Satireautor Blaumilch sagt adieu

Jeremias Blaujemiablaumilchmilch hat uns drei Jahre auf diesem Blog und Bruderlustigs Kopfnüssen begleitet. Jetzt verabschiedet er sich – auch als Buchautor.

Bruder Lustig: Du hörst auf – das musst du uns erklären!

Jeremias Blaumilch: Das ist ganz einfach – das Schreiben ist mir für die Ergebnisse, die es bringt, zu aufwendig.

Bruder Lustig: Das heißt, du hättest es dir weniger anstrengend vorgestellt?

Jeremias Blaumilch: Auch. Aber das ist es nicht alleine. Ich finde, beim Schreiben steht der Aufwand, die viele Zeit, in keinem Verhältnis zum Gewinn.

Bruder Lustig: Aber du kannst doch eine kreative Tätigkeit nicht an dem Gewinn messen, den sie abwirft!

Jeremias Blaumilch: Warum nicht? Ich sitze stundenlang auf dem Hintern, schreibe ein Buch – und muss mich hinterher mit ein paar Euros abspeisen lassen? Was soll denn das?

Bruder Lustig: Du könntest ja auch erfolgreich sein und viele Bücher verkaufen.

Jeremias Blaumilch: Ja, könnte ich, wenn ich könnte. Kann ich aber nicht. Vielleicht könnten auch die Verleger mehr Werbung machen?

Bruder Lustig: Schwierig.

Jeremias Blaumilch: Ja, ich weiß. Ich bin kein geldgieriger Mensch – aber wenn ich mich im Jahr 100 Stunden hinsetze und schreibe und hinterher bekomme ich 70 Euro dafür, dann ist das einfach eine gigantische Zeitverschwendung. Wenn ich in meinem Beruf 100 Stunden mehr arbeite (was ich als Selbständiger könnte), hätte ich mindestens 5000 Euro verdient. Das ist die Realität. Ich könnte aber auch 50 Stunden mehr Freizeit machen und 50 Stunden mehr mit meiner Familie verbringen – das hat sehr viel mit Lebensqualität zu tun, Literatur hat es nicht.

Bruder Lustig: Also, Literatur ist für mich Lebensqualität pur. Ich kann nirgends so gut entspannen.

Jeremias Blaumilch: Du willst mir doch nicht allen Ernstes erzählen, dass du entspannst, wenn du Kinderbücher schreibst?

Bruder Lustig: Es gibt Phasen beim Kinderbuch, die sind anstrengend, klar. Vor allem, wenn ich plane. Aber beim Schreiben entspanne ich.

Jeremias Blaumilch: Du bist eben ein Triebtäter. Kein Wunder, dass du schon über 30 Jahre schreibst.

Bruder Lustig: Über 40.

Jeremias Blaumilch: Und jedem Misserfolg trotzt.

Bruder Lustig: Nicht jedem. Es ist ja viel Wahres an dem, was du sagst. Ich finde, das trifft vor allem auf längere Bücher zu. Kurzgeschichten zu schreiben und sie dann irgendwann einmal zu einem Buch zusammen zu fassen, das ist ok. Und für mich keine Arbeit, sondern Entspannung. Aber einen Roman zu planen und zu schreiben und dann 70 Euro zu bekommen, das ist grenzwertig. Das macht man einmal, das macht man zweimal, vielleicht noch ein drittes Mal. Aber dann ist gut, finde ich. Das ist für mich jetzt auch der Grund, warum ich nach zehn Jahre damit aufhöre, Kinderbücher zu schreiben.

Jeremias Blaumilch: Sieh an. Auch wenn ich Kurzgeschichten schrieb, oder kurze Satiren, kann ich nur bestätigen: So ist es.

Bruder Lustig: Aber es gibt noch einen zweiten Grund?

Jeremias Blaumilch: Die Blechschmitts haben mich gebeten, nicht mehr über sie zu schreiben.

Bruder Lustig: Ach, die gibt es wirklich?

Jeremias Blaumilch: Natürlich. Die Geschichten sind ja mit Einwilligung von Vater Blechschmitt entstanden. Ich dachte eigentlich immer, dass auch Frau Blechschmitt Bescheid wusste. Tat sie aber nicht. Sie fiel aus allen Wolken, als sie es mitbekam. Also stellen wir das Projekt ein.

Bruder Lustig: Ja, schade.

