Osswalds Kosmos: Rauchen – Satire

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Bild: pixabay.com/bykst

Rauchen macht doof? Vielleicht. Die Osswald erleben aber mit Rauchern ihr blaues Wunder.

Sie hatten beide Väter gehabt, die rauchten. Nicht schön. Osswalds Eltern rauchten, wo sie gingen und standen. Im Wohnzimmer, am Esszimmertisch beim Kartenspielen mit den Kindern, im Auto auf der langen Fahrt zur Oma – auch mit den Kindern. Kein Wunder, dass Oswald und seine Schwester reichlich verblödet sind, wie Frau Osswald findet – denn Rauchen macht die Birne weich, Madame. Osswald ließ bei solchen Gelegenheiten unerwähnt, dass auch der Vater seiner Gattin rauchte wie ein Schlot. Um schließlich an einem tödlichen Lungenkarzinom zu verscheiden.

Er, Osswald, baute dann noch eine bedeutungslose Episode von 21 Jahren als hingebungsvoller Vielraucher ein, eher er trocken wurde. Sein Rauchen endete ein Jahr vor ihrer Hochzeit, also gerade rechtzeitig.

Abscheu gegen Raucher

Jetzt verbindet die Osswalds eine heftige Abscheu gegen alle Raucher; zumindest gegen ihre so unnötige wie übelriechende Angewohnheit.

Und dann das. Die beiden missratenen Müller-Söhne zwei Stockwerke über ihnen. Der eine schielt vor Blödheit (weil er zu seiner einfach strukturierten Natur, wie Frau Osswald findet, auch noch raucht), sein Bruder hat aus dem gleichen Grund ein paar Muskeln zu viel ausgebildet. Auch er – ein Raucher.

Kippen, Kippen, Kippen

Auf dem Gehweg: Kippen. Im Flur: Kippen. Im Keller: Kippen. Und leere Wodkaflaschen. Die beiden missratenen Söhne erzählen ihren Eltern, die Russen aus dem vierten Stock hinterließen diese Spuren. Ansonsten gehen die Söhne keiner geregelten Arbeit nach und liegen den armen Eltern auf der Tasche. Mutter Müller geht putzen, Vater Müller fährt abends, nach seinem Fabrikjob, noch Taxi. Nicht schön.

Erst schließen die Eltern Wodka und Zigaretten in ihren Einbauschrank im Flur ein. Aber der schielende junge Mann leiht sich – ganz höflich – von Osswalds den Schlüssel seines Einbauschranks im Flur; bei der Wohnbau passt alles überall. Die Osswalds hören eine abenteuerliche Geschichte über ein Buch, das in dem Einbauschrank liegt und das er lesen will. Ein Buch.

Können die lesen?

„Ich glaube kaum, dass einer von denen lesen kann“, sagt Frau Osswald trocken. Zwei Minuten später ist der Schlüssel zurück, das selige Grinsen des jungen Lesers spricht Bände. So beseelt kann man wirklich nur von Literatur sein. Wenn auch ein Hauch Wodka im Hausflur wabert.

Es dauert noch eine halbe Stunde, ein Buch will genossen sein, die Osswalds frönen ihrer Kaffeestunde auf dem Wohnzimmersofa, da beginnt der wilde Wein neben ihrem großen Wohnzimmerfenster wild zu wackeln. Erst steigt das Muskelpaket über das Pflanzengitter an ihrem Fenster vorbei, stellt sich auf ihre Terrasse mit dem Rücken zu ihrem Fenster, holt eine Zigarettenschachtel aus der Hosentasche, zündet sich eine an und raucht hingebungsvoll. Dann sein dürrer, schielender Bruder.

„Äh“, sagt Osswald.
„Aber das ist doch!“, sagt Frau Osswald. „Osswald!“

Der Herr des Hauses (hüstel) steht auf und öffnet die Terrassentüre: „Guten Tag, die Herren. Fühlen Sie sich wohl auf unserer Terrasse?“

Mit qualmenden Zigaretten

Das Muskelpaket dreht sich halb um und verbeugt sich leicht: „Durchaus, durchaus. Und danke für die Gastfreundschaft. Herr Professor.“ Die beiden folgen ihren qualmenden Zigaretten ins Wohnzimmer. Dort verbeugt sich das Muskelpaket vor Frau Osswald im Sofa: „Wir haben von der Wohnbau den Auftrag, die Fluchtwege in diesem Haus zu testen.“

„Mit qualmenden Zigaretten. In unserer Wohnung!“

„Ja, gnä Frau, so realistisch wie möglich. Im Augenblick der Gefahr kann man sich nicht erst minutenlang damit beschäftigen, wohin man seine angerauchten Zigaretten legen soll. Die nimmt man einfach mit. Quasi, um sie zu retten.“

„Außerdem hat Böll auch geraucht“, sagt der Dürre.

„Böll?“, fragt Frau Osswald verblüfft.

„Ja, ein deutscher Schriftsteller.“ Der schielende Dürre wedelt stumm mit einem Taschenbuch vor ihren Augen herum.

