Bild. pixabay.com/Foundry Co

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Nichts für zarte Gemüter ist Leopoldo Azancots Roman »Verboten«. Wer ihn liest, der wird mitunter versucht sein, sich in einem Eierbecher voller Eiter zu ertränken. Ein scheußliches Gebräu ist dieses Buch – höchstens etwas für bevorzugte Feinde.

»Neue erotische Literatur« will der Frank­furter Verlag mit der Fliege in seiner neuen Reihe präsentieren; das eigentlich macht neugierig, ha­ben ja gerade wir Deutschen ein gequältes Verhältnis zur Erotik und zurerotischen Literatur allemal. Die Reihe »Neue erotische Literatur« vereinigt dann auch nur spanische Autoren und Autorinnen.

Kardinaler Purpur

Was sich aber so vollmundig ankündigt und schön gestaltet ist in kardinalem Purpur und Violett, das hält sein hohes Versprechen nicht. Leopold Azancot hat mit der kurzen Ge­schichte keinen Roman geschrieben und einen erotischen schon gar nicht. Sondern ein schauderhaftes Elaborat literarischer Verblasenheit. Und die Sprache ist auch eher dürftig.

[inbound_button font_size=“20″ color=“#c8232b“ text_color=“#ffffff“ icon=“heart“ url=“https://www.amazon.de/Osswalds-Kosmos-besser-Schnurren-Satiren-ebook/dp/B01LYYK09R/ref=as_sl_pc_tf_til?tag=bruderlustig&linkCode=w00&linkId=&creativeASIN=B01LYYK09R“ width=““ target=“_self“]Lang ersehnt[/inbound_button]

Die Story ist simpel: Ein junger Student und sein Freund werden von der Polizei verfolgt, ihr Auto erleidet Totalschaden und der Freund ein jähes Ende; der Student flieht. Und weil an einer Straßenecke gerade eine junge Hure herumsteht, tarnt sich der Ver­folgte mit ihr und folgt ihr nach Hause. Beide erzählen sich ihre Geschichte, in etlichen neuen Anläufen. Er wird als Terrorist ge­sucht, und der so Ausgestoßene ergeht sich in Rhapsodien auf die verrottete spanische Ge­sellschaft.

Verrottete Gesellschaft

Sie ist eigentlich als Junge geboren worden, fühlte sich aber immer als Mädchen und als Frau. Nun, nach einer Hormonbe­handlung, ist sie Transvestitin, die ihr Geld auf dem Strich verdient – die doppelte Ver­werflichkeit stößt auch sie gründlich aus der Gesellschaft aus. Beide sind sich fremd, kom­men sich näher, wenigstens wächst ihr Begeh­ren. Sie aber fühlt sich von ihm nicht als Frau akzeptiert; als sie ihn tuntig in Frauenklei­dern überrascht, ist das Maß ihrer Demüti­gung voll: sie vergewaltigt ihn und verrät ihn an die Polizei.

Nein, keine Angst, die Geschichte ist jetzt aus. Es reicht ja auch …

Ein »Roman«, den man wirklich und wahr­haftig nur seinen bevorzugten Feinden schen­ken sollte.

Alles Liebe – Lichtblau !

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Bild: pixabay.com/Bobine

Zeit für Lust erzählt von einer Edelprostituierten, die ihre Job macht – ohne, so recht keine Lust zu empfinden. Und als sie dann lustvolles Lieben lernt, ist sie keine Edelprostituierte mehr; jedenfalls fast nicht mehr. Das Buch ist klasse – ich habe trotzdem ein paar Vorschläge, es noch besser zu machen.

Das Setting

Mit der Geschichte Zeit für Lust wagt sich S. M. Jansen auf ein schlüpfriges Terrain. Sie beschreibt detailliert die Abenteuer einer Liebesdienerin – und die sind drastisch genug. Natürlich muss dann aber zu den drastisch-mechanischen Liebesakten ein moralischer Überbau her; frei nach dem Motto: Es ist nur ein Job, sie vögelt eigentlich nicht so gerne. Täte sie das, wäre sie ja ein frivoles Flittchen. Nein, sie ist eine Geschäftsfrau, die zwei Tatsachen ausnutzt: Das sie gut aussieht und über eine gewisse erotische Begabung verfügt. Und dass die Männer eben doch nur mit dem Schwanz denken. Da hat es Frau leicht, sie zu melken – im Bett und finanziell.

Ganz erquicklich geschrieben

So weit so gut; und kaum überraschend. Bis dahin kann sich die Autorin zugute halten, dass sie ihre Geschichte ganz erquicklich geschrieben hat – schreiben kann sie.
 Was mir bis dahin fehlt: Wir lernen die Männer zu wenig kennen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Ich-Erzählern viel detaillierter schildert, wie sich die Männer zum Obst machen; welche hohen Positionen sie tatsächlich besetzen im wirklichen Leben. Das wäre dann ein netter Spannungsbogen geworden, der uns die Verderbtheit der Machtelite und der Männer gezeigt hätte – hier der Industriemagnat und der Spitzenpolitiker, dort die Edelhure.
 Da hätten wir für die Abgebrühtheit der Liebesdame durchaus Emphase entwickelt. Endlich mal jemand, der die korrupte Schweine an den Pranger stellt. Das deutet die Autorin nur an.

