch, der Dicke: »Herr Doktor. Ich weiß, die Sache ist delikat. Ein Zirkuszauberer will einen Gast verschwinden lassen. Und verschwindet selbst. Einfach so und ohne wieder aufzutauchen. Irgendetwas stimmt da nicht – finden Sie nicht auch?«

»Ja, aber ich kann nicht zaubern, wenn Sie das meinen«, antwortete der Oberlehrer, etwas von oben herab. Die Drei schwiegen. In diesem Augenblick erhob sich Knut Schussel sachte aus dem Sessel, ohne die Beine zu gebrauchen – er hob einfach ab. Er schwankte leicht hin und her und schwebte dann über den Teppich. Der Oberlehrer staunte selbst darüber. Dann segelte er auf das offene Fenster zu, durch es hindurch – und war verschwunden. Vielleicht hatte er im Zirkus ein bisschen zu viel Zauberei abbekommen. Plüsch und Strohmann sahen sich an. »Tja«, sagte Plüsch. »Jetzt schreiben wir den Herrn Doktor mal zur Fahndung aus. Ein paar Fragen hätte ich doch noch an den Herrn Oberlehrer.«
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Osswalds Kosmos: Drei Damen

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Die Herrschaft der Frau wird kommen – spricht der Herr mit dem Wachturm. Osswald weiß es besser: Die Herrschaft der Frau hat längst begonnen. Das zeigen die drei Damen.

Es ist der letzte samtweiche Tag dieses Herbstes. Die Luft riecht nach Honig, und die Frauen tun es auch. “Ossi”, sagt seine Herzensdame, “ich möchte einen Kuchen. Hol doch mal welchen.”
“Ja, mein Herz, gerne. Welchen Kuchen möchtest du denn haben?” Osswald weiß genau, er darf jetzt keinen Fehler machen. Und verlassen darf er sich auf nichts. Frau Osswald kann sich siebenmal in Folge Käsesahne wünschen, beim achten Mal ist alles anders, da ist es dann Schwarzwälder Kirsch.

“Marzipan! Auf jeden Fall mit Marzipan!”

Also zuckelt Osswald los, genießt die Honigluft und die Frauen, die süß lächeln. Und er beschließt, in die beste Konditorei zu gehen. Nicht ganz billig, aber mit einem Marzipanbelag auf den Kuchen, da schmilzt einem die Zunge am Gaumen.

Ein alter Herr mit Hut

Vor der Konditorei steht ein alter Herr mit Hut und dem Wachturm vor der Brust. Neben jeder Frau läuft er ein paar Schritte her, zieht den Hut und deutet auf den Wachturm. Die Damen schütteln die Köpfe und beschleunigen ihre Schritte. Als Osswald den Eingang der Konditorei erreicht, steht der Herr daneben und lächelt. Osswald schaut auf den Wachturm: “Die Herrschaft der Frau wird kommen!” steht da.

Der Verkaufsraum ist menschenleer, dann ist er’s nicht mehr, weil die ausladende Verkäuferin aus den tieferen Regionen ihrer Verkaufstheke auftaucht. “Guten Tag. Bitteschön.”

Kuchen mit Marzipan

“Ich hätte gerne zwei Stück Kuchen mit Marzipan”, sagt Osswald.

“Den haben wir heute leider nicht”, antwortet die Verkäuferin. Blimmblimm, die Türe geht auf, eine alte, feine Dame betrifft den Verkaufsraum.
“Gut, dann nehme ich sechs Stück andere Torte: Heidelbeer, Schwarzwälder, Frankfurter Kranz, Käsesahne, Maronentorte, Mohntorte.”
“Die lassen Sie bitte alle draußen stehen, die nehme ich auch”, sagt die alte Dame.
“Die sehen lecker aus”, sagt Osswald, “wie ich meine Frau kenne, isst sie die alle alleine, und wir drei Männer müssen das Marzipanstückchen essen. Wenn ich bei der Konkurrenz noch etwas finde.”

Die Damen kichern

Die beiden Damen kichern. Osswald lässt die beiden Damen mit ihren Torten alleine und fährt zu Konkurrenz. Dort gibt es Marzipantorte.
Osswald stellt die Päckchen auf den Tisch, jeder kommt und bedient sich und geht wieder (die Familie ist zu beschäftigt für Familienleben) – und am Ende, als Osswald endlich seine Tortenstückchen holen will, sind nur noch die beiden Marzipanschnitten da. Er hat es gewusst.
“Wieso hast du deinen Marzipan nicht gegessen?”, fragt Osswald. Seine Holde schmatzt noch am letzten Stück Heidelbeertorte: “Da ist kein Marzipan drauf!”