„Ich weiß, wer Böll war. Dass Sie ihn aber kennen …“ Frau Osswald ist bedient. Sie sitzt im Sofa und schielt empört. Osswald selbst bleibt nur noch, den beiden Fassadenkletterern durchs Wohnzimmer in den Flur zu folgen. Verbunden mit der dringlichen Bitte, künftig solche Kletterpartien an ihrer Hauswand zu unterlassen.

Da dreht sich das Muskelpaket um: „Alles klar, wir verständigen die Wohnbau, dass Sie keine Notfallübungen an Ihrer Wohnung mehr wünschen.“ Und der Dürre, Schielende, sagt: „Ach, übrigens, Professor, meinen Sie, man kommt Böll mit der hermeneutischen Methode ausreichend bei? Um ihn zu analysieren?“

Kommst du, Doktor Müller?

„Äh, Ka, Ka, Ka?“

„Nein, nicht Katharina Blum. Dr. Murkes gesammeltes Schweigen.“ Der Schielende wedelt mit einem Taschenbuch vor Osswalds Augen.

„Äh, na … na … natürlich, äh.“

„Das beruhigt mich, Professor. Dann können wir jetzt weiterarbeiten, nachdem wir unseren Test für die Wohnbau erledigt haben.“

„Kommst du, Doktor Müller?“ fragt ihn sein Muskelbruder von der Wohnungstüre her.

„Ja, ja“, sagt der Schielende und gleitet ins Treppenhaus.

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Osswalds Kosmos: in Kuba – Satire

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Bild: pixabay.com/jorgejimenez

Zugegeben, es heißt auf Kuba; nicht in Kuba. Der gebildete Leser mag also einem Achtjährigen verzeihen, wenn er noch nicht alles weiß. Wir sind ja heutzutage schon froh, wenn unsere Achtjährigen Kuba nicht nur von Cuba Libre her kennen.

Folgender Dialog entspann sich also kurz vor Weihnachten im Hause Osswald.

Distel, der jüngere der Osswald-Söhne, erzählt unvermittelt nach dem Mittagessen, dass Frau Müller geschrieben hat. Frau Müller ist seine ehemalige Lehrerin in der Grundschule, die sich zu dieser Zeit auf Weltreise befindet. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Frau Müller und ihre Reise lösen in der Familie Oswald verschiedene gedankliche Verspannungen aus. Frau Oswald beschwert sich lang und breit darüber, wieso sie eigentlich so dämlich gewesen ist, nicht in den Schuldienst zu gehen. Dann könnte sie auch ein Sabbatjahr nehmen und reisen – ganz weit weg von ihren eigentümlichen drei Männern. Osswald denkt an Frau Müller an sich – hach, einfach süß. Und jetzt isse weg. Unnahbar auf Kuba.

Von dort hat sie jedenfalls geschrieben, wie Distel beiläufig beim Abräumen des Tisches erwähnt.

Hat Frau Müller geschrieben?

Frau Osswald: Frau Müller hat geschrieben?

Distel: Ja, aus Kuba.

Frau Osswald: Davon weiß ich ja gar nichts.

Osswald: Du musst ja nicht alles wissen.

Frau Osswald: Ich denke doch, dass ich alles wissen wollte, was meine Söhne betrifft.

Fritzmann: Gar net!

Frau Osswald ignoriert die Rebellion ihres Zwölfjährigen und wendet sich an Distel:

Also, Frau Müller hat geschrieben?

Distel: Ja, aus Kuba.

Teure Weihnachtsbäume

Frau Osswald: Ist das da, wo die Weihnachtsbäume so teuer sind?

Distel: Nein, das war in Brasilien.

Aha, sagt Osswald erstaunt darüber, was Distel alles weiß.

Frau Osswald: Ach richtig!

Fritzmann wird laut: Dsch, dsch, dsch. Dazu trommelt er mit den Händen auf der verdreckten Tischplatte herum. Mit dem Mund macht er Geräusche wie ein Schlagzeug; oder ein Maschinengewehr, so genau ist das nicht zu unterscheiden.

Frau Osswald: Fritzmann, bitte!

Fritzmann steht auf.

Frau Osswald: Was ist los?

Steh-auf-Männchen

Fritzmann: Ich will aufstehen.

Frau Osswald: Aber du stehst doch schon.

Fritzmann: Ich bin fertig.

Frau Osswald: Setz dich!

Fritzmann setzt sich, klöppelt lauter auf der Tischplatte herum.

Osswald: Hier geht es zu!

Frau Osswald zu Distel: So, Frau Müller hat geschrieben.

Distel: Ja, aus Kuba.

Frau Osswald: An euch?

Distel: Was?

Wie heißt das? He?

Osswald: Das heißt bitte.

Distel: He?

Frau Osswald: Ich meine, hat sie euch in die Schule einen Brief geschrieben?

Fritzmann steht auf.

Frau Osswald: Fritzmann, setz dich!

Fritzmann: Ich muss aufs Klo!

Frau Osswald atmet tief ein. Dann schweigt sie doch. Fritzmann ist aus dem Esszimmer entkommen.

Frau Osswald zu Distel: Habt ihr jetzt einen Brief von Frau Müller bekommen oder die Schule. Oder nicht?

Distel guckt.

Wer hat den Brief wohin geschrieben?

Frau Osswald: Hat jemand, äh eure Lehrerin, euch den Brief von Frau Müller vorgelesen?

