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Zeichnung: Ewald Weinald

Was der arme Johann Adam Hasenstab beim dicken König so alles erlebte.

Sie hatten ihn erwischt. Wütend sah sich Johann Adam Hasenstab um: Vor ihm saß der dicke, schielende König auf seinem Thron, daneben stand Vogt Breitbernd, der aussah wie eine Presswurst auf Stelzen. Vor ein paar Wochen noch war Vogt Breitbernd ein armseliger Bauer gewesen und hatte Schmalhans geheißen. Aber dann hatte er dem König ein paar Tipps gegeben, welche Bauern in den königliche Wäldern wilderten und war zum Vogt aufgestiegen. Dummerweise hatte Ex-Bauer Schmalhans auch Johann Adams Vater ans Messer geliefert, den alten Hasenstab.

Der Bauer Schmalhans verpfiff sie

Der war der eifrigste Wilderer – einfach, weil der König beinahe alle Erträge und Ernten von den Bauern als Steuern verlangte, und von irgendetwas musste die Bauern und ihre Familien ja leben. Also holten sie sich einfach das Wild aus den Wäldern des Königs. Und niemand schnappte sie. Bis sie Bauer Schmalhans verpfiff. Die Leute des Königs schnappten sich alle Wilderer, nur Johann Adams Vater entkam. Also ließ der König seinen Sohn abführen. Und hier stand Johann Adam nun, vor dem Thron des Königs und schaute sich wütend um.

»Nun, Bursche, wo ist den Vater? Rede!« fauchte ihn gerade wieder der Vogt an. Johann Adam schüttelte den Kopf. »Ich weiß es nicht«, antwortete der Junge trotzig zum siebten Mal.

Der König brüllte

»Jetzt mag ich aber nicht mehr!«, brüllte der König, »werft den Burschen in den Kerker. Vierteilt ihn, kitzelt ihn, bis er wieder weiß, wo sein Vater ist!« Johann Adam schluckte – das hörte sich gar nicht gut an…

Der König beugte sich vor und wollte gerade eine Frage stellen – da splitterte die Glasfront des Saales, in dem das Verhör stattfand. Eine Kuh kam herein geflogen und begrub den Vogt Breitbernd unter sich. Platsch. Johann Adam roch sofort, dass die Kuh schon ziemlich lange tot sein musste.

Breitbernds rechter Arm klatschte dem Hornvieh ein paar Mal müde an den aufgedunsenen Wanst, dann war die Geschichte mit dem Vogt auch schon zu Ende. »Ein Hirsch, seit wann fliegen denn Hirsche freiwillig in meinen Palast?!«, brüllte der König und sprang auf und ab. »Die sollen gefälligst warten, bis ich sie schießen gehe!« Während der König, jetzt mit knallrotem Gesicht, auf und nieder sprang und mit überschnappender Stimme brüllte, hörte Johann Adam einen Ruf: »Die Hunnen!«

Die Hunnen kommen

Der König hatte aufgehört zu brüllen, sprang aber noch ein paar Mal auf und nieder und machte ein verdutztes Gesicht. Die Farbe seines Gesichtes wechselte von puterrot zu kalkweiß. Johann Adam blickte durch das Fenster: Der Palast war umspült von einer wilden Horde Hunnen.

In vorderster Reihe standen die Schleudern, mit denen die Belagerer jede Menge unerfreulicher Dinge in die Mauern des Palastes katapultieren würden. Verwesende Kadaver wie der, dem Breitbernd eben sein unrühmliches Ende verdankte; dazu Gefangene, Bauern aus der Umgebung, Fäkalien.

Der König stand bleich im Saal herum, seine Hände flatterten am samtenen Wams auf und nieder.

Hier ist was los

»Da draußen ist ganz schön was los«, sagte Johann Adam. »Ja?« fragte der König ängstlich. »So viele Soldaten habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen«, sagte Johann Adam. »Wirklich?«, fragte der König ängstlich und trat an das von der Kuh zerstörte Fenster. Da hörten sie ein Pfeifen in der Luft, gefolgt von einem schmatzenden Klatschen. »Merde!« brüllte der König, – und wirklich, der Herrscher war über und über mit Fäkalien bekleckert. »Bagage!« brüllte der König, und sofort stürzten Diener herbei, und trugen den König, der der stocksteif war vor Wut, an seinen vier Extremitäten in die Waschküche.