Große Läuterung

Im zweiten Teil der Geschichte kommt dann die große Läuterung – vermittelt durch den Schwanz eines Mannes. Auf einer Party, zu der sie mit einem ihrer Freier geht, lernt sie Bobby kennen; und vögelt nahezu im Handumdrehen mit ihm im Badezimmer.
 Wogen der Lust; klar, einbrechende Dämme des zurückgehaltenen Verlangens etc pp. Sehr schön, sehr drastisch – und durchaus eine spannende Wende in der Geschichte. Das wäre jetzt der perfekte Ausgangspunkt für vieles gewesen: Für einen erotischen Krimi – das feine Pärchen nimmt die korrupte Magnaten aus wie die Weihnachtsgänse; vielleicht einschließlich eines netten, kleinen Mordes.

Ganz große Läuterung

Oder die wirklich ganz große Läuterung: Vögeln für Geld? Nö, ich hab was Besseres.
 Wenig dergleichen passiert – oder vielmehr alles ein bisschen.
 Sie verliebt sie in ihren neuen Freund, erlebt die Lust (nur in wenigen Sätzen erwähnt), lernt Freundschaft kennen; aber ihr neuer Freund ist eben nur ein guter Freund. Nicht viel mehr; vielleicht eine zeitweilige Affäre hin und wieder. Warum, verstehe ich nicht.
 Und ihre Hurerei? Naja, ist nicht mehr so wichtig. Manchmal noch nebenbei, obwohl es ihr vorher nie so recht Spaß gemacht hatte; und obwohl sie es jetzt nicht mehr des Geldes wegen tut. Jetzt arbeitet sie als Designerin.

Ich komme mit der Geschichte nicht zurecht

Ihr merkt schon – ich kann das Basteln an einer Geschichte nicht lassen; wenn sie mir gefällt. Das Ende ist mir etwas zu abrupt und zu wenig logisch.
Dabei gefällt mir das Buch – keine Frage. Es ist interessant, es gut geschrieben, die Heldin ist mir sympathisch. Und der Ausgangspunkt ist vielversprechend. Aber die Autorin hätte sich klar werden müssen, wo die Geschichte hin soll; welche Prämisse (oder auch Moral) sie vermitteln will:

Etwa – für die korrupte Elite ist das mörderische Pärchen die gerechte Strafe;

oder – mit ihrem neuen Lover lernt sie wirkliches Begehren kennen und pfeift auf die schlappen Großkotze;

Das Begehren, die Freundschaft

oder – mit dem neuen Lover lernt sie erst das Begehren, dann aber, dass es dahinter noch die echte Freundschaft gibt; das müste sie aber entwickeln;

oder – sie hat vorher die Männer eiskalt benutzt; jetzt benutzt sie der Lover …

Es gebe unendliche Variationen – wichtig wäre nur, sie aus der Geschichte zu entwickeln. Langsam, geduldig, den Personen so viel Raum gebend, wie sie brauchen. 
Das wäre in mancher der skizzierten Möglichkeiten sicher eher ein Roman denn eine Erzählung geworden. Sei‘s drum, die Autorin kann ja noch mal ran …

Auch die Kurzgeschichte ist möglich

Auch eine Kurzgeschichte ist möglich – wenn sich die Autorin im Wesentlichen auf die eine Szene im Badezimmer beschränkt hätte. Auf der Fete die beiden Männer nebeneinander betrachtet – hier den Freier und seine öde, gekaufte, mopsige Liebe am Nachmittag schildern, die sich vielleicht stundenlang hingezogen hatte. Und auf der Party zeigen, wie wichtig er ist, wie herrisch, welch großes Tier.
 Und dann der Lover …
Da hätte auch die Liebe im Badezimmer vollzogen werden können; mit ungewisse Ausgang, der sich nur kurz andeutet.
 Das wäre dann die Kurzgeschichte aus dem Stoff gewesen.

Mut zum Roman

So aber bricht die Geschichte, die bis dahin schon zu umfangreich für eine Kurzgeschichte ist, unvermittelt ab wie ein Coitus interruptus und lässt mich etwas unbefriedigt zurück. Eben, weil es jetzt den Mut zum Roman bräuchte, um wirklich das zu entwickeln, was sich hier nur, kurz hingeworfen, andeutet.

Schade. Ich kann nur empfehlen: Entweder den Roman daraus zu bauen. Oder den Stoff zur Kurzgeschichte einzudampfen.
Beides würde ich gerne lesen … gut, ich weiß, ich halte schon die Klappe und murkse fröhlich an meinen eigenen Geschichten herum …
Ergreife die Lust

Rolls, Chris. P.: Auf magischen Schwingen

Auf magischen Schwingen

Bild: pixabay.com/Steve Bidmead

Ein wundervolles Fantasywerk hat Chris P. Rolls geschaffen.

