Robert Bly, Eisenhans, ein Buch über Männer. Wilde Männer

Eisenhans

Bild: pixabay.com/skeeze

Robert Blys Männerbuch Eisenhans bedient sich zu vieler Klischees, um wirklich wichtig zu sein. Es fordert Männer auf, den Wilden Mann in sich zu suchen. Ob wenigstens das gelingt?

Nicht so ernst nehmen – bitte

Ich kannte mal einen, der war ein kleiner Kerl – ehrgeizig durchaus, vielleicht nicht ganz so gut, wie er von sich glaubte. Andererseits wusste er auch genau, dass er Schwächen hatte. Der nun hatte das Pech, ein Chef zu sein. Damit kam er gar nicht zurecht und auch mit seinen Mitarbeiterinnen nicht, die alle sehr emanzipiert waren.
Also beschloss er eines Tages, sich den Eisenhans zu besorgen und hoffte, mit einem solchen Schutz den Widrigkeiten des Lebens zu trotzen. Er wollte den wilden Mann in sich finden. Das, meinte er, würde ihm helfen.

Der Ratgeber half nicht

Das Buch hat ihm nicht geholfen. Er hatte eine wilde Affäre mit einer Mitarbeiterin, seine Ehe zerbarst, er verlor seinen Chefposten, anschließend die Geliebte. Ziemlich wilde Bocksprünge für einen kleinen Kerl – aber alles in allem nur nicht zielführend. Der Eisenhans hatte als Therapiebuch nicht gewirkt.

Achtung, Nebenwirkungen

Das Buch konnte ihm auch gar nicht helfen, denn dafür ist es nicht geschrieben. Leider aber verwechseln viele Menschen gerade die amerikanischen Lebenshilfen mit einer zweiten Bibel. Und leider steht das so auch nicht im Buch – Achtung, nette Ideen, intelligenter Plot, amüsant geschrieben. Aber zu den Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Frau, Ihren Arbeitgeber und Ihre Geliebte.

Nicht so ernst nehmen – bitte

Wer das alles nicht so ganz ernst nimmt, der wird durchaus seinen Spaß am Eisenhans finden. Bly gelingt es immerhin, das Grimm’sche Märchen vom Eisenhans recht kurzweilig zu deuten. Er macht das sehr ausführlich, kommt immer wieder auf verschiedene Passagen zurück, denn immerhin wollen ja fast 400 Seiten mit der vergleichsweise simplen Geschichte gefüllt sein.

Werdet wilde Männer, wie der Eisenhans

Die Botschaft ist klar: Männer, geht auf Pilgerschaft zum Wilden Mann in euch, in euer Zentrum gleichsam, werdet wieder verwegen und ihr selbst. Denn die Welt ist in schlechtem Zustand und ihr seid es auch – ihr seid Waschlappen.
Wenn Ihr das alles hinter euch gelassen habt, dann werdet ihr die Könige eures Lebens sein und dann hat die Welt vielleicht wieder souveräne Politiker und nicht solche Männer, die halt Waschlappen sind.

Nicht gegen die Frauen

Bly will die Entwicklung der Männer nicht auf Kosten der Frauen. Die Verweichlichung aber der „starken“ Geschlechts aber tauge auch nichts, meint er.
Was er so alles über den Wilden Mann schreibt, ist ganz nett. Aber wie wäre es, wenn Männer sich an den König in sich hielten. Das wäre mal eine andere Perspektive.
Ansonsten ist das alles ein schönes Märchen und mindestens einer hat sich selbst verwirklicht: Der gute Bly nämlich, der eine menge Bücher vom Eisenhans verkauft hat. Sein Schatzmeister wird sich freuen.

Robert Bly, Eisenhans, Ein Buch über Männer, Kindler Verlag, München, 375 Seiten.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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