Kein Marzipan drauf

“Aha, aber die Verkäuferin versicherte mir, es sei Marzipan.”
“Pah! Verkäuferinnen!”
Osswald stochert lustlos in der Marzipantorte, weil er Marzipan nicht mag. Und die hier ist voll davon.
Was Frauen alles schaffen – sogar die Umwertung aller Torten. Nietzsche hätte seine Freude daran gehabt. Nun ist jedenfalls Götterdämmerung.
Die Herrschaft der Frau hat längst begonnen.

Krüger

Osswalds Kosmos – Wahnsinn des Schenkens

Bild: pixabay.com/OpenClipart-Vectors

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Huch, ist schon wieder Weihnachten? Müssen wir jetzt schenken? Oder kommen wir heuer mal drumherum? Die Osswalds haben so ihre Erfahrungen gemacht … Satire

Weihnachten und Osswald – das ist eine spezielle Geschichte. Spätestens, seit er, kaum 23 Jahre alt, an Weihnachten das alte Fräulein Hebestein tötete, hat er eine gespaltene Beziehung zum Fest. Dabei hatte er sie nicht töten wollen, er kannte sie nicht einmal. Alles, was er tat, war, in der Weihnachtskrippe im Wohnzimmer einer befreundeten Familie ein Holzschaf auf das Hinterteil eines anderen zu bocken – so, als bemühten sich die beiden darum, ein weiteres Holzschaf zu produzieren.

Fräulein Hebestein war, so lange man sie kannte, immer in Schwarz gegangen. Wahrscheinlich trug sie schon als Baby schwarze Kleidung. Sie mochte damals, als sich die beiden Holzschafe in innig licher Zuneigung fanden, 89 Jahre alt gewesen sein. Und das Fräulein war, ebenso lange, wie sie in Schwarz ging, eine glühende Katholikin gewesen. Sie war die zuverlässigste Quelle des Pfarrers, wenn es um die Verfehlungen seiner Schäfchen ging. Fräulein Hebestein schien in jeden Weinkeller und jedes Schlafzimmer kriechen zu können – so wusste alles. Wer mit wem. Wer ohne wen. Entsprechend beliebt war sie.

Auf der Ledercouch knutschen

Jung-Osswald kannte Fräulein Hebestein kaum. Vom Sehen natürlich, und irgendwann hatte seine Mutter auch etwas über das Fräulein erzählt. Aber Jung-Osswald hatte wieder mal nicht zugehört – wahrscheinlich ist das aber für den weiteren Verlauf unserer Geschichte belanglos. Man muss dem jungen Mann zugute halten, dass er damals in schlechte Kreise geraten war: Lehramtsstudenten, Krankenschwestern, Fabrikantensöhne. Sie tranken alle ein wenig zu viel und taten unsinniges Zeug. So kam Jung-Osswald die ausladende Weihnachtskrippe im Wohnzimmer des größten Fabrikanten am Ort gerade recht. Während die Krankenschwestern mit den Fabrikantensöhnen auf der Ledercouch knutschten und der Lehramtsstudent La Paloma auf einem zahnlosen Kamm blies,  stellte Jung-Osswald ungesehen die Holzschafe in die Empfängnis-Position.

Mit dem katholischen Chor

Wer’s dann sah, war anderntags Fräulein Hebestein, die mit dem katholischen Liederkranz Frisch Auf Cäcilia im Wohnzimmer des Fabrikanten singen ließ, während sie dirigierte. Sie sah den teuflischen Frevel in der heiligen Krippe, das sexualisierte Biest, das sich erhob, um die heilige Familie mit seinem Unflat zu beschmutzen. Das Fräulein spürte ein Stechen in der Brust, versuchte Halt zu finden am Weihnachtsbaum, riss ihn um, versuchte, Halt zu finden an der Weihnachtskrippe, riss sie um und schaffte es noch, unter beiden zum Liegen zu kommen.

Ein Herzinfarkt, diagnostizierte der Arzt, und keiner wusste, warum. Es war doch sonst so fidel, das Fräulein.

Kein Wunder, dass Osswald seither bei Weihnachten ein mulmiges Gefühl bekommt, nicht nur wegen des Konsumrausches. Volle Städte, Massen von Menschen, die hetzen, drängeln, rempeln, einen fast umrennen – weil sie unterwegs sind, um zu kaufen. Das ist schlimm genug. Schlimmer ist das Bild, des überaus katholischen Fräuleins Hebestein, das für Osswald über allem schwebte.

An Weihnachten nix schenken

Schauderhaft. Das bringt Osswald auf eine Idee. „Wie wäre es, wenn wir uns endlich mal nichts zu Weihnachten schenken?“, fragt er sein Weib.

