Osswalds Kosmos – Kind oder Smartphone, Satire

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Bild: pixabay.com/SplitShire

Osswald ist kein Technikfeind. Aber die Exzesse der modernen Welt rund um das Wischeisen (Smartphone) gehen ihm mächtig auf die Nerven.

Osswald hat einen Traum. Immer wieder. Immer wieder tappt einer der Wischeisen (Smartphone) streichelnden Technikjunkies, vertieft ins Schreiben einer schmalen Textbotschaft, auf die Fahrbahn. Wisch. Und weg. An dieser Stelle war leider ein Bus unterwegs und der war ein bisschen stärker. Und wieder gibt es einen Wischenden weniger. Osswald wacht regelmäßig entnervt auf. Er mag den wischenden Mob zwar nicht, aber ein solches Ende muss er ihnen trotzdem nicht an den Hals träumen. Vor allem, weil es eine ordentliche Sauerei gibt im Traum.

Und die Jugend?

Kommen wir zu etwas völlig anderem – der wischenden Jugend. Die hat es wirklich nicht leicht. Behangen mit Markenklamotten, vollgestopft mit Äußerlichkeiten, gesegnet mit ihrem Wischeisen (Smartphone).  Die jungen Leute sind förmlich hypnotisiert von ihren Smartphones. So sehr, dass sie fortwährend auf das Display starren, darüber wischen und nicht bemerken, was um sie herum geschieht. Egal, ob da nun ein Lastwagen auf der Straße donnert, man dappt einfach weiter (der Traum!). Gut, lassen wir die Horrorszenarien, kommen wir zu etwas viel Schlimmerem. Den Männern und Vätern. Vor ein paar Tagen war Osswald beim Optiker seiner Wahl und musste kurz warten. Am anderen Tisch eine sehr rothaarige Tochter von etwa 15 Jahren. Und ihr Vater. Die Tochter bekam eine Brille, der Vater wischte. Brummte ein paar Mal kurz, wenn die Optikerin ihn direkt ansprach, schaute aber nie vom Phone auf.
Das Ergebnis: Die Tochter suchte sich eine sehr dominante, qietschgrüne Brille zu ihrem flammend roten Haar aus. Modisch der letzte Schrei.

Quietschgrüne Brille, flammend rotes Haar

Nein, nicht der letzte. Der wird der Mutter entfahren, wenn der wischende Vater und die Tochter mit der quietschenden Brille vor ihr stehen. Da sieht man wieder mal, dass Männer zu nichts taugen, wenn sie ein Spielzeug in der Hand haben. Sie können sich eben nur auf eines konzentrieren. Frauen sind da anders, ihre beiden Hirnhälften haben sich im Laufe der Zeit voneinander emanzipiert. Sie können jetzt alles auf einmal: Baby füttern, kochen, telefonieren, Kühlschrank putzen, beruflich erfolgreich sein. Wir können das einfach nicht; also sollten wir die Wisch-und-weg-Teile aus der Hand legen. Aus. Vorbei. Die Evolution hat uns nicht dafür gemacht.
Stellen wir uns nur mal vor, wir Technikjunkies würden mit unseren Kindern zum Friseur gehen. Was da wohl rauskäme? Oder zum Elternsprechtag – wir kämen nach Hause, und die Tochter wäre nicht mehr auf dem Gymnasium, sondern auf der Hauptschule! Nein, nein, so geht das nicht. Wir müssen uns entscheiden: Kind oder Smartphone …

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Über Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....