Spengler, Franz: Als die Tiere für einen Tag sprechen durften

Sprechende Tiere

Bild: pixabay.com/FreePics

Ein Buch, das Tieren ihre Persönlichkeit geben soll – ein sympathisches Unterfangen. Franz Spengler hat es geschrieben.

Tiere haben eine Seele

Schüler für Tiere heißt die Aktion, für die dieses Buch wirbt – und damit ist die Richtung auch gleich klar: Es geht darum, Tiere möglichst sympathisch rüberkommen zu lassen. Oder vielmehr zu zeigen, dass Tiere eine Seele haben und keine Sache sind – wie es der Klappentext nahelegt.

Bei Spengler wissen wir gleich Bescheid

So wissen wir gleich Bescheid. Die Rahmenhandlung: Britta und Insa besuchen ihre Großmutter auf dem Bauernhof. Großmutter ist nun keine typische Bäuerin, die Tiere unter fragwürdigen Bedingungen großzieht, um sie dann an den Schlachter zu verkaufen – sondern sie ist gut zu allen Tieren. Wenn sich ein Huhn beim unbedachten Sprung vom Misthaufen am Bein verletzt, bekommt sie von Großmutter eine Schiene verpasst.
So ist es kein Wunder, wenn Großmutter den beiden Mädchen als Gute-Nacht-Geschichte jene erzählt, die dem Buch den Namen gab – als die Tiere für einen Tag die Sprache der Menschen sprachen.

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Jesus versammelt die Tiere

Das hat ihnen kein Geringerer als Jesus Christus ermöglicht, auf dessen Geheiß sich die Tiere versammeln. Er steigt in einer Lichtkugel vom Himmel herab und verleiht de Tieren die Menschensprache – damit sie von ihrem Elend berichten können. Denn Jesus ist es langsam leid, das triste Leben der meisten Tiere mit anzusehen.
Das erinnert an die alten Sagen der Volksfrömmigkeit, an Heiligenlegenden und christliche Kalendergeschichten – altbacken zwar, aber Abkömmling einer durchaus respektablen literarischen Tradition.

Ungewöhnliche Geschichte

Es mag ungewöhnlich sein, so etwas heute in einem Kinderbuch zu lesen – aber warum nicht? Nur, weil mit diesen christlichen Geschichten so viel Schindluder verbrämt wurde, der auf das Konto einer machtversessenen Kirche ging?
Dafür kann nun Jesus nichts – und schon gar nicht der Jesus einer solchen urwüchsigen Volksfrömmigkeit wie hier.
Lassen wir’s also stehen und schauen, wie die Geschichte weitergeht: Die Tiere berichten von ihrem tristen Leben, gewinnen Verbündete (Bäuerin und Jäger) undhalten sich so die Masse der Bauern vom Leib, die sie nur weiterhin (aus-) nutzen will. Eine schöne Geschichte, die zu Herzen geht. Und sie erreicht ihr Ziel – zu zeigen, dass Tiere ein Recht auf ein Lebe in Würde haben. Und keine Sache sind. Und das ist ja das Wichtigste.

Franz Spengler, Als die Tiere für einen Tag das Sprechen lernten, Taschenbuch: 73 Seiten, Traumstunden Verlag Essen; Auflage: 3. (15. März 2012), ISBN 3942514192, EAN 978-3942514194

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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