Spinnerte Geschichten – Die Abenteuer des faulen Paul

Schreckliche Piraten holen den faulen Paul zu sich

Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

Ein Buch lesen – für viele junge Leute ein Gräuel. Dabei kann da echt die Post abgehen. Was meint ihr, was ein Junge erlebt, der ein Buch liest?

In der kleinen Stadt lebte ein Junge, der hieß Paul. Er hatte einen Vater, der war Rechtsanwalt, fleißig und reich und eine Mutter, die war schön und klug und sagte allen, wo es langging.
Paul hingegen war faul und gefräßig. Er lag am liebsten auf dem Sofa, aß Schokolade und träumte. Manchmal lag er auch im großen Schrank und träumte. Oder er lag unter den Betten und träumte.

Paul träumt

Paul träumte vor allem, wenn er Hausaufgaben machen oder sein Zimmer aufräumen sollte. Und weil er immer träumte, hieß er der faule Paul. Doch das störte ihn nicht weiter.

Wenn Paul träumte, dann von Piraten. Piraten mochte er am liebsten. In seinen Träumen war der faule Paul der größte aller Piraten und trieb die gesamte Flotte ihrer Majestät, der Königin von England, vor sich her über die sieben Weltmeere.

Mama im Anmarsch

Als Paul eines Tages so lag und Schokolade aß und träumte, hörte er seine Mutter die Treppe zu seinem Zimmer hochsteigen. Paul hatte den ganzen Nachmittag auf seinem Sofa gelegen und geträumt. Sein Zimmer sah aus, als hätte hier die Seeschlacht von Trafalgar stattgefunden und an Hausaufgaben hatte er keine Sekunde gedacht. Paul hatte nicht einmal seine Hefte in dem ganzen Saustall gefunden. Noch einige Treppenstufen – und seine Mutter würde in Pauls Zimmer kommen und ihm sehr deutlich ihre Meinung sagen über die ganze Angelegenheit hier. Oder vielmehr »die Hammelbeine lang ziehen«, wie es sein Vater immer ausdrückte.

Der Pirat grinste

Paul legte sich bequemer zurecht, denn an Flucht war nicht zu denken, da sah er, wie ihn ein Pirat direkt vor seiner Nase dreckig angrinste. Dabei verzog der langsam seinen Mund. Der Pirat hatte einen schwarzen Bart im Gesicht, einen verwegenen und schon reichlich dreckigen Dreispitz auf dem Kopf – und war eigentlich ein Bild. Das Bild gehörte in ein Buch, das auf Pauls Bauch stand und an seinen aufgestellten Oberschenkeln lehnte.

Paul riss die Augen auf, der Pirat grinste noch ein bisschen breiter und dreckiger. Plötzlich streckte der verwegene Freibeuter seine linke Hand aus, langsam kam dessen langer Zeigefinger auf Pauls Nase zu, und Paul schielte dem Finger immer stärker entgegen. Und gerade, als Pauls Mutter die Tür aufriss und »Paul!« rief, denn sie erwartete, dass ihr Sohn den ganzen Nachmittag auf dem Sofa herumgelümmelt war und sein Zimmer aussah wie nach der Seeschlacht von Trafalgar – gerade als seine Mutter also »Paul!« rief – da traf der dreckige Finger des Piraten Pauls Nase.

Plöpp war Paul weg

Es macht »Plöpp!« und Paul war weg – jedenfalls war er aus seinem Zimmer verschwunden. Seine Mutter hörte noch das »Plöpp!« und sah das Piratenbuch zu Boden fallen – nur ihren Paul sah sie nicht.

Am nächsten Morgen fanden sie Paul. Er lag friedlich auf seinem Sofa und schlief – das aufgeschlagene Piratenbuch hatte er quer über dem Bauch liegen. Allerdings hatte er zerrissene, verdreckte Piratenklamotten an, sein Gesicht war verschmiert von Pulverdampf, an der linken Wange hatte er eine kleine Fleischwunde, die schon nicht mehr blutete. Seinen entsetzten Eltern wollte Paul nicht erzählen, wo er gewesen war und welche Abenteuer er bestanden hatte.

Paul war glücklich

Der faule Paul war seit dieser Zeit meistens glücklich. Die Piraten holten ihn immer wieder in ihre Welt – Paul musste nur das zauberhafte Piratenbuch aufschlagen und schon kam der lange Zeigefinger des Piraten mit dem Dreispitz aus dem Buch heraus und berührte seine Nase. »Plöpp!«

Paul erlebte im Piratenland die wildesten Abenteuer. Später schrieb er sie auf und wurde ein berühmter Schriftsteller. So weit können es Leute bringen, die immer nur faul auf dem Sofa liegen und lesen … P.S.: Die Abenteuer des faulen Paul gibt es mittlerweile als Kinderbücher – Infos oben unter „Buecher“.

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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