Schreiben für Kinder: Das braucht ein erfolgreicher Kinderbuchautor

Bild: pixabay.com/jialephant0

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Kinderbücher schreiben ist in – immer mehr Leute versuchen sich darin. Doch entgegen den landläufigen Vorurteilen ist es gar nicht so einfach.

Der häufigste Fehler beim Schreiben von Kinderbüchern ist, sie zu unterschätzen. Sie brauchen nicht weniger literarische Fertigkeiten als Bücher für Erwachsene – sie brauchen mehr. Viel mehr. Ein paar lustige Einfälle, viel kindliches Gemüt und eine Handvoll Ritter oder Piraten reichen nicht, um gute Kindergeschichten zu schreiben. Die wichtigste Voraussetzung für Kinderbuchautoren ist, Respekt vor Kindern zu haben.

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Respekt vor Kindern

Wirklicher Respekt schließt aus, dass Sie Kinder in Ihren Büchern belehren wollen. Das ist leider häufig immer noch der Fall, ob bewusst oder unterschwellig. Es zeugt aber von mangelndem Respekt, wenn ich jemanden pausenlos belehren und erziehen will. Kinder haben dafür ein gutes Gespür – sie lehnen instinktiv die belehrenden Bücher als langweilig und öde ab. Gute Kinderbuchautoren wollen nicht ihre Weltsicht mitteilen, sie nehmen die Lebenswelt der Kinder ernst. Dass sie dabei gute Beispiele geben, positive Personen lebendig werden lassen, an denen sich die lesenden Kinder orientieren, ist durchaus erlaubt und erwünscht.

Held mit Macken

Aber, wenn der Held auch ein paar Macken hat, ist er sowieso glaubwürdiger. Solche Helden sind realistisch und von pädagogischen Abziehbildern zum Glück meilenweit entfernt. Wobei eines auch ganz wichtig ist: Kinder haben ein feines Gespür für gut und böse, gerecht und ungerecht. Wir sollten immer dafür sorgen, dass die Kinder in unseren Büchern auf der Seite der Guten stehen; oder gar die einzigen Guten sind. Sie dürfen dabei gerne schlauer und besser als manche Erwachsene sein. Wenn der Schuft ein Erwachsener ist, den die Kinder in Ihrem Buch am Ende besiegen, haben Ihre Leser ein ganz besonderes gutes Gefühl – der Genugtuung, aber auch der Macht. Kinder sind eben besser, das haben sie immer schon gewusst …

Politisch inkorrekt

Das große Geheimnis großer Kinderbuchautoren sind die widerspenstigen Geschichten. Anarchisch für uns Erwachsenen, wunderbar zum Träumen für die Kinder. Oder glauben Sie, Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter (Pippi) Langstrumpfs verrückte Eigenmächtigkeiten wären politisch korrekt? Ein Mädchen, das ohne Eltern lebt, nicht zur Schule geht und macht, was es will?

Freche Kinder

Möglicherweise haben wir heute mehr Verständnis für freche Kinder (auch ein Ergebnis von Lindgrens Buch), früher, vor rund 70 Jahren, als Pippi erschien, war das ein Affront gegen jede Erziehung. Und Pippis  eigenwilliges Leben darf auch heute kein Kind wagen. Aber weil Pippi das wie selbstverständlich macht, sind die Bücher auch heute so erfolgreich.

Sie sind es deshalb, weil Astrid Lindgren die anarchischen Wünsche der Kinder ernst nahm. Sehr viel anders machten das auch nicht so erfolgreiche Autoren wie Michael Ende, Max Kruse oder Enid Blyton.

Lebenswelt erfahren

Respektieren Sie also Ihr Publikum – ob es fünf Jahre alt ist oder 15. Um das zu können, müssen Sie die Lebenswelt der Kinder erfahren. Natürlich ist es von Vorteil, wenn Sie Ihr ganzes Leben ein Kindskopf, ein großes Kind, geblieben sind. Aber Ihre albernen Seiten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sie dennoch herzlich wenig über die Welt der Kinder wissen; normalerweise. Die Zeiten sind doch zu lange her, wir alle haben uns arg verbogen auf dem Weg des Erwachsenwerdens. Vorbei unsere spontane Freude und der jähe, maßlose Schmerz.

Wovon träumen Kinder?