Jeremias Blaumilch: Aber nicht zu ändern. Aber ich habe gehört, Lichtblau springt ein.

Bruder Lustig: Ja, er hat irgendetwas über einen gewissen Osswald in der Mache. Auch Satiren.

Jeremias Blaumilch: Stimmt. Ich habe die Satiren gelesen. Ich finde sie echt gut. Lichtblau hat eine ziemlich treffende Feder. Gefällt mir besser als mein Zeug.

Bruder Lustig: Also müssen wir nicht allzu traurig sein, es geht irgendwie immer weiter.

Jeremias Blaumilch: So ist es.

 

Osswalds Kosmos: Katzenklo

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Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

Was tun, wenn die Katze nach Kacke riecht? Reicht es da, das Katzenklo zu reinigen? Oder steckt doch wieder mal Osswald dahinter?

Satire

„Hier stinkt es nach Scheiße“, murrt Osswald, als er das Wohnzimmer betritt.
„Hast Du deine Zähne geputzt?“, grantelt Frau Osswald.
„So riecht es nicht“, antwortet Osswald gelassen, er kennt den Humor seiner Holden. „Es riecht eher wie Katzenkacke“, fährt er fort.
„Dann mach das Katzenklo sauber“, erteilt ihm seine Gattin einen Auftrag. Wortlos schnappt sich Osswald das Katzenklo im Flur, stapft damit vor die Haustüre, pickt fünf erstaunlich große Kackbollen der Katze mit der Katzenkloschaufel heraus und lässt sie in den geöffneten Mülleimer poltern. Katzenklo wieder in den Flur stellen und die Treppe ins obere Stockwerk hasten, das ist bei Osswald nahezu eine Bewegung. Na gut, zwei.

Untergang von Atlantis

Dann hockt er im Zimmer seines Sohnes Distel und spielt mit ihm und Atlas den Untergang von Atlantis mit Playmobil-Figuren nach. Aber noch ist Atlantis nicht versunken, da grollt ein Donnerhall die Treppe herauf: „Osswald! Das Katzenklo stinkt immer noch gottserbärmlich. Was hast du gemacht?“
„Die fünf Stücke Katzenkacke mit der Katzenkackschaufel in den Mülleimer befördert. Das habe ich gemacht! Wie befohlen!“, ruft Osswald zurück.
„Ich werde wahnsinnig“, stöhnt Frau Osswald, „von ausleeren und auswaschen hast du wohl noch nie etwas gehört, wie?“
Osswald: „Nee, das hast du mir nicht gesagt.“
Frau Osswald: „Das gibt es doch gar nicht! Mach das jetzt!“
Osswald: „Nö, Jetzt spiele ich mit den Kindern.“

Der Endlos-Krimi

Frau Osswald gibt gurgelnde Geräusche von sich und knallt die Wohnzimmertüre zu.
Kurz darauf liegt sie auf dem Sofa, strickt und hört laut ihren Hör-Krimi. Osswald, der ein schlechtes Gedächtnis hat, kann die Dialoge dennoch fast auswendig – so oft hat seine holde Gattin den Krimi schon gehört.
Die Katze hat sich zu ihren Füßen auf der Wolldecke zusammengerollt und schnurrt.
Und Osswald? Hat natürlich das Katzenklo gereinigt; in kleinen Dingen ist er groß.

Allerdings kann er sich eine kleine Rache nicht verkneifen. Er geht kurz darauf aufs untere Klo. Setzt sich aufs Klo und lässt die Klotüre zum Flur hin offen. Und die Wohnzimmertüre ebenso. Es riecht. Ziemlich.

Kurz darauf stöhnt Frau Osswald aus dem Wohnzimmer: „Osswald, es stinkt ja schon wieder gottserbärmlich nach Scheiße!“ Worauf er scheinheilig flötet: „Liebes, ich fürchte, die Katze hat was mit dem Darm… was hast du ihr denn gefüttert?“

Lichtblau

Weitere Satiren? Von Blechschmitt vielleicht? 

Genieße das Abenteuer Familie!