„Wer? Wem?“

„Wir. Allen.“

„Neiiiiiin!“, begehrte seine Frau auf, „erinnere dich.“

Das tat Osswald dann auch. Es war alles schon einmal da. Es war alles furchtbar kompliziert, wie die Osswalds erfuhren. Ihre Familie liegt seitdem in Trümmern. Alles begann kurz nach Osswalds Hochzeit. Seine Frau stellte frustriert fest: »Ihr habt ja gar keine Geschenkkultur! Da bekommt man jedes Mal einen Käse geschenkt, unmöglich!« Osswalds Frau war schon immer sehr klar in ihren Ansichten und deutlich in ihrer Ansprache. Sie ist nicht von hier. Und weil Osswalds Frau lieber nichts bekommen wollte an Geschenken als unsinnigen Tand, beschlossen sie: Die Familie schenkt sich nichts mehr. Hätten sie’s nur gelassen.
Osswalds Mutter freute sich – angeblich – unbändig für den Beschluss: „Das wollte ich schon seit Jahren. Vielen Dank!“ In Wahrheit aber war sie entsetzt. Nichts. Schenken. An. Weihnachten! Sie gab es aber niemals zu. Osswalds Schwester lag ihm in langen, konspirativen Telefongesprächen in den Ohren: »Was hat denn deine Frau gegen mich?« »Nix«, versicherte ihr Bruder. Aber das glaubt Osswalds Schwesterchen bis heute nicht, die beiden Frauen meiden jeden überflüssigen Kontakt. Das Nicht-Schenken hielt genau ein Jahr. Dann fing der erste wieder an mit einer »ganz klitzekleinen Aufmerksamkeit, eigentlich ein Nichts«.

Ein Geschenk geht, ein Geschenk kommt

Schließlich kapitulierten auch die Osswalds. Und schenkten. Nur, um wieder das zu erleben, was sie schon zur Genüge kannten: Sie schenkten der Mutter ein Paket zum Fest, nach drei Jahren kam es zurück. Wie Osswald und sein Weib an dem Aufkleber auf dem Geschenkpapier sahen, war ihr Präsent inzwischen von der Mutter an die Schwester gegangen und von der im folgenden Jahr wieder der Mutter zurückgeschenkt worden. »Da wirste doch verrückt!« sagte Osswalds Frau.
»Können wir eigentlich den Eierlikör noch trinken, den du vor drei Jahren für meine Mutter gemacht hast und der heuer von meiner Schwester kam?«, wollte Osswald wissen.
»Um Gottes Willen!«
Und die Mutter? Muss wohl im geschenklosen Jahr eine leichte Delle davongetragen haben. Sie schenkt seitdem den Kindern der Osswalds jedes Jahr dasselbe: Lego- und Duplokästen in allen Variationen. Die einen für Kinder 1+, die anderen für 3+. So alt waren Atlas und Distel vor 15 Jahren, als das Geschenkedrama begann.
Tja, Osswald zieht sich in seine Werkstatt zurück. Vielleicht ist er an der verrohten Geschenkkultur in seiner Familie schuld. Das war die Rache des Fräulein Hebestein. Sicher.

Krüger

Mehr Lichtblau, mehr Satire

www.pixabay.com/Lumpi

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Mit Hexen ist nicht zu spaßen. Vor allem, wenn sie von Ehrbarkeit durchdrungen sind. In deren Gegenwart sollte man sich auf jeden Fall benehmen.

In der kleinen Stadt lebten zwei Maler. Der eine malte den Leuten nach dem Geschmack – und hatte Erfolg, obwohl er kein großer Künstler war. Der andere war ein Genie, der sich nicht um den Geschmack des Publikums scherte. Er hatte lange Zeit gar keinen Erfolg und lebte von Tagelöhnerdiensten.

Doch das änderte sich unvermittelt, als sich der neue, kunstsinnige Direktor der Bank, Basilius Nothelfer, dem verkannten Genie ein Bild abkaufte und es in seiner Bank aufhängte. Es war das Porträt von Frau Nothelfer. Der Künstler hatte es sehr modern gestaltet, es erinnert nur entfernt an die Frau des Bankdirektors. Das Bild zeigte arg verrutschte Gesichtszüge und eigenartige Farben – aber vielleicht hatte Herr Nothelfer gerade deshalb das Bild gekauft und in seiner Bank aufgehängt.

Riesenkrach mit Frau Bankdirektor

Er bekam deswegen einen Riesenkrach mit seiner Frau, die sagte, sie sehe aus wie eine explodierende Pfeffermühle, gefüllt mit rotem, grünem und gelbem Paprika. Das aber störte den Bankdirektor nicht weiter – so sehr seine Frau auch sonst die Hosen an hatte, bei Kunst blieb er stur und ließ das Bild hängen.

