Mörsch, Christian, Sternschnuppenmärchen

Mörsch Märchen

Bild: pixabay.com/Alexandra

In seinen liebenswerten kleinen Geschichten lässt Christian Mörsch die Leser fliegen – auf den Schwingen der Fantasie.

Lesenswerte kleine Geschichten

Christian Mörsch legt mit den Sternschnuppen-Märchen lesenswerte kleine Geschichten vor – sie verändern die Sicht auf Gewohntes.
Wer Christian Mörsch liest, lebt gefährlich. Es braucht manchmal nur ein Buch, und man ist süchtig. Süchtig nach diesen kleinen, schwerelos daher kommenden Geschichten, die alles Bekannte auf den Kopf stellen.
Oft sind es nicht einmal wirklich tief schürfend neue Gedanken; wer hätte nicht schon von der inneren Uhr gehört und den Wunsch verspürt, mehr auf sie zu achten.

Die innere Uhr

Zu schlafen, wen man müde ist, aufzustehen, wenn man ausgeschlafen hat, zu essen, wenn man hungrig ist, damit aufzuhören, wenn man satt ist. Oder zu arbeiten, wenn einem danach ist – und nicht, wenn es anderen gefällt. Kurz, nach der inneren Uhr zu leben.? Nur leider leben die Menschen nach anderen Uhren. Das macht keinen Spaß.
Aber was witzig ist: Es macht auch den Uhren keinen Spaß; jedenfalls in der entsprechenden Geschichte von Christian Mörsch. Sie streiken. Und so merken bald alle: Es gibt Wichtigeres als das Diktat der äußeren Zeit.

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Verrückte Sachen

Christian Mörsch zieht uns mit seiner leichthändig formulierten Geschichten schnell und unentrinnbar in die Geschichten, die hinter den Geschichten liegen. So kommen wir schnell mit verrückten Sachen in Berührung – die nur auf den ersten Blick verrückt sind. Auf den zweiten sehr weise, lebenserfahren, klug. Sie deuten, ohne angestrengt eine Moral herauszuhängen, unsere Werte um. Heraus kommen neue Sichtweisen. Aber, wie gesagt, das ist das Ergebnis der Geschichten; ein Ergebnis, das uns – als Geschenk – in den Schoß fällt.

Erstarrtes freikratzen

Die Geschichten machen das einfach deutlich, weil sie manche Schicht Erstarrtes freikratzen. Wie bei einem Bild, das transparent immer wieder übermalt ist und bei dem dann Schicht um Schicht abgetragen wird, bis das ursprünglich Gemeinten und Gemalte klar hervortritt. Der Betrachter hat es schon lange schwach durchscheinen sehen – aber in seiner ganzen Klarheit und Schönheit erfährt er erst, wenn die Arbeit beendet ist. Oder hier, die Geschichte gelesen. Ja, klar, sagt sich der Leser und nickt, das hat man immer schon gewusst. Doch jetzt liegt es klar auf der Hand.
Der Leser bekommt noch etwas geschenkt. Die Geschichte selbst. Sie ist meist allerliebst zu lesen.
Ein Genuss.

Das schwarze Schaf

Die Themen sind wieder vielfältig: Der Leser begegnen Wolf Gang, dem schwarzen Schaf, das unbedingt bei der Schlag AG arbeiten will, als schwarzes Schaf aber nicht darf. Denn die Menschen, die bei der Schlaf AG Schafe buchen, um sie zu zählen und endlich einschlafen wollen, mögen keine schwarzen Exemplare. Aber Wolf Gang gelingt es, sich in die Vorstellungswelt des schwierigsten Kunden zu schmuggeln – und ist von da an der Star der Einschlaf-Schafe.

Ein Frosch findet die Liebe

Oder vom Diener Leopold, der sich der Anordnung seines Königs widersetzt und nicht gegen die Liebe impfend lässt, sondern beharrlich daran festhält. Wie an der Hoffnung, seine große Liebe endlich zu finden. Um den Häschern des Königs zu entkommen, lässt er sich von einem Zauberer in einen Frosch verwandeln. Als solcher lernt er eine Mücke kennen, die auch ein verwandelte Dame ist, die weiter an die Liebe glaubte. Die Liebe verwandelt beide zurück, das Happyend ist unausweichlich.
Die Sternschnuppen zeigen tatsächlich: das Leben ist ein Märchen. Und sie helfen, aus dem Leben das Beste zu machen.

Christian Mörsch, Sternschnuppenmärchen, Schweitzerhaus Verlag, ISBN 978-3-939475-63-7, Hardcover, 12,50 Euro. Auch erhältlich als Hörbuch für 12,50 Euro – ISBN 978-3-939475-57-6.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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