Blechschmitts Welt: Goethes Schatten – Satire

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Bild: pixabay.com/WikiImages

Blechschmitt bekommt hohen Besuch – der Geheimrat persönlich schaut vorbei. Allerdings heimlich, damit es keiner merkt …

Satire

An diesem Nachmittag sieht Blechschmitt den Geheimrat persönlich. Die Sonne stößt überraschend durch die dicken Wolkenhaufen und sticht, knapp über den Giebel des Finanzamtes hinweg, in ihr Wohnzimmer. Ihre Strahlen enden auf der weißen Wand.
Und auf der Wand ist er – Goethe. Zwischen den Schatten der Topfpflanzen. Er steht da, ein lebensgroßer Scherenschnitt an seiner Wand. Blechschmitt erschrickt und schaut zum Fenster hin, ob etwa die Pflanzen auf dem Fenstersims oder eine alte Lampe ihn mit ihrem verzerrten Schattenspiel narren. Sie narren ihn nicht. Blechschmitt findet sich damit ab: Goethe. Bei ihm. Zu Hause.
Er schaut den Schatten an, doch nichts geschieht. Als Blechschmitt sein Wasserglas hebt, nickt Goethe leicht.

Der Geheimrat findet es lustig

Mutig geworden, fragt Blechschmitt ihn: Kommen Sie wegen des Goethejahrs?
Ihm war, als schüttele der alte Geheimrat belustigt den Kopf.
Das finden Sie wohl lustig! setzte Blechschmitt nach.
Der Geheimrat nickt heftig.
Blechschmitt hat einen Gedanken: Sie finden wohl überhaupt jedes Jubiläum lustig?
Goethe nickt heftiger.
Wissen Sie, dass Sie seit ein paar Jahren ganz dicke im Geschäft sind? Ein Star. Goethe oben, Goethe unten, Goethe überall. Der offizielle Repräsentant unseres kulturellen Lebens – sind Sie, Herr Geheimrat.

Goethe wiehert

Goethe wiehert lautlos. Blechschmitt wundert sich sehr.
Wieso kommen Sie hier vorbei? Wieso ausgerechnet zu mir?
Goethe zieht die Schultern hoch.
Wissen Sie eigentlich, dass ich Heine als Lyriker höher einschätze als Sie?
Der Geheimrat hebt den Daumen seiner rechten Hand.
Und Büchner schrieb bessere Prosa.
Goethe nickt eifrig.
Nur reiten konnten Sie besser als beide zusammen.
Goethe lacht und wirft den Kopf in den Nacken. Dann verschwindet die Sonne hinter den Wolkenhaufen über dem Finanzamt, und Goethe ist weg. Und sein Schatten auch.

Jeremias Blaumilch

Mehr Blechschmitt… genieße das Abenteuer Familie!

 

 

 

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Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

Blechschmitt ist ein wenig schusselig. Aber dass er gleich den neuen Hundekäfig verschlampt – das geht nun wirklich zu weit!

Satire

So ein Montagfrüh im Büro hat es in sich – vor allem, wenn Blechschmitt auch noch den Freitag frei hatte. Eine Tonne Mails muss er drehen und wenden, ob da nicht noch etwas Wichtiges versteckt wäre, das die Kollegin nicht gesichtet hat. Und dann die restliche Woche planen.
Kaum sitzt Blechschmitt aber am Schreibtisch und hat die erste Fehlermeldung auf dem Schirm (weil sein Mailaccount völlig abgesoffen ist), klingelt das Telefon. „Wo hast du den Hundekäfig hingestellt?!“, fragt ihn die nachdrückliche Stimme seiner Gattin. Sie ruft offensichtlich von unterwegs aus an, der Empfang ist nicht so gut.
„Äh“, antwortet Blechschmitt und versucht verzweifelt, sich an den Hundekäfig zu erinnern. Ja, wo hatte er den nochmal hingestellt? Und wann.

Hundekäfig? Ich versteh immer Hundekäfig …

„Äh, was ist denn mit dem Hundekäfig?“, fragt er, um Zeit zu gewinnen.
„Der ist weg!“, knarzt seine Gattin ins Mobiltelefon.
„Wie? Weg?“ Blechschmitt ist verblüfft.
„Ich bin gerade mit dem Auto unterwegs, habe es abgestellt und hinter mich geguckt – und der Hundekäfig ist weg. Wo hast du ihn hin?“
„Äh“, sagt Blechschmitt, „du meinst den Käfig für den Hund?“
„Ja, Herrgott, was denn sonst soll ein Hundekäfig sein als ein Käfig für den Hund? Jetzt stell dich doch nicht so saublöd an! Wo ist er?“

Wo ist der Hundekäfig?

