Mordlust: Schweitzer Karin, Bornemann Klaus D., Cappuccetto

Fein ziselierter Krimi

Bild: pixabay.com/PublicDomainPictures

Karin Schweitzer und Klaus D. Bornemann, zwei meisterliche Autoren, haben einen ungewöhnlichen Krimi geschrieben, der unter die Haut geht.

Ein ziselierter Mord

Ein fein ziselierter Mord am Anfang eines Krimis ist an sich nichts Ungewöhnliches. Viele Autoren verwenden darauf viel Energie und Schreiblust, die Leser danken ihnen das spannende Introidus, indem sie weiter lesen. Das Eingangsgemälde ist oft allerdings so gut gesetzt, dass der weitere Text dagegen abfällt; eine herbe Enttäuschung. Nicht so im Roman Cappuccetto. Hier beginnen Karin Schweitzer und Klaus D. Bornemann fulminant und steigern sich eher noch – was man zunächst gar nicht für möglich hält.

Brutaler Mord, detailreich garniert

Gleich in der Eingangssequenz kommt es knüppeldick: Der Mord am Schönheitschirurgen Dr. Wunder wird in allen Details und fast genüsslich zelebriert. Very shocking! So, als hätten sich die Autoren ihn erst dann schreibend begangen, als für sie feststand: Wunder ist ein Schwein und verdient dieses Ende. Das auch noch recht viele Bezüge zu seiner Tätigkeit und seinem Lebenswandel hat. Denn nur, wer ihn das Opfer sieht, der kann ihn auch mit so viel Lust am brutalen Mord abschlachten lassen; mit so vielen Details ausgeschmückt.

Nichts für zarte Gemüter

Nichts also für zarte Gemüter – aber das ist der ganze Roman auf seinen 371 Seiten nicht. Was aber nicht bedeutet, dass sich der Kriminalroman in billige Effekte flüchtet – ganz im Gegenteil. Die beiden Autoren schaffen es, über weite Strecken wirklich gute Literatur abzuliefern. In diesem Sex- &-Crime-Feuerwerk ziehen die beiden Autoren viele Register aus der üblichen Kriminalschriftstellerei. Aber sie mixen sie neu, erfinden manche Versatzstücke neu und beglücken die Leser so mit einem ganz eigenen Lesereiz.

Intrigen und Perversionen

Nach dem Mord braust der Roman durch eine Achterbahn an Perversionen, Intrigen, Lügen und Falschheiten. Und die Leser müssen schwer mit den falschen Spuren kämpfen. Am Tatort wird die schillernde Chloé vorgefunden, die ehemalige Geliebte des Dr. Wunder – dazu Autorin, Journalistin und undurchschaubare Sphinx. Natürlich fällt der Verdacht gleich auf sie. Aber hat sie die scheußliche Tat wirklich begangen? Welches Geheimnis birgt sie? Was steckt überhaupt hinter dem Mord? Und wie kommen beide, Tat und mutmaßliche Täterin, zusammen?

Die Ermittlerinnen

Marina und Elisa machen sich auf, das Rätsel dieses Mordes zu entschlüsseln – die Kriminalpolizei ist ja augenscheinlich zu dumm dazu. Sie stoßen auf immer neue, verblüffende Entdeckungen und geben dem Fall immer wieder eine unerwartete Wendung. Die Welt der Schönen, Schön-Operierten und Reichen ist verlottert bis ins Mark. Nachdem die Leser durch dieses Milieu gereist sind, wünschen sie sich eigentlich, dass es bitte nicht so schlimm ist, wie es aussieht.
Cappuccetto Rosso heißt auf Italienisch Rotkäppchen – und damit hat auch dieser Fall ein wenig zu tun; zumindest trägt die Hauptverdächtige gerne rote Hüte. Ob sie auch gleichzeitig der böse Wolf ist, müssen die Leser selbst herausbekommen – indem sie einfach dieses empfehlenswerte Buch lesen …

Karin Schweitzer, Klaus D. Bornemann, Cappuccetto, Roman, Broschiert, 371 Seiten, Schweitzerhaus Verlag; Auflage: 1., Aufl. (1. September 2010), ISBN-10: 3939475033, ISBN-13: 9783939475033, 16,50 Euro.

Schnapp den Mörder

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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