[inbound_button font_size=“20″ color=“#c8232b“ text_color=“#ffffff“ icon=“heart-o“ url=“https://www.amazon.de/Osswalds-Kosmos-besser-Schnurren-Satiren-ebook/dp/B01LYYK09R/ref=as_sl_pc_tf_til?tag=bruderlustig&linkCode=w00&linkId=&creativeASIN=B01LYYK09R“ width=““ target=“_blank“]Lang ersehnt[/inbound_button]

Der andere Maler, der immer nach dem Geschmack des Publikums malte, war wütend, weil der Bankdirektor seine Bilder verschmäht hatte. Er hatte noch nie in der Bank ausgestellt – überall sonst, aber noch nie in der Bank. Direktor Nothelfer hielt viel auf seinen Kunstgeschmack.

Angriff des Malers

Der verschmähte Maler sammelte eines Tages seine Freunde um sich. Voller Hass standen sie vor dem Bild des anderen Malers. Dann lachten sie schrill. Der Kundenberater kam und fragte, ob er ihnen helfen könnte. Sie lachten nur noch schriller, hielten sich die Bäuche und zeigten mit den Fingern auf das Bild. Der Bankdirektor kam und auch dann lachten sie noch.

Einige Minuten ging das so, die Kunden der Bank waren irritiert. Dann kam die Polizei und bereitete dem Spuk ein Ende. Nun hatte der Maler, der dem Publikum nach dem Geschmack malte, auch sonst ziemlich Pech mit der Aktion: In der Bank war nämlich gerade, als er mit seinen Freunden das Bild seines Konkurrenten verlachte, die Hexe Tintenfleck. Die fand das Bild der Frau Bankdirektor zwar auch eher scheußlich als schön, aber die Lachaktion des Malers und seiner Freunde ging ihr vollkommen gegen den Strich.

Gerechte Hexe

Sie war eine gerecht denkende Hexe. So etwas tat man nicht – und schon gar nicht einem Kollegen gegenüber. Wo kam man denn hin, wenn man sich so aufführte, nur weil man mal nicht zum Zug gekommen war? So etwas war geschmacklos. Also ging die Hexe Tintenfleck ins Haus des verschmähten Malers, als er noch bei der Polizei war und verhexte die Leinwand, auf die er gerade malte. Es war das Porträt des Schuldirektors Rotmoser. Der war ein bedächtiger, ruhiger Zeitgenosse.

Aber als der Maler am anderen Tag das Bild fertig gemalt hatte, war es mit der Ruhe und der Bedächtigkeit des Rektors vorbei: Mit einem Mark erschütternden Schrei sprang das Bild aus der Leinwand heraus und stürzte sich auf den Maler. Der konnte gerade noch die Beine unter die Arme nehmen und Fersengeld geben. Doch der gemalte Schulrektor rannte mit einer affenartigen Geschwindigkeit hinter dem Maler her. Und brüllte dabei wie ein Urwaldaffe. Dem Maler fielen auf seinem Weg weg von seinem Plagegeist sämtliche Pinsel aus der Hand.

Seltsame Jagd

Die Leute in der kleinen Stadt drehten ihre Köpfe und schauten der seltsamen Jagd nach. Schon erstaunlich, wie sich der Rektor plötzlich benahm; er war nicht mehr wieder zu erkennen. Das ging so lange, bis die wilde Jagd an einer Schulklasse vorbeikam, die Wandertag hatte – es war ausgerechnet die Klasse von Schuldirektor Rotmoser. Der machte ein entsetzlich dämliches Gesicht, als er sein Abbild an sich vorbeijagen sah.

Der Maler keuchte ihm zu: »Kein Problem, kein Problem, das Bild kommt später!« Seitdem hieß Rektor Rotmoser bei seinen Schülern nur »Kein Problem, kein Problem!« Ein paar Meter weiter bog der Maler rechts in eine Gasse und das Bild links – warum auch immer. Damit war der Spuk vorbei. Am nächsten Tag hatte der Maler einen Brief von der Hexe Tintenfleck im Briefkasten. Darin schrieb sie, das Bild könnte aus dem Rahmen gesprungen sein, weil er das Bild seines Kollegen verlacht hatte. So könnte es gewesen sein, vermutete die Hexe in ihrem Brief. Das sollte er nicht mehr tun. Der Maler war nicht dumm – er tat, was die gute Hexe ihm empfahl. Denn damit fährt man immer besser.

Mehr spinnerte Geschichten …

Lichtblau

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Was lange währt, wird endlich gut: Xaver Leonhard Lichtblau, Autor des vielbeachteten Buches Liebe. Ficken. Tod legt in seinem aktuellen Buch Schnurren und Satiren vor. Das Buch ist nur auf den ersten Blick gefälliger. Beim zweiten zeigt es sich erstaunlich widerborstig.