Aus Not von der eigenen Familie verkauft
dient der junge Feyk als Chiad (Knecht) in einem Gasthaus. Er muss als Lustknabe zur Verfügung stehen und grobe Arbeiten in Haus uns Hof verrichten. Einzig die Arbeit im Stall mit den Pferden der Gäste ist Lichtblick in seinem trüben Leben.
Nach diesem Auftakt
ändert sich jedoch alles, denn Feyk gerät zwischen die Fronten der Pegasusreiter Vigar, dem guten, und Thyon, dem eisigen Nordmann. Diese beiden faszinierenden Männer, einst Liebende, nun erbitterte Gegner, sowie Feyk, der einzige lebende Citar, der den Pegasus in Pferden erwecken kann, sind die Hauptfiguren dieses abenteuerlichen Fantasy-Romans.
Vorbehalte gegen Romanzen
Chris P. Rolls hat hier auf beste Weise meine Ablehnung gesprengt. Denn die leidenschaftlichen Männer sind kraftvoll und verwegen. Fast bedauert man als Hetero, dass der Weiblichkeit die Liebe dieser Helden vorenthalten wird. Andererseits geht auch die weibliche Leserschaft mit und leidet, bangt, freut sich mit den Protagonisten. Das finde ich ausgezeichnet umgesetzt!

Geflügelte Pferde

Die Idee ist ja nicht neu, die Legende vom Pegasus oder auch Pegasos gibt es in der griechischen Mythologie. Zudem ist das Flügelpferd auch als Dichtermuse bekannt.
Einziger Wermutstropfen aus meiner Sicht ist, dass die Pferde eben den Namen Pegasus führen, das wird kompliziert wegen der Mehrzahl. Der Pegasus ist ein Einzelgeschöpf dem Mythos nach, und nicht zu vervielfachen.
Meinen Quellen nach hat auch Frau Rowlings in ihrem Harry Potter etliche Rassen geflügelter Pferde entwickelt, die die verschiedensten Namen tragen. Ich hätte im Vorfeld der Autorin geraten, „ihre“ Pferde auch mit einem speziellen Namen auszustatten.

Nichtsdestotrotz vermag die Erzählerin die Legende bestechend schön und plastisch auf ihre eigene Art neu umzusetzen. Da stimmt jede Szene, das Setting, die atmosphärischen Ortsbeschreibungen. Unwillkürlich wird der Leser ins Geschehen hineingezogen.

Eine eigene Welt

hat die Autorin liebevoll und farbenprächtig Seite um Seite entworfen, den Erzählstrang logisch gewebt, die Figuren derart mit Leben gefüllt, dass man mit allen Sinnen Anteil nimmt.
Und das ausgerechnet mir
die ich bis dato weder mit Fantasy noch mit Gay-Literatur etwas am Hut hatte. Dieser Roman jedoch hat mich verführt, denn Chris P. Rolls erzählt einfach hervorragend. Ich bin auf den Folgeband gespannt, ob diese Kraft erhalten bleiben kann.

— Elsa Rieger —

Chris. P. Rolls, Auf magischen Schwingen, ISBN-10: 3942539314, ISBN-13: 978-3942539319

Menschlicher Irrwitz des Camilleri

Der menschliche Irrwitz: Mit den Büchern Die Mühlen des Herrn und Der unschickliche Antrag setzt der Berliner Verlag Klaus Wagenbach in seiner italienischen Reihe Akzente.
 Und der Wahnsinn kommt einem irgendwie bekannt vor.

Er ist schon ein ganz Ausgefuchster, der Andrea Camilleri. Seine Romane aus Sizilien decken den Wahnsinn Mafia auf – sie führen an die Wurzeln des Systems. Camilleri gelingt dabei ein Kunststück: Er schreibt über die Mafia, ohne sie besonders zu erwähnen und zu personalisieren.

Der Roman entlarvt das korrupte System

Und er zeigt und das ganze korrupte System – und wir wissen, das so die Mafia funktioniert, weil alle korrupt sind. Das ist die Wurzel der Korruption, die sich wie eine Krake über das Land zieht. Die Mafia ist da nur eine besonders harte Clique von Korrupten. Die Mafia – das sind alle, die sich kaufen lassen. Camilleri gönnt uns bei seiner Enthüllungsarbeit ein besonderes Vergnügen: Er leistet sie in Form überaus amüsanter Romane. Und wir lernen: Schon vor Berlusconi war das Land in keinem guten Zustand.

