Roth, Philip: Amerikanisches Idyll mit lähmender Angst

Amerikanisches Idyll

Bild: pixabay.com/Adriano Gadini

In seinem amerikanischen Idyll beschreibt Philip Roth vieles – Tragik, Entsetzen, lähmende Angst. Ein Idyll ist das nicht …
Wer seine Kinder liebt, dem durchbohrt Philip Roth in diesem großen Roman mit jeder Zeile das Herz, denn die Ohnmacht und Hilflosigkeit von Eltern eines Kindes, das einen zerstörerischen Weg einschlägt, tötet im Grunde das Leben und die Liebe des Paares, das einst ein Traumpaar war.
Und es begann so schön
Seymour Levov, begnadeter Baseballspieler, genannt „der Schwede“, weil er für den Sohn einer jüdischen Familie von Handschuherzeugern in Newark (Schauplatz der meisten Romane Roths) zu blond und hochgewachsen ist. Geliebt von allen, sucht er sich ausgerechnet ein irisch-katholisches Mädchen zum Heiraten aus. Trotzig und widerspenstig setzt er seinen Willen der ablehnenden Familie gegenüber durch. Das junge Paar zieht aufs Land, Dawn züchtet Rinder und „der Schwede“ führt die Familientradition als Handschuhfabrikant weiter.
Ein Prinzesschen wird geboren
Merry, zunächst das große Glück der jungen Eltern und schließlich das Schlimmste, was einem widerfahren kann. Fast noch ein Kind ist sie, als sie der Sog des Terrorismus’ packt und mit sich zieht, Auftakt dazu, ein Bombenattentat auf das Postbüro der beschaulichen Landidylle, in der die junge Familie lebt. Danach ist Merry verschwunden.

Entsetzen zieht ein

und damit Sprachlosigkeit. Roth begleitet Seymour Levov, den einst strahlenden „Schweden“ mit fast unerträglicher Schmerzhaftigkeit durch den sehr langen Rest seines Lebens. Während uns Leser diese Situation quält, kritisiert Roth in für ihn typischer Manier die politischen und sozialen Zustände damals mit Verve und Lebendigkeit. Es ist eine Zeit des Aufbruchs in den 1968ern, in der „der Schwede“ mit der persönlichen Tragik zu kämpfen hat.

Ein bemerkenswertes Buch

das auch heute noch Brisanz hat. Wohl ist die Zeit des Vietnamkrieges lange vorüber, aber die Zeit, in der einem Töchter und Söhne verloren gehen, wird niemals enden. Manchmal wurden mir die inneren Dialoge des „Schweden“ allzuviel, Roth macht es einem nicht einfach, in diesen Passagen am Ball zu bleiben. Aber Roth macht es seinen Lesern ja nie einfach und das ist sein gutes Recht als einer der größten zeitgenössischen Schriftsteller Amerikas.
— Elsa Rieger —

Philip Roth, Amerikanisches Idyll, rororo Taschenbuch Rowohlt Verlag ISBN-13: 978-3499224331

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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