Spinnerte Geschichten: Hilfe, die Hunnen greifen an!

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Zeichnung: Ewald Weinald

Was der arme Johann Adam Hasenstab beim dicken König so alles erlebte.

Sie hatten ihn erwischt. Wütend sah sich Johann Adam Hasenstab um: Vor ihm saß der dicke, schielende König auf seinem Thron, daneben stand Vogt Breitbernd, der aussah wie eine Presswurst auf Stelzen. Vor ein paar Wochen noch war Vogt Breitbernd ein armseliger Bauer gewesen und hatte Schmalhans geheißen. Aber dann hatte er dem König ein paar Tipps gegeben, welche Bauern in den königliche Wäldern wilderten und war zum Vogt aufgestiegen. Dummerweise hatte Ex-Bauer Schmalhans auch Johann Adams Vater ans Messer geliefert, den alten Hasenstab.

Der Bauer Schmalhans verpfiff sie

Der war der eifrigste Wilderer – einfach, weil der König beinahe alle Erträge und Ernten von den Bauern als Steuern verlangte, und von irgendetwas musste die Bauern und ihre Familien ja leben. Also holten sie sich einfach das Wild aus den Wäldern des Königs. Und niemand schnappte sie. Bis sie Bauer Schmalhans verpfiff. Die Leute des Königs schnappten sich alle Wilderer, nur Johann Adams Vater entkam. Also ließ der König seinen Sohn abführen. Und hier stand Johann Adam nun, vor dem Thron des Königs und schaute sich wütend um.

»Nun, Bursche, wo ist den Vater? Rede!« fauchte ihn gerade wieder der Vogt an. Johann Adam schüttelte den Kopf. »Ich weiß es nicht«, antwortete der Junge trotzig zum siebten Mal.

Der König brüllte

»Jetzt mag ich aber nicht mehr!«, brüllte der König, »werft den Burschen in den Kerker. Vierteilt ihn, kitzelt ihn, bis er wieder weiß, wo sein Vater ist!« Johann Adam schluckte – das hörte sich gar nicht gut an…

Der König beugte sich vor und wollte gerade eine Frage stellen – da splitterte die Glasfront des Saales, in dem das Verhör stattfand. Eine Kuh kam herein geflogen und begrub den Vogt Breitbernd unter sich. Platsch. Johann Adam roch sofort, dass die Kuh schon ziemlich lange tot sein musste.

Breitbernds rechter Arm klatschte dem Hornvieh ein paar Mal müde an den aufgedunsenen Wanst, dann war die Geschichte mit dem Vogt auch schon zu Ende. »Ein Hirsch, seit wann fliegen denn Hirsche freiwillig in meinen Palast?!«, brüllte der König und sprang auf und ab. »Die sollen gefälligst warten, bis ich sie schießen gehe!« Während der König, jetzt mit knallrotem Gesicht, auf und nieder sprang und mit überschnappender Stimme brüllte, hörte Johann Adam einen Ruf: »Die Hunnen!«

Die Hunnen kommen

Der König hatte aufgehört zu brüllen, sprang aber noch ein paar Mal auf und nieder und machte ein verdutztes Gesicht. Die Farbe seines Gesichtes wechselte von puterrot zu kalkweiß. Johann Adam blickte durch das Fenster: Der Palast war umspült von einer wilden Horde Hunnen.

In vorderster Reihe standen die Schleudern, mit denen die Belagerer jede Menge unerfreulicher Dinge in die Mauern des Palastes katapultieren würden. Verwesende Kadaver wie der, dem Breitbernd eben sein unrühmliches Ende verdankte; dazu Gefangene, Bauern aus der Umgebung, Fäkalien.

Der König stand bleich im Saal herum, seine Hände flatterten am samtenen Wams auf und nieder.

Hier ist was los

»Da draußen ist ganz schön was los«, sagte Johann Adam. »Ja?« fragte der König ängstlich. »So viele Soldaten habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen«, sagte Johann Adam. »Wirklich?«, fragte der König ängstlich und trat an das von der Kuh zerstörte Fenster. Da hörten sie ein Pfeifen in der Luft, gefolgt von einem schmatzenden Klatschen. »Merde!« brüllte der König, – und wirklich, der Herrscher war über und über mit Fäkalien bekleckert. »Bagage!« brüllte der König, und sofort stürzten Diener herbei, und trugen den König, der der stocksteif war vor Wut, an seinen vier Extremitäten in die Waschküche.

Johann Adam schlich sich aus dem Thronsaal. Vogt und König wäre er losgeworden, jetzt musste er nur noch an den Hunnen vorbei. In der Halle des Schlosses liefen die Leute des Schlosses durcheinander. Plötzlich gab es einen lauten Knall und einen Blitz – und der Zauberer Konrad Müller erschien. Der war zwar in einer völlig anderen Geschichte zu Hause, hatte aber mit ein paar Zaubersprüchen herumgespielt – und war in diese Geschichte geraten.

Hier kommt der Zauberer

»Hallo«, sagte der Zauberer zu Johann Adam und schaute sich um. Und weil er am Fenster stand, sah er auch die Hunnen. »Wer ist das?«, fragte der Zauberer. »Die Hunnen«, antwortete Johann Adam. »Und die greifen den Palast an, nicht wahr?«, fuhr der Zauberer fort. Johann Adam nickte. »Naja, dann lass uns von hier verschwinden«, sagte der Zauberer und schwang seinen Zauberstab. Es gab einen Blitz und einen Knall – und schon waren beide weg.

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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