Camilleri unterhält köstlich

Das jüngste Beispiel: Mühleninspekteur Giovanni Bovara bekommt einen neuen Job in Montelusa. Dort soll er dafür sorgen, dass die Mühlenbesitzer die staatlichen Auflagen erfüllen. Was vor allem bedeutet, dass sie ihre Abgaben zahlen. Das tun sie aber nicht, haben sich viel mehr mit den Unterinspekteuern arrangiert und ein ausgeklügeltes System von fingierten Kontrollen und Strafen entwickelt, das die Obrigkeit ruhig stellen soll. Jeder verdient daran, jeder hat seine Finger im Spiel. Vor allem die ganz noblen Herrn im Distrikt sind mit von der Partie.
Der Leiter der Polizei, Giovannis Vorgesetzter im Finanzministerium, der Advokat, der Herausgeber der Zeitung und so weiter. Beste Familien also, ehrenwerte Familien. Als Giovanni unbestechlich bleibt, droht ihm ein ähnliches Schicksal wie seinen Vorgängern, die zwar bestechlich waren, aber dennoch einen jähen Tod starben.


Giovanni ist gewitzt. Und seine Romane voller Irrwitz

Doch Giovanni ist gewitzt – er nimmt den Kampf selbst noch aus dem Gefängnis auf. Und seine Schachzüge sind clever; so clever, dass seine Gegner klein beigeben. Sein Sieg aber ist nicht vollkommen – er verliert immerhin seinen Job. Aber das ist immer noch besser, als sein Leben zu lassen.

Ein zweiter Camilleri-Roman

Ein weiterer Roman vom Schlitzohr Camilleri, der prall voller Leben ist, drastisch und doch zum Schmunzeln einlädt. Und der kein gutes Haar an denen da oben lässt. Wie es sich gehört. 
Übrigens: Camilleri schenkt uns wieder eine kleine Köstlichkeit – die Briefe, die zwischen den Kontrahenten hin und her gehen und die im Wortlaut abgedruckt sind. Sie lassen uns die Entwicklung der Geschichte schnell und gründlich durchschauen. Ein köstliches Buch.


Ein Schürzenjäger in Schwierigkeiten

Und noch eine köstliche Geschichte gibt es auf Deutsch nachzulesen, weil sie der Wagenbach Verlag herausgebracht hat: Im Sizilien des ausgehenden 19. Jahrhunderts beantragt ein gewisser Filippo Genuardi ein Telefon. Das ist zu jener Zeit nicht nur eine höchst seltene Einrichtung – vor allem für einen Privatmann –, das ist auch technisch eine komplizierte Sache. Und wie immer bei solchen Dingen ist die Flut von Anträgen und Briefen, die es braucht, bis ein Telefon genehmigt ist, erheblich. Die Behördenmühlen mahlen langsam, aber umwerfend gründlich.

Italienische Mühlen mahlen gründlich. Der menschliche Irrwitz auch

Nun begibt es sich aber, dass die Obrigkeit an lautere Motive des Genuardi nicht glauben mag. Wieso braucht der Kerl ein Telefon? Ein braver Bürger braucht keinen Anschluss – also muss der Genuardi ein Revolutionär, Umstürzler, Sozialist sein. Und so gerät der Schürzenjäger tief in den Schlamassel aus Verdächtigungen, Intrigen, Gerichtsverhandlungen und Gefängnis. Weil aber auch die Mafia zeitweise die Hand über ihn hält, kommt er wieder frei.

Camilleri zeigt den menschlichen Irrwitz

Das Ende ist dennoch nicht gut – wird aber live am Telefon übertragen. Camilleri, dem römischen Schriftsteller und Theaterregisseur, gelang eine komische Geschichte, die den menschlichen Irrwitz trefflich porträtiert. Sehr unterhaltsam.

Andrea Camilleri, Die Mühlen des Herrn, Roman, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 224 Seiten, 19.50 Euro, ISBN-10: 3803131480, ISBN-13: 978-3803131485.

Andrea Camilleri, Der unschickliche Antrag, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 278 Seiten, 19.50 Euro, ISBN-10: 380313143X, ISBN-13: 978-3803131430.

 

diary-147191_1280Einen ziemlich wirren Roman liefert Erfolgsautor Gulden mit seinem Ohnehaus ab. Schade. Was wir auszusetzen haben …

Schmutzige Träume fantasiert

Vor Lob und Ehre kann sich Alfred Gulden kaum mehr retten: 1983 erhielt der 1944 Geborene den deutsch-französischen Journalistenpreis, 1986 den Stefan-Ändres-Preis, sein Roman Ohnehaus, noch gar nicht fertig, kam 1989 auf den zweiten Platz bei den Kranichsteiner Literaturtage, und das Werk wurde zudem vom Därmstädter Literaturfonds gefördert.

Liebling der Kritik

Und das alles bei nur drei Romanen. Da sind die Erwartungen des Lesers hoch, wer würde nicht gerne das Buch eines solchen Olympiers der Moderne lesen? Die Enttäuschung aber, die der Lektüre folgt, ist umso größer. Guldens Hilflosigkeit, wirklich Neues zu sagen, entlarvt zu deutlich den maroden Zustand des Literaturbetriebs: Wenn der nicht mehr erkennt, wie simpel Ohnehaus gestrickt ist, wie sich die Unfähigkeit zu erzählen hinter Assoziations-Prosa duckt, dann wird jede Klage über die deutsche Literatur obsolet. Während Kritiker und Juroren um Talente aus der zweiten Reihe tanzen wie das Volk Israels ums goldene Kalb, schreiben die jungen Begabungen für die Schublade.