Johann Adam schlich sich aus dem Thronsaal. Vogt und König wäre er losgeworden, jetzt musste er nur noch an den Hunnen vorbei. In der Halle des Schlosses liefen die Leute des Schlosses durcheinander. Plötzlich gab es einen lauten Knall und einen Blitz – und der Zauberer Konrad Müller erschien. Der war zwar in einer völlig anderen Geschichte zu Hause, hatte aber mit ein paar Zaubersprüchen herumgespielt – und war in diese Geschichte geraten.

Hier kommt der Zauberer

»Hallo«, sagte der Zauberer zu Johann Adam und schaute sich um. Und weil er am Fenster stand, sah er auch die Hunnen. »Wer ist das?«, fragte der Zauberer. »Die Hunnen«, antwortete Johann Adam. »Und die greifen den Palast an, nicht wahr?«, fuhr der Zauberer fort. Johann Adam nickte. »Naja, dann lass uns von hier verschwinden«, sagte der Zauberer und schwang seinen Zauberstab. Es gab einen Blitz und einen Knall – und schon waren beide weg.

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Zeichnung: klk

Welche eigentümlichen Geschichten der junge Bauer Michael erlebt.

Es war einmal ein Bauer, der hieß Mittelwann und war ein ehrlicher Mann. Seinem König zahlte er pünktlich und auf den Heller genau den Zehnten. Seine vier Mädchen und den einen Sohn erzog er streng und zur äußersten Ehrlichkeit.

Vor allem sein Sohn Michael bekam die Knute seines Vaters zu spüren. Ein Bauer, so fand Vater Mittelwann, musste ehrlich sein. Und Michael sollte einmal Bauer werden und den Hof erben.

Der lange Krieg brach aus

Doch es kam alles ganz anders: Ein langer Krieg brach aus, Soldaten zogen durch das Land. Den wohl versteckten Bauernhof aber fanden sie nicht. Auch allerlei fahrendes Volk war unterwegs wie der Pfeiffer Hanns. Der tauchte eines Tages auf dem Bauernhof auf, und niemand wusste, wie er ihn gefunden hatte. Hanns spielte wunderbar auf einer kleinen, silbernen Flöte. Das gefiel vor allem Michael, der plötzlich den unstillbaren Wunsch verspürte, auch Musiker zu werden. Was den Vater außer Rand und Band brachte.

Eines Tages, Michael hütete gerade die Schafe, da fanden Soldaten den Hof des Bauern Mittelwann. Michael hatte auf der silbernen Flöte geblasen, die ihm der Pfeiffer Hanns geschenkt hatte – das hörten die Soldaten. Und gerade, als seine Flöte schwieg, ritten sie an Michael vorbei, der hinter einem Gebüsch saß.

Kein Bauersmann

Es dauerte nicht lange und Michael mussten kein Bauersmann mehr werden – weil es keinen Bauernhof mehr gab. Doch Michael hörte und sah nichts, er blies auf seiner Flöte.

Kurze Zeit später hetzte ein Mann durch das Gebüsch. Es war der Pfeiffer Hanns. Er brachte den jungen Mann weg aus der Gefahr. Mit ihm zog Michael um die Welt.

Nach vielen Wochen kamen sie ins Morgenland. An einem Mittwoch gelangten sie in eine Stadt am Rande der Wüste. Die beiden wandernden Gesellen quartierten sich bei einem reichen Wirt und Metzger ein. Als der ihnen das Essen auftischte, klagte er sein Leid: »Oh Effendis, ich weiß nicht weiter. Irgend jemand bezahlt mein gutes Fleisch, das ich meinem Geschäft anbiete, regelmäßig mit Falschgeld. Falschgeld, Effendis, welch gottloser Frevel! Dieser gottlose Wicht beraubt mich schamlos. Ich weiß nicht mehr, wie ich mich und meine Brut ernähren soll.«

Fünf Frauen, zwei Katzen und ein Rollmops

In diesem Moment teilte sich der Vorhang im Hintergrund des Gastraumes und die ganze Familie des Wirtes erschien. Eines nach dem anderen trippelten zehn Kinder, sieben Schwestern, sechs Brüder, fünf Frauen, vier Musiker, drei Hunde, zwei Katzen und ein Rollmops herein. Und jeden einzelnen stellte der Wirt als Mitglied seiner weit verzweigten Familie vor; selbst den Rollmops. Und alle waren sie drall und rund und wohlgenährt.