Distel guckt.

Frau Osswald, etwas lauter: Ob euch Frau Schnapsgurke-Honigpferd den Brief vorgelesen hat?

Distel: Frau Schnapsgurke-Honigpferd ist in Kur.

Frau Osswald grummelt: Aha. So gut möchte ich es auch mal haben. Mit 27 Jahren in Kur zu gehen.

Distel: Aber du bist doch schon alt. Du bist keine 27 Jahre.

Frau Osswald: Papperlapapp, alt.

Osswald gluckst leise in sich hinein, gestreift von einem sengenden Blick seiner Gattin.

Frau Osswalds Augen wischen zurück zu Distel. Langsam und feierlich sagt sie: Das weiß ich doch. Frau Schnapsgurke-Honigpferd ist in Kur. Das haben sie beim letzten Elternabend gesagt. Ich hatte nur nicht mehr daran gedacht. Dann hat also Frau Müller an die Klasse geschrieben, an eure neue Lehrerin, Frau, äh …

Distel: … Müller.

Oswald: Aha. Frau Müller schreibt an Frau Müller. Liebe Frau Müller, hier ist Frau Müller. Die von Kuba.

Frau Osswald: Ja. Und wieder schreibt Frau Müller an ihre Kollegin und nicht an ihre ehemaligen Schüler. Völlig incognito.

Distel: Nein, in Kuba.

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Osswalds Kosmos, Der Anzug – Satire

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Bild: pixabay.com/RyanMcGuire

Frau Osswald sucht lieber selbst den Anzug für ihren Mann aus – ehe der wieder wie ein Clown daherkommt. Nur diesmal geht es in die Hose …

Frau Osswald ist noch von der alten Schule – zumindest, was Benimm und Etikette betrifft. Sie liebt Männer mit Stil. Die sich zu benehmen wissen, wie der ollen Knigge das vorgeschrieben hat. Osswald wundert sich stets, dass sie ihn zum Mann nahm – wo er doch auf Etikette so wenig Wert legt. Nun ja, um Benehmen bemüht er sich, das gelingt ihm auch hin und wieder. Aber vom ollen Knigge ist er weit entfernt. Und Anzüge sind ihm ein Greuel. Doch genau ein Anzug muss es jetzt sein, Frau Osswald besteht darauf.

Wie ein Halbgehängter

„Du hast keine vernünftige Stoffhose. Und deine Jacketts sehen zum Heulen aus. Wenn du die anhast, läufst du rum wie ein Halbgehängter!“

Zum Glück also, dass Osswald für seinen Job als Freiberufler in den schluffigsten Klamotten rumlaufen kann, die er im Schrank hat; und davon gibt es viele. Immer noch besser jedenfalls als so ein Affenjob mit Anzugzwang, findet Osswald. Aber es gibt auch einige Anlässe, wo das mit dem Schlabberlook nicht sein darf – zumindest meint das Frau Osswald. Die Einladung nach Mannheim, in ein schickes Restaurant, ist so eine. Frau Osswald und ihre Freundin haben sie ausbaldowert, und anders als bei anderen Treffen, sind diesmal die Männer ausdrücklich willkommen. Die Freundin ist nicht nur die Freundin aus Schultagen, sie ist auch die Anwältin von Frau Osswald. Familienrecht, um genau zu sein. Osswald sitzt also der zukünftigen Scheidungsanwältin seiner Frau gegenüber. Wenn er Pech hat. Also muss er gut gekleidet sein und sich zusammenreißen …

Schick ausgehen

Bevor also das schicke Ausgehen angesagt war, musste es erst einmal einen neuen Anzug geben.

Und weil Osswald eh keinen Geschmack hat, besorgt ihm seine Frau Stoffhose und Jackett. Alles passt prima, Frau Osswald kennt die Ausdehnungen ihres Mannes. Anprobieren muss er trotzdem. Als Osswald das Jackett anzieht, knistert etwas in der Innentasche.

Osswald zieht das knisternde Ding heraus. Es ist ein Din-A-4-Blatt, zweimal in der Mitte gefaltet. Dazu eine leere Packung Vivil-Bonbons.
Osswald faltet den Zettel auseinander. Er zeigt eine schlechte, grisselige Fotokopie zweier halbnackter Frauen. So, wie die Frauen in seines Vaters Fotoalben ausgesehen hatten, zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts – ungekünstelt, rührend naiv und irgendwie antik.

Osswald fragt seine Frau: „Ist der Anzug neu?“

Zwei Mädel, nackig!

„Natürlich!“

Er zeigt seiner Frau die Aktfotografie: „Das war in der Innentasche des Jacketts. Es ist eine Botschaft. Von meinem Vater.“

„Ach Blödsinn! Das ist eine Sauerei.“

Frau Osswald bringt den Anzug zum Händler zurück und holt einen anderen. Der ist völlig langweilig, ohne geheime Botschaften aus dem Jenseits. Und er ist ein wenig überflüssig, zumindest zum Date in Mannheim. Die Scheidungsanwältin kommt nur leicht aufgemöbelt daher, der Mann der Scheidungsanwältin in Pollunder und verbeulter Jeans. Während Osswald aufpassen muss, dass er seinen neuen Anzug nicht bekleckert. Und den Schlips erst …

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Osswalds Kosmos: So schön bunt – Satire

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Bild: pixabay.com/DrSJS

Die Osswalds haben schwer zu tun. Das neue Haus will verputzt und gestrichen werden. Doch Farbe entwickelt manchmal ein Eigenleben.

