Oldach, Jessica: Tensistoria

Oldach

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Jessica Oldach hat ein packendes Buch geschrieben. Beklemmend, blutrünstig und spannend. Wenn sie an ihrer Sprache feilt, kann das bei der Fortsetzung des Romans, die angekündigt ist, durchaus etwas Gutes werden.

Oldach hat Fantasie im Übermaß

Die junge Autorin aus Bingen hat Fantasie; sogar im Übermaß. Das macht ihren Roman Tensistoria zu einer durchaus eigenständigen Dichtung im Dickicht der Vampir-/Fantasy-Literatur. Viele junge Autoren neigen ja dazu, Mode hinterher zu hecheln und brav so zu schreiben wie ihre große (und erfolgreichen) Vorbilder das vormachen. Immer in der Hoffnung, ein Brosame des Ruhms und der Tantiemen möge auch auf ihr Elaborat abfallen. Da haben wir dann bald eine Fülle von Epigonen-Werken, die uns fast den Spaß an dem Genre verderben.

 

Eigenständiger Vampirroman

Oldach ist anders. Ihr Vampirroman mag der Mode geschuldet sein, aber er weist starke eigene Züge auf. Damit hat sie etwas Eigenes geschaffen, ihre Seele zum Klingen gebracht und sicher so manchen Leser entzückt.
Die Heldin, eine künftige Polizistin, hat erst Gesichte, dann wird sie in die Anderwelt hineingezerrt. Das macht ihr schon in ihrer Welt das Leben ausgesprochen zur Hölle – sie sieht grauenhafte Dinge wird bedroht, verletzt, schwebt in Lebensgefahr – doch niemand glaubt ihr. Und das steigert sich zu einem Inferno, sobald sie die Parallelwelt erreicht. Nur mit Mut, Härte und Entschlossenheit hat sie überhaupt eine Chance.
Das hat wenig mit den weichgespülten Vampir-Knutsch-Käse zu tun, der gerade en Vogue ist. Dazu schreibt Oldach, die in der Ich-Form berichtet, viel zu trocken und direkt.
Das hat was und macht Spaß.

Härtere Arbeit an der Sprache

Auch, wenn sie ganze Themen des Genres variiert und fast schon persifliert – nur, um dann eine eigene Lesart draufzusetzen.
Was mir allerdings den Lesespaß etwas getrübt hat, waren viele sprachliche Lässlichkeiten und Schlampereien. Und so manche schiefen Bilder. Oft sind es nur Kleinigkeiten – aber wenn jemand „die Augen zuschlägt“, dann stellt sich mir der Kamm. Augen schließen wir – Türen schlagen wir zu. Oder „Das Geflatter der Straßenlaternen wurde immer heftiger“. Geflatter! Brrrr! Und dergleichen mehr.

Erste Fassung

Dem Roman merke ich deutlich an, dass er in seiner ersten Fassung von einer 15-Jährigen verfasst wurde – so jung war Oldach, als sie die erste Version schrieb. Die Weiterentwicklung einer Autorin verlangt es aber zwingend, mit allem noch einmal hart ins Gericht zu gehen, wenn sie später ihren Text mutig überarbeitet; und vor allem an der Sprache feilt.
Das ist hart, das ist wirklich Arbeit, aber ohne geht es auch nicht.
Zumindest hätte ich es von Lektorat des Noel-Verlages erwartet, so etwas zu tun.
Wie gesagt: Jessica Oldach hat Talent. Sogar viel Talent. Sie müsste nur vom Galopp der Fantasie in den Trab der sprachlichen Feinarbeit fallen; dann schreibt sie wirklich große Romane.

Jessica Oldach, Tensistoria, zwei Leben, Noel Verlag, ISBN 9783942802024, 14,90 Euro.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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