Groß und klein. Dick und dünn. Dein und mein.

Nichts ist einfacher in der Prosa als seitenlanges Brainstorming: »Ob unten. Hintern vom. Drunter drüber. Ab und an. Hin und wieder. Groß und klein. Dick und dünn. Dein und mein. Laut und leise. Ja und nein.« Das geht so weiter und das setzt sich lange fort. Ein Zweites braucht es, um den Kritikern feuchte Augen zu zaubern – die Sätze ein wenig zu verdrehen, damit niemand merkt, wie einfältig alles wäre ohne die etwas andere Diktion. Ein Beispiel? Ein Beispiel: „Hinter der Eingangstür aus Glas sitzt, eingesunken tief in einem Ledersessel, ein Mann. Den Kopf schief auf dem Sesselrand, die Brille abgerutscht, vorn auf der Nase, der Mund steht offen, schläft er.“ Formulieren Sie das alles mal in Deutsch und schon verlieren die beiden Sätze ihre Sensation.

Gulden strandet. Ohnehaus auch

Dergleichen entschlackt, wird Guldens Geschichte dünner als das Papier, auf dem sie steht: Ein Schriftsteller, wer sonst, einer, der nichts taugt fürs normale Leben und der bisher nichts fertig gebracht hat, bricht nach Frankreich auf, ein Buch zu schreiben. Er strandet in einer Hafenstadt, wohnt in einem schäbigen Haus und pinnt billige Tapeten an die Wände. Darauf schreibt er seine Beobachtungen und sein Erinnern an eine enge, katholische Jugend. Geweckt wird seine Rückbesinnung durch eine Kiste, in der er die Schätze seiner Jugend aufbewahrt. Ausgebrannt ist er, katastrophal haben sich seine Liebesgeschichten bisher gestaltet.Was ihm bleibt, ist die Phantasie, sind schmutzige Träume von gewaltsamem Sex.

Ein zweiter Grass?

Die Kritik will nun in Gulden einen zweiten Grass entdeckt haben; da hätte wahrscheinlich Gulden auch nichts dagegen einzuwenden, mit dem Großmeister der gedrechselten Prosa verglichen zu werden. Zu auffällig sind die inszenierten Parallelen; auch Günter Grass schrieb seinen ersten Roman, bettelarm damals noch, in Frankreich (Paris), auch er hatte die Wände seines Zimmers mit Konzepten für die Blechtrommel tapeziert.

Herbe Schmähung für Grass

Das war’s dann aber auch schon – Gulden mit Grass zu vergleichen, erscheint uns nun doch eine herbe Schmähung für den Autor der Danziger Trilogie und Träger des Literatur-Nobelpreises. Da mag sich die Kritik auf den Kopf stellen und mit dem Hintern wackeln wie sie will…

Alfred Gulden, Ohnehaus, Roman, München, Paul-List-Verlag; 163 Seiten, ISBN 978-3471776643.

Winter, Leon de: Zionoco

Bild: Clker.com/Free Images

In seinem Roman Zionoco zeigt sich Leon der Winter seltsam lustlos – trotz des vielen Sex‘ in diesem Buch.

Lüsterne Klischees

Machen wir ein Experiment: Nehmen wir einen jüdischen Schriftsteller im besten Alter. Leon de Winter etwa ist 43 Jahre aIt – das passt. Wir wollen dem Schriftsteller nichts Böses tun – doch ein wenig Schütteln muss sein. Dann stellen wir ihn auf dem Kopf und sehen nach, was so alles aus seinem Hirnkastel aufs Papier purzelt, das wir ihm vorher unterschoben: Ein Sack voller Talmudsprüche, ein Berg lüsterner Klischees und eine drittklassige Geschichte.

Die Ehe ist erkaltet

Was für uns nur Ergebnis des Gedanken-Experimentes war, verkauft Leon de Winter allen Ernstes als Roman. Und der geht so: Sol Mayer, Sohn eines niederländischen Rabbi und selbst spätberufener Rabbi in den USA, schliddert in eine Krise. Seine Ehe zu Naomi erkaltet, als sich beide daran abquälen, Nachwuchs zu zeugen (ein Rabbi in der Samenbank). Naomi erinnert Sol mehr und mehr an eine Zuchtstute. Er müsste sich von solchen Gedanken frei machen, doch das kann er nicht.