„Ich, äh, habe ihn am Samstag aus dem Auto genommen. Als ich einkaufen fuhr.“ An diesem Samstag war Blechschmitt alleine einkaufen gefahren, weil seine Gattin noch ein bisschen kranker war als er. Sagte sie zumindest.
„Ja, und, wo hast du ihn hingestellt?“
„In den Carport. Wie immer.“
„Da stand er aber nicht, als ich das Auto vorhin wegfuhr. Das heißt, ich weiß nicht, ob er da stand. Aber das Auto stand da, wie kann dann noch so ein großer Hundekäfig dahinter gestanden haben?“
„Das stimmt auffallend“, pflichtet Blechschmitt der glasklaren Logik seiner Gattin bei.
„Also, wo ist der Hundekäfig?“
„Äh, weiß ich nicht. Ich habe das Auto schon am Samstag wieder in den Carport gefahren. Nicht wie sonst immer am Sonntag. Der Hundekäfig war also nur ganz kurz im Carport. Höchstens zwei Stunden. Da muss ihn also jemand am helllichten Tag aus dem Carport geklaut haben.“
„Na prima!“, stöhnt seine Gattin, „weiß du, was so ein Hundekäfig kostet?“
„Ja, 73,54 Euro mit Versand. Ich habe ihn schließlich bezahlt.“
„Also, du weißt es.“
„Ich weiß aber auch, dass ich den Wagen nur ganz kurz zum Einkaufen hatte. Und dass der Hundekäfig dann schon weg gewesen sein musste.“

Ohne Schramme

„Das mag ja sein. Aber wieso denkst du nicht daran, den Käfig nach dem Einkaufen wieder ins Auto zu packen? Und wieso merkst du nicht, dass du gar keinen Käfig im Auto hast, wenn du den Wagen in den Carport stellst?“
„Das sind gute Fragen, meine Liebe“, entgegnet Blechschmitt ruhig, „ich denke mal darüber nach.“
„Tu das. Und wenn ich nach Hause komme, schau ich mal. Vielleicht finde ich den Hundekäfig doch noch.“
Sie findet ihn, wie sie kurz darauf per Anruf übermittelt. Er steht im Carport. Sogar ohne Schramme.
„Ich möchte bloß mal wissen, wie du es geschafft hast, den Wagen einzuparken, obwohl der Käfig im Carport stand?“, wundert sich Frau Blechschmitt.
„Naja, der Parkpilot hat schon ziemlich früh gepfiffen. Und ich war erstaunt, wie weit der Wagen aus dem Carport ragt“, gibt Blechschmitt zu. Er macht sich gerne zum Deppen – solange der Hundekäfig wieder auftaucht …

Jeremias Blaumilch

Mehr Blechschmitt im ersten Buch …
Genieße das Abenteuer Familie!

Blechschmitts Welt: 2 nehmen, 1 zahlen

 

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Bild: pixabay.com/Pezibear

Bei den Blechschmitts hängt der Haussegen wieder gerade – doch ob die Lösung seiner Gattin für Blechschmitts Hosenproblem wirklich so salomonisch ist?

Satire

Frau Blechschmitt hat einen kleinen Zettel auf Blechschmitts Geldbeutel gelegt – den sieht er, als er am nächsten Morgen die Schublade öffnet und seinen Geldbeutel an sich nehmen will. Auf dem Zettel steht ein kleines, rosafarbenes Post-it: „Kauf dir doch mal zwei Hosen!“, empfiehlt seine Gattin. Blechschmitt freut sich; ganz offensichtlich sind die Gewitterwolken verzogen. Vor zwei Tagen hatten die Blechschmitts argen Krach bekommen – weil der Herr des Hauses der Herrin des Hauses sagte: „Wenn du demnächst wieder mal in der Waschküche vorbeikommst, wäre ich dir dankbar, du würdest mir mal ein paar Klamotten waschen. Mein Kleiderschrank ist fast leer. Ich laufe schon in meiner letzten Sommerhose herum, dabei haben wir 5 Grad Minus!“

Blechschmitts verdammter Macho-Spruch

Das hätte Blechschmitt nicht sagen sollen. „Was ist das denn für ein verdammter Macho-Spruch!“, bekommt er um die Ohren gehauen. Und selbst sein zarter Hinweis, dass sein holdes Weib nun mal für die Wäsche zuständig ist, er half nichts. Ja – und es war ihre eigene Arbeitsteilung. Wäsche macht sie – da darf Blechschmitt nicht ran. Sonst werden die weißen T-Shirt wieder pink und die gestärkten Hemden grau; so, wie alle Unterwäsche der Familie. Das nun doch nicht! Aber natürlich darf Blechschmitt seine Holde nicht auf ihre Pflichten ansprechen, wenn sie andere Verpflichtungen hat.

