Pons, Brigitte: Ich bin ein Mörder

Bild: pixabay.com/Gerd Altmann

Ein Krimi aus einer ungewöhnlichen Perspektive und mit einem außergewöhnlichen Plot hat Brigitte Pons geschrieben: Ich bin ein Mörder!

Das absolut Böse – im Krimi

Für gewöhnlich lese ich einen Krimi eher gelangweilt. Aha, denke ich mir, jetzt kommt dieser Trick und dann jener literarische Kniff. Alles schon gelesen, Krimis habe ich früher nur so verschlungen.  Das ging mir bei Brigitte Pons’ Debütkrimi ganz anders: So etwas habe ich selten gelesen. Der Roman ist eine perfekte Buch-in-Buch-Inszenierung, die auch noch auf Dürrenmatts Werke zurückgreift, ihre Motive aufnimmt und im Roman fintenreich variiert.  Das Thema ist das absolut Böse, das perfekte Verbrechen und die Ungeheuerlichkeit, dass sich Verbrechen doch lohnen könnte und der Mörder ungestraft davon kommt.

Eine verrückte Liason

Alles sehr überzeugend und leichthändig gemacht. Hut ab, kann ich da nur sagen. Ich habe das Buch gerne gelesen, es fesselte mich von der ersten bis zur letzte Seite.
Der Plot dreht sich im Wesentlichen um die amour fou von Alexandra, der literaturinteressierten Polizistin und Tobias, den gefeierten Krimiautor. Der hat das Buch geschrieben „Ich bin ein Mörder“, sein Werk trägt den selben Titel wie das von Pons.
Tobias kokettiert mit den Morden in seinem Buch und damit, der Mörder zu ein – und foppt die Polizei, der er vorwirft, sie sei nur zu dumm, um ihn zu schnappen. Vor allem Conrad Neumaier bekommt Tobias öffentliche Häme zu spüren, der Chef der Kripo. Die beiden haben noch von früher eine Rechnung offen.

Angeber oder Mörder?

Die Beziehung von Alexandra zu Tobias hält die attraktive Polizistin aber nicht davon ab, eine Bettgeschichte mit Jörg anzufangen, den sympathischen, aber etwas windigen Journalisten.
Jörg wie Alexandra recherchieren in Tobias Leben, um die Frage zu klären: Angeber oder Mörder? Die Frage wird ganz am Ende beantwortet und birgt so manche Überraschung. Brisanz bekommt die Angelegenheit, als ein Mord geschieht, der dem literarischen Strickmuster in Tobias Buch aufs Haar gleicht.
Mit im Boot ist auch noch Mischa, Alexandras Streifenkollege und Partner.
Brigitte Pons gelingt es scheinbar mühelos, dem Krimi Spannung und Tiefgang zu verleihen. Dreh- und Angelpunkt dabei sind die stimmigen Charaktere. Und natürlich die in sich schlüssige Handlung. Was auch seinen Teil dazu beiträgt, ist die saubre Recherche der Autorin in der Welt der Streifenpolizisten und der Mordkommission.

(Fast) alles ist stimmig im Krimi

Zumindest erschien mir nichts rundum hanebüchen.  Nur den Journalisten Jörg zeichnet sie ein wenig übertrieben. Sein Chefredakteur würde ihn feuern, wenn er mal in Blaue hinein in seiner Zeitung behaupten würde, der Autor Tobias stecke hinter dem neuerlichen Mord, ohne einen Beleg zu haben. Das ist eine Kante zu dick aufgetragen. Und auch, wenn Jörg seinen Liebesfrust gegen Alexandra nutzt, sie in seiner Zeitung mit dem mutmaßlichen Mörder Tobias in Zusammenhang zu bringen. So etwas macht heute nicht einmal mehr der Boulevard.

Pons hat einen großartigen Roman geschrieben

Aber das sind die kleine Lässlichkeiten und sie stören mich nicht wirklich. Und sie beschädigen auch genauso wenig den großartigen Roman wie jeder Satz, Alexandra würde nach dem Schießen das Mündungsfeuer ihrer Pistole wegpusten.
Erstens kann man Mündungsfeuer nicht wegpusten – höchstens Rauch. Und wer versucht, das Mündungsfeuer trotzdem wegzupusten, der schießt sich bei diesem Versuch ins Hirn.
Aber, wie gesagt, das sind nur Schmankerl am Rande. Und sie trüben nicht den exzellenten Lesepaß bei diese klasse Buch. Sehr zu empfehlen.

Brigitte Pons, Ich bin ein Mörder, Sutton Verlag, ISBN: 978-3-86680-864-5.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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