Storyteller: Carson McCullers, Der Nomade – Kurzgeschichten

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Bild: pixabay.com/Damon Nofar

Oft Gesehenes neu gesehen: Die Geschichten der Carson McCullers im Buch Der Nomade sind Miniaturen der Außergewöhnlichkeit.

In Carson McCullers Geschichten begegnen wir Menschen, die wir schon oft gesehen haben. Aber wir betrachten sie plötzlich mit ganz anderen Augen, erkennen Neues, Anderes. Wir sind fasziniert von der leise tropfenden Trauer in den Kurzgeschichten.

Ein Unbehauster, ein Nomade

Nehmen wir den Nomaden, den Unbehausten. John Ferris heißt er und ist einer von ihnen. Ferris ist aus Paris nach New York herübergekommen zur Beerdigung seines Vaters. Da sieht er seine geschiedene Frau Elisabeth auf der Straße, ruft sie später an, sie lädt ihn ein. Der Nomade nimmt an, sein Flug nach Paris geht erst am nächsten Tag. Ferris dringt in ein völlig fremdes Leben mit dem aktuellen Ehemann von Elisabeth ein und den Kindern. Das Treffen kommt uns irgendwie surreal vor, durchsetzt mit den Erinnerungen Ferris’.

Brüchiges Leben

Als Ferris vom Flughafen mit dem Taxi durchs nächtliche Paris fährt, erkennt er das Unstete seines Lebens, die nagende Unbehaustheit. Unbehaust, brüchig, ohne Liebe; so lebt er. Das will er ändern. Und die einzige brüchige Hoffnung für seine Liebe ist das Kind seiner Lebensgefährtin, Valentin.
Diese Liebe könnte den Pulsschlag der Zeit vielleicht nicht beeinflussen – aber vielleicht dem Nomaden so etwas wie eine Stetigkeit verleihen. Denn nur in der Ruhe findet man seine Mitte … gönnen wir’s ihm.

Über Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....