Zwei Jahre lang hat Xaver Leonhard Lichtblau seine Schnurren und Satiren geordnet, überarbeitet, geordnet und neu geschrieben. Dann hat er noch einmal radikal 2/3 der Geschichten rausgeworfen und nur das wirklich Beste in seinem Buch gelassen. Leserinnen und Lesern unseres Blogs ist der Titel zum Teil vertraut: Osswalds Kosmos – alles wird besser. Osswalds Kosmos kennen sie, seit Lichtblau sich vor drei Jahren entschloss, die Lücke zu schließen, die Blaumilch hinterließ, als er seine Satiren einstellte.

Fremdes Terrain für Lichtblau

Für Lichtblau ein durchaus fremdes Terrain, wiewohl er seit Jahren als Autor arbeitet. Er hat sich in die Schnurren und Satiren mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit eingearbeitet. Und er ist besser und besser geworden. Gerade in den Geschichten des vergangenen Jahres hat er ein begeisterndes Niveau erreicht. Auch deshalb warf er so vieles Ältere wieder aus dem Buch; weil es nicht mehr zu dem erreichten Niveau passte.

Lichtblaus Schnurren und Satiren nehmen uns mit in die Welt von Osswald, einem sympathischen Verlierer. Sympathisch deshalb, weil er sein Scheitern mit Würde trägt und selbst darüber noch lachen kann. Kein Großmaul, kein Ellbogenmensch, kein erfolgreicher Durchsetzer – sondern einer, der ein großes Herz hat. Der mit denen fühlt, die abgerissen sind, die am Rande der Gesellschaft leben. Ihnen setzen diese Geschichten kleine Denkmale. Etwa der Luftgitarrenspieler, der mit Kinderwagen und Ghettoblaster auf Betteltour geht. Oder die alte Gauloisesraucherin, die sich sieben Brötchen mit Fleischkäse kauft und für ihren Sohn noch mal sieben.

Würde der Menschen gesehen

Lichtblau erkennt und ehrt die Würde dieser Menschen. Darin erinnern mich die Schnurren und Satiren stark an sein erstes Buch – doch das hatte einen anderen Ansatz. Es war härter, provokanter und versuchte, nach dem ersten Schock das Einvernehmen mit dem Leser herzustellen. Und seinen Helden eben auch so etwas wie Würde zu lassen. Ein schwieriger Versuch, der des Öfteren scheiterte.

Hier sehen wir die Außenseiter durch die Brille des Außenseiters Osswald. Und das ergibt eine reizvolle Spiegelung.

Alles in allem ein lohnendes Buch.

Rauchen Sie?

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Schandtaten holen uns immer ein – und wenn es in unseren Träumen ist. Das muss Osswald leidvoll erfahren. Und dann wird es wild … Satire.

„Wusstest du, dass Rauchen Halluzinationen hervorrufen kann?“, fragt Frau Osswald ihren Gatten am Frühstückstisch.

„Geschieht den Rauchern ganz recht“, sagt Osswald.

„Halluzinationen können Langzeitschäden sein. Vom Rauchen“, beharrt die Gattin und schaut ihr Ehegespons über die Lesebrille hinweg durchdringend an. Osswald wird ein wenig blümerant. Schließlich rauchte er lange und hart.

Und in der folgenden Nacht träumt er von den alten Deutschmanns.

Ein schlechter Traum

Ein schlechter Traum ist das, denn Osswald hatte die alten Leutchen arg gemartert. Mit seiner Tabakspfeife. Seine Maklerin hatte den Deutschmanns sofort unter die Nase gerieben, dass Osswald Nichtraucher sei – denn darauf hatten sie Wert gelegt. Nur war Osswald noch lange nicht über dem Berg, und erlitt drei Wochen nach dem Einzug in der Souterrain-Wohnung einen nikotinschwangeren Rückfall. Die armen Deutschmanns husteten sich in der Wohnung darüber die Lungen aus den Hälsen, während Osswald immer tiefer in seine Souterrain-Wohnung kroch und schließlich nur noch unter der laufenden Dunstabzugshaube in der Küche sein Pfeiflein schnorchelte.

Es half nichts. Am Ende saß der alte Deutschmann mit eingezogenen Schultern in seinem Garten vor Osswalds Terrasse und hackte mit einem blitzenden Beil in seinen Zierrasen; während Osswald an seinem Schreibtisch saß und durch die großen Fensterscheiben zusah.

Zwei Anwälte raufen

Noch ein wenig später hatten zwei Anwälte ihre liebe Mühe, das Mietverhältnis ohne Blutvergießen zu beenden.

