Osswalds Kosmos: Obst, Likör und das Auslaufmodell Mann

Bild: pixabay.com/Jean-Louis

Passen Männer und Frauen zusammen? Nein!, sagen Frauen. Doch!, sagt Professor Dr. von Bülow. In einer aufwendigen Versuchsreihe hat sein Team herausgefunden, wo Mann und Frau garantiert zusammenpassen. Im Alltag hilft das allerdings wenig, wie Osswald erfährt. Eine Satire.

„Hör dir das an“, sagt Osswald am Frühstückstisch zu seiner Gattin, „Professor Dr. von Bülow hat herausgefunden, dass Männer und Frauen nicht zusammenpassen.“
„Da ist ihm ja eine ganz neue Erkenntnis gelungen“, spottet die Gattin.
„In zahllosen Versuchsreihen haben er und sein Team an der Uni Bonn nachweisen können, dass es bei Mann und Frau nur eine Ausnahme gibt.“
„Ausnahme wovon?“
„Vom Nicht-Zusammenpassen.“
„Das heißt?“

Liest du MAD?

„Es gibt eine Stelle, an der Mann und Frau zusammenpassen. Das hat Professor von Bülow in zahllosen Testreihen belegen können. Die Stellen sind bei Mann und Frau gleich, nur umgekehrt. Das heißt, bei der Frau ist die Stelle eingestülpt, beim Mann ausgestülpt.“
„Sag mal, was ist denn das für ein Blödsinn? Liest du MAD?“
„Nein, Frau im Spiegel. Willst du denn nicht wissen, an welcher Stelle Mann und Frau zusammenpassen?“
„Nein danke. Ich kann’s mir denken. Schäm dich, am Frühstückstisch so einen Schweinkram von dir zu geben!“

Schweinkram am Frühstückstisch

Osswald kommt von der inkriminierten Stelle sehr bald auf die Frage, warum Männer und Frauen so verschieden sind. Zum Beispiel: Warum verbrüdern sich Frauen? Und warum verschwistern sich Männer nicht? Ein Mann verschwistert sich schon deshalb nicht, weil es nichts zum Verschwistern gibt. Der Mann ist ein einsamer Wolf, immer auf der Jagd nach dem Erfolg, dem Geld, der jungen Geliebten. Da stören andere nur; es sei denn, der Mann benutzt sie für seine Zwecke. Deshalb macht sich ein Mann nicht gemein mit Seinesgleichen; er könnte mit einem Messer im Rücken aufwachen.

Frauen hingegen verbrüdern sich ständig. Das haben sie an allen Lagerfeuern der Welt gelernt, angefangen in der Steinzeit. Da saßen sie, stillten den Nachwuchs, schabten Fleisch von Mammutknochen und redeten. Redeten über Gott und die Welt und alles dazwischen. Das nennt man Netzwerke spinnen.

Der Mann als Auslaufmodell

Deshalb ist der Mann ein Auslaufmodell. Die Zeit des einsamen Jägers ist vorbei. Den Frauen gehört die Zukunft, ihnen und ihren Netzwerken. Und sie halten zusammen. Eine Frau kann sich vollkommen daneben benehmen, von anderen Frauen kommt nur Liebe.

Osswald weiß, wovon er spricht – er muss nur an seinen Urlaub auf Fehmarn denken. Frau Osswald schickt ihren Göttergatten zum Einkaufen. Der Obststand am Hafen scheint dazu prima geeignet zu sein; er ist überschaubar, und Frau Osswald steht einen Schritt hinter ihrem Gatten und verhindert zur Not unsinnige Käufe. Er kommt mit einer Tüte Schrumpelobst zurück: Kohlrabi, Möhren, Paprika. Frau Osswald ist nicht amüsiert: Was das für ein Schrumpelobst sei. Das müsse doch sie wieder kochen. „Du könntest wenigstens im Urlaub mal kochen!“

„Jau, das könnte er wohl“, mischt sich die Verkäuferin kackfrech ein – und es ist ihr vollkommen egal, dass sie es war, die ihr Schrumpelobst einem arg- und wehrlosen Mann angedreht hat. Frauen, schließt die Reihen und marschiert gemeinsam!

Vermaledeiter Obststand

Zwei Tage später – am gleichen Obststand, aber mit einer anderen Verkäuferin. Obwohl der Stand außer ihnen (und der Verkäuferin leer ist), geraten die Osswalds miteinander in ein Gedränge. Es endet damit, dass Frau Osswald ihrem Gatten ihren Rucksack in den Magen rammt.

„Aua!“ protestiert Osswald, vielleicht etwas lauter als nötig. Seite Gattin schaut ihn kurz an, sagt aber nichts. „Du hast mir den Rucksack in den Magen gerammt!“, wirft ihr Osswald vor.

„Stell dich nicht so an!“, sagt Frau Osswald.

„Jau, genau, stell dich man nicht so an!“, echot die Verkäuferin. „Mit solchen Jammerlappen ist man ja wirklich geschlagen. Männer! Hier, zur Stärkung“, sagt sie und gibt Frau Osswald einen Schlehenlikör aus. Osswald weint. Leise, innerlich, unsichtbar.

 

 

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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