Osswalds Kosmos: Frauen und Koteletts – Satire

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Bild: pixabay.com/OpenClipartVectors

Frauen und Koteletts hängen irgendwie zusammen. Wie, das erfährt Osswald beim Mittagstisch.

Atlas hat den Blues. Er kommt aus seinem Zimmer zum Essenstisch und ist felsenfest davon überzeugt, er sei zu schlecht für die Damenwelt. Mit seinen 186 Zentimetern, dem durchtrainierten Körper und seinem charmanten Lächeln.
Weil seine Angebetete ihn wieder mal hat abblitzen lassen. Atlas: „Einmal so, einmal so.“
Seine Mutter macht ein paar schräge Witze, alle lachen, selbst der waidwunde Teenager.
„Du bist zu ernsthaft“, sagt Frau Osswald.
„Genau“, fährt der Vater fort, „die Anne verarscht dich doch jetzt schon ein Jahr lang. Wolltest du sie nicht schon lange auf den Mond geschossen haben?“

Anne gehört auf den Mond geschossen

„Naja.“
„Tu es. If you can’t be with the one you love, love the one you’re with. So hieß das früher bei uns. 68, Crosby Stills Nash & Young und so.“
„Was ist das? Crosby Stills Nash & Young? Eine Bank?“, fragt Atlas erstaunt.
Frau Osswald prustet los: „Eine Bank! Dein Vater hat doch nur Kontakt zu Banken, wenn die ihm schreiben, dass er ihnen Tausende von Euros schuldet und ihn fragen, wie er sie wieder zurückzahlen will!“
„Aha.“
„Und überhaupt, 68, summer of love. Da warst du gerade mal zehn!“
„Aber schon ganz schön alt für mein Alter! Außerdem haben wir uns damals auf Großes vorbereitet. Und uns vom Geist der 68er anstecken lassen.“
„Soso.“

Frauen und Koteletts eben

Atlas mault: „Aber warum sind Frauen so? Warum einmal so, einmal so. Ist das die Pubertät?“
„Nein, mein Sohn“, sagt Osswald, „Frauen sind eben so. Immer. Nicht nur in der Pubertät. Das ändert sich bei denen nie. Sie wissen nie, was sie wollen. Deswegen ist es völlig wurscht, welche du dir nimmst. Sie sind alle gleich. Schnapp dir die Erstbeste, die du bekommen kannst. Und bleibe bei ihr. Du ersparst dir so eine Menge Ärger und Enttäuschung.“
„Aha. If you can’t be with the one you love …“
„…love the on you’re with. Du hast es kapiert.“

Frau Osswalds tödliche Blicke

Frau Osswald feuert tödliche Blicke ab, schweigt aber überraschend. Wahrscheinlich hat sie vor der luziden männlichen Logik kapituliert.
Den Rest des Essens verbringen sie schweigend. Danach lehnt sich Osswald zufrieden zurück und lässt den Blick über Frau Oswalds Teller schweifen. Er stutzt, schaut zu Atlas’ Teller, stutzt wieder und bei Distel Teller ist er endgültig bedient.
„Äh, es gab Koteletts?“
„Offensichtlich.“
„Wenn der Papa mal was merkt“, spottet Distel.
„Aber leider erst nach dem Essen.“
„Jeder hat ein Kotelett gehabt?“
„Jeder.“

Wo sind die Knochen?

„Äh, aber – ich bin Vegetarier. Außerdem: wo ist mein Knochen hin?“
Jetzt schaut alles auf Osswalds Teller. Er ist blitzblank, ohne jeden Essensreste. Und ein Knochen findet sich auch nicht darauf.
„Ich sag ja immer, du bist verfressen“, sagt ausgerechnet Atlas, den Osswald für ausgesprochen verfressen hält.
„Ja aber, ein Knochen. Den esse doch nicht einmal ich.“
„Offensichtlich doch. Das belastet wenigstens den Abfalleimer nicht.“
„Und ich? Wer denkt an mich? Und meinen Bauch?“
Tja, das hättest du dir früher überlegen müssen“, sagt Distel.

„Viel Spaß beim Verdauen“, wünscht Atlas.
Und Osswalds Gattin ergänzt: „If you can’t eat the one you love, eat the one you’re with.“

Krüger

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Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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