Zwei Hosen für eine

Aber nun, nach zwei Tagen, hat Frau Blechschmitt eine salomonische Lösung gefunden: „Kauf dir doch mal zwei Hosen!“ Das macht Blechschmitt gerne, auch, wenn er kein Geld hat, sondern nur Schulden. Vor allem, weil der Zettel, auf dem das Post-it seiner Holden klebt, von einem großen Warenhaus stammt. „2 nehmen, 1 zahlen“, steht da. Und „Gegen Abgabe dieses Bons erhalten Sie zwei Artikel nach Wahl zum Preis von einem (der günstigere ist umsonst).“
Das ist doch was – zwei Hosen für eine, denkt Blechschmitt. Der Text geht weiter: „Der Bon ist einlösbar ab 16:00 Uhr.“ Naja, das schafft er auch. Er liest den Zettel zu Ende: „Gültig vom 23.01. bis 30.03.2013 – in unserem Restaurant Café“.
Hm. Blechschmitt überlegt, ob er versuchen soll, jetzt zwei Hosen im Restaurant Café zu bestellen. Vielleicht lässt er sich auch die gesamten gekochten Spaghetti einpacken; dann kann seine Holde daraus zwei Hosen häkeln – in ihrer Freizeit, wenn sie sonst nichts zu tun hat…

Jeremias Blaumilch

 

Mehr Blechschmitt …

 

 

Blechschmitts Welt: Graucho Marx gehorcht nicht

Bild: pixabay.com/Alexander Stein / Graucho Marx

Graucho Marx / Bild: pixabay.com/Alexander Stein /

Am beständigsten ist bei Heinz Rühmann, Blechschmitts Hund, der Wandel. Sie können sich auf nichts verlassen. Kaum wissen sie, wie ihr Hund tickt, ändert er blitzschnell die Richtung. Dabei ist er eigentlich ein Faulpelz. Das macht die Sache noch ein wenig undurchsichtiger. Sie wissen nie, wann er zum Gähnen zu faul ist; oder wann er plötzlich losschießt wie ein geölter Kugelblitz.

Familien-Satire

Sonntags ist Hundetraining. Mehr für Blechschmitt als für Heinz Rühmann, den Hund. Das jedenfalls meint Frau Blechschmitts – denn der Hund weiß, was sich gehört. Eigentlich. Das muss Blechschmitt erst mühsam lernen. Eigentlich. Denn bei Frau Blechschmitt pariert der Hund; eigentlich.
Und tatsächlich: Auf dem Hundeplatz macht Heinz Rühmann genau das, was er soll. Sitz, Platz, Fuß. Und abrufen lässt er sich auch, während die anderen Hunde um Herrchen oder Frauchen herumtoben und abhauen und alles machen, nur nicht artig zu Frauchen oder Herrchen kommen und sich vor sie hinsetzen.

Die erste Stunde

„Ich weiß gar nicht, wieso Sie mit Heinz Rühmann zum Hundetraining kommen“, sagt die Hundetrainerin nach der ersten Stunde, „er gehorcht ja tadellos. So einen Welpen habe ich nie erlebt.“
Und selbst am Montag ist Heinz Rühmann noch ganz von der Hundeschule beeindruckt und folgt Frau Blechschmitt noch mehr aufs Wort – was die wiederum schwer beeindruckt. Für eine oder zwei Wochen steigt Blechschmitt tatsächlich etwas in der Achtung seiner Frau.

Der zweite Schub Pubertät

Aber das ist vorbei, als Heinz Rühmann seinen zweiten Schub Pubertät bekommt. Er hört nicht mehr, da kann Blechschmitt rufen, wie er will. Heinz Rühmann wälzt sich in jeder Scheiße, die am Wegesrand liegt, er schaut selbst Frau Blechschmitt trotzig an, als er zurückkommt, ein Stück Hundescheiße schief im Maul wie Graucho Marx seine Zigarre. Und selbst in der Hundeschule zeigt Heinz Rühmann, was er von Blechschmitt hält: nichts. Kaum lässt ihn die Trainerin los und ruft Blechschmitt ihn ab, schießt Heinz Rühmann los – allerdings in die entgegen gesetzte Richtung. Da kann Blechschmitt wieder mal rufen wie er mag.