Und jetzt hockte der alte Deutschmann im Traum in Osswalds Wohnzimmer und feixte sabbelnd vor sich hin. Sein kahler Schädel mit den wenigen, weißen Haaren sah aus wie der eines gerupften Geiers. In seinem Mundwinkel qualmte ein Stumpen, während der alte Mann mit dem Beil Löcher in den Teppich hieb. Seine verstorbene Frau hatte der olle Deutschmann in der Urne dabei, die auf Osswalds Couchtisch stand. Zu allem servierte Frau Osswald Kaffee und Kuchen, aus dem Radio erscholl der Radetzkymarsch. Am Ende der Traumsequenz kamen zwei große, starke Weißkittel und führten den alten Deutschmann aus Osswalds Haus. „Komm, Deutschi, es reicht“, sagte einer.

Osswald wachte schweißgebadet auf. Die Deutschmanns. Ihre Rache war in der Tat fürchterlich.

Wild und wenig tonsicher

Kurz darauf zogen ihre Nachbarn ins Reihenhaus neben ihnen. Eine ganze Zeitlang hatten sie es geschafft, die Immobilie eigentümerfrei zu halten. Just bei Besichtigungen legten die Söhne los und übten in verschiedenen Winkeln des Osswaldschen Hauses Klavier und Trompete. Schmetternd, wild und nicht sehr tonsicher. Und natürlich immer verschiedene Musikstücke zur gleichen Zeit. Was halt grad so anfiel. Das half gegen sensible ältere Herrschaften, die von den Hügeln um die Stadt in die Ebene ziehen wollten – nicht aber gegen deutschstämmige Zuwanderer aus Togo. Das Deutschstämmig sah man ihrem dunklen Teint allerdings nicht an.

Vater Waldemar stand schon um 5 Uhr in der Früh vor seiner Haustüre und rauchte. Es zog bis in Osswalds oberes Fenster. Nicht alleine Tabak. Eher Machorka, versetzt mit fauligem Seegras und geraspelten Fußnägeln. Später am Tag machte sich Waldemar auf die Reise; mit seiner Securitate-Ledermütze und ganz kleinen, trippelnden Schritten. Damit zog er um den halben Block und wieder zurück und rauchte dabei unzählige Zigaretten.

Schmeckt das denn? Rauchen verordnet …

Am nächsten Tag stand Waldemar wieder vor der eigenen Haustüre und qualmte.

„Na, schmeckt’s?“, fragte Osswald, als er vorbeiging.

„Wassis?“, fragte Waldemar.

„Ob die Zigarette schmeckt?“

„Ah, Zigarette. Nein, nix schmecken. Nein.“

„Aha.“ Osswald war verblüfft.

„Medizin. Iss Medizin. Hat Dokter verschriebn. Mussich rauchn. Nix schmecken.“

Da ging die Haustüre auf, der Sohn erschien, grüßte Osswald und sagte zu seinem Vater: „Vater, komm jetzt. Es reicht.“

Wer raucht hier freiwillig?

Waldemar grinste für eine Sekunde versonnen, zog noch einmal an seiner stinkigen Medizin, ertränkte die Zigarette in einem verschraubbaren Marmeladenglas, gefüllt mit brauner Nikotinbrühe, feixte zu Osswald hin und trippelte ins Haus.

Das hätte mir bei den Deutschmanns einfallen müssen, dachte Osswald. Zu den riesigen Nebenwirkungen fressen Sie die Packungsbeilage und erschlagen Sie Ihren Arzt und Apotheker.

Nachdem Waldemar und Sohn in deren Haus verschwunden waren, ging die Türe noch einmal auf. Deutschmann. Er war gekleidet mit einem schwarzen Anzug, worauf ein weißes Skelett gemalt war.

„Rauchen Sie?“, fragte er und bot Osswald dicke schwarze Zigarren an, die er Osswald in einem Kästchen hinhielt. Osswald schloss die Augen. Nachdem er sie geöffnet hatte, war Deutschmann verschwunden.

Warum ich? Warum Halluzinationen? fragte sich Osswald. Was habe ich denn schon geraucht!

Osswalds Kosmos: Wie lange machst du Pipi?

Wie lange machte ein Hund Pipi?

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Osswald ist froh, dass er kein Forscher ist – sonst würde er auch so einen ausgemachten Käse erforschen wie die Frage, wie lange manche Tiere pinkeln. Außerdem ist das Ergebnis grottenfalsch – Osswalds Hund Hans Albers pinkelt viel länger. Wenn er will…

Satire

„Es gibt ein Gesetz des Pinkelns: Ob Elefant, Kuh, Ziege oder Katze – beim Urinieren sind sie alle gleich. Das Wasserlassen dauert bei allen rund 21 Sekunden, wie Forscher im Zoo Atlanta beobachtet haben.“ Das meldet der Spiegel in seiner online-Ausgabe.