Krise des Lebens

Eine weitere Facette seiner Krise ist das Ringen des Rabbi mit Gott, der ihm fremder und wird. Und schließlich greift er einen einflussreichen orthodoxen Juden an – in einem Artikel für die Zeitschrift ,,Shalom“. Das mag für den Reformjuden Sol Mayer intellektuelle wie moralische Pflicht sein, für die Leitung der Synagoge ist es das nicht. Der ist das mehr als peinlich, sie distanziert sich von Sol.

Die richtige Würze

Die richtige Würze bekommt die Sache mit Naomis stinkreicher Familie – denn die besitzt besten Einfluss in der Schul (der Synagoge) und ebnete Sol eigentlich den Weg zu einer glänzenden Karriere.
Eigentlich – denn Sol Mayer stellt sich fortwährend selbst ein Bein. Alleine schon, wie er sich – medienwirksam – mit einen wilden Horde Chassiden prügelt; und zunächst den Sieg davonträgt, weil er den Chassiden-Häuptling mit einem Bibelvers in moralische Duldungsstarre versetzt.

Das alles wäre schon verwickelt genug; doch in Sols wirres und geworfenes Dasein platzt die große Liebe: D., eine junge Astrophysikerin und Tochter des bekannten demokratischen Politikers Hogart.

Rockende Astrophysikerin

Ab und zu singt sie auch in einer Rockband oder sie kellnert, um sich nicht zu sehr im Wissenschaftsbetrieb zu verheddern. Da gelingen Leon de Winter ganz nette Szenen, wenn die beiden sich unterhalten. Sie zitiert im Restaurant pulvertrockene Fakten über das Weltall, er rezitiert still für sich Schlüpfrigkeiten aus biblischen Psalmen.

Den geistig-moralischen Fangschuss bekommt der Rabbi, als die rachsüchtigen Chassiden ihn und Miss Hoggart beim Sex filmen und das Videoband veröffentlichen.

Schlüpfrige Geschichte

So weit eine ganz nette, wenn auch recht schlüpfrige Geschichte – nach dem Strickmuster ,,Moral ist’s, wenn man’s trotzdem macht“. Da sind wir ja auch schon auf Seite 305; genug eigentlich für ein Buch. Vielleicht mit dem ein wenig märchenhaften Schluss: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kellnert der Ex-Rabbi immer noch in seiner eigenen kleinen Spelunke; und die Ex-Astro-Tante singt dazu. Oder umgekehrt.

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Jetzt wird’s wild

Aber das reicht Leon de Winter nicht. Er muss unbedingt noch den an Gott zweifelnden Sohn auf die Suche nach seinem vermeintlich ertrunkenen Vater schicken. Vielleicht hat de Winter instinktiv gemerkt, dass die Szenen, die in Sols Kindheit spielen, die besten des ersten Teils sind. Nun befinden wir also auf Seite 305; und Sol hat mühsam seine singenden Astrokellnerin gekriegt. Schwupp sind wir ein Jahr später und in Surinam. Und Sol hängt völlig an der Flasche, erzählt vom den bösen Video-Chassiden, hat was mit einer dritten Frau (die auch prompt schwanger ist von ihm) und findet seinen Vater. Auf dem Berg Zionoco.

Der Sohn als Messias

Der jetzt wirklich sterbende Vater hält seinen Sausohn für den Messias, was ja auch eine nette Geschichte ist. Noch zwei oder drei kleine Witze dieser Art weist das Buch auf. Dann ist der Leser davon erlöst. Manche der Geschichten, die Leon de Winter erzählt, sind nicht schlecht – aber sie sind zu verwirrend und schlecht gemischt. Weniger schlecht verarbeitete Ambition hätte dem Buch gut getan. Der höchst lustlose Schluss, der alles auf den Kopf stellt, zeigt eines: Der Autor hatte keine Lust mehr am Schreiben.

Vielleicht sollte er weniger schreiben.

Leon de Winter, Zionoco, Diogenes Verlag, Zürich, Taschenbuch: 414 Seiten, 9.90 Euro, ISBN-10: 3257230176, ISBN-13: 978-3257230178.

Malerba, Luigi: Elianes Glanz

Identität

Bild: pixabay.com/Gerd Altmann

Luigi Malerbas Buch Elianes Glanz ist eine Parabel über moderne Identitätsprobleme. Stark!

Malerbas Held hat’s schwer

Der Held hat’s schwer: Zwar verdient er als Auslandschef einer Pariser Farbenfabrik sein Geld, darf reisen, hat ein angenehmes Leben. Doch so ganz glücklich ist er damit nicht. Die Führungsetage seiner Firma sitzt ihm im Nacken, er weiß, die Luft ist dünn. Und ein Chef ist schnell gefeuert. So erging es seinem Vorgänger, Monsieur Ballou.

Der ehemalige Chef taucht wieder auf

Doch plötzlich taucht Ballou wieder auf, sitzt in der Geschäftsleitung, beginnt, den Helden zu schikanieren. Denn zur gleichen Zeit taucht ein Fremder auf, der Ubus heißt und ihm seine Vortragsmanuskripte klaut. Mehr noch: Der dunkle Unbekannte mischt sich immer mehr in sein Leben ein. Außerdem fühlt sich der Held bedroht.