Lange Kreise um die Hunderainerin

Heinz Rühmann zieht lange Minuten große Kreise um Blechschmitt, die Trainerin und die anderen Hunde, die mittlerweile tadellos gehorchen – herausfordernd die Hundescheiße schief im Maul wie Graucho … aber das wissen Sie ja. Blechschmitt fragt sich, wie Heinz Rühmann im Galopp die Scheiße anderer Hunde aufpicken konnte.

Heinz Rühmann gehorcht

Doch plötzlich erlebt Blechschmitt sein blaues Wunder. Heinz Rühmann gehorcht. Unvermittelt. Blechschmitt steht am Samstag auf dem Balkon und sieht Heinz Rühmann den Gartenweg Richtung Straße rennen. Wieso er im Garten war und wie er den Gartenzaun überwunden hat, ist ihm ein Rätsel. Aber Blechschmitt reagiert blitzschnell. Ruft „Heinz Rühmann!“. Und der Hund reagiert – ebenso blitzschnell. Bremst, schaut sich um, schnuppert schaut noch mal Richtung Gartentür – und trottet zurück.
Blechschmitt geht ins Wohnzimmer, in dem
Heinz Rühmann mittlerweile wieder liegt und einen Knocken nagt.
„Weißt du was?“ fragt Blechschmitt stolz sein Web, „Heinz Rühmann ist eben abgehauen. Und ich habe einmal gerufen, und der Hund hat sofort gefolgt.“
„Ja“, antwortet sein Weib, „ich weiß. Ich habe auch gerufen, und Heinz Rühmann mit dem Knochen hier gewunken. Da ist er sofort umgekehrt.“
Verfressenes Vieh, denkt Blechschmitt und steigt frustriert auf den Balkon zurück …

Jeremias Blaumilch

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Interview mit Jeremias Blaumilch

Zeichnung: Bruder Lustig

Mit seinem ersten Buch Die Blechschmitts – Abenteuer Familie hat sich Jeremias Blaumilch einen Herzenswunsch erfüllt. Und einen überraschenden Erfolg gelandet. Wir sprachen mit ihm.

Bruderlustig: Glückwunsch, Jeremias. Dein Buch läuft ja wirklich gut.

Jeremias Blaumilch: Ja, danke. Naja, es sind 100 verkauft.

Bruderlustig: Ja, aber das ist ja bei kleinen Verlagen die durchschnittlich verkaufte Auflage pro Buch.

Blaumilch: Echt?

Bruderlustig: Klar. Reich wirste damit nicht.

Blaumilch (seufzt): Also doch wieder Lotto spielen …

Bruderlustig: Quatsch. Damit wirste auch nicht reich. Aber mit deinen Geschichten machst du wenigstens einer Menge Leuten echte Spaß.

Blaumilch: Ja, danke.

Bruderlustig: Doch, wirklich. Ich kann das beurteilen. Schließlich habe ich schon mal eine Lesung mit einem Buch gemacht. Kam echt gut an.

Blaumilch: Nee, echt, ich bin gerührt. Das freut mich.

Bruderlustig: Also, auf die nächsten 100. Schließlich hast du und Verlegerin Ute Winkler die ersten 100 in zwei Monaten nach einer einzigen Rezension verkauft. Und vier kommen noch. Mindestens.

Blaumilch: Ja. Hört sich wirklich nicht schlecht an.

Bruderlustig: Wie kommst du denn an deine Geschichten?

Blaumilch: Ich kenn die Blechschmitts.

Bruderlustig: Ach, die gibt es wirklich?

Blaumilch: Klar, Mann. Was dachtest du denn?

Bruderlustig: Aber unter anderem Namen?

Blaumilch: Selbstverständlich. Ich bin doch nicht doof.

Bruderlustig: Selbstverständlich. Also haben die Geschichten doch was mit dir zu tun?

Blaumilch: Kein Kommentar!

Bruderlustig: Mir kannste es doch sagen …

Blaumilch (lacht): Und allen Lesern drei deiner Zaubertexte.

Bruderlustig (lacht auch): Ein paar mehr sind es jeden Tag mittlerweile schon.

Blaumilch: Müsste mich das beunruhigen?

Bruderlustig: Kommt drauf an, was du hier verrätst.

