Osswalds Kosmos: Engländer muss man lieben – Satire

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Engländer sind nur äußerlich steif. Innerlich sind sie höchst biegsam. Und mit all ihren Schrullen eigentlich nur eines: liebenswert!

 Satire

Engländer und Deutsche waren sich nicht immer grün. Die verrücktesten Mitglieder des englischen Königshauses stammten aus Deutschland und ramponierten mit ihren Schrullen nachhaltig diese gottgewollte Einrichtung.

Die Engländer wiederum hintertrieben so arglistig wie erfolgreich jeden Versuch der Deutschen, den Thron der Weltherrschaft zu erklimmen. Auf diesem Thron saßen sie selbst bereits.

Fußball statt Handgranate

Bis der Fußball allmählich die Handgranate ablöste. Auch hier schafften es die Engländer, die Weltspitze zu erobern – nun, nicht auf dem Fußballplatz und mit Weltmeistertiteln, sondern mit etwas viel Besserem: England galt unversehens als Mutterland des Fußballs. Das war höchst erstaunlich, gab es doch schon im 3. Jahrhundert vor Christus in China ein fußballähnliches Spiel mit dem Namen Cuju. Es ist höchst zweifelhaft, ob es damals schon Engländer gab. Und ob sie in China mitspielen durften. Eine schriftliche Aufzeichnung über die Insel gab es erst, nachdem der olle Cäsar 55 vor Christus dort landete und darüber schrieb. Und den Namen England haben die Angelsachsen eingeschleppt, nachdem sie dort landeten. Irgendwie scheint in diesem Land alles geliehen: Der Name, die Schrift, der Fußball.

Englische Würde

Egal, die Engländer tragen Fremdes mit der ihnen eigenen Würde. Auch der Titel Mutterland des Fußballs gehört dazu. Nur mit dem Spielen des Balls haperte es etwas. Vor allem, wenn es darum ging, das Runde ins Eckige zu befördern – besonders lästig, wenn Elfmeterschießen angesagt war. Das liegt vielleicht daran, dass es auf der Insel häufig windig ist, und die Engländer immer mit Seitenwind trainieren. Fatal, wenn der andernorts, im Match, plötzlich ausbleibt. Andererseits gab es auf dem Fußballfeld wichtige staatstragende Aufgaben zu erledigen. Die wichtigste: Argentinien durfte auf keinen Fall Weltmeister werden. Das wäre ja noch schöner. Den Engländern nimmt man nichts ungestraft ab – auch keine felsige, sturmumtoste Insel, wie es die Gauchos 1982 mit den Falkland Inseln taten.

Fast dankbar

Dafür waren ihnen die Engländer einerseits fast dankbar, weil sie als alte Seemacht endlich wieder ihre halbverrosteten Pötte flottmachen und zeigen konnten, wo der Barthel den Most holt. Es war gar nicht so einfach, weil sich die Argentinier Verstärkung bei den anderen Europäern geholt hatten. Von den Franzosen hatte man die Exocet, ein Seezielflugkörper, der zwar lausig traf, aber einen großen Rumms machte. Außerdem befürchteten die Engländer, dass jederzeit deutsche U-Boote auftauchen könnten – in Argentinien waren nach dem Krieg genug Nazis untergetaucht. Andererseits waren die Inselbewohner echt angefressen über die Frechheit der Argentinier. Rache ist Blutwurst, dachten sich die Engländer, und bei jedem sportlichen Aufeinandertreffen der beiden Nationen gaben die sonst so zivilisierten englischen Zuschauer dem Neandertaler in sich Zucker und forderten den Kopf des argentinischen Gegners.

Niemals Argentinien

Am besten wäre natürlich ein überwältigender Sieg der englischen Nationalmannschaft auf dem Fußballplatz. Denn, remember: Mutterland war man, spielen gestaltete sich schwieriger. Klar blieb für alle Zeiten: Die Argentinier durften auf keinen Fall Weltmeister werden. Da erinnerten sich die Engländer der ehrgeizigen Deutschen und ihres Weltbeherrschungshungers. Die Deutschen taten wie gewünscht (bis auf einmal) und verrichteten eine der wichtigen Aufgabe im englischen Staatsgefüge – sie straften Argentinien. So durften sie sogar wieder mal Weltmeister werden (das vierte Mal). Zwischen Engländern und Deutschen herrschte fortan die beste Eintracht. Und Argentinien ging nicht nur als Fußballnation pleite, sondern auch als Land.

Nun haben sich kluge Leute den Austausch von Jugendlichen aus verschiedenen Ländern ausgedacht. Der dient vor allem dazu, um das jeweilige Land und die Schrullen seiner Leute kennen zu lernen. Auch mit England gibt es den. Er hat nur ein Problem: Das Essen.

Horrorberichte übers Essen

Horrorberichte darüber sind keine Übertreibung, Asterix hat recht. Von daher ist der Englandaufenthalt der deutschen Austauschschülerinnen und -schüler ein heldenhafter Akt. Und manche kamen zurück und fanden plötzlich Mutters Küche unwiderstehlich – an der sie vorher immer herumgemäkelt hatten. Nun, es gab Ausnahmen: »Aber Pudding macht sie besser als du.« Damit konnten die meisten deutschen Mütter leben.

Ein Austausch bringt es aber mit sich, dass auch die Engländer ihre Insel verlassen müssen und aufs Festland reisen; zu den Teutonen, den Deutschen. Die immer und immer die Weltherrschaft anstreben, egal, was sie tun – selbst, wenn sie Fußball spielen.

Die Rache am Herd

Mit der Ankunft der jungen Engländer kam der Tag der Rache am Herd. Jetzt sollten die Inselbewohner endlich einmal erleben, was gute deutsche Küche ist. Ich fürchte, der Versuch ging in einigen Fällen daneben. Hier und da hört man, der englische Junge habe höchst lustlos in den hingebungsvoll komponierten Mittagsmenüs herumgestochert. Und die Krone setzte dann der deutsche Sohn besagter Familie auf, der beim Abwasch seiner verzweifelten Mutter berichtete, wie sehr der Nachwuchs­engländer daheim das Essen seiner Mutter gelobt hatte; und wie kräftig er dabei zulangte.

Tiefer kann eine Hausfrau nicht stürzen! Sie verlor dann sämtliche Lust, ein Abschiedsessen zu zaubern. Das nahm die Familie samt Gast von der Insel beim Thailänder ein – und siehe da, der junge Engländer spachtelte so viel wie die ganze Woche nicht. Das Geheimnis? Er hatte Ente, Reis und Minzsoße. Manche Dinge ändern sich nie – und die Engländer schon gar nicht. Man muss sie einfach lieben – wie schon Asterix wusste.

Xaver Leonhard Lichtblau

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Über Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....