Die Osswalds haben sich ein Haus gekauft. Naja, vielleicht war ja auch Frau Osswald die treibende Kraft. Ihrem Mann war dabei nie so ganz geheuer zumute. Gut, er sieht ein, die Kinder sollen Platz haben zur freien Entfaltung. Und Frau Osswald ihren Garten. Aber irgendwie fühlt sich Osswald zu keiner Zeit besonders grün mit dem Haus. Es ist immer bedrohlich, das steingewordene Mahnmal seiner möglichen Insolvenz. Aber das Haus wird gekauft, Osswald sitzt in der Falle. So fühlt er sich zumindest.

Die gemütliche Falle

Auch in einer Falle will man es gemütlich haben, soweit es geht. Und so verschönen die Osswalds ihren Rohbau. Die schweren Arbeiten übernimmt Osswald, denn er ist schließlich der Mann. Und am Schluss staunt er, dass er tatsächlich in allen Zimmern Laminat verlegt haben soll – obwohl er doch zwei linke Hände hat. Derweil hat Frau Osswald Wände und Decken übernommen. Und siehe da, die Tapeten kommen dreimal wieder herunter, so furchtbar sind Wände und Decken. Sagt Frau Osswald zu ihrem Missgeschick. Osswald genießt und schweigt.

Der große Moment – die Farbe im Flur

Dann kommt der große Moment, in dem Farbe in Flur soll. Richtiger Putz mit dauerhafter Farbe. Eine Farbe, die dezent und doch aussagekräftig ist. Eine Farbe, die natürlich Frau Osswald ausgesucht hat. Pfirsich-Mango. Osswald hatte sich im Baumarkt für die Regenbogenfarbe stark gemacht, aber nur abfälliges Gemurmel von seiner Holden geerbt. Das ist ihr dann doch zu psychedelisch. Sie hat sich die Unterstützung des Verkäufers im Baumarkt geholt, der einen Stegreifvortrag hielt über die wohltuende Wirkung gedeckter Farben, vor allem, wenn sie aus dem Tierreich, äh Pflanzenreich stammten. Die Farben natürlich.

Hier wird’s bunt!
Da ist sie wieder, Frau Osswalds unbegreifliche Wirkung auf Männer – sie erliegen reihenweise ihrem Liebreiz, ihrem Charme und ihrem messerscharfen Verstand. Im Handumdrehen werden fremde Männer glühende Anhänger von Frau Osswalds Thesen. Und Osswald steht wie ein Depp daneben. Noch dazu ein widerborstiger Depp, der seiner Frau, einer solchen Frau wohlgemerkt, zu widersprechen wagt.
Also bekommt sie ihren Willen und die gedeckten Farben. Und Osswald mitleidige Blicke.

Die Pracht eines Regenbogens

Nur bei den Kindern darf Farbe ins Spiel, sprich an die Wand. Das erreicht fast die Pracht eines Regenbogens. Die Osswalds haben den Flur in seine gedeckten Farben gehüllt, Pfirsich-Mango, was gar nicht so einfach war, denn das Haus ist auf einer Seite sehr viel höher als auf der anderen, und so reicht der Flur im Obergeschoss erstaunlich hoch, weit über die Treppe hinaus. Die letzten Ecken oben zu erreichen, das ist ein Balance-Akt auf einer sehr langen, sehr schräg stehenden Leiter.
Doch nun ist alles überstanden. Frau Oswald bringt den Eimer mit allen Regenbogenfarben in den Keller. Die letzte Treppe ist noch nicht fertig, auf ihr liegen rohe Bohlen, für die Treppenstufen eingekürzt. Bis jetzt haben sie gehalten, jetzt halten sie nicht. Die fünfte Bohle von oben bricht durch, Frau Osswald wird an die Wand geschleudert. Und der Eimer mit ihr.
Danach ist alles sehr schön bunt: Der in gedecktem Pfirsisch-Mango gehaltene Putz leuchtet in allen Farben des Regenbogens. Frau Osswald auch. Und der Bluterguss an Frau Osswalds linkem Bein leuchtet bald zusätzlich in allen Farben des Regenbogens.
„Es kann immer noch viel schlimmer kommen“, sagt Osswald voller Mitgefühl, „du hättest dir das Bein brechen können.“
Als Belohnung für sein Mitgefühl darf Osswald die Wand ganz alleine noch einmal verputzen.

Mehr Familiensatiren …

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Bild: pixabay.com/MrTommy (Tommy Takacs)

Osswald ist schnell verliebt. Das ist zwar alles nichts Ernstes, bringt ihm aber Abwechslung. Und so manche überraschende Erkenntnis.

