Osswalds Kosmos: Die Macht des Horoskops

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An manchen Tagen läuft alles schief – Osswald sollte halt besser sein Horoskop beachten…

Satire

Das hat sich Osswald so gedacht: Einfach das Schicksal austricksen. Geht aber nicht, das Schicksal fordert seinen Tribut. Und ein Horoskop lügt nie. Das hatte Osswald für diesen Monat Oktober vor erhöhter Verletzungsgefahr gewarnt. „Seien Sie vorsichtig im Straßenverkehr“, so die Horoskoptante in ihren online-Tipps eindringlich. Naja, dachte Osswald, es wird so schlimm wird es nicht werden. Es wird schlimmer. Dreimal verschiebt er es, sein Fahrrad in die Werkstatt zu bringen. Als er es endlich dort hat, nur wegen Kleinigkeiten, bekommt er drei Stunden später einen Anruf: Die Gabel sei gebrochen. Ein Glück, dass er mit dem Teil nicht zusammengebrochen sei.

Gabel gebrochen

Uff, denkt Osswald, ist doch tatsächlich etwas dran an dem Horoskop. Ist aber nochmal gut gegangen. Das mit dem Fahrrad, ja. Aber er muss jetzt ins Büro laufen. Und wieder zurück. Und an jedem denkwürdigen Tag geschieht es: Das heißt, es geschieht schon in der Nacht. Osswald tritt in der Nähe des neuen Hundes, der im Flur schläft, in etwas Feuchtes. Der sabbelt heute aber ganz schön, denkt Osswald auf dem Rückweg vom Klo zum Bett. Am Morgen sabbelt der Hund noch etwas mehr – er kotzt Osswald vors Bett, kaum hat der Wecker geklingelt und Frau Osswald ihrem Gatten die rechte Gerade im Gesicht platziert, um ihn zu wecken.

Wundervoller Tag?

Dieser Tag geht also prächtig los. Osswald muss das 15-Kilo-Bärchen von Welpen mit Namen Heinz Rühmann die Treppe heruntertragen, weil der Hund mit ihm nie alleine die Treppe heruntergeht, solange Mutti noch eine Mütze Schlaf nimmt. Mutti ist halt die größte; und die Chefin sowieso, das merkt jeder Hundewelpe sofort. Aber heute muss sich Hundchen an der frischen Luft rasch mal freikotzen. Also trägt ihn Osswald schwankend die Treppe herunter. Am Frühstückstisch philosophiert die Gattin später, woher der Hund die Kotzerei hat (und mittlerweile auch die Scheißerei). Sie verhört die Kinder, ob sie ihm etwas zu essen gegeben hatten oder ihre Teller hatten stehen lassen. Oder ob sie mit ihm noch mal draußen waren und er dort was Schlechtes gefressen hat.
„Mit mir war er gestern noch mal draußen“, sagt Osswald arglos. „Um 20 Uhr, als ich von der Arbeit kam.“

Ja spinnst du denn!

„Ja, was soll denn das? Spinnst du?“, will seine Frau wissen, „wieso um Gottes Willen führst du den Hund um 20 Uhr nach draußen?“
„Um dir die Arbeit abzunehmen. Du warst ja auf Termin. Ich weiß gar nicht, was du dich so aufregst. Du tust so, als ließe ich ihn was weiß ich da draußen fressen.“
„Weiß man‘s?“, fragt ihn seine Gattin lakonisch.

Und ab in die Hecke!

Auf dem Weg zur Arbeit klingelt sein Smartphone. Er wollte lange kein Handy haben, schon gar kein iPhone, wie ihm sein Chef dringend ans Herz legte – aber sein Chef will, dass er immer erreichbar ist; also kaufte sich Osswald ein billiges Smartphone. Er kommt damit aber nicht zurecht, wischt jetzt auf dem Display herum. Endlich hat er eine Verbindung, sagt: „Oss … aaaaah!“, knickt mit dem Fuß über die Begrenzungssteine und kippt in eine Hecke.
„Mensch Osswald, was ist denn?“, hört er seinen Chef.
„Äh, autsch, verdammt. Nichts ist, ich habe mir nur die Bänder im rechten Fuß gerissen“, quetscht Osswald heraus.
„Dann gehen Sie mal zum Arzt. Das Projekt Hämmerlein fällt heute sowieso aus. Wollte ich Ihnen nur sagen. Das haben Sie übrigens davon, dass Sie kein iPhone benutzen, sondern so einen billigen Abklatsch! Kaufen Sie sich endlich ein richtiges Telefon, eines von Apple, Mann! Ach ja – Steve Jobs ist tot.“
„Wer ist denn das?“, fragt Osswald, der in technischen Dingen ein wenig unterbelichtet ist.
„Mensch, der geniale Apple-Gründer, Steve, der iGod!“, bellt sein Chef empört – er liebt Technik über alles und vergöttert Apple.

Bin beim Arzt

„Gut, Chef, dann bin ich mal beim Arzt. Vielleicht ist bei mir ja noch was zu retten – anders als bei Herrn Jobs.“
„Banause!“, hört Osswald seinen Chef noch empört schnauben, „Steve hatte Krebs!“ Klick, aufgelegt. Großer Gott! Was für ein Tag. Will er wirklich über sein zertrümmertes Sprunggelenk klagen – wenn Steve Jobs, der iGod, tot ist? Das Schicksal fordert eben seinen Tribut. Von dem einen mehr, von dem anderen weniger. Ihn würde jedenfalls mal das Horoskop für Steve Jobs interessieren für diesen Monat Oktober, denkt Osswald, während er zum Arzt humpelt.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....