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Was ein tumber Bürgermeister alles anrichten kann! Die  Sache mit der Unterhose jedenfalls ging gründlich in die Hose.

Eines Tages bekam die kleine Stadt Besuch. Vor der Stadtmauer hielt eine Kutsche, die sieben weiße Pferde zogen. Die Kutsche war weiß-blau und hatte goldene Zierleisten. Auf dem Dach war eine goldene Krone angebracht. Hinten auf der Kutsche war eine Menge Gepäck gestapelt. Und vorn auf dem Kutschbock saßen ein adrett gekleideter Kutscher und ein piekfein ausstaffierter Diener, der steif und sehr aufrecht neben ihm saß.

Kutsche vor den Toren der Stadt

Die Kutsche hielt an einem frühen Junimorgen vor den Toren der kleinen Stadt. Der Diener räusperte sich, aber das Tor blieb zu. Ferdinand und Wolfram, die am Stadttor gerade Wache standen, standen nämlich nicht Wache, sondern sie lagen in der Wachstube. Sie schliefen, wie das jeder tat, der Wache schob.

Nun war es so, dass es auch damals schon keine Kutschen, Könige und Wachen mehr gab – aber die kleine Stadt war berühmt für ihr märchenhaftes Erscheinungsbild. So hatte der Stadtrat beschlossen, das hintere Stadttor zu schließen und dort die ganze Nacht über Wachen zu postieren. So wie früher, als es noch Kutschen und Könige gab und allerlei Strauchdiebe, die die kleine Stadt überfallen wollten. Bürgermeister Schmalzahn versprach sich davon mehr Touristen.

Die Kutsche trug Krone

So stand also an diesem frühen Junitag in der ersten Morgendämmerung die weiß-blaue Kutsche mit der Krone auf dem Dach vor den Toren der Stadt. Die sieben Schimmel scharrten unruhig mit den Hufen, der feine Diener räusperte sich unentwegt – aber alles, was passierte, war der ohrenbetäubende Lärm, der aus dem Wartehäuschen drang und nichts weiter war als das Schnarchen der Wächter. Der Kutscher setzte jetzt seine Trompete an die Lippen und stieß so gewaltig hinein, dass die beiden pflichtvergessenen Schläfer in der Wachtstube mit zwei dumpfen Schlägen aus ihren Betten fielen.

Der Bürgermeister war schnell am Stadttor

Auch der Bürgermeister erwachte. Der war schneller am Stadttor, als sich der dicke Ferdinand angezogen hatte – so sah das Stadtoberhaupt, dass die beiden Spießgesellen sicher keine Wache gehalten hatten. Aber darum würde er sich später kümmern. Der Bürgermeister gab den beiden verschlafenen Wächtern einen Wink, sie öffneten das Stadttor, der Kutscher ließ die Pferde anziehen und lenkte sein weiß-blau-goldenes Gefährt in die Stadt.

Es wird ein König sein

Vor dem Bürgermeister hielt er an und stieg ab. Er verbeugte sich tief, ging dann zum Verschlag der Kutsche, öffnete ihn und verbeugte sich ein zweites Mal und das noch tiefer. Dann trat er zurück. Der Bürgermeister schaute interessiert zu, wer da wohl jetzt aus der weiß-blau-goldenen Kutsche mit der goldenen Krone auf dem Dach steigen würde. Na ja, es wird ein König sein, dachte der Bürgermeister, was durchaus etwas Besonderes war in der kleinen Stadt – denn Kutschen gab es kaum noch und Könige schon gar nicht.

Huch, eine Unterhose

Bürgermeister Schmalzahn versuchte, seine Unsicherheit zu überspielen und so zu tun, als käme jeden Tag ein König in seine Stadt. Aber das gelang ihm nicht – im Gegenteil, er stieß einen erstaunten Seufzer aus, der sich anhörte wie »hach!«. Dann sagte er nichts mehr. Er staunte Bauklötze. Denn der König, der aus der Kutsche mit den goldenen Zierleisten stieg, war eine besondere Erscheinung: Er war nicht nur sehr klein und reichte dem Bürgermeister nur an die Brust – er hatte dazu auch noch eine Unterhose an. Eine sehr große, sehr rosafarbene – und sonst nichts, außer natürlich seiner goldenen Krone und einer Brille. Der kleine König musste die Hose festhalten.
Dennoch sagte er freundlich: »Guten Tag. Bitte verzeihen Sie, dass ich Ihnen nicht die Hand reiche. Aber wenn ich das tue, rutscht mir meine prachtvolle Unterhose, ein Erbstück meiner Großtante, der Gräfin Emilia von Sausewind, bis auf die Knöchel herunter.« Der Bürgermeister machte so etwas wie eine halbe Verbeugung – mehr bekam er nicht zustande. Aber auch diesen ungenügenden, eigentlich unhöflichen Versuch nahm der kleine König gnädig mit einem leichten Nicken entgegen.

Geschichten der kleinen Stadt

Dann fuhr er fort: »Meine Unterhose ist auch der eigentliche Grund meines Besuches in Ihrer reizenden Stadt. Ich will Ihnen die Geschichte erzählen – denn wie ich hörte, ist Ihre Stadt berühmt für Geschichten.«
»Geschichten? Meine Stadt?« Der Bürgermeister hatte tatsächlich noch nicht mitbekommen, dass die vielen Geschichten des Freiherrn Bock von Wülfingen über seine Stadt diese berühmt gemacht hatten. Das kam daher, weil der Bürgermeister zu sehr mit sich, seinem Regieren und seiner Hasenzucht beschäftigt war und Geschichten gar nicht mochte.
»Wir haben hier keine Geschichten!«, polterte er. »Woher sollen die denn kommen?«
»Na, von Ihnen und Ihren Untertanen, Herr König«, sagte der kleine König.
»Ich bin kein König, ich bin ein Bürgermeister«, antwortete Schmalzahn. »Und Geschichten gibt es hier nicht.«
»Dann verzeihen Sie bitte«, antwortete der kleine König Unterhose, verbeugte sich leicht, ging in die Kutsche zurück und fuhr los. So werden wir nie erfahren, warum der kleine König die Unterhose seiner Großtante trug.

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Drei alte Schachteln oder: Wie alte Damen das Fernsehen besiegten.

In der kleinen Stadt lebte die Kaufmannswitwe Olga Fingerlein. Sie wohnte in einem kleinen, windschiefen Häuschen mitten in der Stadt, direkt am ältesten Theater weit und breit. Ihr Sohn arbeitete in der großen Stadt beim Rundfunk – und als das Fernsehen erfunden wurde, wechselte er dorthin. Beim nächsten Besuch in der kleinen Stadt brachte er einen Fernseher mit: einen großen, schwarzen Kasten, der nur schwarz-weiße Bilder zeigte.

Auf ihm liefen die beiden Fernsehsender, die es damals gab. Rosa Fingerlein schaute sich den klobigen Kasten von drei Seiten an, ließ ihren Sohn ihn anschalten und verließ den Fern- sehsessel nicht mehr, bis das Programm zu Ende ging – was allerdings damals sehr bald am Abend war. Sie schaute gebannt auf den flimmernden Kasten mit seinen schwarz-weißen Bildern. Ihr Sohn fragte sie immer wieder: »Und? Gefällt es dir?« Denn sie war streng und ihr Urteil unbestechlich.