»Wie soll ich sie alle ernähren?« klagte der gute Wirt, wenn mir ein Bösewicht nur Falschgeld für mein gutes Fleisch in die Kasse wirft! Wir müssen alle verhungern.« Der Pfeiffer Hanns antwortete: »Nimm’ eine Schale mit Wasser und wirf’ das Geld dort hinein, das deine Kunden dir geben«.

Der Metzger brüllt

So geschah es am nächsten Morgen: Kaum hatte der erste Kunde den Metzgerladen betreten, hörten sie den feisten Wirt brüllen. Sie eilten hinzu. Der dicke, reiche Mann hatte einen Kerl am Kragen gepackt, dessen Kleider löchrig waren. Der zappelte und schrie um Hilfe.

»Da!« rief der dicke Fleischverkäufer und Wirt ihnen zu, als die beiden seinen Laden betraten – und wirklich, das vermeintliche Goldstück schwamm oben auf dem Wasser der Schale; es war falsch.

»Ich werde dich dem König übergeben!« brüllte der Metzger und schüttelte den armen Mann. »Der wirft dich seiner Schwiegermutter zum Fraß vor!«

Die Schwiegermutter des Königs musste ein arger Drachen sein, denn der Gefangene begann Herz zerreißend zu wimmern. Dazu jammerte er, wie schlecht es ihm gehe und wie viele Mäuler er zu stopfen habe. Bei den hohen Abgaben, die der König erhob.

Viele zahlen mit falschem Geld

»Außerdem«, sagte er dann und blitzte dem Metzger frech ins Gesicht, »zahlen viele hier mit falschem Geld.«

Wie vom Donner gerührt ließ der dicke Metzger den dünnen Kerl zu Boden stürzen.

»Wie? Viele?« fragte der Dicke verblüfft. Dann bekam er einen roten Kopf und brüllte, dass der Vorbeter des königlichen Tempels von seinem Türmchen fiel:

»Wie! Viele! Was heißt das, viele? Viele, wer ist das? Wenn ich sie erwische, die vielen, dann röste ich sie auf allen Feuern der Hölle! Zum Teufel mit den vielen. Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele! Ich hasse viele!« Der Metzger holte Luft, bis er immer dicker wurde, langsam vom Boden abhob und davon segelte.

Das Goldstück versinkt

»Warum beschummelt ihr den Metzger?«, fragte Pfeiffer Hanns. »Er bekommt das Fleisch billig, behält die besten Stücke und wir müssen das Fleisch teuer bezahlen. Der Metzger ist ein Halsabschneider«, erklärte der dünne Mann.

»So ist das«, sagte der fahrende Musikant. Er nahm ein Goldstück aus seinem Beutel und legte es in die Schale mit Wasser. Es versank.

»Äh«, sagte Michael, »du willst den Strolch bezahlen? Für die Übernachtung in den stinkenden Kissen, für das widerliche Essen und die fetten Töchter, die uns fortwährend angrinsten? Also wirklich.«

Heinrich schüttelte den Kopf.

»Es ist Falschgeld«, antwortete der Musikant und grinste.

»Wie, Falschgeld? Aber es ist doch gesunken?« fragte der Dünne erstaunt.

»Ich habe einen Kieselstein hinein getan«, antwortete der Fremde. Hanns und Michael setzten sich auf die Kamele und ritten davon.

 

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Grafik: kk

Wenn eine Steinstatue plötzlich zu laufen beginnt, dann sorgt sie für große Verwirrung.

Im Wald über der kleinen Stadt lebte ein Bildhauer mit Namen Matthias. Der besaß eine kleine Hütte, einen Stapel Papier, ein paar Bleistifte und sein Bildhauerwerkzeug. Matthias  strich durch den Wald, skizzierte die Märchengestalten, die er  sah. In seiner Hütte zeichnete er die Figuren ins Reine, dann  setzte er sich an den Steinblock und meißelte so lange, bis er  die Märchenfigur geschaffen hatte.

Fee in buntem Blätterkleid

Die Leute in der kleinen  Stadt liebten die Statuen des jungen Bildhauers. Wenn er eine  verkaufte, hatte er wieder Geld für ein paar Monate, denn er  lebte bescheiden. Eines Abends, es dämmerte schon, sah er eine Fee im bunten  Blätterkleid durchs Unterholz huschen. Matthias sah sie nur  ganz kurz, aber das reichte. Er war so gebannt, dass er das  Zeichnen vergaß. Er hatte sich die Fee so genau eingeprägt,  dass er zu Hause sofort Hammer und Meißel nahm und sie in  Stein neu erschuf – mit einem bunten Kleid, das er ihr aufmalte. Matthias wusste, dass es nur eine Statue war – aber er hatte sich richtig in sie verliebt.