Keine Ahnung vom Pipi, diese Forscher

Prima, denkt sich Osswald. Da kennen die Herren (oder Damen) Forscher seine Hunde Heinz Rühmann und Hans Albers nicht. Gut, Heinz Rühmann könnte sich in etwa daran halten. Aber nur, wenn er schlicht und ergreifend Wasser lassen muss. Markiert er sich seine Route einen Spaziergang entlang, wird der Strahl immer kürzer (bis zum Vertröpfeln). Und die Zeit wird es auch. Von wegen 21 Sekunden. Pustekuchen.

Da sieht man wieder mal, mit welchen eigentümlichen Forschungsobjekten sich manche Leute beschäftigen; und zu welch ausgesucht dünnen Ergebnissen sie kommen.

21 Sekunden, wiiiiieher!

Pipi pur

Und Hans Albers stellt den dämlichen Durchschnitt gänzlich auf den Kopf. Wenn der eine volle Blase hat, entleert er sich 41 Sekunden und länger. Pipi pur, sozusagen.

Aber manchmal, wenn es gut riecht, und Hund auf dem Weg hin- und herschnüffeln muss, muss alles andere warten; auch das Pieseln. Dann hat Osswald die A.-Karte gezogen. Dann scharwenzelt er mit den Hunden hin und her und sagt alle 21 Sekunden: „Mach Pipi, Hans Albers!“ „Los, Pippi, Heinz Rühmann!“ Die Nachbarn grinsen schon, das hat Osswald deutlich gesehen, obwohl sie schnell den Vorhang zwischen sich und das Fenster brachten.

Doch es hilft nichts. Der abendliche Gang zum Wässern der Hunde muss sein. Osswald tröstet sich nur darin, dass andere auch ein übles Los haben – Forscher zum Beispiel, die so etwas in die Welt setzen wie die 21 Sekunden Strull-Länge.

Pah!

Lichtblau

Mehr Satire

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Frauen und Koteletts hängen irgendwie zusammen. Wie, das erfährt Osswald beim Mittagstisch.

Atlas hat den Blues. Er kommt aus seinem Zimmer zum Essenstisch und ist felsenfest davon überzeugt, er sei zu schlecht für die Damenwelt. Mit seinen 186 Zentimetern, dem durchtrainierten Körper und seinem charmanten Lächeln.
Weil seine Angebetete ihn wieder mal hat abblitzen lassen. Atlas: „Einmal so, einmal so.“
Seine Mutter macht ein paar schräge Witze, alle lachen, selbst der waidwunde Teenager.
„Du bist zu ernsthaft“, sagt Frau Osswald.
„Genau“, fährt der Vater fort, „die Anne verarscht dich doch jetzt schon ein Jahr lang. Wolltest du sie nicht schon lange auf den Mond geschossen haben?“

Anne gehört auf den Mond geschossen

„Naja.“
„Tu es. If you can’t be with the one you love, love the one you’re with. So hieß das früher bei uns. 68, Crosby Stills Nash & Young und so.“
„Was ist das? Crosby Stills Nash & Young? Eine Bank?“, fragt Atlas erstaunt.
Frau Osswald prustet los: „Eine Bank! Dein Vater hat doch nur Kontakt zu Banken, wenn die ihm schreiben, dass er ihnen Tausende von Euros schuldet und ihn fragen, wie er sie wieder zurückzahlen will!“
„Aha.“
„Und überhaupt, 68, summer of love. Da warst du gerade mal zehn!“
„Aber schon ganz schön alt für mein Alter! Außerdem haben wir uns damals auf Großes vorbereitet. Und uns vom Geist der 68er anstecken lassen.“
„Soso.“

Frauen und Koteletts eben

Atlas mault: „Aber warum sind Frauen so? Warum einmal so, einmal so. Ist das die Pubertät?“
„Nein, mein Sohn“, sagt Osswald, „Frauen sind eben so. Immer. Nicht nur in der Pubertät. Das ändert sich bei denen nie. Sie wissen nie, was sie wollen. Deswegen ist es völlig wurscht, welche du dir nimmst. Sie sind alle gleich. Schnapp dir die Erstbeste, die du bekommen kannst. Und bleibe bei ihr. Du ersparst dir so eine Menge Ärger und Enttäuschung.“
„Aha. If you can’t be with the one you love …“
„…love the on you’re with. Du hast es kapiert.“

Frau Osswalds tödliche Blicke

Frau Osswald feuert tödliche Blicke ab, schweigt aber überraschend. Wahrscheinlich hat sie vor der luziden männlichen Logik kapituliert.
Den Rest des Essens verbringen sie schweigend. Danach lehnt sich Osswald zufrieden zurück und lässt den Blick über Frau Oswalds Teller schweifen. Er stutzt, schaut zu Atlas’ Teller, stutzt wieder und bei Distel Teller ist er endgültig bedient.
„Äh, es gab Koteletts?“
„Offensichtlich.“
„Wenn der Papa mal was merkt“, spottet Distel.
„Aber leider erst nach dem Essen.“
„Jeder hat ein Kotelett gehabt?“
„Jeder.“

Wo sind die Knochen?

