Spaß mit Elch: Rimma Nisamis leichtfüßiges Buch Marcello und ich

Der Elch Marcello

Bild: pixabay.com/ClkerFreeVectorImages

Es gibt Bücher, da spricht der Elch. Der lila Elch, um genau zu sein. Und diese Bücher sind verdammt wichtig.

Hier spricht der Elch

Rimma Nisamis schafft es, gleichzeitig leicht und tiefgründig zu sein. Ihr Buch kommt wunderbar geschmeidig daher. Mit federleichten Sätzen, die sich festhaken. Und weil sie die Seele berühren, vertraut man ihnen blindlings. Das ist gut so, weil sie und tragen. Sie begleiten die Leser ein Stück ihres Lebens, lehren uns, manche Dinge gelassener zu ertragen – und wenn sie langsam verblassen, ist das auch nicht schlimm. Weil sicher etwas von ihnen bleibt. Und das bringt den Leser bald ebenso leichtfüßig durch sein Leben wie die Geschichten geschrieben sind. Das macht Lust auf mehr.
Hier spricht der Elch
Was in dem Buch steht? Nun, alles über Elche.

Alles über Elche

Oder jedenfalls über lila Elche: Ein solch lila Elch mit rosa Schaufeln schreibt Geschichten. Und die Leser merken bald, wie skurril sie sind. Weil ein lila Elch die Welt ein wenig anders sieht als die Menschen. Das öffnet uns die Augen. Hinterher sind wir alle ein bisschen lila. Und das ist gut so. Weil die Welt nicht mehr so bierernst ist. Wer hält denn das auch auf Dauer aus?

Skurril und unterkühlt, einfach Marcello

Aber Marcello, so heißt der Elch, pflegt einen unaufdringlichen Stil. Seine Sätze sind so unterkühlt, dass unsere Skurrilität gleich doppelt scharf hervortritt. In Nisamis Buch erzählen aber zwei Leute: Marcello und seine Gastgeberin. Daraus wird dann ein höchst reizvolles Duett manchmal kaum zusammengehöriger Geschichten. Zumindest auf den ersten Blick passen sie nicht zusammen. Aber sie passen doch; perfekt. Und ergeben einen reizvollen Wechsel der Perspektive.

Nettes Duett an Erzählern

Wenn dann abends Marcello und seine Gastgeberin im Wohnzimmer sitzen und sich Geschichten erzählen, dann würde das Feuer im Kamin am liebsten laut über sie lachen – wie es in einem Brief Marcellos heißt. Und das Lachen ist ansteckend. Selbst, wenn manche Geschichte und mancher Einfall ein wenig schräg sind – das Lachen bleibt.

Was wollen wir mehr?

Es sind kurze, tänzerisch leichte Geschichten – ohne Woher, ohne Wieso, ohne Wohin. Sie atmen ganz Gegenwart. Sind kurz da, bringen die Leser zum Staunen und zum Verwundern; und dann sind sie plötzlich wieder weg. Leichthändig und unprätentiös. Aber immer bleibt etwas von ihnen zurück. Und wenn es das Schmunzeln des Lesers ist.

Deutsch gelernt

Rimma Nisami lernte erst vor ein paar Jahren Deutsch. Wenn sie spricht, merkt man ihr das noch an. Wenn sie schreibt, gar nicht. Ich wünschte mir, jeder deutsche Muttersprachler bekäme solche traumhaft schönen Sätze zustande.

Rimma Nisami, Marcello und ich, Wunderwaldverlag, Erlangen, 2009, 64 Seiten, 8 Euro, ISBN-10: 3940582158, ISBN-13: 978-3940582157.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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