Ein Zauberer ist matschig im Kopf

Nun gab es sich aber zu dieser Zeit, dass der Zauberer Hermann Stolperfuchs mit seiner Frau Elisabeth auf seinem Teppich an der kleinen Stadt vorbeiflog. Der Zauberer hatte einen  furchtbaren Schnupfen und war so matschig im Kopf, dass er  sich an keinen Zauberspruch mehr erinnern konnte. Vor allem nicht an den gegen Stockschnupfen. Darüber war Hermann Stolperfuchs stocksauer. Noch mehr ärgerte er sich über  seine Frau, die ihm zu wenig Tee gekocht hatte. In der Nähe  der kleinen Stadt war erst die Hälfte der Reise vorüber, aber  die Thermoskanne leer. Als der Zauberer sah, dass nur ein paar  Tropfen aus der Kanne in seinen Becher tröpfelten, geriet er  derart in Wut, dass er lauthals fluchte.

Du sollst nicht fluchen

Nun sollte man überhaupt nicht fluchen, und Wut ist ein schlechter Berater. Und  wenn man ein mächtiger Zauberer ist, sollte man schon gleich  zwei Mal auf seine Sprüche achten. Sonst passiert ein Unglück  – und genau das geschah: Hermann Stolperfuchs vermischte,  ohne es zu merken, gleich drei Sprüche. Das Ergebnis war fatal: Seine Frau Elisabeth verwandelte sich in ein Blütenmeer, das auf die Erde herabregnete. Und ihre Seele fuhr in die Sta-  tue in der Hütte des jungen Bildhauers. Die Statue erzitterte kurz, wackelte bedenklich hin und her und erstrahlte hell in  einem grünen Licht. Dann stand sie wieder still.  Ein paar Tage später war Vollmond. Plötzlich, um Mitter-  nacht, stieg die Statue von ihrem Sockel, riss sich die Wolldecke von Matthias’ Bett und hängte sie über ihren Kopf.

Die Statue kommt, die Statue geht

Der  junge Bildhauer erwachte und starrte auf die Statue, die jetzt  die Tür öffnete und in die Nacht verschwand. Matthias blieb  wie versteinert im Bett sitzen – nach einer Stunde ging die Tür  wieder auf und die Statue kam zurück, warf die Decke auf das  Bett, stieg auf den Sockel – und erstarrte wieder. Das Ganze  wiederholte sich bei jedem Vollmond. Ansonsten war die Statue zu keiner Regung zu bewegen, da konnte Matthias tun, was er wollte.

Der Bürgermeister bleibt stur

Er ertrug es bald nicht mehr, die Statue zu sehen, die sich ein Mal im Monat davonschlich. Er verkaufte sie  an den Bürgermeister der kleinen Stadt. Und der stellte sie auf  die Säule des Marktbrunnens. Das gab ein bisschen Streit, weil  die Statue mit dem sehr bunten Rock manchem nicht gefiel –  vor allem, weil sie direkt vor der Kirche stand. Aber der Bürgermeister blieb stur.  Beim nächsten Vollmond geschah es: In die Statue kam Leben, sie stieg vom Brunnen herunter und lief den Marktplatz  hoch, durch das Stadttor und in den Wald hinein. In diesem  Moment kamen der Architekt Bernd Süßholz und Haupt-  wachtmeister Klaus Stockfisch aus dem Weinhaus – und trau-  ten ihren Augen nicht. Da lief tatsächlich die Statue in dem  bunten Kleid über den Marktplatz. Hatten sie doch zu viel  Wein getrunken? Hauptwachtmeister Stockfisch hatte immer  eine Trillerpfeife dabei. Er setzte sie an die Lippen und pfiff  schrill – aber die Statue lief weiter.

Sofort die Statue verhaften!

Hauptwachtmeister Stockfisch alarmierte das Polizeirevier. Die Polizei stellte sich heimlich an der Stadtmauer auf – und wirklich, nach einer Stunde  kam die Statue im bunten Rock zurück. »Verhaften!«, schrie  Hauptwachtmeister Stockfisch, seine Kollegen stürzten sich auf  die Statue. In diesem Moment flog der Zauberer Hermann  Stolperfuchs auf seinem Teppich über der kleinen Stadt vorbei.  Er sah die Statue, die sich bewegte – und verstand sofort, was  da passiert war. Sein Kopf war wieder frei, er hatte keinen  Schnupfen mehr. Sofort machte er die drei Zaubersprüche von  damals rückgängig und er zauberte die Seele seiner Frau wieder  aus der Statue heraus und den Körper seiner Frau aus dem  Blütenmeer zusammen.