Wortlos ging sie zu Bett

Aber Rosa Fingerlein schwieg, und das bedeutete nichts Gutes. Wortlos ging sie zu Bett. Am nächsten Tag sagte Olga Fingerlein nur: »Nimm’ den Kasten wieder mit. Da wird einem ja schwindelig im Kopf!« Das sagte sie so streng, wie sie nun einmal war – ihr Sohn wagte keinen Widerspruch, es war ja sowieso zwecklos. Wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, brachte sie niemand davon ab.

Er fuhr beleidigt nach Hause in die große Stadt und besuchte seine Mutter nur noch, wenn es unbedingt sein musste. Etwa zu ihren runden Geburtstagen. Olga Fingerlein hatte für einen Tag den ersten Fernseher der Stadt gehabt. Aber kurze Zeit später stand der zweite beim Bürgermeister, der bis dahin ein Radiogeschäft gehabt hatte – und von da an auch Fernseher verkaufte. Und da er das mit der ganzen Autorität tat, die er als Bürgermeister hatte, gab es bald mehr und mehr Fernseher in der kleinen Stadt.

Unerträglicher Flimmerkasten

Deren Zahl nahm zu – und die Leute gingen immer weniger zu Konzerten und ins Theater. Da rief Olga Fingerlein ihre zwei Freundinnen Berta Hummel und Edith Bienenstich zu sich. »Ist das nicht furchtbar?«, fragte sie, »diese Flachheit in dem Flimmerkasten! Unerträglich«, schimpfte sie.

»Da kann man wohl nichts machen«, antwortete Berta Hummel, »das ist der Lauf der Zeit. Den halten wir nicht auf.«

»Das mag der Lauf der Zeit sein und vielleicht halten wir ihn nicht auf. Aber wir setzen etwas dagegen. Ein Zeichen.«

»Ein Zeichen?«, fragte Edith Bienenstich. »Ja, ein Zeichen gegen den Verfall der Kultur. Wir treten auf«, sagte Olga Fingerlein.

»Wir treten auf? Als was?«, fragte Berta Hummel. »Nun, wir erzählen dem Publikum Geschichten und machen Musik dazu.«

Berta schimpfte wie ein Rohrspatz

»Waaaas?«, fragte Berta Hummel verblüfft und schimpfte eine Weile wie ein Rohrspatz über die eigenartige Idee ihrer Freundin. Aber Edith Bienenstich sagte in einer Pause von Berta: »Naja, sooo dumm ist die Idee wirklich nicht.« Berta Hummel ließ sich überzeugen.

Und so kam es, dass die drei alten Damen jeden Freitag in der alten Mühle nahe der kleinen Stadt auftraten. Sie nannten sich »Die drei alten Schachteln«, sangen voller Inbrunst und manchmal nicht sehr tonsicher, machten Musik und trugen Gedichte und Geschichten vor. Am Anfang hatte der Bürgermeister noch versucht, die Auftritte der drei alten Schachteln zu verhindern, indem er die Gasthöfe der Stadt sperren ließ.

Erfolg in der Alten Mühle

Aber die drei Damen wichen in die alte Mühle aus – und die lag außerhalb der Stadt. Das Publikum war begeistert – jeden Freitag kamen mehr Besucher. Der Verkauf der Fernseher geriet ins Stocken, der Bürgermeister war sauer. Und das Beste: Das Fernsehen brachte bald selbst die Geschichte der drei alten Schachteln, obwohl die ja auftraten, weil sie das Fernsehen schrecklich fanden. Jetzt waren sie berühmt. Aber das störte sie nicht weiter – sie traten ungerührt auf. Kurz darauf entdeckte das Radio die drei alten Schachteln und übertrug ihre Auftritte live. Die Radioapparate im Geschäft des Bürgermeisters gingen plötzlich wieder weg wie warme Semmeln. Da setzte er sich an die Spitze der Bewegung und verbannte die Fernseher aus der Stadt. Von da an interessierte sich das Fernsehen nur noch für den Bürgermeister und folgte ihm auf Schritt und Tritt. Nach den drei alten Schachteln fragte bald keiner mehr. Aber das war denen herzlich egal – sie hatten ihr Ziel erreicht, die kleine Stadt war fernsehfrei.

Fly high !

Spinnerte Geschichten: Eine Statue haut ab

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Eine Steinstatue haut ab. Und was passiert? Nichts. Die Polizei schaut zu.

Im Wald über der kleinen Stadt lebte ein Bildhauer mit Namen Matthias. Der besaß eine kleine Hütte, einen Stapel Papier, ein paar Bleistifte und sein Bildhauerwerkzeug. Matthias strich durch den Wald, skizzierte die Märchengestalten, die er sah. In seiner Hütte zeichnete er die Figuren ins Reine, dann setzte er sich an den Steinblock und meißelte so lange, bis er die Märchenfigur geschaffen hatte.

Die Leute liebten die Statuen

Die Leute in der kleinen Stadt liebten die Statuen des jungen Bildhauers. Wenn er eine verkaufte, hatte er wieder Geld für ein paar Monate, denn er lebte bescheiden.

Eines Abends, es dämmerte schon, sah er eine Fee im bunten Blätterkleid durchs Unterholz huschen. Matthias sah sie nur ganz kurz, aber das reichte. Er war so gebannt, dass er das Zeichnen vergaß. Er hatte sich die Fee so genau eingeprägt, dass er zu Hause sofort Hammer und Meißel nahm und sie in Stein neu erschuf – mit einem bunten Kleid, das er ihr aufmalte. Matthias wusste, dass es nur eine Statue war – aber er hatte sich richtig in sie verliebt.

Der Zauberer hatte einen Schnupfen

Nun gab es sich aber zu dieser Zeit, dass der Zauberer Hermann Stolperfuchs mit seiner Frau Elisabeth auf seinem Teppich an der kleinen Stadt vorbeiflog. Der Zauberer hatte einen furchtbaren Schnupfen und war so matschig im Kopf, dass er sich an keinen Zauberspruch mehr erinnern konnte. Vor allem nicht an den gegen Stockschnupfen. Darüber war Her- mann Stolperfuchs stocksauer. Noch mehr ärgerte er sich über seine Frau, die ihm zu wenig Tee gekocht hatte. In der Nähe der kleinen Stadt war erst die Hälfte der Reise vorüber, aber die Thermoskanne leer.

Der Zauberer geriet in Wut

Als der Zauberer sah, dass nur ein paar Tropfen aus der Kanne in seinen Becher tröpfelten, geriet er derart in Wut, dass er lauthals fluchte. Nun sollte man überhaupt nicht fluchen, und Wut ist ein schlechter Berater. Und wenn man ein mächtiger Zauberer ist, sollte man schon gleich zwei Mal auf seine Sprüche achten. Sonst passiert ein Unglück – und genau das geschah: Hermann Stolperfuchs vermischte, ohne es zu merken, gleich drei Sprüche. Das Ergebnis war fatal: Seine Frau Elisabeth verwandelte sich in ein Blütenmeer, das auf die Erde herabregnete. Und ihre Seele fuhr in die Statue in der Hütte des jungen Bildhauers.