„Können Sie mir sagen, wohin das Spielwarengeschäft hin ist, nachdem die SPD das Gebäude gekapert hat?“, fragt Osswald die Dame in der Touristinformation. Die lacht hell auf, Osswald gefallen ihre Grübchen und ihr spitzes Näschen. Er steht an der Schwelle des Verliebtseins. Doch die Antwort ist für den verliebten Gockel eine kalte Dusche. Die junge Dame belehrt ihn spitzmündig: „Die SPD ist erst eingezogen, nachdem das Spielwarengeschäft ausgezogen war.“ Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Die Dame scheint die SPD zu mögen – hier, im Hessischen, gehört die SPD zum guten Ton.

„Und wo ist das Spielwarengeschäft hingezogen? Ehe die SPD das Gebäude kaperte?“ Jetzt findet es die junge Dame nicht mehr witzig; und Osswald ihre Zickigkeit nicht mehr süß. Überhaupt ist die Nase viel zu klein und viel zu spitz. Und die Grübchen sind Krater.

„Hat sich eher verteilt. Ein Teil ist in der Buchhandlung Ebersoll bei der NKD. Da arbeitet auch Frau Honigbein, die vorher bei Spielwaren Schweppes beschäftigt war.“

Osswald bedankt sich und geht.

Für Sohn Distel ein Schwert

Nun ja, Spielwaren sind auch nicht schlecht, Sohn Distel wünscht sich schon länger ein Schwert. Aber natürlich nicht irgendeines, sondern eines aus Metall. Das aussieht, als sei es ein echtes Ritterschwert im Kleinen.

„Haben Sie ein Schwert?“, fragt er die weibliche Stimme, die ihn von rechts nach seinen Wünschen fragt. Als sich Osswald zu der Stimme umdreht, hat er welche. Wünsche nämlich. Und was für welche. Denn die weibliche Stimme kommt aus einem ausgesprochen niedlichen Gesicht, dessen Grübchen nicht solche Krater sind wie bei der Dame in der Touristinformation. Und darunter, unter dem Gesicht, trägt die junge Buchhändlerin einen appetitlichen Busen, für den die Bluse kaum reicht und deshalb in seiner ganzen Herrlichkeit zu bewundern ist..

„Ein Schwert?“, lacht die junge Frau glockenhell, „sollten nicht Sie ein Schwert haben?“

Für Osswald – auch ein Schwert? Nein – für Osswald die Liebe

Osswald ist sprachlos – wie meint sie das? Welches Schwert? Doch nicht etwa … Osswald schaut sich nach seinen Söhnen um, aber die sind beschäftigt. Die junge Frau lacht perlend: „Als weißer Ritter“ und zwinkert ihm zu. „Aber ich denke, ich habe etwas für Ihren Sohn. Wenn Sie bitte mitkommen wollen.“ Osswald bemüht sich darum, nicht einzuknicken, so weiche Knie hat er. Aber leider sind es nur Holzschwerter. Mit so etwas gibt sich Distel schon lange nicht mehr ab.

Also wendet sich Osswald den Büchern zu.
„Wollen Sie einen Cappuccino?“
„Ja äh ja“, haucht Osswald, verloren in den dunkelgrünen Augenseen der Buchhändlerin. Osswald hätte auch „ja“ gesagt, wenn sie ihm einen Schnuller angeboten hätte.

Ach ja, Kinderbücher

Um möglichst lange zu bleiben und nach dem Cappuccino nicht mit leeren Händen zu gehen, macht sich Osswald in der Kinderbuchabteilung breit. Und plötzlich ist die Magie wieder da. Sollte er nicht doch wieder Kinderbücher schreiben? Und nicht pornografische Vampirromane? Ja, er sollte. Und er will es wieder, mit aller Macht. Osswald kauft sich zwei Kinderbücher, bedankt sich bei der süßen Buchhändlerin (und heimlich bei ihren geheimnisvollen grünen Augen) und verlässt den Laden zusammen mit seinen Jungs. Er wird nicht mehr zurückkommen, seine Liebe zu der schönen Hessin wird verblassen. Und die Hessin auch. Die Liebe zu den Kinderbüchern aber bleibt.

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Osswalds Kosmos: Katzenklo

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Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

Was tun, wenn die Katze nach Kacke riecht? Reicht es da, das Katzenklo zu reinigen? Oder steckt doch wieder mal Osswald dahinter?

Satire

„Hier stinkt es nach Scheiße“, murrt Osswald, als er das Wohnzimmer betritt.
„Hast Du deine Zähne geputzt?“, grantelt Frau Osswald.
„So riecht es nicht“, antwortet Osswald gelassen, er kennt den Humor seiner Holden. „Es riecht eher wie Katzenkacke“, fährt er fort.
„Dann mach das Katzenklo sauber“, erteilt ihm seine Gattin einen Auftrag. Wortlos schnappt sich Osswald das Katzenklo im Flur, stapft damit vor die Haustüre, pickt fünf erstaunlich große Kackbollen der Katze mit der Katzenkloschaufel heraus und lässt sie in den geöffneten Mülleimer poltern. Katzenklo wieder in den Flur stellen und die Treppe ins obere Stockwerk hasten, das ist bei Osswald nahezu eine Bewegung. Na gut, zwei.