Ein wenig Tee, Liebling?

Auf dem Teppich fragte Elisabeth ihren Mann, als sei nichts  gewesen: »Willst du ein bisschen Tee?«  »Um Gottes willen!«, antwortete Hermann Stolperfuchs und  musste schon wieder niesen. Die Polizei verhaftete die plötzlich bewegungslose Statue, die mitten auf dem Marktplatz erstarrt war – aber sie saß nur im Gefängnis und bewegte sich nie wieder. Was alle sehr verwirrte.

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Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

In der kleinen Stadt lebte einst ein Malermeister, der hieß Olaf Ockerfuß. Der Meister wohnte in einem kleinen Häuschen am Rande der Stadt – mit seiner Frau Brunhilde und seinen fünf Kindern. Vier Buben und ein Mädchen. Olaf Ockerfuß war ein schlaksiger, großer Mann, der fleißig arbeitete und mit seinem Leben zufrieden war. Er liebte seinen Beruf sehr. Und wenn er nicht die Häuser oder Zäune der Leute in der kleinen Stadt strich oder deren Zimmer tapezierte, malte er meist bunte Bilder, die er verschenkte. Olaf war ein sanftmütiger Mensch, den nichts so leicht aus der Ruhe brachte. Seine Frau Brunhilde war klein und rund und weniger zufrieden mit ihrem Leben als er.

Furchtbare Unordnung

Vor allem ihr Mann machte eine furchtbare Unordnung, sagte sie. Und er war viel zu faul, fand sie – er könnte mehr im Haushalt helfen, statt in seinem Zimmerchen blöde Bilder zu malen. Und weil Olaf nicht auf sie hörte, schimpfte sie den lieben langen Tag – mit ihren Kindern und abends mit ihrem Mann. Der zog sich immer mehr in seine Werkstatt zurück, in deren Ecke sein Atelier eingerichtet war. Hier malte er seine
Bilder. Darüber meckerte Brunhilde nur noch mehr.
»Ich an deiner Stelle würde deine Alte rauswerfen«, sagte ein Freund zu Olaf. »So ein Gemecker den ganzen Tag hält ja kein Mensch aus.«
»Ach was«, antwortete Olaf gemütlich, »warum denn? Mir geht es doch gut. Brunhilde ist eine Seele von Mensch, auch, wenn sie eine raue Schale hat. Eine bessere Frau finde ich jedenfalls nicht. Außerdem hat sie schon recht – ich bin wirklich nicht sehr ordentlich.« Das sagt er zwar gerne, änderte sich aber nicht.

Der fatale Wunsch

Eines Tages war es selbst dem sanftmütigen Olaf zu viel. Er hatte den ganzen Tag hart gearbeitet und noch dazu eine schwere Erkältung am Hals. Er kam nach Hause und legte sich ins Bett, um sich auszuschlafen. Denn am nächsten Tag musste er wieder arbeiten – er hatte niemanden, der das für ihn übernehmen konnte. Aber kaum lag der Malermeister im Bett und war eingeschlafen, polterte sein Eheweib Brunhilde ins Schlafzimmer. »Steh auf, du Faulpelz! Du musst noch die Treppe putzen!«
»Ich bin krank, Brunhilde. Ich putze morgen.«
»Morgen, morgen. Immer heißt es morgen bei dir. Du bist nicht krank, du bist faul! Raus aus dem Bett!«
Aber Olaf blieb liegen, er war sehr krank. Und er sagte: »Du bist wirklich ein Ochsenfrosch! Ich wünschte, man sähe dir das auch an.« Das hätte Olaf nicht sagen sollen. Denn es gab einen Knall, einen Blitz, ein kleines Wölkchen stieg auf, – und Brunhilde war tatsächlich ein Ochsenfrosch.