Und dann war Vollmond

Die Statue erzitterte kurz, wackelte bedenklich hin und her und erstrahlte hell in einem grünen Licht. Dann stand sie wieder still. Ein paar Tage später war Vollmond. Plötzlich, um Mitter- nacht, stieg die Statue von ihrem Sockel, riss sich die Wolldecke von Matthias’ Bett und hängte sie über ihren Kopf. Der junge Bildhauer erwachte und starrte auf die Statue, die jetzt die Tür öffnete und in die Nacht verschwand. Matthias blieb wie versteinert im Bett sitzen – nach einer Stunde ging die Tür wieder auf und die Statue kam zurück, warf die Decke auf das Bett, stieg auf den Sockel – und erstarrte wieder. Das Ganze wiederholte sich bei jedem Vollmond. Ansonsten war die Statue zu keiner Regung zu bewegen, da konnte Matthias tun, was er wollte.

Der Bildhauer verkaufte die Statue

Er ertrug es bald nicht mehr, die Statue zu sehen, die sich ein Mal im Monat davonschlich. Er verkaufte sie an den Bürgermeister der kleinen Stadt. Und der stellte sie auf die Säule des Marktbrunnens. Das gab ein bisschen Streit, weil die Statue mit dem sehr bunten Rock manchem nicht gefiel – vor allem, weil sie direkt vor der Kirche stand. Aber der Bür- germeister blieb stur. Beim nächsten Vollmond geschah es: In die Statue kam Leben, sie stieg vom Brunnen herunter und lief den Marktplatz hoch, durch das Stadttor und in den Wald hinein.

Die Statue haute ab

In diesem Moment kamen der Architekt Bernd Süßholz und Hauptwachtmeister Klaus Stockfisch aus dem Weinhaus – und trauten ihren Augen nicht. Da lief tatsächlich die Statue in dem bunten Kleid über den Marktplatz. Hatten sie doch zu viel Wein getrunken? Hauptwachtmeister Stockfisch hatte immer eine Trillerpfeife dabei. Er setzte sie an die Lippen und pfiff schrill – aber die Statue lief weiter. Hauptwachtmeister Stockfisch alarmierte das Polizeirevier. Die Polizei stellte sich heimlich an der Stadtmauer auf – und wirklich, nach einer Stunde kam die Statue im bunten Rock zurück.

Statue verhaften!

»Verhaften!«, schrie Hauptwachtmeister Stockfisch, seine Kollegen stürzten sich auf die Statue. In diesem Moment flog der Zauberer Hermann Stolperfuchs auf seinem Teppich über der kleinen Stadt vorbei. Er sah die Statue, die sich bewegte – und verstand sofort, was da passiert war. Sein Kopf war wieder frei, er hatte keinen Schnupfen mehr. Sofort machte er die drei Zaubersprüche von damals rückgängig und er zauberte die Seele seiner Frau wieder aus der Statue heraus und den Körper seiner Frau aus dem Blütenmeer zusammen. Auf dem Teppich fragte Elisabeth ihren Mann, als sei nichts gewesen: »Willst du ein bisschen Tee?«
»Um Gottes willen!«, antwortete Hermann Stolperfuchs und musste schon wieder niesen. Die Polizei verhaftete die plötzlich bewegungslose Statue, die mitten auf dem Marktplatz erstarrt war – aber sie saß nur im Gefängnis und bewegte sich nie wieder. Was alle noch mehr verwirrte.

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Etienne Vogelsand legt sich mit Mecklenburg an. Das hätte sie besser bleiben lassen, denn Mecklenburg ist ein mächtiger Zauberer.

Drei Tage, ehe die Hexe Siebenwurz nach Indien aufbrach, um die Einladung des indischen Prinzen Harappa und seines Zauberers anzunehmen, bekam sie selbst Besuch. Es klingelte an der Haustür, und als die Hexe Siebenwurz aufmachte, stand Etienne Vogelsand vor der Tür, eine Großnichte achten Grades.

Das passte der Hexe Siebenwurz gar nicht, denn sie hatte noch viel zu tun. Am liebsten hätte sie die kleine Hexe wieder nach Hause geschickt – aber Hexen sind gastfreundliche Leute, also bat sie das Hexlein in ihre Hütte. Etienne Vogelsand erzählt ihr atemlos von der Hexenschule, die sie besuchte und davon, dass sie schon ganz toll zaubern könne. Sie wollte es vor lauter Begeisterung ihrer berühmten Verwandten sofort zeigen und schaute sich in der kleinen Hütte der Hexe Siebenwurz um. Sie wollte sehen, was es hier zu zaubern gab.

Leichtsinniger Zauber

Da sah sie den Zauberfisch Mecklenburg, der friedlich in seinem Käfig auf der Stange saß und schlief, den Kopf unter seiner linken Kiemenflosse. Genau den suchte sich das Hexlein Vogelsand aus, um ihre Zauberkunst zu zeigen. Das war dumm. Denn erstens zaubert man sowieso nicht, wenn man es noch nicht so gut kann (und sich das nur einbildet). Zweitens zaubert man schon gar nicht in der Hütte einer berühmten Hexe, ohne dazu eingeladen zu sein – weil da nämlich allerhand Zauber in der Luft liegt und man nie so genau weiß, worauf der eigene Zauber am Ende trifft und welche Wirkung das entfaltet.

Und drittens war es eine höchst dämliche Idee, ausgerechnet dem Zauberfisch Mecklenburg einen Zauber auf die Schuppen zu brennen – denn der war eigentlich kein normaler Fisch, sondern ein mächtiger Zauberer, der sich in der Gestalt eines Fisches am wohlsten fühlte. Welcher Fisch sitzt schon auf einer Stange im Vogelkäfig? Eben.

Der große Zauberer wollte viel lernen

Dem Zauberfisch gefiel es bei seiner Freundin, der Hexe Siebenwurz, ausgesprochen gut. Für ihn war sie die größte Zauberin aller Zeiten und er wollte noch eine Menge Tricks von ihr lernen. Aber er selbst war auch nicht schlecht, wie wir gleich sehen werden. All das wusste das kleine Hexlein Vogelsand nicht, als sie so leichtsinnig in der Hütte ihrer Großtante achten Grades zauberte. Sie hob den Zauberstab, ehe die Hexe Siebenwurz noch eingreifen konnte und murmelte: »Abra Ben Nemsi.«

Das war ein durchaus korrekter Zauberspruch und hätte dazu geführt, einen Papagei in eine Perserkatze mit Hasen-Schlappohren zu verwandeln. Nun war aber der Zauberfisch Mecklenburg kein Papagei, sondern höchstens ein Fisch. Und eigentlich auch kein Fisch, sondern in Wirklichkeit ein mächtiger Zauberer mit ganz unwahrscheinlichen Reflexen. Jeder Zauberer schützt sich für gewöhnlich mit einem Zauber, den er als Schutz um sich zieht: mindestens, wenn er schläft.

