Reimann, Brigitte, Ich bedaure nichts

Brigitte Reimann

Bild: pixabay.com/Domas

Brigitte Reimann steht für ein wildes Leben – innerhalb und außerhalb der Literatur. Die Ikone der DDR-Literatur war darin sehr konsequent… und eine ernst zu nehmende Schriftstellerin.

Karriere als Autorin

Die Reimann – nicht viele haben so ein wildes Leben. Schon gar nicht als Frau. Doch die blutjunge DDR-Schriftstellerin, die Mitte der 50er Jahre aufbricht, um als Autorin Karriere zu machen, lebte sich aus bis zur Neige. Das betraf die Literatur genauso wie ihre ungezählten Männer. Der Leser wird Zeuge ihrer unbändigen Lebenslust und Lebenswut. Es hat etwas Rührendes, wie die Reimann immer und immer wieder auf die Liebe setzt – und die Männer doch nur das Eine im Kopf haben.

Die Reimann und die freie Liebe

Die freie Liebe hat nicht mit Freiheit und Liebe zu tun. Doch es erstaunt auch, wie sie so naiv sein konnte, im Wochentakt ihre große Liebe zu finden – und sie im Zweiwochentakt wieder zu verlieren. Aber: Sie war Anfang 20, da passiert das schon.
Dass die DDR in sexueller Hinsicht ein freieres Leben hatte, haben wir ja oft gehört; und manche haben es in der Übergangszeit noch selbst erlebt. Betrachten wir die Reimann, so glauben wir es gerne.

Doch ihre verzweifelten Tagebucheinträge zeigen auch: In der freien Liebe spielt die Freiheit die letzte Geige. Und die Liebe schließlich auch. Brigitte Reimann hat ihr Leben ausgekostet. Das war gut so, ein anderes Leben wäre für sie nicht infrage gekommen. Aber sie bezahlte ihren Preis dafür – sie wurde nicht alt. Uns Heutigen bleibt es überlassen, in ihren Tagebüchern eine faszinierende Frau zu entdecken. Und eine ernsthafte Schriftstellerin.

Brigitte Reimann, Ich bedaure nichts, Tagebücher 1955 – 1963, Aufbau Taschenbuch Verlag, Aufbau Verlag, Berlin, 428 Seiten, Taschenbuch, ISBN-10 3746615364, ISBN-13 978-3746615363, 10 Euro.
 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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