Spinnerte Geschichte: Strafe für den neidischen Maler

www.pixabay.com/Lumpi

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Mit Hexen ist nicht zu spaßen. Vor allem, wenn sie von Ehrbarkeit durchdrungen sind. In deren Gegenwart sollte man sich auf jeden Fall benehmen.

In der kleinen Stadt lebten zwei Maler. Der eine malte den Leuten nach dem Geschmack – und hatte Erfolg, obwohl er kein großer Künstler war. Der andere war ein Genie, der sich nicht um den Geschmack des Publikums scherte. Er hatte lange Zeit gar keinen Erfolg und lebte von Tagelöhnerdiensten.

Doch das änderte sich unvermittelt, als sich der neue, kunstsinnige Direktor der Bank, Basilius Nothelfer, dem verkannten Genie ein Bild abkaufte und es in seiner Bank aufhängte. Es war das Porträt von Frau Nothelfer. Der Künstler hatte es sehr modern gestaltet, es erinnert nur entfernt an die Frau des Bankdirektors. Das Bild zeigte arg verrutschte Gesichtszüge und eigenartige Farben – aber vielleicht hatte Herr Nothelfer gerade deshalb das Bild gekauft und in seiner Bank aufgehängt.

Riesenkrach mit Frau Bankdirektor

Er bekam deswegen einen Riesenkrach mit seiner Frau, die sagte, sie sehe aus wie eine explodierende Pfeffermühle, gefüllt mit rotem, grünem und gelbem Paprika. Das aber störte den Bankdirektor nicht weiter – so sehr seine Frau auch sonst die Hosen an hatte, bei Kunst blieb er stur und ließ das Bild hängen.

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Der andere Maler, der immer nach dem Geschmack des Publikums malte, war wütend, weil der Bankdirektor seine Bilder verschmäht hatte. Er hatte noch nie in der Bank ausgestellt – überall sonst, aber noch nie in der Bank. Direktor Nothelfer hielt viel auf seinen Kunstgeschmack.

Angriff des Malers

Der verschmähte Maler sammelte eines Tages seine Freunde um sich. Voller Hass standen sie vor dem Bild des anderen Malers. Dann lachten sie schrill. Der Kundenberater kam und fragte, ob er ihnen helfen könnte. Sie lachten nur noch schriller, hielten sich die Bäuche und zeigten mit den Fingern auf das Bild. Der Bankdirektor kam und auch dann lachten sie noch.

Einige Minuten ging das so, die Kunden der Bank waren irritiert. Dann kam die Polizei und bereitete dem Spuk ein Ende. Nun hatte der Maler, der dem Publikum nach dem Geschmack malte, auch sonst ziemlich Pech mit der Aktion: In der Bank war nämlich gerade, als er mit seinen Freunden das Bild seines Konkurrenten verlachte, die Hexe Tintenfleck. Die fand das Bild der Frau Bankdirektor zwar auch eher scheußlich als schön, aber die Lachaktion des Malers und seiner Freunde ging ihr vollkommen gegen den Strich.

Gerechte Hexe

Sie war eine gerecht denkende Hexe. So etwas tat man nicht – und schon gar nicht einem Kollegen gegenüber. Wo kam man denn hin, wenn man sich so aufführte, nur weil man mal nicht zum Zug gekommen war? So etwas war geschmacklos. Also ging die Hexe Tintenfleck ins Haus des verschmähten Malers, als er noch bei der Polizei war und verhexte die Leinwand, auf die er gerade malte. Es war das Porträt des Schuldirektors Rotmoser. Der war ein bedächtiger, ruhiger Zeitgenosse.

Aber als der Maler am anderen Tag das Bild fertig gemalt hatte, war es mit der Ruhe und der Bedächtigkeit des Rektors vorbei: Mit einem Mark erschütternden Schrei sprang das Bild aus der Leinwand heraus und stürzte sich auf den Maler. Der konnte gerade noch die Beine unter die Arme nehmen und Fersengeld geben. Doch der gemalte Schulrektor rannte mit einer affenartigen Geschwindigkeit hinter dem Maler her. Und brüllte dabei wie ein Urwaldaffe. Dem Maler fielen auf seinem Weg weg von seinem Plagegeist sämtliche Pinsel aus der Hand.

Seltsame Jagd

Die Leute in der kleinen Stadt drehten ihre Köpfe und schauten der seltsamen Jagd nach. Schon erstaunlich, wie sich der Rektor plötzlich benahm; er war nicht mehr wieder zu erkennen. Das ging so lange, bis die wilde Jagd an einer Schulklasse vorbeikam, die Wandertag hatte – es war ausgerechnet die Klasse von Schuldirektor Rotmoser. Der machte ein entsetzlich dämliches Gesicht, als er sein Abbild an sich vorbeijagen sah.

Der Maler keuchte ihm zu: »Kein Problem, kein Problem, das Bild kommt später!« Seitdem hieß Rektor Rotmoser bei seinen Schülern nur »Kein Problem, kein Problem!« Ein paar Meter weiter bog der Maler rechts in eine Gasse und das Bild links – warum auch immer. Damit war der Spuk vorbei. Am nächsten Tag hatte der Maler einen Brief von der Hexe Tintenfleck im Briefkasten. Darin schrieb sie, das Bild könnte aus dem Rahmen gesprungen sein, weil er das Bild seines Kollegen verlacht hatte. So könnte es gewesen sein, vermutete die Hexe in ihrem Brief. Das sollte er nicht mehr tun. Der Maler war nicht dumm – er tat, was die gute Hexe ihm empfahl. Denn damit fährt man immer besser.

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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