Die geheimnisvolle Eliane

Eine geheimnisvolle Rolle nimmt dabei Eliane ein, die Frau seines Lebens, die er auf dem Flughafen trifft und erobert. Eliane unterhält auch zu Ballou und Ubus Beziehungen. Im Laufe des Romans werden die Verwicklungen verwickelter und die Identitäten verwaschener. Ist Ballou Ubus? Oder ist Ubus gar die andere Seite des Helden? Ist er schizophren? Die Bedrohung wird zunehmend irreal. Kafkaesk.

Parabel über moderne Identitätsprobleme

Mit seinem Roman »Elianes Glanz« hat Malerba eine moderne Parabel über die Identitäts-Probleme heutiger Menschen geschrieben. Ein gutes Buch. Nur an manchen Stellen holt der Erzähler ein wenig weit aus. Da er aber schreiben kann, stört das nicht wirklich. Alles Geschmackssache.

Luigi Malerba, Elianes Glanz, Roman, Verlag Klaus Wagenbach, 192 Seiten, 17.50 Euro, ISBN-13: 978-3803131522.

Lulu

Bild: pixabay.com/Lorri Lang

Schnelle und obszöne Abenteuer hat die Protagonistin in Lulú – das Buch soll von einer Frau geschrieben sein, bedient aber eher die erotische Fantasie des Mannes.

Mut der Autorin?

Der Verlag lobt den Mut der Autorin, anzusprechen, was andere nicht einmal denken – doch was hier auf 288 Seiten zu lesen steht, das regt nicht besonders auf. Gut, die Lulú hat ein paar Obsessionen, und je älter sie wird, desto abstruser werden ihre kleinen Besessenheiten. Am Schluss gleitet die Geschichte gar in Untiefen ab, die wir von den Erzählungen um die „O“ zur Genüge kennen. Nur wirkt es bei Grandes nicht sehr überzeugend geschrieben. Da ist einem das Original in seiner Bedingungslosigkeit schon lieber – wenn es denn diese Art von Literatur sein muss.

Lulú: Wie die Geschichte der „O“ – nur schlechter

Nein, Grandes schreibt eine beinahe normale Geschichte. Lulú verliebt sich als Mädchen in den älteren Pablo, verbringt ein paar schöne Jahre mit ihm, bekommt eine Tochter von ihm und am Schluss lässt sie sich treiben, weil sie ihren Pablo wieder verlor. Die Erstarrung ihres Herzens stillen ihr auch die schnellen und obszönen Abenteuer nicht, denen sie sich hingibt.

Schnelle und obszöne Abenteuer

Das alles erhält noch eine gewisse Würze, weil Pablo immer mal wieder auftaucht und ihr seine Liebe gesteht – nur, um anschließend gleich wieder zu verschwinden. Ein Windbeutel also. Ein wenig Fantasie und einige kleine Tagträume sind auch noch im Spiel – das war dann schon alles.

Zu dürftig für einen Roman

Ziemlich dürftig für 288 Seiten – aus dieser Melange entsteht jedenfalls kaum ein Roman, und ein erotischer schon gar nicht. Zu durchsichtig ist das alles angelegt, zu sehr auf den mutmaßlichen Konsumenten solcher Literatur zugeschnitten – den männlichen Leser also, der eine gewisse Neigung verspürt, seine erotischen Fantasien zwischen zwei Buchdeckeln befriedigt zu sehen.

Erotische Fantasie von Männern – nicht von Frauen

Was daran weiblich sein soll, wie es der Verlag betont, bleibt im Verborgenen – außer, dass dieses Buch vermutlich von einer Autorin geschrieben ist; wobei man das auch nicht so genau weiß, heutzutage. Aber Verlag wie Autorin können sich ja auch mit dem Lob in manchen Rezensionen trösten, das sie bisher reichlich bekamen. Das soll uns weder beeindrucken, noch zum Gegenteil aufstacheln.

Mehr Erotik
Das Buch ist einfach schlecht geschrieben – denn wir halten nicht in Händen, als einen weiteren vergeblichen Versuch, weibliche Erotik in Worte zu fassen. Das jedenfalls ist keine.

Almudena Grandes, Lulú, Taschenbuch, 288 Seiten, Verlag rororo, ISBN-10 349923968X, ISBN-13 978-3499239687, 7.90 Euro.

Bild: Clker.com

Die Beziehung zwischen Mann und Frau aus ganz ungewöhnlicher Perspektive – das ist die Geschichte der blonden Pariser Hure und Toulouse Lautrec.

Die tangofarbene Frau – eine Liebesdienerin

Die tangofarbene Frau: Was wäre das für eine Geschichte gewesen: Die rote (blonde) Mireille, Hure aus der Pariser Bordell in der Rue d’Amboise, lernt dort Toulouse Lautrec kennen und lieben. Doch schließlich geht sie mit einem Argentinier nach Buenos Aires. Dort arbeitet sie wieder in ihrem gelernten Beruf, bis sie selbst zur Madame wird und ein einschlägiges Etablissement betreibt. Ganz nebenbei entdeckt sie den Tango für sich, wird eine berühmte Tänzerin und Muse des Tangointerpreten Carlos Gardel.