Ein Ochsenfrosch

»Quack«, sagte sie, »quack, quack, quack!« Olaf erschrak – das hatte er nicht gewollt. Und er fand es recht eigenartig, dass sein Wunsch so ohne Weiteres in Erfüllung gegangen war. Das hatte es ja noch nie gegeben.
Der Grund war verblüffend einfach: Olaf hatte am Vormittag einem alten Mütterchen über die Straße geholfen. Denn das gehörte sich einfach so, fand Olaf Ockerfuß; er war noch ein Kavalier der alten Schule.
Nun war die gute Alte aber die Hexe Silbermond, die zu ihrer Freundin, der Hexe Siebenwurz, unterwegs war, die in der kleinen Stadt lebte. Die Hexe Silbermond hatte sich sehr über den hilfsbereiten Menschen gefreut. So sehr, dass sie ihm heimlich einen Wunsch gewährte. Olaf hatte davon aber nichts bemerkt. Und sein erster Wunsch war gewesen, seine Frau Brunhilde möge wie ein Ochsenfrosch aussehen.
Brunhilde schimpfte zwar viel den lieben langen Tag – aber Olaf liebte seine Frau doch. So war er sehr erschüttert, Brunhilde als Ochsenfrosch zu sehen. Er setzte sie in eine ausgepolsterte Kiste und trug sie zur Hexe Siebenwurz – denn nur sie konnte ihm hel-
fen, das wusste er.

Zwei Hexen beim blauen Tee

Er klopfte artig an die Tür, drinnen saßen die beiden Hexen Siebenwurz und Silbermond beim blauen Tee. Die Hexe Silbermond erkannte ihren Wohltäter vom Vormittag wieder und freute sich über seinen Besuch.
Doch nachdem sich Olaf gesetzt und erzählt hatte, was passiert war, erschrak sie. Das hatte sie nicht gewollt.
Die Hexe Siebenwurz nahm den Ochsenfrosch vorsichtig aus der Kiste und setzte ihn auf ihre flache Hand.
»Na, wen haben wir denn da?«, fragte sie. Und fuhr fort: »Brunhilde Ockerfuß, soso. Ich hörte, dein Mann hat dich in
diese, äh, ungewöhnliche Erscheinung gewünscht. Ja ja, so kommt es, wenn man mit seinem Mann den ganzen Tag nur schimpft. Das soll dir eine Lehre sein – lass die Menschen so, wie sie sind. Und du, lieber Olaf, solltest deiner Brunhilde das Leben ein wenig einfacher machen. Mach nicht so viel Unordnung. 
Und verwünsch sie vor allen Dingen nicht in Ochsenfrösche.«
Dann zauberte die Hexe Siebenwurz die Brunhilde in ihre alte 
Gestalt zurück.
Beiden war die Geschichte eine tatsächliche Lehre – Olaf half Brunhilde und malte weniger komische Bilder; und Brunhilde ließ ihren Olaf auch mal in Ruhe. So hatte der Wunsch, den die Hexe Silbermond dem Malermeister gewährt hatte,
doch noch sein Gutes.

Mehr spinnerte Geschichten:

Wilde Geschichten sind wieder da!

gagsEines Tages bekomme ich seltsame Briefe aus dem Schrank meiner Großmutter – von meiner Ahnin Klara. Ich lasse mich auf ihre wilden Geschichten ein, und habe plötzlich mit einem Zaubermittel zu tun, das mir gefährlich wird. Sehr gefährlich … viel Spaß bei dieser magischen Novelle! Ich habe sie vor zehn Jahren herausgegeben, sie ist im Bruderlustig Verlag erschienen. Nun mache ich sie meinen treuen Lesern wieder zugänglich …

Leseprobe:

Der Schrank

Alles begann mit einem alten Schrank. Der ist groß und schwarz und hockte im windschiefen Flur des Jakobshauses. Das Haus gehörte meiner Großmutter Rosa. Wann immer ich Großmütterchen Rosa besuchte, standen wir irgendwann vor dem alten Schrank; Röschen bückte sich mühsam, öffnete den Bauch des dunklen Monstrums, indem sie die rechte untere Tür aufzog. Das Holz an der Leiste der Türe war abgeschabt, durch die dunkle Beize kam das helle Holz durch. An anderen Stellen war das Holz speckig. Rechts oben hing ein kleines Glasschränkchen mit einem Einlegeboden und einer Holztüre mit Butzenglas. Auf der linken oberen Seite des Schrankes waren zwei Regalbretter angebracht. Der obere Teil saß auf dem unteren – wie es sich gehörte. Und in der Leiste in der Mitte waren drei kleine Schubfächer eingelassen. Das ist wichtig für den weiteren Verlauf unserer Geschichte. Ich verrate hier nur so viel: Die rechte und die linke Schublade ließen sich öffnen, die mittlere nicht. Obwohl man ihr das nicht ansah.

