Osswalds Kosmos: Liebe Krähen

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Bild: pixabay.com/OpenClipartVectors

Das Leben kann manchmal ziemlich hart sein – vor allem, wenn man eine Krähe ist. Denn die Rabenvögel sind bei Menschen nicht sehr beliebt. 

Satire

Liebe Krähen. Ihr habt es wirklich nicht leicht.Aber irgendwie spinnt ihr auch – oder? Klar, wir Menschen haben eure Lebensräume immer mehr eingeengt und kaputt gemacht. Aber was macht ihr? Zieht immer näher an unsere Behausungen heran. Das ist doch die pure Provokation, Mann! Krähe! Ihr baut eure Nester am liebsten auf hohe Alleebäume in den Städten. Vielleicht ist das eure Rache, weil ihr wisst, wie wenig wir Menschen euch mögen. Das geht auch nicht lange gut. Kaum seid ihr da, bekommen die Menschen in der Nachbarschaft eine ausgewachsene Allergie gegen euch. Sie mögen weder euren zugegeben etwas unbeholfenen Gesang, noch eure Hinterlassenschaften, zielsicher auf großer Höhe abgefeuert, auf ihren Autos. Das muss man sich mal vorstellen – auf den Autos! Nichts liebt der Mensch mehr. Und ihr kackt drauf.

Viele eurer Nachbarn würden euch am liebsten verscheuchen lassen – denn sie glauben nicht daran, dass sich euer Gesang jemals bessert; auch nicht mit Gesangsunterricht.

Verjagen geht nicht

Nun, das Verjagen ist nicht so einfach – ihr Rabenvögel steht unter Naturschutz. Abschießen, ausräuchern, erwürgen, das alles sind keine Alternativen. So verschwinden höchstens klammheimlich, wenn die Bäume beschnitten werden, ein paar Nester; doch das dürfte eigentlich nicht passieren.

Was die ganze Sache ist noch empörender für viele Menschen macht: Die schwarzen Vögel da oben machen auch noch Kinder. Jedes Jahr gibt es Nachwuchs. Manche der Jungvögel fallen frühzeitig aus dem Nest und werden dann von ihren Eltern weiter gefüttert. Das ist regelmäßig im Juni der Fall.

Marder und Katze

Manchmal kommen Marder oder Katze – dann ist Schluss. So ist die Natur. Manchmal stolzieren die kleinen Krähen auch über vielbefahrene Straßen… die und die Gefahren darauf sind dann eher Menschenwerk.

Liebe Krähen. Ihr solltet eurem Nachwuchs erzählen, dass ihr unter Naturschutz steht. Über die Straße laufen, das ist keine gute Idee. Etliche Autofahrer bremsen nicht und weichen nicht aus. Ihr seid halt nicht sehr beliebt. Für euren Nachwuchs ist das schlecht. Und für unseren kein schöner Anblick.

Am besten bleibt ihr im Nest hocken, bis ihr fliegen könnt.

Lichtblau

Feine Sachen

 

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ….

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