Tolle Reaktionen

Der Zauber sitzt fest wie eine zweite Haut und verhindert, dass der Zauberer von einem bösen Zauber überrumpelt wird und Schaden nimmt. Der Zauber schützt ihn für einen Moment oder zwei, bis der Zauberer wach genug ist, um sich zu verteidigen. Nicht so Mecklenburg: Der Zauberer war stolz auf seinen tollen Reaktionen und wohl auch ein wenig eitel. Er verzichtete auf jeden Schutzzauber – sehr zum Missfallen seiner Freundin, der Hexe Siebenwurz, die immer mit ihm schimpfte.

Es war aber vollkommen unnötig. Der Zauberfisch Mecklenburg hatte wirklich tolle Reflexe. Er spürte im Schlaf die Gefahr und lenkte den Zauber des Hexleins im Erwachen an die Wand hinter sich. Von dort zischte der Zauber an die Decke und wieder zurück zu Etienne Vogelsand. Es gab einen lauten Knall und einen Lichtblitz, schwefelgelber Rauch stieg auf.

Aus dem Schlaf gerissen

Als er sich verzogen hatte, sah man das kleine Hexlein Vogelsand: Es hatte den Kopf eines Nashorns auf. Der Zauber hatte nicht nur seine Richtung geändert, sondern auch seine Kraft. »Du Rhinozeros!«, rief die Hexe Siebenwurz, »was machst du da?« Doch dann musste sie herzlich lachen und in ihr Gemecker stimmte der Zauberfisch Mecklenburg ein, der sich von seinem Schrecken erholt hatte, so jäh aus dem Schlaf gerissen zu werden.

»Hübsch«, sagte die Hexe Siebenwurz, die beschlossen hatte, das Hexlein für ihren Übermut ein wenig zu bestrafen. Sie hätte es zwar sofort von ihrem Nashornkopf befreien können, sagte aber nur trocken: »Liebes Kind, dich hat ein Zauber der Kategorie X 1 9 im Fledermausregister getroffen. Den Gegenzauber findest du im blauen Teil.« Damit ließen die beiden das Hexlein in ihre Schule zurückgehen. Ihre Mitschüler lachten sie arg aus, bis sie ihren seltsamen Kopf wieder los war. Aber von dem Tag an lernte die kleine Hexe Etienne Vogelsand wie besessen und wurde schließlich die beste Zaubereilehrerin weit und breit. Sie lehrte ihre Schüler, vor allem sehr vorsichtig mit dem Zaubern zu sein – denn man kann nie wissen, ob ein mächtiger Zauberer in der Nähe ist und wie der sich tarnt …

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Wie der große Zauberer Zimpelli verschwindet – und was ein Oberlehrer damit zu tun hat.

In der kleinen Stadt war ein Wanderzirkus zu Gast. Die halbe Stadt ging hin, auch Dr. Knut Schussel tat das, der pensionierte Oberlehrer. Der Zirkus war ganz nett, fand Schussel – doch dann kam der große Zauberer Zimpelli. Der Zauberer suchte sich ausgerechnet der pensionierten Oberlehrer als Assistenten aus.

Der große Zauberer schnarrte: »Hochverehrtes Publikum! Sie werden jetzt die sensationelle Nummer sehen, in der der große Zimpelli, das bin ich, diesen Mann hier vor Ihrer aller Augen verschwinden lassen wird. Jawoll! Und der in Kürze wieder vor Ihrer aller Augen erschienen wird. Kraft meiner Zauberkraft und meines Zauberstabes hier.« Der große Zimpelli nahm sich Knut Schussel und zog ihm in die Mitte der Manege.

Jetzt soll er verschwinda

Dann wedelte mit seinem Zauberstab herum. Er drehte er sich um, sah Knut streng an und murmelte: »Abra Karamba, jetzt soll er verschwinda«. Knut Schussel starrte zurück. Dann sagte er: »Kadabra.« »Wie?«, fragte der Zauberer verdutzt und schaute verdutzt aus seinem blauen Umhang mit den goldenen Sternen heraus. »Kadabra heißt das, mein Herr«, wiederholte der alte Oberlehrer. »Abra Kadabra, um genau zu sein. Wo haben Sie denn das Zaubern gelernt?« Zimpelli hatte schon viel erlebt – aber er hatte noch nie das zweifelhafte Vergnügen gehabt, in der Manege einen Oberlehrer zu haben. Er hasste Lehrer, immer wusste sie alles besser.

Aber es kam noch schlimmer für den armen Zauberer – kurz nachdem der Oberlehrer »Abra Kadabra« gesagt hatte, starrten sich die beiden an. Aber nicht der Oberlehrer löste sich in Luft auf und verschwand, wie es in dem Zauberkunststück geplant war, sondern der große Zimpelli. Der Zauberer wurde immer durchsichtiger und blasser, dann war er weg.

Atemlose Stille

Dem Publikum stand der Mund offen – atemlose Stille herrschte im Zirkuszelt. Dann begann jemand zu klatschen und plötzlich brandete ein Applaus auf, wie ihn der dicke blonde Zirkusdirektor noch nie erlebt hatte. Er war, nach einer Schrecksekunde, in die Manege gestürzt, mit wirr flackernden Augen blickte er im Kreis herum. Nichts. Kein Zimpelli. Statt dessen nur dieser vermaledeite Gast in der Manege, der Glatze trug und verdattert dreinsah.

Der Direktor schaute Knut Schussel in die Taschen seines Anzugs, schaute ihm in den Mund, ließ ihn aufstehen und sah unter dem Hocker nach. Nichts. Das Publikum johlte. Auch die Assistentin hatte ihren Chef nicht unter dem Arm, wie der Zirkusdirektor feststellte. Dann rannte der dicke, blonde Direktor im Kreis herum, immer vor dem Publikum und keuchte ins Mikrophon: »Haben Sie meinen Zauberer gesehen? Los, geben Sie meinen Zauberer wieder her! Zimpelli, Du Trottel!«

Nichts. Schließlich drehte der dicke blonde Mann in der Mitte der Manege ein durchaus elegante Pirouette, ging langsam und sacht zu Boden und keuchte: »Was das wieder kostet.«

Hoher Besuch

Der Zirkus endete vorzeitig. Am nächsten Morgen klingelte die Polizei an Dr. Knut Schussels Türe. Vor Schussels Türe standen ein hagerer Mann mit Hakennase und ein kleiner Dicker mit Knollnase. Der Dicke sprach: »Guten Morgen, Herr Doktor. Dürfen wir kurz herein kommen? Wir sind Plüsch und Strohmann von der Kriminalpolizei. Und wir würden gerne mit Ihnen über das Verschwinden des Zauberers der große Zimpelli reden.«

Doktor Schussel bat die Beamten ins Wohnzimmer. Nachdem sich Plüsch und Strohmann gesetzt hatten, sagte Plüsch, der Dicke: »Herr Doktor. Ich weiß, die Sache ist delikat. Ein Zirkuszauberer will einen Gast verschwinden lassen. Und verschwindet selbst. Einfach so und ohne wieder aufzutauchen. Irgendetwas stimmt da nicht – finden Sie nicht auch?«

»Ja, aber ich kann nicht zaubern, wenn Sie das meinen«, antwortete der Oberlehrer, etwas von oben herab. Die Drei schwiegen. In diesem Augenblick erhob sich Knut Schussel sachte aus dem Sessel, ohne die Beine zu gebrauchen – er hob einfach ab. Er schwankte leicht hin und her und schwebte dann über den Teppich. Der Oberlehrer staunte selbst darüber. Dann segelte er auf das offene Fenster zu, durch es hindurch – und war verschwunden. Vielleicht hatte er im Zirkus ein bisschen zu viel Zauberei abbekommen. Plüsch und Strohmann sahen sich an. »Tja«, sagte Plüsch. »Jetzt schreiben wir den Herrn Doktor mal zur Fahndung aus. Ein paar Fragen hätte ich doch noch an den Herrn Oberlehrer.«
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Wie ein schüchterner Junge groß rauskommt und dabei einem fiesen Zauberer schwer zusetzt.

