Osswalds Kosmos: Und immer wieder die Liebe – Satire

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Bild: pixabay.com/MrTommy (Tommy Takacs)

Osswald ist schnell verliebt. Das ist zwar alles nichts Ernstes, bringt ihm aber Abwechslung. Und so manche überraschende Erkenntnis.

„Können Sie mir sagen, wohin das Spielwarengeschäft hin ist, nachdem die SPD das Gebäude gekapert hat?“, fragt Osswald die Dame in der Touristinformation. Die lacht hell auf, Osswald gefallen ihre Grübchen und ihr spitzes Näschen. Er steht an der Schwelle des Verliebtseins. Doch die Antwort ist für den verliebten Gockel eine kalte Dusche. Die junge Dame belehrt ihn spitzmündig: „Die SPD ist erst eingezogen, nachdem das Spielwarengeschäft ausgezogen war.“ Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Die Dame scheint die SPD zu mögen – hier, im Hessischen, gehört die SPD zum guten Ton.

„Und wo ist das Spielwarengeschäft hingezogen? Ehe die SPD das Gebäude kaperte?“ Jetzt findet es die junge Dame nicht mehr witzig; und Osswald ihre Zickigkeit nicht mehr süß. Überhaupt ist die Nase viel zu klein und viel zu spitz. Und die Grübchen sind Krater.

„Hat sich eher verteilt. Ein Teil ist in der Buchhandlung Ebersoll bei der NKD. Da arbeitet auch Frau Honigbein, die vorher bei Spielwaren Schweppes beschäftigt war.“

Osswald bedankt sich und geht.

Für Sohn Distel ein Schwert

Nun ja, Spielwaren sind auch nicht schlecht, Sohn Distel wünscht sich schon länger ein Schwert. Aber natürlich nicht irgendeines, sondern eines aus Metall. Das aussieht, als sei es ein echtes Ritterschwert im Kleinen.

„Haben Sie ein Schwert?“, fragt er die weibliche Stimme, die ihn von rechts nach seinen Wünschen fragt. Als sich Osswald zu der Stimme umdreht, hat er welche. Wünsche nämlich. Und was für welche. Denn die weibliche Stimme kommt aus einem ausgesprochen niedlichen Gesicht, dessen Grübchen nicht solche Krater sind wie bei der Dame in der Touristinformation. Und darunter, unter dem Gesicht, trägt die junge Buchhändlerin einen appetitlichen Busen, für den die Bluse kaum reicht und deshalb in seiner ganzen Herrlichkeit zu bewundern ist..

„Ein Schwert?“, lacht die junge Frau glockenhell, „sollten nicht Sie ein Schwert haben?“

Für Osswald – auch ein Schwert? Nein – für Osswald die Liebe

Osswald ist sprachlos – wie meint sie das? Welches Schwert? Doch nicht etwa … Osswald schaut sich nach seinen Söhnen um, aber die sind beschäftigt. Die junge Frau lacht perlend: „Als weißer Ritter“ und zwinkert ihm zu. „Aber ich denke, ich habe etwas für Ihren Sohn. Wenn Sie bitte mitkommen wollen.“ Osswald bemüht sich darum, nicht einzuknicken, so weiche Knie hat er. Aber leider sind es nur Holzschwerter. Mit so etwas gibt sich Distel schon lange nicht mehr ab.

Also wendet sich Osswald den Büchern zu.
„Wollen Sie einen Cappuccino?“
„Ja äh ja“, haucht Osswald, verloren in den dunkelgrünen Augenseen der Buchhändlerin. Osswald hätte auch „ja“ gesagt, wenn sie ihm einen Schnuller angeboten hätte.

Ach ja, Kinderbücher

Um möglichst lange zu bleiben und nach dem Cappuccino nicht mit leeren Händen zu gehen, macht sich Osswald in der Kinderbuchabteilung breit. Und plötzlich ist die Magie wieder da. Sollte er nicht doch wieder Kinderbücher schreiben? Und nicht pornografische Vampirromane? Ja, er sollte. Und er will es wieder, mit aller Macht. Osswald kauft sich zwei Kinderbücher, bedankt sich bei der süßen Buchhändlerin (und heimlich bei ihren geheimnisvollen grünen Augen) und verlässt den Laden zusammen mit seinen Jungs. Er wird nicht mehr zurückkommen, seine Liebe zu der schönen Hessin wird verblassen. Und die Hessin auch. Die Liebe zu den Kinderbüchern aber bleibt.

Lichtblau

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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