Osswalds Kosmos: Mannheim

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Ach, Vorurteile und Klischees, die sich bewahrheiten, sind herrlich. Findet Osswald. Vor allem, wenn es seine sind.

Plötzlich kommt das Gespräch auf einen alten Bekannten. “Hast du Simon in der letzten Zeit mal wieder gesehen?”, fragt Frau Osswald aus dem Blauen heraus.

“Simon? Wer ist das?”

“Mein Gott, das gibt es doch gar nicht. Simon. Simon B. Wir waren mit ihm und seiner Frau doch eine Zeitlang regelmäßig im Kino und beim Pizzaessen.”

“Mit welcher seiner Frauen?”

“Aha. Jetzt kennst du ihn doch!”

“Ja, wenn du mir sagst, dass er drei Frauen hatte, dann weiß ich, wer er ist. Simon. Simon B.”

Wieso drei Frauen?

“Wieso drei? Ich weiß nur von zweien. Und schon wieder hatte?”

“Das ist das Letzte, das ich weiß. Simon B. hatte drei Frauen, sich aber von der dritten schon wieder getrennt. Dann ist der Kontakt zu ihm abgerissen.”

“Meiner ist schon früher abgerissen. Als wir noch mit ihm unterwegs waren, hatte er noch seine zweite. Außerdem hättest du mir ruhig mal erzählen können, dass er sich von seiner zweiten Frau getrennt und eine dritte hat.”

“Hatte. Er hat sich auch von dieser getrennt.”

“Natürlich. Vielleicht sollte er sich mal einen Therapeuten suchen”, knurrt Frau Osswald.

Was ist mit seinem Therapeuten?

“Er hat gerade seinen dritten verlassen”, schmunzelt ihr Mann.

“Wieso weißt du das alles?”

“Simon hat mir eine Mail geschrieben. Er kommt am Samstag zum Essen. Mit seiner vierten Frau.

“Na prima. Und wieso erfahre ich davon erst jetzt?”

“Weil ich Simons Mail erst vor zehn Minuten bekommen habe.”

Erbauliches Essen

Das Essen verläuft recht erbaulich, Simons vierte Frau ist ausgesprochen hübsch und außerdem Thailänderin. Sie lächelt ständig und redet wenig. Einmal versucht sie es doch.

“Habt ihr denn mittlerweile euer Mannschaftsheim fertig bekommen?”, fragt Osswald. Simons Fußballverein hatte viele Jahre mit dem Bau und etlichen Problemen zugebracht.

“Ja”, antwortet Simon mit vollem Mund.

“Oh, Mannheim”, flötet Simons Thailänderin, “da schön.”

Osswald schaut seine Frau an und hebt die linke Augenbrauen. Sie grinst. Mannheim schön, denkt sich Osswald, naja.

“Mannschaftsheim!” blökt Simon mit vollem Mund. Danach ist er nicht mehr voll, und Frau Osswald ringt mit dem Erbrechen.

Mannheim ist schön

“Schön da, ja. Mannheim”, versucht sich Simons asiatische Frau hartnäckig in Konversation, während sie die Bluse von den Essensresten ihres Mannes befreit.

“Mannschaftsheim! Mannschaftsheim! Mannschaftsheim! Du dusselige Kuh! Das heißt so, weil viele Männer reingehen. Das ist dann eine Mannschaft.”

“Ah, Männer reingehen, ja. Freudenhaus. In Mannheim. Schön, ja.” Sie lächelt selig.

Die B.s brechen ziemlich überstürzt auf, noch vor dem Kaffee.

“Es hat halt alles seine zwei Seiten”, sagt Osswald, “jung und schön. Aber der deutschen Sprache nicht ganz mächtig.”

“Jetzt wissen wir zumindest, wo Simon seine vierte Frau aufgegabelt hat. O, Freudenhaus in Mannheim. Schön.”

“Sieht ganz so aus, als würde Simon bald seine vierte Frau gegen den vierten Therapeuten tauschen.”

“Der kann wenigstens Deutsch”, sagt Frau Osswald trocken.

Mehr Osswald. Mehr Satire. Siehe rechts.

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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