Windschiefer Flur

„Leuchte einmal mit der Taschenlampe“, bat mich meine Großmutter, wenn wir in ihrem windschiefen Flur vor dem alten Schrank standen. In den letzten Jahren hatte ihr Augenlicht stark nachgelassen. Dabei hatte sie schöne Augen; eisgrau und geheimnisvoll. Wach war ihr Blick, liebevoll und hin und wieder ein wenig keck. Soweit das ihre Erziehung zuließ. Ich leuchtete in den mächtigen Bauch des Schrankes. Der Strahl der Taschenlampe funzelte quittengelb auf gestapelte Gesellschaftsspiele: Ein zerfledderter Karton mit Mensch-Ärgere-Dich-nicht, ein kaum besser erhaltener Karton mit Halma, Mühle und Fang-den-Hut. Dann gab es noch ein paar Kartons, von denen sich später herausstellte, dass sie abgewetzte Gesangbücher aus längst vergangenen Zeiten bargen. Und in einer anderen Holzkiste hatte Rosa Orden versteckt, die ihr Großvater und Vater und ihre Brüder aus drei Kriegen heimgebracht hatten.

Hier ist es nicht

„Nein, hier ist es nicht“, sagte Röschen, richtete sich ächzend auf, wobei sie den Stock zur Hilfe nahm, auf den sie sich stützte; sie wischte sich eine wildernde Strähne ihres grauen Haars aus der Stirn und schaute mich mit ihren eisgrauen Augen an. In einem Augenwinkel hatte sich eine Träne eingenistet. „Nein, hier ist es nicht“, murmelte sie wieder.

„Was suchst du?“ fragte ich, doch sie beachtete meine Frage nicht, sondern stützte sich auf ihren Stock und dachte nach. „Es war doch hier“, murmelte sie, „ich bin mir sicher, dass es hier war.“ Sie schaute noch einmal ungläubig auf den alten Schrank, schüttelte den Kopf, wobei sich noch eine Strähne ihres Haares aus dem Knoten löste, und in die Stirn fiel.

Mit ihren Gedanken war die alte Frau weit weg. Jedenfalls nicht hier, im dunklen Flur ihres engen Häuschens in der kleinen Stadt. Röschens schmales, blasses Gesicht geisterte im Dämmerlicht des Hausflurs. Sie schaute ungläubig zum Schrank hin, schaute zu dem Ölbild hoch, das genau darüber hing; so, als wolle sie sich vergewissern mit einem langen, angestrengten Blick, dass das Bild noch hing. Das Bild zeigte das Fräulein Klara, eine Ahnin von mir. Von Klara war in meiner Familie nur hinter vorgehaltener Hand die Rede gewesen, flüsternd.

Wilde Geschichten – wie ein Tagtraum

Ich weiß nicht, wie lange wir da standen – mein Großmütterchen Rosa und ich. Schließlich murmelte Großmutter etwas und schaute kurz zum Ölbild auf. Aus Röschens Gemurmel vermeinte ich „böses Biest“ zu hören, Worte, die mich bei meiner frommen Großmutter sehr wunderten.

Ich fragte noch einmal: „Was ist, Großmutter? Was suchst du?“ Hier erwachte sie aus ihrem Tagtraum, sah mich an mit ihren hellen Augen, lachte, vielleicht ein bisschen schnell und strich sich die beiden grauen Strähnen aus dem Gesicht. „Ach nichts. Ich suche nur das Fotoalbum. Ich war sicher, dass es hier lag, in dem Schrank. Ganz sicher.“ Da schaute sie noch einmal misstrauisch zum Fräulein Klara hoch, die zart und fein in Öl gemalt über uns hing und zu sinnieren schien. Wer Klaras edle Züge sah, hätte jeden Eid darauf geschworen, dass ihr Herz rein war wie ein Waldquell.

Doch das war es nicht …

 

Baron Münchhausen

Bild: pixabay.com/WikiImages

 

 

 

 

Ich freue mich, dass es nun die Reihe Beste Zaubermärchen von mir gibt. Den Start macht Band I: Die Kugel. Es sind drei meiner Lieblingsmärchen aus dem ersten Buch Merse. Merse. Ginster – das leider vergriffen ist.

Hier leben die Geschichten wieder auf! Schaut einmal, mit welchen Märchen es bei Bruder Lustig anfing … es sind Klassiker und auf den Lesungen früher Garanten für so manches verschmitzte Lächeln.

 

Entspannen mit dem faulen Paul

Hallo Leute,

wer mal für ein paar Minuten raus aus dem hektischen Alltag will, der soll sich mal mit Paul entspannen …

Extratipp
……….
Lass die Seele baumeln, entspanne mit Paul … HIER geht’s zum Hörgenuss
……….