Knut war ein dicker Junge mit roten Haaren und Brille. Freunde hatte er wenige. Seine Mitschüler verspotteten ihn, weil er so dick war, eine Brille brauchte und manchmal, wenn er aufgeregt war, zu stottern anfing. Knut hockte am liebsten in seinem Zimmer und las. Zum Geburtstag hatte er ein Zauberbuch geschenkt bekommen. Es war ein altes Buch, das ihm sein Onkel Heiner mitge- bracht hatte. Heiner war ein lustiger Kerl, der sich in der Weltgeschichte herumtrieb und viele Länder bereist hatte.

Menschen und Tiere zauberten

Das Buch enthielt alte, afrikanische Märchen. In jedem Märchen zauberten die Menschen und die Tiere – und immer stand der jeweilige Zauberspruch dabei. Knut gefiel das Buch. Er nahm es mit auf sein Zimmer und las es aufmerksam durch. Immer wieder, von vorn bis hinten. Das ging so ein paar Tage – Knut hörte kaum, wenn seine Mutter ihn zum Essen rief, Fernsehen wollte er gar nicht, spielen auch nicht.

Eine Überraschung

Am Samstag sagte seine Mutter: »Ich habe eine Überraschung für dich: Heute gehen wir in den Zirkus.« Also gingen am Nachmittag Knut, seine Mutter, sein Bruder Egon und Onkel Heiner in den Zirkus. Es war ein kleiner Zirkus mit ganz besonderem Programm: Artisten und Tiere aus dem tiefsten Afrika. Da gab es die gläserne Frau, Löwen, auf deren Rücken Affen ritten und drei dicke Schlangen, die zu feiner Flötenmusik in der Mitte der Manege tanzten. Andere Artisten vollführten einen afrikanischen Tanz mit viel Akrobatik.

Der Zauberer Marimba

Dann kam der Zauberer Marimba. Der hatte ein langes, erdfarbenes Gewand mit blaugelben Sternen darauf an; und er trug einen spitzen, roten Turban auf dem Kopf. Marimba schritt majestätisch in die Manege, breitete die Arme aus, hob das Gesicht Richtung Zirkuskuppel – die Leute auf den Zuschauerrängen, die eben noch Beifall geklatscht hatten, verstummten. Der Zauberer drehte sich mit ausgestreckten Armen langsam im Kreis, dann immer schneller – plötzlich blieb er stehen und er zeigte mit beiden Händen auf Knut.

»Du!«, sagt er, »komm!« Ehe Knut noch verstand, was der Zauberer von ihm wollte, war eine der Assistentinnen des Zauberers zu Knut geeilt und legte ihm lächelnd die Hand auf die Schulter: »Junger Herr, bitte kommen mit, Meister Marimba brauchen deine Hilfe.« Knut stand auf und folgte der Assistentin in die Manege. Es war ihm peinlich, dass ihn alle Zirkusbesucher anstarrten. Am liebsten wäre er sitzen geblieben – aber etwas war stärker als er und zog ihn fort.

Knut ist auserwählt

Dann stand der rothaarige Junge vor dem Zauberer. Der hatte wieder die Arme ausgebreitet und sprach. Knut hörte ihn sagen, dass er auserwählt sei, einen atemberaubenden Zaubertrick zu erleben – und natürlich die Zuschauer im Zirkus. Er, der große Zauberer Marimba, werde Knut in eine Taube verwandeln und wieder zurück. Da geschah etwas Seltsames: Während der große Marimba zu den Leuten sprach, vernahm Knut plötzlich eine leise, zischelnde Stimme, die höhnisch zu ihm sprach: »So, mein Lieber, jetzt hab’ ich dich! Ich werde dich nicht in einen Menschen zurückverwandeln, du bleibst eine Taube. Und dann hole ich mir das alte Zauberbuch, das dein Onkel unserem Volk gestohlen hat. Wenn du in eine Taube verwandelt bist, kann ich es ganz einfach hierher in den Zirkus zaubern. Hahaha!«

Der Zauberspruch

Knut schaute sich um – niemand außer ihm schien die Stimme gehört zu haben. Der Zauberer lächelte bösartig. Knut dachte angestrengt nach, wie er aus dieser Zwickmühle wieder he- rauskommen konnte. Plötzlich fiel ihm ein Zauberspruch ein, den er in seinem Zauberbuch gelesen hatte: »Owimbi, galama pim!« Knut wusste nicht, wofür der Spruch gut war oder warum er ihm gerade jetzt einfiel – aber in seiner Not murmelte er ihn. Und dann geschah es: Der Zauberer Marimba erstarrte, der Zirkus bebte und wackelte, die Leute schrien. Dann gab es einen Blitz, einen Donner – und alle Artisten waren in Tiere verwandelt. Dafür waren die Tiere plötzlich Menschen, afrikanische Menschen. Die bedankten sich überschwänglich bei Knut, weil er den Bann des bösen Zauberers Marimba über ihr Volk gebrochen hatte. Marimba hatte ihren König getötet und sie alle in Tiere verwandelt, die für ihn im Zirkus schuften mussten. Alle feierten ein Fest im Zirkus. Die neuen Artisten, die Besucher und natürlich Knut. Am Ende des Festes wählten die Artisten Knut zu ihrem neuen König – und der rothaarige Junge ging mit ihnen nach Afrika.

www.pixabay.com/Lumpi

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Mit Hexen ist nicht zu spaßen. Vor allem, wenn sie von Ehrbarkeit durchdrungen sind. In deren Gegenwart sollte man sich auf jeden Fall benehmen.

In der kleinen Stadt lebten zwei Maler. Der eine malte den Leuten nach dem Geschmack – und hatte Erfolg, obwohl er kein großer Künstler war. Der andere war ein Genie, der sich nicht um den Geschmack des Publikums scherte. Er hatte lange Zeit gar keinen Erfolg und lebte von Tagelöhnerdiensten.

Doch das änderte sich unvermittelt, als sich der neue, kunstsinnige Direktor der Bank, Basilius Nothelfer, dem verkannten Genie ein Bild abkaufte und es in seiner Bank aufhängte. Es war das Porträt von Frau Nothelfer. Der Künstler hatte es sehr modern gestaltet, es erinnert nur entfernt an die Frau des Bankdirektors. Das Bild zeigte arg verrutschte Gesichtszüge und eigenartige Farben – aber vielleicht hatte Herr Nothelfer gerade deshalb das Bild gekauft und in seiner Bank aufgehängt.