Blaumilch: Jedenfalls keine Staatsgeheimnisse.

Bruderlustig: Also, dich hat unser damaliger Bundespräsident nicht vorher gewulft und dir auf deiner Mailbox gedroht? Damit du nicht verrätst, dass es eigentlich die Familie Wullfs und nicht die Familie Blechschmitt ist, über die du schreibst.

Blaumilch (schaut verzweifelt): Psssst!

Bruderlustig: Echt? Die Wulffs?

Blaumilch: Meiste wirklich, die sind so sympathisch?

Bruderlustig: Ich kenne die nicht.

Blaumilch: Sei froh.

Bruderlustig: Kennst du die denn?

Blaumilch: Muss man Umgang mit solchen Leuten haben?

Bruderlustig: Nee. Andere Frage: Weiß eigentlich Frau Wulff, äh, Frau Blechschmitt, dass du über sie schreibst? Wer auch immer das ist?

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Traust du dich? Willkommen zum letzten großen Abenteuer!
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Blaumilch: Bis jetzt nicht.

Bruderlustig: Oha.

Blaumilch: Naja, no risk no fun!

Bruderlustig: Aha. Aber das Nachfolgewerk ist schon gesichert? Falls sie dich umbringt?

Blaumilch: Da steht ja schon vieles hier auf dem Blog. Ja, fast fertig. Und wird viel härter als das erste.

Bruderlustig: Ich habe es befürchtet. Na, dann freuen wir uns auf ein neues Buch. Ich danke für das Gespräch.

Blaumilch: Bitte.

Mehr von den Blechschmitts:

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Blechschmitts Welt: tauber Hund

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Bild: pixabay.com/Unsplash

Gar nicht auszudenken wie es ist, mit einem tauben Hund durch die Gegend zu gehen.

Satire

Frau Blechschmitt kommt mit Hans Albers vom Tierarzt.
„Jetzt weiß ich, warum Hans Albers so hart hört. Er ist ein wenig harthörig.“
„Harthörig?“ wundert sich Blechschmitt.
„Ja, wir mussten ihn heute in Narkose legen, damit wir seine Ohren untersuchen konnten. Der hat vielleicht gejammert und geschrien, als die Tierärztin in sein Ohr geschaut hat.“
„Hat sie wenigstens etwas gefunden?“, fragt Blechschmitt, während er darüber nachdenkt, weshalb zum Kuckuck seine Gattin schon wieder mit dem Hund bei der Tierärztin war. Irgend etwas mit dem Ohr, vermutet er rasiermesserscharf. Er weiß schon wieder, dass die nächste Tierarztrechnung  astronomische Höhen erreichen wird, ehe sie bei ihnen im Briefkasten liegt.

Ohren zugewachsen. Ein tauber Hund

„Die Ohren sind vollkommen zugewachsen mit Haaren. Und Schmand. Und im linken Ohr fehlt ihm das Trommelfell.“
„Das Tromelfell!“
„Ja. Wahrscheinlich von Geburt an.“
„Na prima“, mault Blechschmitt, „da kauft man sich einen Rassehund, der seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen ist, fährt dazu in die Schweiz und blättert dafür 2000 Euro hin – und am Ende fehlt ihm ein Ohr.“
„Ein Trommelfell.“
„Genau. Naja, ist auch egal, mein Schätzchen bleibt Hans Albers in jedem Fall.“
„Das dachte ich mir, ist ja auch dein Lieblingshund. Ist aber nicht ganz egal. Weil wir ihn nicht mehr frei laufen lassen können, wenn er auch noch auf dem anderen Ohr das Trommelfell verliert.“
„Wer sagt denn so was?“
„Was?“
„Das mit dem anderen Trommelfell?“
„Kann sein, wenn es ein rassegenetischer Defekt ist. Oder wenn es von dem ganzen Kraut in den Ohren kommt.“
„Naja, dann musst du halt Taubstummensprache lernen. Und Hans Albers auch.“
Blechschmitt muss grinsen. Er stellt sich vor, wie seine Holde wild gestikulierend aber stumm in der Landschaft herumläuft – im verzweifelten Versuch, einen ungehorsamen und tauben Hund herbei zu rufen. Und Hans Albers die himmlische Ruhe genießt …

Jeremias Blaumilch

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Blechschmitts Welt: Mach’s mit der Taste

Bild: Clker.com/ClkerFreeVectorImages

Manchmal ist es gar nicht so einfach, die richtige Taste zu finden – vor allem, wenn die Beschriftung sich ändert.

