Rumjana Zacharieva, Am Grund der Zeit, Gedichte

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Bild: pixabay.com/holgerheinze0

Wunderschöne Sprachjuwelen legt die „nichtmuttersprachliche Deutschautorin“ Rumjana Zacharieva in ihrem Gedichtband vor.

Dieser Gedichtband rührt mich an. Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass er nach 20 Jahren wieder aufgelegt ist. Eine lange Zeit, über die hinweg der Verlag Andiamo an seiner Autorin festgehalten hat. Das finden wir in der so hektisch wie geldorientierten Verlagsbranche von heute nur noch selten.

Und dann Gedichte – ich bitte doch schön. Wer liest noch so etwas! Auch deshalb rührt mich der Band an – weil ich beim Lesen plötzlich den Geruch der Jugend in der Nase hatte; und den Geschmack der eigenen Gedichte. Lange ist’s her! Schließlich die Zeichnungen von Petko Antonov – sie ergänzen kongenial dieses Kunstwerk.

Atemberaubende Sprachbilder

Rumjana Zacharieva gelingt in diesem Band, atemberaubende Sprachbilder zu schaffen, und doch auf der Erde zu bleiben. Wohlklang der sorgsam gewählten Wörter einerseits, eine fast schlichte Verständlichkeit andererseits. Sie schöpft in ihren Gedichten Kraft aus jedem einzelnen Wort. Hier steht kein Wort zu viel, aber jedes, das hier steht, hat die Herkulesaufgabe, das Gedicht entstehen zu lassen.
Die sprachlichen Kleinode sind Mahnmale gegen die Vergänglichkeit. Manches, das uns vertraut schien, bekommt so unvermittelt eine ganz andere Bedeutung.

Es ist ein Genuss.

Die Dichterin erschafft eine faszinierende Klangfarbe mit einfachen Mitteln. Sie sind sprachliche Juwelen, die sich auch gegen die Verluderung der Sprache durch ihren gedankenlosen Gebrauch stemmen. An ihrer ungekünstelten Art könnten sich manche Dichterlinge des eBook-Zeitalters ein paar Scheiben abschneiden.

Es brauchte Rumjana Zacharieva wieder aufgelegten Gedichtband, um uns mit einer arg geschundenen Literaturgattung zu versöhnen. Chapeau!

Über Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....