Osswalds Kosmos: Rewind – Satire

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Zurückspulen – das wär’s. Wie einfach wäre doch das Leben … aber am Knopf sitzt halt ein Größerer als wir. Wie bitter – aber darauf kann eine Satire keine Rücksicht nehmen.

Schauen Sie Filme? Hören Sie Musik? Dann kennen Sie die Taste „Rückspulen“. Nein? Neudeutsch heißt das „rewind“.

Diese Rückspultaste ist etwas Feines. Sie können Filmszenen oder Lieder noch einmal von vorne sehen und hören. So oft Sie das wollen.

Wäre das nicht auch etwas Wunderbares für Ihr Leben? So ein Rückspulknopf? Wenn sich Ihr neuer Chef in der neuen Firma als Arschloch entpuppt, dann spulen Sie Ihr Leben so lange zurück, bis Sie an den Punkt kommen, an dem Sie in der alten Firma gekündigt haben – was Sie dann tunlichst unterlassen.

Oder Sie drücken kurz vor der Polizeikontrolle nachts um 2.35 Uhr den Rückspulknopf und verschwinden wieder in der Kneipe, in der Sie fünf Stunden lang gesoffen haben; und das, ohne die Polizei an der Backe zu haben. Und dann lassen Sie, wenn Sie aufbrechen wollen, den Wirt ein Taxi bestellen.

Einfach von vorne anfangen – ohne Satire, aber mit Rewind

Doch, das hätte was.

Ähnlich soll es ja am Ende der großen Reise zugehen, die wir Leben nennen. Wenn der große Zauberer uns Sterbliche zu sich an die himmlische Tafel ruft. Um uns mit Nektar und Ambrosia und Harfenklang zu belohnen. Kurz vor unserem Abgang aus diesem Jammertal drückt der große Zauberer den Rewind-Knopf unseres Lebens, und wir rauschen zurück in unsere Kindheit; bis zum Akt unserer Zeugung. Ehm. Ich vermute, das ist so, weil wir uns mit all dem Bockmist befassen sollen, den wir im Leben gebaut haben. Schließlich müssen wir irgendwann die himmlische Tafel verlassen und wieder ran im Jammertal – gestärkt und wiedergeboren. Da wollen wir doch nicht wieder und wieder dieselben Fehler machen.

Weil wir aber noch nicht so genau wissen, dass uns der große Zauberer und die himmlische Tafel mit Tofuhaxen, Met und sangesfreudigen Engelein verwöhnen, haben wir ein wenig Bammel vor der Himmelsleiter. Wir halten verbissen an unserem irdischen Leben fest.

Reise in unser Leben

Wir würden alles dafür geben, wenn wir den Rückwärtsfilm anhalten könnten – just in dem Moment, in dem wir mit Irene (für die Frauen unter uns: Isidor) in jeder verborgenen Ecke des Stadtparks herumrollten. Wir bräuchten dann auch – danke schön – kein Tofu und keinen Met mehr.

Aber nicht wir haben den Finger am Rewind-Knopf, sondern der große Zauberer, unser himmlischer Vater. Und so lassen wir Irene (Isidor) alleine in jener verborgenen Ecke im Park herumrollen und zischen im gleißenden Lichtbogen weiter in unsere unselige Vergangenheit.

Doch dann ist ausgeschaut, wir machen kehrt und explodieren ins Licht und hoffen, dass der Met nicht zu warm und die Engelein zu kühl sind. Und dass der große Zauberer unsere dummen, kleinen Fehler nicht auf die Goldwaage legt.

Nun ja, dann ist das auch vorbei.

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