Satire

Sonntagmittag, eine Kleinstadt, irgendwo in Deutschland. Blechschmitt steht an der Theke eines Hamburgerrestaurants und wartet auf seine Bestellung. Die Dame, die jetzt drankommt, während er wartet, ist dunkelhäutig, schneidig und unverkennbar amerikanisch. Wahrscheinlich eine Soldatin in Zivil. Sie bestellt erst ein gebackenes Käsebrötchen mit gesottenen Langkartoffeln und bezahlt mit einem 20-Euro-Schein. Dann bestellt sie ein Fleischklopsbrötchen (gebacken), auch mit gesottenen Langkartoffeln. Zum Bezahlen reicht sie einen 20-Dollar-Schein über den Tresen.

Des geht net

„Das nicht wir annehmen dürfen“, radebrecht ein junger Mann mit russischem Akzent.
Die schwarze Dame lässt keinen Zweifel aufkommen und antwortet entschieden und akzentfrei: „Sie dürfen überall auf der Welt in Bernie Burgers Braterei mit Dollars bezahlen, junger Mann!“
Und fährt fort: „Sie müssen auf die Taste ‚andere Währungen‘ drücken, den Betrag in Dollar eingeben. Dann bekommen Sie angezeigt, wie viele Euro Sie zurückgeben müssen.“
Der Russe an der Kasse schaut, als wären die Amerikaner in Sibirien gelandet – von diesen Tasten hat er noch nie etwas gehört. Er tippt zaghaft auf den Tasten herum, gibt dann auf und ruft lieber seine Chefin. Eine flotte Deutsche

Ein Lob der Taste – das Wechselgeld kommt

Die Chefin ist unsicher, ob sie schon einmal von den Tasten gehört hat – und lässt sich lieber den ganzen Vorgang noch einmal von vorne erklären.
Auch sie tippt – und siehe da, es klappt, das Wechselgeld kommt.
Sie hat auch eine Erklärung, warum das so schwierig war mit den Tasten: „Wissen Sie, früher stand aus den Taste immer ‚Dollar‘. Jetzt steht da ‚USD‘.
Na dann, denkt sich Blechschmitt und grinst, während die Amerikanerin schaut, als wären die Russen an Alaskas Küste gelandet.

Jeremias Blaumilch

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Blechschmitts Welt: Lockere Dame

Blechschmitts Welt Glück

Bild: pixabay.com/biene2768

Blechschmitt trifft auf eine lockere Dame – und kann was erleben!

Satire

Blechschmitt trifft seine neue Chefin im Besprechungsraum; es ist fünf Minute bis um Meeting, die beiden sind überpünktlich. Heute, am ersten Sonnentag dieses verregneten Frühjahrs, trägt sie einen kurzen Rock. An der Innenwade ihres rechten Beines prangen als Tattoo ein chinesisches Schriftzeichen. Eine lockere Dame, denkt Blechschmitt.

Hat das eine Bedeutung?

„Oh, schön“ sagt Blechschmitt, ermuntert von ihrem strahlenden Lächeln und deutet auf das Schriftzeichen, „hat das eine Bedeutung?“
„Ach, das ist eine ziemlich dumme Geschichte“, strahlt sie, „Sie wissen ja, wie es ist, wenn man jung ist.“

Schöne Schriftzeichen

Blechschmitt nickt wissend.
„Mit 18 hatte ich eine Freundin, die malte wunderschön. Unter anderem chinesische Schriftzeichen. So eines wollte ich unbedingt als Tattoo haben und suchte mir das hier aus.“
Die Chefin deutet auf das Schriftzeichen auf ihrer Wade.

„Ein paar Wochen später saßen wir in einem Chinarestaurant. Die Speisekarte war in Chinesisch und Deutsch geschrieben. Da sah ich mein Schriftzeichen.“
„Und, was heißt es?“, fragt Blechschmitt vorwitzig, „Pekingente süßsauer?“
Die Chefin lächelt süßsauer: „Inklusive Mehrwertsteuer“, sagt sie mit Grabesstimme.
„Oh, dann kann man Sie ja gar nicht von der Steuer absetzen“, feixt Blechschmitt.
Er wundert sich später, warum bloß die Chefin so viel Arbeit für ihn hat – bis weit nach Feierabend.

Jeremias Blaumilch

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