„Äh, aber – ich bin Vegetarier. Außerdem: wo ist mein Knochen hin?“
Jetzt schaut alles auf Osswalds Teller. Er ist blitzblank, ohne jeden Essensreste. Und ein Knochen findet sich auch nicht darauf.
„Ich sag ja immer, du bist verfressen“, sagt ausgerechnet Atlas, den Osswald für ausgesprochen verfressen hält.
„Ja aber, ein Knochen. Den esse doch nicht einmal ich.“
„Offensichtlich doch. Das belastet wenigstens den Abfalleimer nicht.“
„Und ich? Wer denkt an mich? Und meinen Bauch?“
Tja, das hättest du dir früher überlegen müssen“, sagt Distel.

„Viel Spaß beim Verdauen“, wünscht Atlas.
Und Osswalds Gattin ergänzt: „If you can’t eat the one you love, eat the one you’re with.“

Krüger

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Mehr Satire

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Bild: pixabay.com/SplitShire

Osswald ist kein Technikfeind. Aber die Exzesse der modernen Welt rund um das Wischeisen (Smartphone) gehen ihm mächtig auf die Nerven.

Osswald hat einen Traum. Immer wieder. Immer wieder tappt einer der Wischeisen (Smartphone) streichelnden Technikjunkies, vertieft ins Schreiben einer schmalen Textbotschaft, auf die Fahrbahn. Wisch. Und weg. An dieser Stelle war leider ein Bus unterwegs und der war ein bisschen stärker. Und wieder gibt es einen Wischenden weniger. Osswald wacht regelmäßig entnervt auf. Er mag den wischenden Mob zwar nicht, aber ein solches Ende muss er ihnen trotzdem nicht an den Hals träumen. Vor allem, weil es eine ordentliche Sauerei gibt im Traum.

Und die Jugend?

Kommen wir zu etwas völlig anderem – der wischenden Jugend. Die hat es wirklich nicht leicht. Behangen mit Markenklamotten, vollgestopft mit Äußerlichkeiten, gesegnet mit ihrem Wischeisen (Smartphone).  Die jungen Leute sind förmlich hypnotisiert von ihren Smartphones. So sehr, dass sie fortwährend auf das Display starren, darüber wischen und nicht bemerken, was um sie herum geschieht. Egal, ob da nun ein Lastwagen auf der Straße donnert, man dappt einfach weiter (der Traum!). Gut, lassen wir die Horrorszenarien, kommen wir zu etwas viel Schlimmerem. Den Männern und Vätern. Vor ein paar Tagen war Osswald beim Optiker seiner Wahl und musste kurz warten. Am anderen Tisch eine sehr rothaarige Tochter von etwa 15 Jahren. Und ihr Vater. Die Tochter bekam eine Brille, der Vater wischte. Brummte ein paar Mal kurz, wenn die Optikerin ihn direkt ansprach, schaute aber nie vom Phone auf.
Das Ergebnis: Die Tochter suchte sich eine sehr dominante, qietschgrüne Brille zu ihrem flammend roten Haar aus. Modisch der letzte Schrei.

Quietschgrüne Brille, flammend rotes Haar

Nein, nicht der letzte. Der wird der Mutter entfahren, wenn der wischende Vater und die Tochter mit der quietschenden Brille vor ihr stehen. Da sieht man wieder mal, dass Männer zu nichts taugen, wenn sie ein Spielzeug in der Hand haben. Sie können sich eben nur auf eines konzentrieren. Frauen sind da anders, ihre beiden Hirnhälften haben sich im Laufe der Zeit voneinander emanzipiert. Sie können jetzt alles auf einmal: Baby füttern, kochen, telefonieren, Kühlschrank putzen, beruflich erfolgreich sein. Wir können das einfach nicht; also sollten wir die Wisch-und-weg-Teile aus der Hand legen. Aus. Vorbei. Die Evolution hat uns nicht dafür gemacht.
Stellen wir uns nur mal vor, wir Technikjunkies würden mit unseren Kindern zum Friseur gehen. Was da wohl rauskäme? Oder zum Elternsprechtag – wir kämen nach Hause, und die Tochter wäre nicht mehr auf dem Gymnasium, sondern auf der Hauptschule! Nein, nein, so geht das nicht. Wir müssen uns entscheiden: Kind oder Smartphone …

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