Untergang von Atlantis

Dann hockt er im Zimmer seines Sohnes Distel und spielt mit ihm und Atlas den Untergang von Atlantis mit Playmobil-Figuren nach. Aber noch ist Atlantis nicht versunken, da grollt ein Donnerhall die Treppe herauf: „Osswald! Das Katzenklo stinkt immer noch gottserbärmlich. Was hast du gemacht?“
„Die fünf Stücke Katzenkacke mit der Katzenkackschaufel in den Mülleimer befördert. Das habe ich gemacht! Wie befohlen!“, ruft Osswald zurück.
„Ich werde wahnsinnig“, stöhnt Frau Osswald, „von ausleeren und auswaschen hast du wohl noch nie etwas gehört, wie?“
Osswald: „Nee, das hast du mir nicht gesagt.“
Frau Osswald: „Das gibt es doch gar nicht! Mach das jetzt!“
Osswald: „Nö, Jetzt spiele ich mit den Kindern.“

Der Endlos-Krimi

Frau Osswald gibt gurgelnde Geräusche von sich und knallt die Wohnzimmertüre zu.
Kurz darauf liegt sie auf dem Sofa, strickt und hört laut ihren Hör-Krimi. Osswald, der ein schlechtes Gedächtnis hat, kann die Dialoge dennoch fast auswendig – so oft hat seine holde Gattin den Krimi schon gehört.
Die Katze hat sich zu ihren Füßen auf der Wolldecke zusammengerollt und schnurrt.
Und Osswald? Hat natürlich das Katzenklo gereinigt; in kleinen Dingen ist er groß.

Allerdings kann er sich eine kleine Rache nicht verkneifen. Er geht kurz darauf aufs untere Klo. Setzt sich aufs Klo und lässt die Klotüre zum Flur hin offen. Und die Wohnzimmertüre ebenso. Es riecht. Ziemlich.

Kurz darauf stöhnt Frau Osswald aus dem Wohnzimmer: „Osswald, es stinkt ja schon wieder gottserbärmlich nach Scheiße!“ Worauf er scheinheilig flötet: „Liebes, ich fürchte, die Katze hat was mit dem Darm… was hast du ihr denn gefüttert?“

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Weitere Satiren? Von Blechschmitt vielleicht? 

Genieße das Abenteuer Familie!

Blechschmitts Welt: Goethes Schatten – Satire

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Bild: pixabay.com/WikiImages

Blechschmitt bekommt hohen Besuch – der Geheimrat persönlich schaut vorbei. Allerdings heimlich, damit es keiner merkt …

Satire

An diesem Nachmittag sieht Blechschmitt den Geheimrat persönlich. Die Sonne stößt überraschend durch die dicken Wolkenhaufen und sticht, knapp über den Giebel des Finanzamtes hinweg, in ihr Wohnzimmer. Ihre Strahlen enden auf der weißen Wand.
Und auf der Wand ist er – Goethe. Zwischen den Schatten der Topfpflanzen. Er steht da, ein lebensgroßer Scherenschnitt an seiner Wand. Blechschmitt erschrickt und schaut zum Fenster hin, ob etwa die Pflanzen auf dem Fenstersims oder eine alte Lampe ihn mit ihrem verzerrten Schattenspiel narren. Sie narren ihn nicht. Blechschmitt findet sich damit ab: Goethe. Bei ihm. Zu Hause.
Er schaut den Schatten an, doch nichts geschieht. Als Blechschmitt sein Wasserglas hebt, nickt Goethe leicht.

Der Geheimrat findet es lustig

Mutig geworden, fragt Blechschmitt ihn: Kommen Sie wegen des Goethejahrs?
Ihm war, als schüttele der alte Geheimrat belustigt den Kopf.
Das finden Sie wohl lustig! setzte Blechschmitt nach.
Der Geheimrat nickt heftig.
Blechschmitt hat einen Gedanken: Sie finden wohl überhaupt jedes Jubiläum lustig?
Goethe nickt heftiger.
Wissen Sie, dass Sie seit ein paar Jahren ganz dicke im Geschäft sind? Ein Star. Goethe oben, Goethe unten, Goethe überall. Der offizielle Repräsentant unseres kulturellen Lebens – sind Sie, Herr Geheimrat.

Goethe wiehert

Goethe wiehert lautlos. Blechschmitt wundert sich sehr.
Wieso kommen Sie hier vorbei? Wieso ausgerechnet zu mir?
Goethe zieht die Schultern hoch.
Wissen Sie eigentlich, dass ich Heine als Lyriker höher einschätze als Sie?
Der Geheimrat hebt den Daumen seiner rechten Hand.
Und Büchner schrieb bessere Prosa.
Goethe nickt eifrig.
Nur reiten konnten Sie besser als beide zusammen.
Goethe lacht und wirft den Kopf in den Nacken. Dann verschwindet die Sonne hinter den Wolkenhaufen über dem Finanzamt, und Goethe ist weg. Und sein Schatten auch.

Jeremias Blaumilch

Mehr Blechschmitt… genieße das Abenteuer Familie!

 

 

 

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Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

Blechschmitt ist ein wenig schusselig. Aber dass er gleich den neuen Hundekäfig verschlampt – das geht nun wirklich zu weit!

