Sever, Alexander: Schneeverhältnisse

Bild: pixabay.com/Phillip Kofler

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Skilehrer treiben es wild. Doch auch die Skihaserl sind keine Kostverächterinnen. Wer das glaubt, der sieht in Alexander Servers Buchs seine Vorurteile aufs Beste bestätigt.

Bücher für unsere Vorurteile

Es  gibt Bücher, die bestätigen unsere Vorurteile. Wer bisher dachte, Skilehrer seien wüste Kerle, die hinter jedem Skihasen herwedeln, bis der in des Skilehrers Federbett und in dessen Arme sinkt – der hat nach diesem Buch keine Zweifel mehr daran.
Es ist so.
Zumindest, wenn wir Alexander Sever glauben dürfen. Aber warum sollten wir das nicht tun? Schließlich arbeitete Sever bis 2005 neben dem Studium als Skilehrer. Jetzt ist er Lehrer für Sportgerätetechnik und -design.

Niveaulose Existenz eines Skilehrers

Mike, sein Alter Ego rutscht unversehens in die Skilehrer-Existenz, als Joe sie aufforderte, doch den USI-Skilehrer zu machen; so wie er den gemacht hatte. Also legen Mike und Manuel, sein Freund, die Prüfung ab und los geht es. Damit beginnt das Rutschen aber erst: Die Hänge runter, mit den Mädels und dabei immer tiefer in die recht niveaulose Existenz eines Skilehrers.
Anmache, Sex, Saufen, dümmliche Wetten – kein Klischee bleibt ausgespart. Dazu Mädels, die ihre àpres-ski-Ausritte auf den Skilehrern sportlich sehen. Und andere, die zuviel Herz hineinlegen und dann für die Bande von Luftikussen zum Problem werden.
Irgendwann und irgendwie dämmert es Mike, dass er menschlich auf einer ziemlich schiefen Ebene unterwegs ist; vielleicht hält er sich dort eine Weile, vielleicht schafft er es sogar, ein paar Meter wieder hochzukrabbeln – aber die Richtung ist klar: Es geht abwärts.

Absprung nach Horrorunfall

Doch er schafft den Absprung nicht. Erst ein Horrorunfall nach einer Wette, bei dem er knapp mit dem Leben davonkommt und – wie durch ein Wunder – nicht zumindest querschnittsgelähmt zurückbleibt, lässt ihn seine ganze erbärmliche Existenz als Skilehrer an den Nagel hängen. Dabei hilft ihm natürlich, dass er per Anruf einen ernsthaften Job angeboten bekommt.
Ob ihn das alles wirklich läutert? Ich bezweifle es. Die Geschichte, die beim Buch die Klammer bildet, spricht eine andere Sprache. Das ganze Buch lang ist er hinter Claudia her – schon deshalb, weil sie ihm lange die kalte Schulter zeigt. Das kann ein Skilehrer natürlich ertragen. Dass er ihr auch immer wieder die kalte Schulter zeigt, gehört dabei zum Spiel.
Am Ende bekommt er die wunderschöne Frau in sein Bett. Am nächsten Morgen hat er nicht anderes zu tun, als so schnell wie möglich mit Manuel biken zu gehen. Sie kann so lange liegen bleiben, wie sie will, erlaubt er ihr. Und: „Wirf einfach die Tür ins Schloss, wenn du geht.“ Einmal Macho, immer Macho.

Was die Skihasen so treiben

Das Buch ist sicher interessant für alle Skihasen – um zu sehen, dass es allen Mädels so geht wie ihnen. Und für ihre Partner – damit sie sich keine Illusionen machen, was ihre Herzblätter im Skiurlaub so alles machen, während sie zu Hause bleiben.
Für alle anderen ist es kein ungetrübtes Vergnügen. Sie haben wahrscheinlich keine Lust, ihre Vorurteile auf so platte Weise bestätigt zu sehen. Außerdem ist das Buch etwas ungelenk geschrieben – eher ein Erlebnisaufsatz als ein Roman. Aber man kann ja auch nicht alles haben … authentisch jedenfalls ist das Buch.

Platin ist dein Glück!

Der Autor:

Alexander Sever, geboren 1973, studierte Sportwissenschaften und Informatik und arbeitet seit seiner Studienzeit nebenberuflich als Skilehrer. Hauptberuflich ist er seit 2005 Lehrer im Bereich Sportgerätetechnik und -design.
Alexander Sever, Schneeverhältnisse, edition a, gebundene Ausgabe, 192 Seiten, ISBN: 978-3990010211, Preis: 19,95 €.

 

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