Osswalds Kosmos: Malteser – Satire

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Bild: pixabay.com/OpenClipartVectors

Schrecklich, schrecklich, was ein 13-Jähriger alles erdulden muss – wenn er von seinem Vater in die Schule gefahren wird.

O, es ist wirklich kein Spaß, sich von einem alten Sack von Vater in die Schule fahren zu lassen. Morgens. Bei Regen. Im Halbschlaf. Schlimmer wäre nur, laufen zu müssen bei diesem Mist-Wetter. Weil Fahrradfahren ist nicht drin, Distel (13) wird einfach von einer wahren Pechsträhne heimgesucht.

Erst geht am Fahrrad das Licht kaputt. Und weil Schüler heutzutage von morgens bis abends Termine haben, bietet sich Osswald an, das Rad an seinem freien Tag in die Stadt zu fahren. Und es zur Fahrradwerkstatt zu bringen.

Sie ist zu. Am Vormittag wäre sie noch offen gewesen, aber da hatte Osswald etwas zu tun. Nachmittags ist dicht – nun ja, freitags ist Feiertag. Osswalds schleppt das Rad in den zweiten Stock seines Büros und stellt es so hin, dass der Kollege am Sonntag nicht drüberfällt, wenn er Dienst schiebt.

Keine Zeit, das Fahrrad zu holen

Am Montag bringt er es dann in die Werkstatt, es soll am nächsten Abend fertig sein. Aber weder er noch sein Sohn haben vor Freitag Zeit, es abzuholen.

Am Montag kommt Distel mit dem Rad von der Schule. Er muss es fast schieben, der Kettenheber ist völlig verbogen. Am Dienstag ist das Fahrrad wieder in der Werkstatt, am Freitag daheim. Als es Osswald abends in den Fahrradschuppen stellen will – hat das Vorderrad einen Platten. Aber Osswalds ältester Sohn Atlas arbeitet ja hin und wieder in der Radwerkstatt, ein plattes Vorderrad ist seine leichteste Übung.

Alles klappt.

Als Osswald am Montag das Rad aus dem Schuppen schiebt, geht das Licht nicht.

Und nun sitzen Osswald und Distel im Auto und fahren zur Schule; denn ohne Licht lässt Osswald seinen Sohn Ende Oktober nun mal nicht fahren.

Schlechte Laune

Aber Distel ist schlecht gelaunt, weil er nicht Fahrrad fahren darf.

Und jetzt fängt der Vater auch noch ein Gespräch an: „Wir war’s bei den Maltesern?“

Distel will sich dort zum Schulsanitäter ausbilden lassen. Wahrscheinlich eine Idee seiner Mutter.

„Hä?“

„Du warst doch bei den Maltesern, oder?“

„Ja“, kommt von seinem Sohn, gekonnt gebrummt.

„Wie war’s denn so? Sind sie nett?“

„Nein.“

„Wie, nein? Sie sind nicht nett?“

„Ich weiß nicht.“

„Aber du warst da?“

„Ja.“

Nett oder nicht nett?

„Dann musst du doch wissen, ob sie nett sind.“

„Nein.“

„Aha. Und wieso nicht?“

„Weil nichts passiert ist. Da war nur eine. Hat die Malteser vorgestellt und immer gelacht. Wir haben nichts gemacht.“

„War die denn nett? Wenigstens?“

„Wieso die?“

„Aber du hast doch gesagt, das war nur eine.“

„Einer.“

„Aha. Ich habe eine verstanden. Hast du wieder das halbe Wort verschluckt!“

„Ich habe nichts verschluckt.“

„So, hier ist deine Schule. Aussteigen, hopp, hopp! Bitte schön. Wiedersehen.“

 

Lichtblau

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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