Osswalds Kosmos: Skatbrüder – Satire

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Die Zeitung interessiert niemanden mehr? Weit gefehlt! Ein paar Skatfrauen machen das überdeutlich …

Welch eine große Wirkung doch manchmal die kleinen Dinge entfalten. Wer hätte gedacht, welch Welten zwischen der Ziffer 36 und der 48 liegen? Gut, mathematisch Bewanderte werden jetzt »12!« rufen – und sie haben recht. Das ist genau der Unterschied zwischen 36 und 48 – in Ziffern ausgedrückt. Mathematisch noch Bewandertere könnten darauf verweisen, dass beide Zahlenkombinationen jeweils ein Vielfaches von 12 sind. Bravo, ein solche profundes Wissen hätte vor einer Generation fast schon gereicht, die Reifeprüfung in Mathematik zu bestehen.

Mathematiker und Zahlen-Junkies

Was aber der reine Mathematiker und Zahlen-Junkie nie verstehen wird, das ist die Welt dahinter – hinter Zahlen, Fakten, anscheinend gesichertem Wissen. Und gerade die Kombination 36-48 entfaltet eine Magie, die uns den Atem raubt. Was ist geschehen?

Eine x-beliebige Tageszeitung hatte einen Fehler gemacht. Doch nicht irgendeinen, den jeder jeden Tag Dutzende Male begeht; sondern einen grundlegenden. Der Redakteur hatte einem kleinen, sympathischen Dorf seiner 48 beraubt. Einem Dorf überhaupt etwas zu berauben, ist nicht sehr geschickt – die meisten haben nicht viel. Nun dürfen wir es uns aber nicht so vorstellen, als sei die Redaktion durch das Dorf gefahren und habe alle Hausnummern 48 eingesammelt. Nein, viel schlimmer: Die Redaktion hatte in ihrer Mittwochsausgabe das Markenzeichen des dörflichen Skatturniers an sich mit Verachtung gestraft. Denn in dem Dorf haben die Skatbrüder immer schon zwei Runden à 48 Spielen gereizt und gestochen. Und was macht die Tageszeitung daraus? Zwei Runden à 36. Das, was jeder Feld-Wald-und-Wiesen-Skat-Club auch veranstaltet.

Die Skat-Frauen sind geschockt. Skatbrüder!

Das wäre schon schlimm genug, und dafür hat sich die Redaktion aufrichtig entschuldigt. Und es war die erste Ebene hinter der 48. Es kommt aber noch dicker mit der zweiten: Skatbrüder, die am Turnier in dem Dorf teilgenommen hatten, bekamen richtig Ärger. Von ihren besseren Hälften. Denn die können rechnen und wissen: Ein 36er-Turnier dauert nie und nimmer bis weit nach Mitternacht. Zu dieser Uhrzeit aber kam so manches Ehegespons vom Skatspielen nach Hause und behauptete frech, es habe an einem 48er-Turnier teilgenommen. Die besseren Hälften traf am Mittwoch, nachdem sie Zeitung gelesen hatten, fast der Schlag. So frech zu lügen und die halbe Nacht was weiß ich zu treiben! »Da steh’s doch in de Zittung, es war ein 36-er-Turnier! Wo warst du?«

Liebe Ehefrauen: Es war ein 48er-Turnier. Wo die anderen zwölf im Bericht der Zeitung geblieben sind, ich weiß es nicht. Das hat mit der Magie des Zeitungmachens zu tun. Eure Männer haben jedenfalls nicht gelogen …

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....
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