Satireautor Blaumilch sagt adieu

Jeremias Blaujemiablaumilchmilch hat uns drei Jahre auf diesem Blog und Bruderlustigs Kopfnüssen begleitet. Jetzt verabschiedet er sich – auch als Buchautor.

Bruder Lustig: Du hörst auf – das musst du uns erklären!

Jeremias Blaumilch: Das ist ganz einfach – das Schreiben ist mir für die Ergebnisse, die es bringt, zu aufwendig.

Bruder Lustig: Das heißt, du hättest es dir weniger anstrengend vorgestellt?

Jeremias Blaumilch: Auch. Aber das ist es nicht alleine. Ich finde, beim Schreiben steht der Aufwand, die viele Zeit, in keinem Verhältnis zum Gewinn.

Bruder Lustig: Aber du kannst doch eine kreative Tätigkeit nicht an dem Gewinn messen, den sie abwirft!

Jeremias Blaumilch: Warum nicht? Ich sitze stundenlang auf dem Hintern, schreibe ein Buch – und muss mich hinterher mit ein paar Euros abspeisen lassen? Was soll denn das?

Bruder Lustig: Du könntest ja auch erfolgreich sein und viele Bücher verkaufen.

Jeremias Blaumilch: Ja, könnte ich, wenn ich könnte. Kann ich aber nicht. Vielleicht könnten auch die Verleger mehr Werbung machen?

Bruder Lustig: Schwierig.

Jeremias Blaumilch: Ja, ich weiß. Ich bin kein geldgieriger Mensch – aber wenn ich mich im Jahr 100 Stunden hinsetze und schreibe und hinterher bekomme ich 70 Euro dafür, dann ist das einfach eine gigantische Zeitverschwendung. Wenn ich in meinem Beruf 100 Stunden mehr arbeite (was ich als Selbständiger könnte), hätte ich mindestens 5000 Euro verdient. Das ist die Realität. Ich könnte aber auch 50 Stunden mehr Freizeit machen und 50 Stunden mehr mit meiner Familie verbringen – das hat sehr viel mit Lebensqualität zu tun, Literatur hat es nicht.

Bruder Lustig: Also, Literatur ist für mich Lebensqualität pur. Ich kann nirgends so gut entspannen.

Jeremias Blaumilch: Du willst mir doch nicht allen Ernstes erzählen, dass du entspannst, wenn du Kinderbücher schreibst?

Bruder Lustig: Es gibt Phasen beim Kinderbuch, die sind anstrengend, klar. Vor allem, wenn ich plane. Aber beim Schreiben entspanne ich.

Jeremias Blaumilch: Du bist eben ein Triebtäter. Kein Wunder, dass du schon über 30 Jahre schreibst.

Bruder Lustig: Über 40.

Jeremias Blaumilch: Und jedem Misserfolg trotzt.

Bruder Lustig: Nicht jedem. Es ist ja viel Wahres an dem, was du sagst. Ich finde, das trifft vor allem auf längere Bücher zu. Kurzgeschichten zu schreiben und sie dann irgendwann einmal zu einem Buch zusammen zu fassen, das ist ok. Und für mich keine Arbeit, sondern Entspannung. Aber einen Roman zu planen und zu schreiben und dann 70 Euro zu bekommen, das ist grenzwertig. Das macht man einmal, das macht man zweimal, vielleicht noch ein drittes Mal. Aber dann ist gut, finde ich. Das ist für mich jetzt auch der Grund, warum ich nach zehn Jahre damit aufhöre, Kinderbücher zu schreiben.

Jeremias Blaumilch: Sieh an. Auch wenn ich Kurzgeschichten schrieb, oder kurze Satiren, kann ich nur bestätigen: So ist es.

Bruder Lustig: Aber es gibt noch einen zweiten Grund?

Jeremias Blaumilch: Die Blechschmitts haben mich gebeten, nicht mehr über sie zu schreiben.

Bruder Lustig: Ach, die gibt es wirklich?

Jeremias Blaumilch: Natürlich. Die Geschichten sind ja mit Einwilligung von Vater Blechschmitt entstanden. Ich dachte eigentlich immer, dass auch Frau Blechschmitt Bescheid wusste. Tat sie aber nicht. Sie fiel aus allen Wolken, als sie es mitbekam. Also stellen wir das Projekt ein.

Bruder Lustig: Ja, schade.

Jeremias Blaumilch: Aber nicht zu ändern. Aber ich habe gehört, Lichtblau springt ein.

Bruder Lustig: Ja, er hat irgendetwas über einen gewissen Osswald in der Mache. Auch Satiren.

Jeremias Blaumilch: Stimmt. Ich habe die Satiren gelesen. Ich finde sie echt gut. Lichtblau hat eine ziemlich treffende Feder. Gefällt mir besser als mein Zeug.

Bruder Lustig: Also müssen wir nicht allzu traurig sein, es geht irgendwie immer weiter.

Jeremias Blaumilch: So ist es.

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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