Großes Leben als Hure

Eine Geschichte aus einem großen Leben – fürwahr. Nur hat sie Alicia Dujovne Ortiz zu statisch erzählt. Sie schreibt zu wenig Farbe hinein, sie gibt zu wenige Details preis; sie reflektiert mehr. Oder vielmehr, sie lässt Mireille reflektieren. Und so tiefe Gedanken, nichts für ungut, nehmen wir der Liebesdame einfach nicht ab – mag sie noch so schlau sein. Außerdem bremsen die Reflexionen den Fluss der Geschichte ungemein. Schade. Wer über die handwerklichen Schwächen hinwegsehen kann, dem bietet das Buch eine gute Geschichte.

Alicia Dujovne Ortiz, Die tangofarbene Frau, Verlag Rütten & Loening, Berlin, 258 Seiten, ISBN-10 3352005176, ISBN-13 978-3352005176.

Bild: pixabay.com(OpenClipart-Vectors

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Houellebecqs erster Roman kam noch im Wagenbach Verlag heraus. Auch wenn er ein Bestseller wurde – gefallen muss er dennoch nicht …

Houellebecq präsentiert sich als dirty old man

Ein Roman, der in Frankreich Furore machte: Houellebecq, mit 40 Jahren im besten literarischen Mannesalter, wirbelt mit seinem Erstlingsroman „Extension du domaine de la lutte“ seit 1994 die intellektuelle Szene der Grande Nation kräftig durcheinander. So sehr, dass er dafür zwei Preise bekam: den „Grand prix national de lettres“ und den „Prix Flore“. Das schafft nicht jeder.

Schnellere Gangart mit Houellebecq

Und noch etwas ist bemerkenswert an dem schmalen Band: Mit ihm betritt der Klaus Wagenbach ein neues Feld literarischer Förderung. Die Ausweitung der Kampfzone für die Berliner. Die sind sonst weit davon entfernt, auf das Karussell der Bestseller-Belletristik aufzuspringen. Der Wagenbach Verlag ist sonst eher für eine gemächliche Gangart und für feine und hintersinnige Bände aus Italien und Frankreich zuständig. Doch im 35. Jahr des Verlagsbestehens musste es schon Michel Houellebecq sein. Das, so hörten wir, haben die Berliner bereits wieder bereut. Nicht, dass der Umsatz schlecht gewesen wäre mit der deutschen Ausgabe des Romans. Nein, aber den gallischen Shootingstar und sein nächstes Buch schnappte ihnen der Dumont-Verlag vor der Nase weg. Die broschierte Ausgabe kam dann im Rowohlt Verlag heraus.

Ein Houellebecq ist nicht treu

Das ist die Schattenseite des Erfolges – im Gerangel um die herausgehobenen Plätze in den Auslagen des Buchhandels und den Bestsellerlisten des Spiegels bleibt halt nicht jeder ein Gentleman. Auf Houellebecq jedoch kann der Verlag Klaus Wagenbach gut verzichten. Dafür ist, mit Verlaub, das Buch zu schlecht. Weder die Geschichte, noch der Stil sind bemerkenswert. Der Plot ist schnell erzählt: Ein Informatiker ekelt sich an der Welt ab und schreibt eine Art Tagebuch über seine bescheidenen kleinen Erlebnisse. Darin wurstet er auch noch hochfliegend Reflexionen à la Pensées von Pascal hinein.

Hochfliegend verwurstet – armer Pascal

Zusammen mit einer manchmal derb vulgären Sprache gibt das eine Melange, die wenig mundet. Aber die Auguren sind ja fix dabei, wenn es darum geht, das Lebensgefühl der aktuellen Jugend in einem Buch artikuliert zu finden. Damit liegen sie meist falsch; so auch hier. Schließlich ist Michel Houellebecq mit seinen 41 Jahren schon ein ziemlich alter Knochen.

Alter Knochen, auf jung getrimmt

Das jugendliche Leben tobt in anderen Köpfen. Ich entlasse den Verlag Klaus Wagenbach auch diesmal erst nach einem ceterum censeo: Wie wäre es denn einmal mit jungen deutschen Autorinnen und Autoren? Das sind, zur Erinnerung, die jungen Menschen, die in unserem Lande leben und schreiben. Solche Autoren zu publizieren, wäre eine spannende Aufgabe und stünde einem deutschen Verlag gut zu Gesicht. Es muss ja nicht gleich ein Bestseller sein.

Michel Houellebecq, Ausweitung der Kampfzone, Roman, Wagenbach Verlag, Berlin, 160 Seiten, ISBN-10: 3803131405, ISBN-13: 978-3803131409.

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