Mörsch, Christian, Schlummernde Träume

Bild: Clker.com / Melinda Kim<

 

Märchen für Jung und Alt zwischen Traum und Wirklichkeit bietet Christian Mörsch in seinem liebevoll geschriebenen und gestalteten Buch. Glück ist lesbar!

Mörschs wunderbare Märchen

Wenn wir Christian Mörschs Märchen lesen, bekommen wir eine Ahnung von einem perfekten Leben – einem Leben, das leicht schwebt, auf Zwischentöne hört, feinste Nuancen wahrnimmt und achtet. Einem Leben, das uns so sein lässt, wie wir sind – und uns dennoch mit sanften Schlägen von Feenflügeln die richtige Richtung zeigt. Damit wir noch vollständiger werden. Oder einfach glücklich.

Einfach nur glücklich sein – beim Märchen lesen

So sind diese kleinen Geschichten. Sie kuscheln sich ans Gemüt, wispern fremdartig und doch so vertraut und werden, kaum sind sie bei uns, die besten Freunde. Sie zeigen uns, wie unser Leben gelingen kann. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Die Geschichten gehören zu uns

Und das mit einer Selbstverständlichkeit, als merkten wir plötzlich: Sie gehören zu uns, sie haben uns schmerzlich gefehlt, ohne, dass wir es wussten. Doch jetzt sind sie da. Endlich. Bei uns. Gemeinsam schlummern wir ein, die Geschichten und wir und gemeinsam werden wir ganz vollständig, ganz wir.

Wir sind ganz vollständig in diesen Märchen

Und das erreichen Mörschs Geschichten gerade, weil sie so ungeziert und schlicht daherkommen. Sie sind wie sie sind und zeigen uns, wie wir alles ganz anders sehen können – in den Geschichten, in unserem Leben, überhaupt. Sie stellen unsere Sicht auf die Dinge in Frage und auf den Kopf.

Über den Schatten springen, glücklich sein

Wörter finden wir da, die ihre Bedeutung suchen und auf die Reise gehen, ein Träumender, der mit sich selbst reist und einem Licht, das, glückliche Fügung, zu ihm gehört und am Ende zu ihm findet – oder vielmehr, der Reisende findet zu seinem Licht, weil er sich das Entscheidende zutraut und über seinen Schatten springt. Oder wir lesen eine Geschichte von dem Menschen, der sein Lächeln wiederfindet.

Märchen – nie belehrend

Das alles ist in seiner Selbstversändlichkeit überwältigend und nie belehrend – das brauchen die Geschichten auch gar nicht zu sein, sie wirken durch sich selbst und ihr Beispiel.

Dem Charme dieses Büchleins werden sich kaum Leser entziehen können. Und da ist es auch herzlich egal, ob jetzt Märchenpuristen aufschreien und wieder mal behaupten, das sind doch keine Märchen, weil sie nicht mit „es war einmal“ beginnen. Müssen sie das wirklich, um ihren Zauber zu entfalten? Nein, Christian Mörsch schaut mit seinen Geschichten tiefer als es manche regeltreuen Märchenepigonen jemals können. Und nur davon, dass wir ein paar Formalia einhalten, schreiben wir noch lange keine Märchen. Schließlich ist Sprache – Gott sei Dank – keine Mathematik. Wie langweilig wäre das!

Christian Mörschs Buch jedenfalls ist ein Lesetipp für die ganze Familie.

Christian Mörsch, Schlummernde Träume, Schweitzerhaus Verlag, ISBN 978-3-939475-51-4, 144 Seiten, Hardcover, 12,50 Euro.

Bruder Lustig

Bruder Lustig ist Journalist und Autor. Am liebsten schreibt er spinnerte Geschichten für kleine und große Kindsköpfe – früher Kinderbücher und Märchen, heute Schnurren und Satiren ....

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