Svevo, Italo: Der alte Herr und das schöne Mädchen

Bild: Clker.com/FreePics

Italo Svevo zeigt in seinem Buch Der alte Herr und das schöne Mädchen: Alter schützt vor Torheit nicht.

Svevos wunderschöne Geschichte

Es ist ein wunderschönes Buch.  Der alte Herr und das schöne Mädchen heißt es und stammt von Italo Svevo. Eigentlich geht darin für den alten Herrn ein Traum in Erfüllung: Am Ende seines Lebens leistet er sich eine Affäre mit einem jungen Mädchen, das ihn auch noch liebt. Der alte Herr ist vornehm, reich und legt, mit seiner Altersaffäre, im Land der Gigolos seine Meisterprüfung ab. Doch ihn plagt sein Gewissen.

Den Gelüsten freien Lauf?

Darf er seinen Lüsten freien Lauf lassen? Nutzt er die Treuherzigkeit des Mädchens nicht schamlos aus? Sollte er nicht besser das junge Mädchen fördern – als väterlicher Freund? Er versucht, sein Gewissen zu beruhigen, indem er dem Mädchen Geld gibt. Damit aber entwertet er ihre Beziehung. Das Mädchen, das ihn eigentlich nicht wegen des Geldes liebt, degradiert er zur Hure, sich selbst reduziert er auf sein Bankkonto.

Leckerbissen für Svevo-Fans

Kein Wunder, das ihn das Bezahlen des Mädchens nicht befriedigt. Er flüchtet sich in eine Theorie und versucht, sich mit Betrachtungen über die Beziehung von Jung und Alt zu befreien. Doch die Theorie zerfasert ihm, er kommt von dem Mädchen nicht los. Svevos späte Erzählung hat der Verlag Klaus Wagenbach in den Mittelpunkt des schön aufgemachten Bändchens gestellt.

Svevos Geschichte rührt an

Es ist eine Geschichte, die anrührt; gerade, weil Svevo sie distanziert erzählt. Das Bändchen ergänzen ein autobiografischer Abriss, Informationen zu Autor und Werk und alte Fotos aus Svevos Triest. Ein echter Leckerbissen für Svevo-Fans und alle, die es werden wollen.

Italo Svevo, Der alte Herr und das schöne Mädchen, Reihe Salto, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 116 Seiten, ISBN-10 3803111757, ISBN-13 978-3803111753, 14,90 Euro.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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