Satire

So ein Montagfrüh im Büro hat es in sich – vor allem, wenn Blechschmitt auch noch den Freitag frei hatte. Eine Tonne Mails muss er drehen und wenden, ob da nicht noch etwas Wichtiges versteckt wäre, das die Kollegin nicht gesichtet hat. Und dann die restliche Woche planen.
Kaum sitzt Blechschmitt aber am Schreibtisch und hat die erste Fehlermeldung auf dem Schirm (weil sein Mailaccount völlig abgesoffen ist), klingelt das Telefon. „Wo hast du den Hundekäfig hingestellt?!“, fragt ihn die nachdrückliche Stimme seiner Gattin. Sie ruft offensichtlich von unterwegs aus an, der Empfang ist nicht so gut.
„Äh“, antwortet Blechschmitt und versucht verzweifelt, sich an den Hundekäfig zu erinnern. Ja, wo hatte er den nochmal hingestellt? Und wann.

Hundekäfig? Ich versteh immer Hundekäfig …

„Äh, was ist denn mit dem Hundekäfig?“, fragt er, um Zeit zu gewinnen.
„Der ist weg!“, knarzt seine Gattin ins Mobiltelefon.
„Wie? Weg?“ Blechschmitt ist verblüfft.
„Ich bin gerade mit dem Auto unterwegs, habe es abgestellt und hinter mich geguckt – und der Hundekäfig ist weg. Wo hast du ihn hin?“
„Äh“, sagt Blechschmitt, „du meinst den Käfig für den Hund?“
„Ja, Herrgott, was denn sonst soll ein Hundekäfig sein als ein Käfig für den Hund? Jetzt stell dich doch nicht so saublöd an! Wo ist er?“

Wo ist der Hundekäfig?

„Ich, äh, habe ihn am Samstag aus dem Auto genommen. Als ich einkaufen fuhr.“ An diesem Samstag war Blechschmitt alleine einkaufen gefahren, weil seine Gattin noch ein bisschen kranker war als er. Sagte sie zumindest.
„Ja, und, wo hast du ihn hingestellt?“
„In den Carport. Wie immer.“
„Da stand er aber nicht, als ich das Auto vorhin wegfuhr. Das heißt, ich weiß nicht, ob er da stand. Aber das Auto stand da, wie kann dann noch so ein großer Hundekäfig dahinter gestanden haben?“
„Das stimmt auffallend“, pflichtet Blechschmitt der glasklaren Logik seiner Gattin bei.
„Also, wo ist der Hundekäfig?“
„Äh, weiß ich nicht. Ich habe das Auto schon am Samstag wieder in den Carport gefahren. Nicht wie sonst immer am Sonntag. Der Hundekäfig war also nur ganz kurz im Carport. Höchstens zwei Stunden. Da muss ihn also jemand am helllichten Tag aus dem Carport geklaut haben.“
„Na prima!“, stöhnt seine Gattin, „weiß du, was so ein Hundekäfig kostet?“
„Ja, 73,54 Euro mit Versand. Ich habe ihn schließlich bezahlt.“
„Also, du weißt es.“
„Ich weiß aber auch, dass ich den Wagen nur ganz kurz zum Einkaufen hatte. Und dass der Hundekäfig dann schon weg gewesen sein musste.“

Ohne Schramme

„Das mag ja sein. Aber wieso denkst du nicht daran, den Käfig nach dem Einkaufen wieder ins Auto zu packen? Und wieso merkst du nicht, dass du gar keinen Käfig im Auto hast, wenn du den Wagen in den Carport stellst?“
„Das sind gute Fragen, meine Liebe“, entgegnet Blechschmitt ruhig, „ich denke mal darüber nach.“
„Tu das. Und wenn ich nach Hause komme, schau ich mal. Vielleicht finde ich den Hundekäfig doch noch.“
Sie findet ihn, wie sie kurz darauf per Anruf übermittelt. Er steht im Carport. Sogar ohne Schramme.
„Ich möchte bloß mal wissen, wie du es geschafft hast, den Wagen einzuparken, obwohl der Käfig im Carport stand?“, wundert sich Frau Blechschmitt.
„Naja, der Parkpilot hat schon ziemlich früh gepfiffen. Und ich war erstaunt, wie weit der Wagen aus dem Carport ragt“, gibt Blechschmitt zu. Er macht sich gerne zum Deppen – solange der Hundekäfig wieder auftaucht …

Jeremias Blaumilch

Mehr Blechschmitt im ersten Buch …
Genieße das Abenteuer Familie!

Blechschmitts Welt: 2 nehmen, 1 zahlen

 

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Bild: pixabay.com/Pezibear

Bei den Blechschmitts hängt der Haussegen wieder gerade – doch ob die Lösung seiner Gattin für Blechschmitts Hosenproblem wirklich so salomonisch ist?