Riesenkrach mit Frau Bankdirektor

Er bekam deswegen einen Riesenkrach mit seiner Frau, die sagte, sie sehe aus wie eine explodierende Pfeffermühle, gefüllt mit rotem, grünem und gelbem Paprika. Das aber störte den Bankdirektor nicht weiter – so sehr seine Frau auch sonst die Hosen an hatte, bei Kunst blieb er stur und ließ das Bild hängen.

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Der andere Maler, der immer nach dem Geschmack des Publikums malte, war wütend, weil der Bankdirektor seine Bilder verschmäht hatte. Er hatte noch nie in der Bank ausgestellt – überall sonst, aber noch nie in der Bank. Direktor Nothelfer hielt viel auf seinen Kunstgeschmack.

Angriff des Malers

Der verschmähte Maler sammelte eines Tages seine Freunde um sich. Voller Hass standen sie vor dem Bild des anderen Malers. Dann lachten sie schrill. Der Kundenberater kam und fragte, ob er ihnen helfen könnte. Sie lachten nur noch schriller, hielten sich die Bäuche und zeigten mit den Fingern auf das Bild. Der Bankdirektor kam und auch dann lachten sie noch.

Einige Minuten ging das so, die Kunden der Bank waren irritiert. Dann kam die Polizei und bereitete dem Spuk ein Ende. Nun hatte der Maler, der dem Publikum nach dem Geschmack malte, auch sonst ziemlich Pech mit der Aktion: In der Bank war nämlich gerade, als er mit seinen Freunden das Bild seines Konkurrenten verlachte, die Hexe Tintenfleck. Die fand das Bild der Frau Bankdirektor zwar auch eher scheußlich als schön, aber die Lachaktion des Malers und seiner Freunde ging ihr vollkommen gegen den Strich.

Gerechte Hexe

Sie war eine gerecht denkende Hexe. So etwas tat man nicht – und schon gar nicht einem Kollegen gegenüber. Wo kam man denn hin, wenn man sich so aufführte, nur weil man mal nicht zum Zug gekommen war? So etwas war geschmacklos. Also ging die Hexe Tintenfleck ins Haus des verschmähten Malers, als er noch bei der Polizei war und verhexte die Leinwand, auf die er gerade malte. Es war das Porträt des Schuldirektors Rotmoser. Der war ein bedächtiger, ruhiger Zeitgenosse.

Aber als der Maler am anderen Tag das Bild fertig gemalt hatte, war es mit der Ruhe und der Bedächtigkeit des Rektors vorbei: Mit einem Mark erschütternden Schrei sprang das Bild aus der Leinwand heraus und stürzte sich auf den Maler. Der konnte gerade noch die Beine unter die Arme nehmen und Fersengeld geben. Doch der gemalte Schulrektor rannte mit einer affenartigen Geschwindigkeit hinter dem Maler her. Und brüllte dabei wie ein Urwaldaffe. Dem Maler fielen auf seinem Weg weg von seinem Plagegeist sämtliche Pinsel aus der Hand.

Seltsame Jagd

Die Leute in der kleinen Stadt drehten ihre Köpfe und schauten der seltsamen Jagd nach. Schon erstaunlich, wie sich der Rektor plötzlich benahm; er war nicht mehr wieder zu erkennen. Das ging so lange, bis die wilde Jagd an einer Schulklasse vorbeikam, die Wandertag hatte – es war ausgerechnet die Klasse von Schuldirektor Rotmoser. Der machte ein entsetzlich dämliches Gesicht, als er sein Abbild an sich vorbeijagen sah.

Der Maler keuchte ihm zu: »Kein Problem, kein Problem, das Bild kommt später!« Seitdem hieß Rektor Rotmoser bei seinen Schülern nur »Kein Problem, kein Problem!« Ein paar Meter weiter bog der Maler rechts in eine Gasse und das Bild links – warum auch immer. Damit war der Spuk vorbei. Am nächsten Tag hatte der Maler einen Brief von der Hexe Tintenfleck im Briefkasten. Darin schrieb sie, das Bild könnte aus dem Rahmen gesprungen sein, weil er das Bild seines Kollegen verlacht hatte. So könnte es gewesen sein, vermutete die Hexe in ihrem Brief. Das sollte er nicht mehr tun. Der Maler war nicht dumm – er tat, was die gute Hexe ihm empfahl. Denn damit fährt man immer besser.

Mehr spinnerte Geschichten …

Richter auf Zeitreise

Bild: pixabay.com/Gerd Altmann

Ein Richter auf Zeitreise? Das soll es geben. Zuerst nicht ganz freiwillig, doch dann umso lustvoller. Wir verraten, wie so etwas möglich ist.

In der kleinen Stadt lebte ein ehrbarer Richter mit Namen Hubert Stöcklbaur. Der bekam in seinen letzten Tagen als alter Amtsrichter einen seltsamen Fall vorgelegt: Er sollte entscheiden, ob die Witwe Hermine Halbmond eine Hexe sei oder nicht. »Das ist mir völlig wurscht!«, bellte der alte Amtsrichter, als Staatsanwalt Antonius Schnapphahn ihm die Anklage vorlegte.

»Die alte Halbmond kann zaubern und hexen wie sie will. Das ist doch kein Verbrechen! Aus diesen Zeiten sind wir raus.« Richter Stöcklbaur hatte den Staatsanwalt noch nie so recht gemocht – der stammte aus einer alten, rechthaberischen Familie, die sich für etwas Besseres hielt und am liebsten alle und jeden eingesperrt hätte – einfach, weil niemand so ehrwürdig war wie die Familie Schnapphahn, fand der Staatsanwalt. Und weil das nicht ging, hatte sich Antonius Schnapphahn immer in abenteuerlichen Anklagen verstiegen – die Richter Stöcklbaur meist niedergeschlagen hatte.

Bigotter Kreuzzug

In letzter Zeit aber war der Staatsanwalt auch noch bigott geworden und folgte dem neuen Pfarrer Bernd Blankensee und dessen Kreuzzug gegen die Feinde der Kirche. Blankensee und Schnapphahn hatten sich darauf versteift, dass es Hexerei gebe in der kleinen Stadt und dass die Witwe Halbmond dahinter stecke. »Das ist Unsinn, und Unsinn verhandle ich nicht!«, bellte Richter Stöcklbaur. »Aber wir haben Zeugenaussagen, dass die Witwe Halbmond im Laufe von sieben Jahren sieben ehrbare Männer und Frauen aus der Pfarrgemeinde verschleppt hat.«

»Verschleppt, soso. Das alte Mütterchen hat sieben gestandenen Manns- und Weibsbilder verschleppt. Womöglich noch auf ihrem Buckel, was!« »Nein, mit ihrer Zauberei«, antwortete der Staatsanwalt. »Sie hat ihre Opfer in der Zeit verschickt.« Der Richter hob die Augenbrauen. »In der Zeit? Was soll das? Das verstehe ich nicht.« Der Staatsanwalt reichte ihm ein altes Pergament: »Wir haben sogar das Rezept für den Zauber gefunden. Damit lässt sie die Leute in der Zeit verschwinden. Verschickt sie in die Vergangenheit. Dann sind sie hier weg und stören sie nicht mehr bei ihrem Treiben.«