Bruder Lustig: Küsschen für die kleine Stadt

Mit seinen Küsschen für die kleine Stadt hat Bruder Lustig ein Kult-Buch geschrieben – voll mit spinnerten Geschichten …

Miltenberg?

Wo, zum Kuckuck, ist Miltenberg? Wenn man aus Wien stammt wie ich, muss man den Ort ergoogeln, nun weiß ich Bescheid, wo die kleine Stadt aus Bruderlustigs spinnerten Geschichten also liegt. Sie scheint tatsächlich ein Born der Fantasie zu sein, gut so.

Kindsköpfe in groß und klein

Durchzogen von amüsanten Interviews des Journalisten Krüger (wie Bruderlustig im normalen Leben heißt) mit erfundenen und auch echten Persönlichkeiten der kleinen Stadt ist diese Liebeserklärung an seine Heimat der Jugend ausgesprochen hübsch zu lesen, sofern die Leser was übrig haben für merkwürdige Figuren, wie ein liebessehnsüchtiges Vampirmädchen oder eine Riege von Königen, die Herr 1 bis Herr 100 auf einem winzigen Reich ausharren müssen, bis, ja bis … das sage ich jetzt nicht.

Die kleine Stadt ist ein Zustand des Herzens.

Sagt Bruderlustig im Vorwort und tatsächlich scheint es sich genauso zu verhalten. Es gibt viele lustige Geschichten in den Küsschen, aber auch eine, die wirklich ans Herz rührt. Die Geschichte von Onkel Albert, der verstummt vom Leid aus dem Krieg heimkehrt.

Von verhexten Puppen und gefinkelten Bürgermeisterinnen

In einem Interview mit der Uhren Else erfahren wir, wie es zur Zeit der Hexenverbrennungen zugegangen ist, Bruderlustig holt dann den verantwortlichen Richter aus dem Jahre 1627 dazu, der im Laufe des Gesprächs zugeben muss, dass sich die Ansichten mit den Zeiten änderten.
In einer anderen Geschichte wird mit allen hexischen Mitteln versucht, einen jungen Mann davon abzuhalten, Priester zu werden. Das Mittel der Wahl ist eine splitterfasernackte weibliche Puppe.
Was mir noch aufgefallen ist, in etlichen Geschichten punkten kluge Frauen, das gibt einen weiteren Punkt von mir für den Autor.

3 Männer illustrieren

Dieses Büchlein verfügt über etliche Zeichnungen von Bruderlustig & Sons, die die agierenden Figuren in gelungenen Porträts festgehalten haben.

Elsa Rieger

Bruderlustig, Küsschen für die kleine Stadt, Verlag BOD.de, ISBN: 9783848203925

 

Auch als eBook machen die Küsschen von Bruder Lustig eine gute Figur – spinnerte Geschichten gehen eben auf allen Plattformen…

Lustigs spinnerte Geschichten

Lieben Sie spinnerte Geschichten? In denen die kleinen Leute mit Witz und Fantasie Könige und Despoten besiegen? In denen nackte, verzauberte Schaufensterpuppen Priesterkandidaten verfolgen? Dann sind sie hier goldrichtig. Bruder Lustig fühlt dazu noch längst verblichene Größen wie Robert von Capitain und Götz von Berlichingen auf den Zahn. Ein köstlicher Spaß für große und kleine Kindsköpfe!

 

Halbe Romane – in Tröpfchenform

Über die Küsschen könnte man halbe Romane schreiben. Die Figuren von Bruder Lustig sind allesamt schräg. Die Geschichten sind es auch. Und was der ganzen Sache das Rotweinfass auf den Kopf schlägt, sind die Interviews mit illustren Personen der kleinen Stadt. Die sind zwar allesamt eine Weile tot – was sie aber nicht davon abhält, Bruder Lustig, den Fragesteller, ausgiebig zu beleidigen.

Ein Lesevergnügen, das kein Höschen trocken und keinen Kopf unversehrt lässt. Sie werden nicht mehr der sein, der Sie waren, bevor Sie das Buch in die Hand genommen haben.

Als eBook ist es etwas günstiger als oben angegeben – es kostet 7,99 Euro.

— Lichtblau —
Bruder Lustig, Küsschen für die kleine Stadt, eBook, ISBN-Quelle für Seitenzahl: 3848203928, Verlag: Books on Demand (11. April 2012, ASIN: B007T729HY