So traurig das für Sie als Kinderbuchautoren sein mag, es gibt Hoffnung: Beschäftigen Sie sich so oft und so intensiv wie möglich mit Kindern. Am besten Ihren eigenen; wenn Sie keine haben, spielen sie mit  denen, die so alt sind wie die Helden Ihrer Bücher. Suchen Sie sich welche im Verwandtenkreis, bei Bekannten, in der Nachbarschaft. Am besten, Sie klären die Eltern vorher über Ihre Absichten aus. Finden Sie heraus, wie sie denken, was sie bewegt, worüber sie sprechen, was sie spielen, wovon sie träumen.

Geschichten zusammen entwickeln

Wunderbar für beide Seiten und hilfreich für Sie ist es, wenn Sie Geschichten zusammen mit Kinder entwickeln und spielen. Oder später, wenn Sie niedergeschrieben sind, den Kindern vorlesen. Da sehen Sie die Reaktionen direkt.

Viel lesen

Ein weiterer Zugang ist, so viele Kinderbücher wie möglich zu lesen. Aus dem Genre, das Sie schreiben wollen, aus der Altersgruppe, für die Sie arbeiten. Hier haben Sie, ganz nebenbei, auch einen guten Test, ob Sie sich zu einem Kinderbuchautoren eignen: Wenn Sie die Bücher anderer Autoren (alle) langweilig finden, sollten Sie eher für Erwachsene schreiben. Denn nur, wenn Sie für Kindergeschichten Begeisterung empfinden, sind die etwas für Sie.

 Bücher zu Thema gibt es in der Leiste rechts.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

6 Kommentare:

  1. Super, lieber Bruder Lustig, du sprichst mir sehr aus der Seele. Ich selbst schreibe leidenschaftlich gern, es ist meist auch eine Art Therapie für mich. Ein großer Wunsch ist es, mal Kinderbücher, auch für die ganz Kleinen mit wenig Text, zu schreiben. Doch das halte ich einstweilen noch für zu anspruchsvoll. Meines Erachtens ist es bei weitem schwieriger, gute Kinderliteratur zu schreiben, als gute Werke für Erwachsene. Irgendwann werde ich mich aber drüber trauen und freue mich sehr, hier deine Seite und deine Tipps gefunden zu haben, DANKE!
    Ich bin übrigens Pädagogin für die Volksschule und finde den Kontakt zu Kindern immer sehr bereichernd und erfrischend. Das Erzählen geht ja schon sehr gut, die Kinder mögen’s, aber, wie gesagt, noch bin ich so weit, ein gutes Werk für Kinder zu verfassen.
    Auf weitere schöne Begegnungen hier und dir alles Gute!
    Karoline

    • Liebe Karoline, danke für den Kommentar. Ich würde mich freuen, wenn wir uns öfter mal begegnen würden. Es gibt ja noch einige andere Posts zum Thema Schreiben für Kinder. Ich möchte das auch gerne wieder intensivieren. Deine Arbeit als Pädagogin ist sicher sehr hilfreich.
      Viel Spaß noch,
      LG
      BL

  2. Vielen Dank, Bruder, für deine rasche Antwort. Sie baut mich echt auf!

  3. Wer so geschwollen schreibt, kann diese Person Kinderbücher schreiben? Ich weiß nich? Aber ich könnte mir persönlich vorstellen, das der Karoline das schreiben von Lehrbüchern für Pädagogen besser steht! Der Bericht ist gut! Aber das Talend, das ist auch seeehr wichtig!! Nicht vergessen….

    L.G. eine freche Kinderbuchautorin die schon veröffentlicht hat und noch einiges vor hat!

    • Danke für den Kommentar – aber vielleicht solltest du bedenken, dass man für verschiedene Lesergruppen durchaus unterschiedlich schreibt. Wenn dir der Beitrag für erwachsene Autoren geschwollen erscheint, sagt das ja noch nichts über die Frage, wie ich für Kinder schreibe. Ich denke, als Autor mit fast 40 Jahren Erfahrung und als Journalist mit 27 kann ich auf der Klaviatur der Sprache durchaus unfallfrei spielen und auch Zwischentöne bedienen. Talent ist wichtig, durchaus, es macht aber höchstens 10 Prozent des Beitrags für ein Buch aus. Der Rest ist harte Arbeit.
      LG BL

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