Ehrbare Frauen und Männer verschleppt

»Warum sollten sie die ehrbaren Männer und Frauen stören?« »Weil sie der Hexe auf der Spur waren«, beharrte der Staatsanwalt. Der Richter nahm das alte Pergament und betrachtete es: »Da stehen ja nur Sachen drauf, die wir in jeder Apotheke bekommen können«, murmelte er. »Umso schlimmer«, antwortete der Staatsanwalt, »umso schlimmer.« Der Richter legte das Papier auf seinen Schreibtisch, blickte auf und sagte zu dem erstaunen Staatsanwalt: »Wissen Sie was, ich lasse die Anklage zu.«

Zwei Wochen später war es soweit. Die Verhandlung gegen die Witwe Hermine Halbmond vor dem Amtsgericht der kleinen Stadt begann. Der Staatsanwalt verlas die Anklageschrift, nach der Hermine Halbmond mit den Mitteln der Zauberei ehrbare Frauen und Männer verschleppt habe, der Verteidiger bezeichnete die Anklage als Unsinn und wies sie zurück, dann kamen die Zeugen und die Gegenzeugen – bis Richter Stöcklbaur die Angeklagte an seinen Tisch bat und ihr das Pergament zeigte, das er vom Staatsanwalt als Beweisstück bekom- men hatte.

»Gehört das Ihnen?« fragte der Richter die alte Dame. Sie nahm es in ihre zitternde Hand, hielt es sich unter die halb blinden Augen und nickte dann. »Gut, der Anklagevertreter behauptet, das sei das Zauberrezept, um in die Zeit zu reisen. Oder, wie in Ihrem Fall, die Opfer in die Zeit reisen zu lassen. Stimmt das?« Die alte Frau sah ihn mit ihren hellen, blauen Augen an und lächelte hintersinnig: »Ganz, wie man es haben will.«

Ein Richter auf Zeitreise

Der Richter schaute einen Moment leicht irritiert, dann zog er ein Fläschchen aus der Tasche und sagte: »Ich habe einen befreundeten Apotheker gebeten, mir nach diesem Rezept ei- nen Trank zu mischen. Ich werde ihn jetzt zu mir nehmen – und dann werden wir sehen, ob es ein Zaubertrank ist.« Die Leute im Gerichtssaal murmelten entsetzt. Der Richter goss sich ein wenig auf einen Löffel, der Saal raunte, als er das Mittel schluckte.

Es geschah nichts. Der Richter lächelte, die Witwe lächelte. Dann legte sie ihm die Hand auf den Arm und sagte: »Da fehlt noch was: Hempelwisch und hempelwasch!« Und nach diesem Zauberspruch waren die Witwe und der Richter verschwunden. Sie lebten als blutjunges Paar verliebt und glücklich in der Zukunft.

Pfarrer Husslein

Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

Pfarrer Husslein besiegt den Teufel und seinen Hass – mit einem erstaunlichen Mittel.

Eines Tages kam der Teufel in die kleine Stadt. Das merkte Pfarrer Husslein sofort. Er spürte plötzlich einen kalten Hauch durch die Hauptstraße wehen, obwohl doch Sommer war. Er drehte sich um und sah einen feinen Herren auf sich zukommen, artig den Hut ziehen und an ihm vorbeigehen. Und mit dem feinen Herren zog der kalte Hauch an Pfarrer Husslein vorbei. Am anderen Tag, einem Sonntag, war es auch ungemütlich kalt – der feine Herr saß in der ersten Bankreihe und hörte hintersinnig lächelnd Pfarrer Husslein zu, der auf der Kanzel stand und predigte.

Die Moral geriet aus den Fugen

Pfarrer Husslein dachte nach: Für ihn stand außer Frage, dass der Teufel in die kleine Stadt gekommen war, nur beweisen konnte er es nicht. Allmählich aber geriet die Moral der Leute in der kleinen Stadt aus den Fugen: Die Bäcker nahmen für ihre Brote und Brötchen immer weniger Mehl und immer schlechtere Zutaten – aber sie verlangten jetzt mehr Geld für ihre Waren.

Die Metzger nahmen immer sehnigeres Fleisch und viel schlechtes Fett für ihre dünnen Würste. Die Krämer und Apotheker schummelten beim Abwiegen und manche benutzten sogar falsche Gewichte, die Schneider und Schuster stellten nur noch teuren Pfusch her.

Jeder betrog jeden

Und die Ärzte kassierten erst, ehe sie ihre Patienten behandelten. Jeder dachte nur noch daran, wie er ohne Mühen, aber mit viel List und Tücke, sehr schnell sehr reich werden konnte. Jeder in der kleinen Stadt betrog jeden, so gut er es vermochte.

Und inmitten des Lugs und Trugs ging der fremde, feine Herr herum und lächelte hintersinnig. Pfarrer Husslein ärgerte sich, dass er den Fremden nicht auf frischer Tat ertappen konnte – der lief nur lächelnd durch die kleine Stadt. Und mit ihm zog eine Welle der Kälte. Die Schäflein des Pfarrers gingen sehr wohl noch in die Kirche und beichteten ihre Sünden, aber sie versuchten sich zu rechtfertigen und sagten, ihr Nach- bar betrüge sie auch, sie würden sich nur wehren.

Der Teufel kam zu Pfarrer Husslein

Selbst der feine Herr kam eines heißen Sommertages zur Beichte. Pfarrer Husslein erschrak sehr, als er ihn sah. Wie sollte das gehen, dem Teufel die Beichte abzunehmen? Aber der Pfarrer nahm sich ein Herz und bat den Fremden in seinen Beichtstuhl. Der Fremde beichtete seine Sünde – es war nur eine: Wo immer er hinkam, sagte er, würden die Menschen plötzlich böse. Einfach so, ohne sein Zutun. Und er wisse nicht, warum das so sei.

»Manche halten mich sogar für den Teufel«, sagte der Fremde, und an seiner Stimme hörte Pfarrer Husslein, dass er fies grinste. »Und was können wir dagegen tun?«, fragte der Gottesmann atemlos. »Vielleicht fehlt mir einfach jemand, der mich versteht. Der genau weiß, wer ich bin, und der trotzdem meinen Weg mit mir geht.« Diesmal grinste der Fremde nicht.

Pfarrer Husslein gab dem Teufel die Absolution

Kurz darauf gab der Priester dem Teufel die Absolution, der Fremde ging aus der Kirche heraus, ein eiskalter Hauch folgte ihm. Den ganzen Tag ging der eine Satz des Fremden Pfarrer Husslein nicht aus dem Kopf – man müsste tatsächlich den Weg mit ihm gehen, dachte er.

