Schreibschule: Einen spritzigen Roman schreiben

Roman schreiben

Bild: pixabay.com/Domas

Gut, Sie können ihre Leser langweilen. Oder Sie schreiben einen Roman, der es in sich hat. Wie? So …

Ein paar Kratzer im Lack

Es soll ja Schriftsteller geben, die haben mit Moral nix am Hut. Andere weigern sich, für eine Botschaft gradzustehen. Beides ist brandgefährlich – weil wir Autoren Kommunikation betreiben; im besten Fall. Und wer etwas sagt, der muss auch etwas zu sagen haben. Sonst ist er nichtssagend.
Ohne Moral der Geschichte geht nichts im Roman. Anhand der sogenannten Prämisse (Moral) richtet sich alles aus: die Handlung, die Personen und der zentrale Konflikt zwischen ihnen. Die Moral der Geschichte ist Ihr Leitfaden. Wie Sie lebendige Personen schaffen, das erzählt uns Lajos Egri in seiner Schreibschule („Dramatisches Scheiben“) so aus: Schaffen Sie dreidimensionale Personen.

Die Biografie der Figuren

Dreidimensional wird eine Romanfigur mit ihren Eigenschaften. Und die dürfen ruhig ein bisschen ausgeprägter sein als bei Menschen, die Sie in ihrem Alltag kennen. Übertreiben Sie ruhig: Aussehen (Physis), soziales Milieu, Geist und Seele (Charakter). Dazu müssen Sie alles über Ihre Helden wissen – und über seinen Gegenspieler.

Biografien schreiben

Viele Autoren schreiben Biografien über Protagonisten und Antagonisten. Wo kommen sie her, wer sind ihre Eltern, wie war die Kindheit, was lieben sie, was hassen sie? Bringen Sie dazu die Charaktere Ihrer Erzählung als Planspiel in unglaubliche Situationen – und notieren Sie, wie sie sich darin verhalten. Stimmig verhalten wohlgemerkt, denn Sie wollen ja Figuren schaffen, die sich aus ihrer Biografie heraus schlüssig verhalten.

Ein Interview als tolle Recherche

Eine tolle Möglichkeit, Ihre Romanfiguren kennen zu lernen, ist das Interview. Löchern Sie Held und Gegenspieler mit Fragen, bis Sie ALLES über sie wissen. Danach schreiben Sie die Biografie neu.  Sie als Autor müssen Ihre Figuren im Schlaf kennen. Träumen Sie ruhig oft von ihnen, das hilft. Manche Autoren trainieren ihren Halbschlaf. Sie gehen mit einer Romanszene ins Bett, denken beim Einschlafen darüber nach; manchmal setzen sie die Geschichte im Traum fort. Und nutzen die Phasen des Halbschlafes, um weiter nachzudenken. So lösen sich manchmal schwierige Situationen in Ihrem entstehenden Buch wie von selbst.

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Entwickeln Sie Ihre Figuren 

Wenn Sie Ihren Romanfiguren mit Eigenschaften versehen, die den Roman lebendig machen, so müssen die raumfüllend sein. Ihre Personen brauchen ein ausgewachsenes Ego. Und sie müssen sich entwickeln. Hier hilft uns wieder die Moral – wir wollen mit unserem Roman etwas beweisen. Und die Entwicklung des Helden muss diesen Beweis erbringen. Wenn Sie also zeigen wollen, dass selbstloses verhalten wirklich glücklich macht, so schaffen Sie einen Protagonisten, der egoistisch und unglücklich ist (und das gar nicht merkt); und der sich durch ein Schlüsselerlebnis zu einem hilfsbereiten Menschen wandelt und dann wirklich glücklich ist.

Ein paar Kratzer im Lack

Vergessen Sie nicht, selbst Ihrem strahlenden Helden ein paar menschliche Fehler mitzugeben. Und der Gegenspieler ist nicht nur fies, er hat auch gute Eigenschaften. Der Leser möchte mitgerissen werden. Das wird er nur, wenn er Menschliches erkennt.

Spannung mit Handlung schaffen

Spannende Figuren ergeben aus der Handlung. Deshalb ist die Moral so zentral, weil Sie Ihnen den Handlungsstrang der Geschichte vorgibt – das, was Ihnen und Ihren Romanfiguren wichtig ist und was Sie alle gemeinsam beweisen werden mit Ihrer Geschichte. Spannung erzeugen Sie, indem Sie Held und Gegenspieler hart aufeinander prallen lassen. Beide wollen unbedingt gleichzeitig etwas, das es nur einmal gibt. Oder der eine will etwas, der andere will es verhindern. Das Motiv für beide muss so stark sein, dass es den ganzen Roman über die Handlung trägt.

Ein Motiv für den ganzen Roman

Sollten Sie bemerken, dass Ihr Motiv für einen ganzen Roman nicht reicht, wählen Sie ein anderes.
Um die Spannung zu halten, müssen Sie den Helden eine Hürde nach der anderen nehmen lassen. Immer gerät er in Schwierigkeiten. Und immer ist die nächste härter als die vorangegangene. Bis zum finalen Showdown.

Dreimal neu schreiben

Ein Tipp zum Schluss: Lassen Sie Ihr Manuskript danach ein Jahr in der Schublade, lesen Sie es sich dann laut vor, sich und anderen – und schreiben Sie danach alles noch dreimal neu. Mindestens. Dann haben Sie einen guten Roman geschrieben.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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