Satire

Frau Blechschmitt hat einen kleinen Zettel auf Blechschmitts Geldbeutel gelegt – den sieht er, als er am nächsten Morgen die Schublade öffnet und seinen Geldbeutel an sich nehmen will. Auf dem Zettel steht ein kleines, rosafarbenes Post-it: „Kauf dir doch mal zwei Hosen!“, empfiehlt seine Gattin. Blechschmitt freut sich; ganz offensichtlich sind die Gewitterwolken verzogen. Vor zwei Tagen hatten die Blechschmitts argen Krach bekommen – weil der Herr des Hauses der Herrin des Hauses sagte: „Wenn du demnächst wieder mal in der Waschküche vorbeikommst, wäre ich dir dankbar, du würdest mir mal ein paar Klamotten waschen. Mein Kleiderschrank ist fast leer. Ich laufe schon in meiner letzten Sommerhose herum, dabei haben wir 5 Grad Minus!“

Blechschmitts verdammter Macho-Spruch

Das hätte Blechschmitt nicht sagen sollen. „Was ist das denn für ein verdammter Macho-Spruch!“, bekommt er um die Ohren gehauen. Und selbst sein zarter Hinweis, dass sein holdes Weib nun mal für die Wäsche zuständig ist, er half nichts. Ja – und es war ihre eigene Arbeitsteilung. Wäsche macht sie – da darf Blechschmitt nicht ran. Sonst werden die weißen T-Shirt wieder pink und die gestärkten Hemden grau; so, wie alle Unterwäsche der Familie. Das nun doch nicht! Aber natürlich darf Blechschmitt seine Holde nicht auf ihre Pflichten ansprechen, wenn sie andere Verpflichtungen hat.

Zwei Hosen für eine

Aber nun, nach zwei Tagen, hat Frau Blechschmitt eine salomonische Lösung gefunden: „Kauf dir doch mal zwei Hosen!“ Das macht Blechschmitt gerne, auch, wenn er kein Geld hat, sondern nur Schulden. Vor allem, weil der Zettel, auf dem das Post-it seiner Holden klebt, von einem großen Warenhaus stammt. „2 nehmen, 1 zahlen“, steht da. Und „Gegen Abgabe dieses Bons erhalten Sie zwei Artikel nach Wahl zum Preis von einem (der günstigere ist umsonst).“
Das ist doch was – zwei Hosen für eine, denkt Blechschmitt. Der Text geht weiter: „Der Bon ist einlösbar ab 16:00 Uhr.“ Naja, das schafft er auch. Er liest den Zettel zu Ende: „Gültig vom 23.01. bis 30.03.2013 – in unserem Restaurant Café“.
Hm. Blechschmitt überlegt, ob er versuchen soll, jetzt zwei Hosen im Restaurant Café zu bestellen. Vielleicht lässt er sich auch die gesamten gekochten Spaghetti einpacken; dann kann seine Holde daraus zwei Hosen häkeln – in ihrer Freizeit, wenn sie sonst nichts zu tun hat…

Jeremias Blaumilch

 

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Blechschmitts Welt: tauber Hund

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Bild: pixabay.com/Unsplash

Gar nicht auszudenken wie es ist, mit einem tauben Hund durch die Gegend zu gehen.

Satire

Frau Blechschmitt kommt mit Hans Albers vom Tierarzt.
„Jetzt weiß ich, warum Hans Albers so hart hört. Er ist ein wenig harthörig.“
„Harthörig?“ wundert sich Blechschmitt.
„Ja, wir mussten ihn heute in Narkose legen, damit wir seine Ohren untersuchen konnten. Der hat vielleicht gejammert und geschrien, als die Tierärztin in sein Ohr geschaut hat.“
„Hat sie wenigstens etwas gefunden?“, fragt Blechschmitt, während er darüber nachdenkt, weshalb zum Kuckuck seine Gattin schon wieder mit dem Hund bei der Tierärztin war. Irgend etwas mit dem Ohr, vermutet er rasiermesserscharf. Er weiß schon wieder, dass die nächste Tierarztrechnung  astronomische Höhen erreichen wird, ehe sie bei ihnen im Briefkasten liegt.

Ohren zugewachsen. Ein tauber Hund

„Die Ohren sind vollkommen zugewachsen mit Haaren. Und Schmand. Und im linken Ohr fehlt ihm das Trommelfell.“
„Das Tromelfell!“
„Ja. Wahrscheinlich von Geburt an.“
„Na prima“, mault Blechschmitt, „da kauft man sich einen Rassehund, der seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen ist, fährt dazu in die Schweiz und blättert dafür 2000 Euro hin – und am Ende fehlt ihm ein Ohr.“
„Ein Trommelfell.“
„Genau. Naja, ist auch egal, mein Schätzchen bleibt Hans Albers in jedem Fall.“
„Das dachte ich mir, ist ja auch dein Lieblingshund. Ist aber nicht ganz egal. Weil wir ihn nicht mehr frei laufen lassen können, wenn er auch noch auf dem anderen Ohr das Trommelfell verliert.“
„Wer sagt denn so was?“
„Was?“
„Das mit dem anderen Trommelfell?“
„Kann sein, wenn es ein rassegenetischer Defekt ist. Oder wenn es von dem ganzen Kraut in den Ohren kommt.“
„Naja, dann musst du halt Taubstummensprache lernen. Und Hans Albers auch.“
Blechschmitt muss grinsen. Er stellt sich vor, wie seine Holde wild gestikulierend aber stumm in der Landschaft herumläuft – im verzweifelten Versuch, einen ungehorsamen und tauben Hund herbei zu rufen. Und Hans Albers die himmlische Ruhe genießt …

Jeremias Blaumilch

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