Da kam ihm eine Idee. Am nächsten Tag folgte er dem Fremden, immer in dichtem Abstand und hartnäckig. Nach einer Weile drehte sich der feine Herr um – er lächelte und ging ungerührt weiter. So schritten die beiden durch die Stadt, der Fremde und Pfarrer Husslein. Den ganzen Tag taten sie das und noch fünf weitere Tage. Der Gottesmann folgte beharrlich dem Weg des Fremden. Die Wirkung war ermutigend: Allmählich hörten die Leute in der kleinen Stadt damit auf, ihre Nachbarn zu betrügen und ihre Kunden übers Ohr zu hauen.

Die Krämer benutzten wieder die richtigen Gewichte und wogen korrekt ab, die Apotheker schummelten nicht mehr und mischten wieder gute Zutaten in ihre Pülverchen und Mixturen, die Metzger nahmen wieder das gute Fleisch und ließen das schlechte Fett weg – und das Sägemehl. Auch die Bäcker waren wieder ordentliche Leute. Selbst die kalte Welle, die von dem Fremden ausging, erschien Pfarrer Husslein immer wärmer zu werden.

Der Fremde lächelte

So war am Ende des sechsten Tages fast alles wieder so wie früher. Die Nacht brach herein, die Sonne versank hinter den Baumwipfeln jenseits der Stadt, und Pfarrer Husslein sah, dass sie mittlerweile am äußeren Stadttor angelangt waren. Der Fremde stand in einem roten Sonnenstrahl, blickte sich um und sah den Pfarrer an. Er lächelte wieder einmal hintergründig. Dann verbeugte er sich leicht – halb dankbar, halb anerkennend. Und ging durch das Stadttor hinaus. Er verließ die Stadt und kam nie wieder zurück. Pfarrer Husslein hatte den Fremden besiegt, den er vom ersten Tag an für den Teufel gehalten hatte. Aber er fühlte sich nicht als Sieger – er hatte nur das getan, was der Teufel ihm geraten hatte. Das fand Pfarrer Husslein nicht weiter schlimm, schließlich ist der Teufel auch nur ein gefallener Engel.
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Schatz

Bild: pixabay.com/Rondell Melling

Heute lernen wir Susanne kennen, die einen großen Schatz hat … doch der ist nicht von dieser Welt.

In der kleinen Stadt lebte eine junge Frau, die hieß Susanne. Ihre Eltern hatten sich in mühevoller Arbeit eine Wäscherei aufgebaut und dafür Tag und Nacht geschuftet. Susanne half ihnen gerne – für sie waren Geschäft und Eltern ihr einziger Schatz.

Dann machten die Eltern, nach vielen Jahren, ihren ersten Urlaub und fuhren mit der Eisenbahn. Das war die große Mode, weil es sie erst seit wenigen Jahren gab. Und obwohl die Eisenbahnen damals nur sehr langsam fuhren, verunglückte der Zug, in dem Susannes Eltern saßen – und die Eltern starben.

Reiches Mädchen

So erbte also Susanne die Wäscherei ihrer Eltern und arbeitete auch Tag und Nacht. Bis sie eines Tages den jungen Ritter Ferdinand von Harprecht traf, der vor Kurzem in die kleine Stadt gekommen war. Der Ritter sah schneidig aus in seiner schicken blauen Uniform und dem weißen Pferd, auf dem er saß. Doch Ritter Ferdinand von Harprecht hieß eigentlich Thomas Müller und war ein Hallodri und hatte nicht einen Knopf am Rock, der ihm gehörte – auch das Pferd war geliehen. Aber das ahnte Susanne nicht.

Und wenn Ferdinand von seinen vielen weißen Pferden erzählte, die angeblich in seinem prächtigen Schloss nicht weit von der kleinen Stadt standen, dann hörte er sich wirklich nach einer guten Partie für ein fleißiges, etwas spätes Mädchen an, wie Susanne eines war. Der Ritter Ferdinand von Harprecht versprach, Susanne zu heiraten, und Susanne war glücklich. Sie war die glücklichste Frau in der ganzen Stadt – denn niemand ging mit so einem schicken jungen Mann in Uniform. Und niemand ihrer Freundinnen würde einmal in einem schönen Schloss wohnen – nur sie. Und nur sie würde eines Tages auf schönen, weißen Pferden ausreiten.

Ein Ritter in Schwierigkeiten

Allerdings gab es bis dorthin ein paar Schwierigkeiten, wie ihr der Ritter Ferdinand von Harprecht sehr bald eröffnete – er war leider ein wenig klamm. Das Geld, sie verstehe. Es lag dummerweise bei einem unfähigen Verwalter fest – ob sie ihm nicht ein wenig und kurzfristig aushelfen könne. Das tat Susanne gerne – die Wäscherei warf genug ab, und in ihre strahlende Zukunft investierte die junge Frau mit vollen Händen. Zusammen mit seinem Vater, einem Abenteurer, war ihr Ferdinand, der Thomas Müller, um die halbe Welt gezogen und hatte wirklich viel erlebt. Wenn nur das Geld nicht wäre, das ihnen stets entscheidend fehlte.

Und so war das weiße Schlösschen in der besten Wohnlage mit dem geräumigen Park und den vielen weißen Pferden nur ein Hirngespinst – das alles gab es nicht. Die verliebte Susanne aber gab ihm gerne ihr Geld. Und der noble Ritter war sich nicht zu fein, reichlich von der jungen Frau zu nehmen. Erst gab sie es ihm in kleinen Umschlägen direkt in die Hand, ergänzt um einen Liebesbrief, später sagte Ferdinand, sie könnten sich eine Zeit lang nicht miteinander sehen lassen – der Standesunterschied, sie verstehe doch. Die Leute munkelten schon …

Susannes Schatz

Daraufhin versteckte Susanne das Geld im Wald – für ihren Schatz, den Ferdinand, sie legte es an einer verabredeten Stelle unter einem Stein. Bis eines Tages ihr Geld doch verbraucht war – und die Bank ihre verschuldete Wäscherei verkaufte. Am nächsten Tag war der Ferdinand weg. Susanne blieb nichts mehr als ein alter Kanten Brot. Sie packte ihn ein und ging in den Wald – an die Stelle, an die sie immer das Geld gelegt hatte. Dort setzte sie sich traurig auf den Stein und dachte darüber nach, wie dumm sie gewesen war.

Da kam eine alte Frau vorbei und lächelte sie an. Dann sah sie sehnsüchtig auf den Kanten Brot, den Susanne in Händen hielt. Susanne brach ihn in der Mitte entzwei und gab der Alten die eine Hälfte. Das Mütterlein dankte und aß das trockene Brot mit Heißhunger. Danach stand sie auf und schenkte Susanne zum Dank drei weiße Kieselsteine. Die junge Frau freute sich sehr über das einfache Geschenk. Auch, wenn es nichts wert war, wie sie dachte. Doch wie staunte sie, als sie in die Stadt zurückkam: Da waren die drei großen Steine aus purem Gold. Damit konnte sich Susanne ihre Wäscherei zurückkaufen und sie richtig ausbauen. Sie blieb fleißig und lebte glücklich und zufrieden in der kleinen Stadt. Nur junge Männer in blauen Uniformen auf weißen Pferden ließ sie von nun an links liegen.
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